Platten

48 Aus 2009 (Teil 4)

(Teil 1) (Teil 2) (Teil 3) (Teil 5) (Teil 6)

Platz 23
Real Estate - Real Estate

Das beste Argument für frei verfügbare Albumstreams. Auch wenn noch so viele Leute, mit denen ich geschmacklich oft auf einer Ebene liege, schon seit Monaten über diese Band schrieben, von verstreuten Einzelsongs wollte mir ihr Appeal nicht klar werden. Das änderte sich sofort als ich mir einmal das ganze Album bei Boomkat anhörte, ich musste erst mal mit der Stimmung dieser Musik auf eine Ebene kommen. Ihre entspannte Sanftheit/sanfte Entspanntheit/entsaftete Spinat hnn lässt die fast schon countrymäßigen Stücke, die durchaus My Morning Jacket zu Lagerfeuer-Zeiten ins Gedächtnis rufen, substanzarmer und eintöniger wirken als sie sind, besonders in der zweiten Hälfte nimmt das Debüt aber dann auch genug Fahrt auf dass einem Aufmerksamkeitsschwächling wie mir diese delikaten Melodien schnell und gut munden.

[MP3] Real Estate - Fake Blues
[Stream] Real Estate - Real Estate

Platz 22
Deerhunter - Rainwater Cassette Exchange EP

An dieser Stelle ist eine kleine Unterscheidung von Nöten: Der beste Song von Bradford Cox dieses Jahr ist ohne jeglichen Zweifel Quick Canal, seine herrlich neblig-schimmerige Kollaboration mit Laetitia Sadier vom zweiten Atlas-Sound-Album. Die bessere Veröffentlichung aber kam unfairerweise in Deutschland gar nicht heraus, auf Rainwater Cassette Exchange geben Deerhunter Grund zur Annahme dass Cox mit starken kreativen Köpfen zusammen noch besser agiert als solo und beweisen mal wieder dass sie momentan eine der besten verdammten Bands auf dem Planeten sind. Fünf Stücke die ihnen so lässig von der Hand zu gehen scheinen wie sie beeindrucken, mal psychedelisch und verträumt, mal tight und nach vorne wetzend und mal, wie im Finale Circulation, beides gleichzeitig. Das soll erst mal wer nachmachen.

[MP3] Deerhunter - Rainwater Cassette Exchange
[Stream] Deerhunter - Rainwater Cassette Exchange

Platz 21
Zola Jesus - The Spoils / New Amsterdam / Tsar Bomba

Wer von den Werken Nika Danilovas nicht genug bekommen kann darf sich glücklich schätzen, dieses Jahr hat sie sich in zwei Solo- und mindestens drei kollaborativen Projekten das Gegenteil von rar gemacht. Auch ihr Hauptschaffen als Zola Jesus erstreckt sich über deutlich mehr als ihr Debütalbum The Spoils, vorher sammelten bereits die New Amsterdam- und Tsar Bomba-EPs unveröffentlichte Songs und eine Radiosession bzw. 7 neue Stücke. Auf allen drei Releases befinden sich Songs (auf den EPs u.a. Be Your Virgin, Lady In The Radiator, Last Day, Sea Talk und natürlich Rester) die zu den besten des Jahres gehören und zusammen ein überragendes Album ergeben hätten. So ergeben sich "nur" drei sehr gute Veröffentlichungen, da werde ich mich aber sicher nicht drüber beklagen. [mehr]

[MP3] Zola Jesus - Clay Bodies (von The Spoils)
[MP3] Zola Jesus - Sea Talk (von Tsar Bomba)
[MP3] Zola Jesus - Dog (live @ WFMU) (von New Amsterdam)
[Stream] Zola Jesus - The Spoils

Platz 20
Handsome Furs - Face Control

Ich hätte ja nicht gedacht dass mir mit dem zweiten Album des kanadischen Traumpaares das Gleiche passieren würde wie mit dem ersten, I'm Confused kochte auf so hoher Flamme dass ich diesmal keinen langsamen Grower erwartete. Und doch ist auch Face Control, immer wenn ich es gerade höre, ein gutes Stück besser als ich es in Erinnerung hatte. Ist nicht schlimm, nur muss man sich halt merken dass man seinem Gedächtnis nicht trauen kann. Mehr als auf dem Debüt haben es mir diesmal die abwechslungsreichen und clever arrangierten Beats angetan, das hechelnde Klatschen der Single, das unterlassungslose Pochen und die drückende Intensivierung zum Refrain hin in Hotel Arbat Blues oder das Handtrommeln in Officer Of Hearts. Dan Boeckners markant-memorable Stimme und sein Gespür für Melodien sind mittlerweile auch über jeden Zweifel erhaben, gebau so verlässlich wie die Tatsache dass man das nächste Werk der Furs im Anschluss ans kommenden Wolf-Parade-Album erwarten dürfte. [mehr]

[MP3] Handsome Furs - I'm Confused

Platz 19
Marit Larsen - If A Song Could Get Me You

Die Norwegerein wäre beinahe schon letztes Jahr hier gelandet, wenn ich da nur meinen Arsch hochgekriegt hätte um ihr zweites Album The Chase zu importieren. Aber da in dieser Sammlung so ziemlich alle ihrer besten Stücke drauf sind war's vielleicht sogar ein wenig besser so, zum Glück wurde die detailfreundliche Produktion auch nicht nochmal neu überarbeitet. Denn mit herrlichen Details geizen Larsen Songs wirklich nicht, stellenweise laufen vier oder fünf verschiedene Melodien zwischen zwei Streichern, Piano, Gitarre und Gesang zwischen denen das Ohr wandern kann, dazu gibt es auch mal Banjo oder Handclaps (Whoo!) für die mehr folkigen als orchestralpoppigen Songs. Aber das Interessante an Larsens Songs ist der Kontrast zwischen leicht-optimistischer Musik und ihren weitaus ernsteren post-adoleszenten Situationsskizzen, in denen oft noch der rationale Verstand einer Erwachsenen mit emotionalen Impulsen in Konflikt gerät, ein Thema das sie wie kaum eine andere beherrscht.

[Video] Marit Larsen - Under The Surface

Platz 18
Ben Frost - By The Throat

Was pure, bis ins Mark spürbare körperliche Wirkung angeht kam dieses Jahr keiner an Ben Frosts drittes Album heran. Extrem noisig ist By The Throat nicht, es verströmt vielmehr ein Gefühl von Unbehagen, das sich langsam heranschleicht bis man sich völlig von ihm umgeben sieht. Gleichzeitig sind Frosts mit bemerkenswerter Klarheit aufgezeichnete Kompositionen auch von einer schrecklichen Schönheit, dass man immer, wenn man sich abgeschreckt fühlen könnte, wieder darin eintauchen möchte. [mehr]

[MP3] Ben Frost - The Carpathians
[Stream] Ben Frost - By The Throat

Platz 17
Home Blitz - Out Of Phase

Ich werde genau in dem Jahr wissen, dass ich ich nix mehr von aktueller Musik mitkriege, wenn ich am Ende so eine Platte nicht in meiner Liste habe. Veröffentlicht auf nem Kleinstlabel, und das noch Ende November, ist das reguläre Debütalbum von Home Blitz (das erste war eher ne Compilation) eines das schnell in der allgemeinen Schnellsurfigkeit übersehen wird. Dabei ist es in Sachen Powerpop, Garage-Krach oder wie man es auch nennen mag rasant zu meinem großen Favoriten geworden, schnelle, kurze Songs mit Replacements-Kaputtheit, frühe-R.E.M.-Jangle, aber vor allem Hits, Hooks und einer jugendlich-manischen Energie die alles kurz vorm völligen Auseinanderfallen zusammenhält. Da gniedelt Daniel DiMaggio in einer Sekunde ein geniales Riff herunter, verläuft sich scheinbar in der nächsten völlig und stolpert dann mit Getöse in einen wilden Schepperritt hinein. Inmitten des totalen Noise-Blowouts von A Different Touch taucht aus dem Boden unerwartet ein Klavier auf, genau so kaputt verzerrt wie alles andere, und ach ja, zwei der Stücke sind irgendwelche Ambientaufnahmen deren Zweck wohl einzig und allein ist einer 8+-Wertung in respektablen Musikpublikationen zu entgehen. Wahnsinn mit ein bisschen Methode.

[MP3] Home Blitz - Two Steps

48 Aus 2009 (Teil 3)

(Teil 1) (Teil 2) (Teil 4) (Teil 5) (Teil 6)

Platz 31
Blank Dogs - Under And Under

2009 war das Jahr in dem "Blankdoggen" ein Verb wurde. Zwar eines das eher sarkastisch in Rezensionen genutzt wurde, aber nichtsdestotrotz zeigt es den Einfluss von Mike Snipers preisgünstigem Produktionsethos. Trotzdem spielt er was Longplayer angeht immer noch in einer Klasse für sich, nach anfänglichem Routinegefühl entdeckte ich bei einer Bahnfahrt unter Kopfhörereinsatz mal wieder wie die unscheinbare Oberfläche seiner Musik täuschen kann. Die oszillierenden Scooby-Doo-Synths, der Nuschelgesang, die simplen Postpunk-Anschläge bestimmen immer noch das Klangbild, sind jedoch im Vergleich zu frühen Aufnahmen dichter texturiert, präzise eingefangen und werden von Glasklirren, Summen, Bohren, Knarzen und anderen Krachsounds komplementiert. Mit der Losgelöstheit der Stimmen erhielt so eine Nachtfahrt einen unerwarteten American-Gothic-Charakter, wunderbar davon kontrastiert dass Sniper in dieser Atmosphäre völlig eingängige Popsongs unterbringt.

[MP3] Blank Dogs - Tin Birds
[Stream] Blank Dogs - Under And Under

Platz 30
Thursday - Common Existence

Ich bin kein Fan von Dave Fridmanns Produktionen. Jedenfalls nicht mehr. Irgendwann nach Hate begann mir seine innovative Klangschmiererei, besonders in Verbindung mit sinnlos steigenden Lautstärken, gehörig auf die Nerven zu gehen, soweit dass sie bei meinen Ohren mittlerweile Fluchtinstinkte auslösen. Die überraschende Ausnahme bildet dabei eine Band die ich bis vor Kurzem ebenfalls abgeschrieben hatte, nach ihrer Rehabilitation mit der letztjährigen Envy-Split brachten Thursday 2009 mindestens ihr bestes Album raus seit sie zu Jahrzehntanfang zu Screamo-Helden erkoren wurden. Der Gesamtklang ist zwar immer noch zu laut und unförmig,aber hier bringen Fridmanns Soundideen den Songs wirklich ein schönes Mehr. Dazu kommen Thursdays wiedergewonne Klopperlust, ein souveränes Spiel mit Spannung und Entladung und astrale Momente wie in Time's Arrow oder den angemessenen Streichern im zartsüßen Beyond The Visible Spectrum, in Love Has Led Us Astray wird man auch mal an Sensefield erinnert. Aber am schönsten ist es immer noch wenn wie im Finale You Were The Cancer letztendlich der Damm reißt und all die angestaute nervöse Anspannung befreiend herausbricht.

[Video] Thursday - Circuits Of Fever

Platz 29
Annie - Don't Stop / Of The Night EP

Anfangs war ich ja voll an Bord mit der "alte Songs in die Tonne kloppen, lieber frisches, noch mehr meta Material"-Strategie die Annies zweites Album trotz einem Jahr zurückliegenden Leaks nochmal auffrischen sollte, erst recht nachdem die neuen Stücke von Paul Epworth und Richard X' Songs Remind Me Of You zu meinen frühen Favoriten avancierten. Aber als ich dann die UK-Ausgabe dieses Albums mitsamt der EP hörte die die weggefallenen Stücke enthielt konnte ich schon verstehen warum die Fans in den Popjustice-Foren seitenlang darüber debattieren wie man sich aus beiden das perfekte Album basteln kann, gerade die vorhersehbaren Produktionen von Xenomania (Loco ist nicht schlecht, klingt aber fast genau so wie das bereits ein paar Jahre alte, bessere Xenomania-Stück Long Hot Summer) hätte ich nur zu gern mit den herrlichen Singles I Know Ur Girlfriend Hates Me und Anthonio ersetzt gesehen, oder auch mit dem NDW-igen I Can't Let Go, einem der spaßigsten Duette seit dem der 1990s mit Lovefoxxx. Aber letztendlich ist es ja nicht mein Verlust, mit beiden Scheiben zur Hand kann ich mich zur Not selbst unter die Albumbastler begeben. [mehr]

[Video] Annie - Songs Remind Me Of You (von Don't Stop)
[Video] Annie - I Know Ur Girlfriend Hates Me (von Of The Night)

Platz 28
Nite Jewel - Good Evening

Im Verlauf ihres Debütalbums präsentiert Nite Jewel innerhalb ihres schon ziemlich runden Soundprofils eine angenehme Vielfalt: Universal Mind klingt wie ein verlorenes Kleinod eines leicht kitschigen 80er-Teenromanzen-Soundtracks, Chimera wie ein frustriert auf der Stelle tretender Tänzer im Silberlicht. In Artificial Intelligence duellieren sich, das technologieskeptische Thema reflektierend, lebendig vorangeklatschte Synthwolken mit robotisch-monotonen Blubberblasen, auf dem finalen, herrlich schimmernden Roxy-Music-Cover Lover schließlich ähnelt Gonzalez' Stimme mit einer bis dahin seltenen Fülle und Tiefe gar einer jungen Madonna. Anstrengend komplex wirken ihre Stücke nie, dafür sind alle mühelos abzählbaren Elemente bestens aufeinander abgestimmt und strahlen über allen Lo-Fi-Sound hinaus vor allem Eleganz aus. Eine richtig schöne kleine Sensation. [mehr]

[MP3] Nite Jewel - Weak For Me
[Stream] Nite Jewel - Good Evening

Platz 27
Fight Like Apes - Fight Like Apes And The Mystery Of The Golden Medallion

Die nicht enden wollenden Kette von "tollen Bands die mal mit Los Campesinos! gespielt haben" setzte sich auch dieses Jahr fort, beginnend mit dem Debüt dieser Iren. Die waren zwar schon etwas früher in diesem Rahmen empfohlen worden, doch so richtig bekamen sie ihren Keyboards-statt-Gitarren-Sound erst hier auf die Reihe, und schon entfalteten die durch Essen, Wrestling und obskure britische Popkultur gefilterten Songs ihre volle vergnügende Wirkung. Nach einer mächtigen Frontladung lässt die zwar ein wenig nach, aber Sängerin May-Kay, klarer Star dieses Affentheaters, lässt mit ihrer stimmlichen Bandbreite von emotionalem Tiefgang bis wüstem Screamo-Ausbruch keine Eintönigkeit aufkommen. Und eine 12sekündige Melt-Banana-Hommage kann man ja sowieso nur gut finden.

[Video] Fight Like Apes - Tie Me Up With Jackets
[Stream] Fight Like Apes - Fight Like Apes And The Mystery Of The Golden Medallion

Platz 26
Meanderthals - Desire Lines

Die Grenze zwischen Entspanntheit und Eintönigkeit ist ziemlich dünn, und zunächt war ich mir gar nicht mal so sicher ob sie hier nicht überschritten wurde. Aber gerade über ihre etwas längere Spieldauer entfalten das kreisende Akustikgitarrenspiel und die verzahnten Rhythmen mehr als ein Gefühl der Losgelöstheit, je tiefer man in die Musik eintaucht desto klarer werden ihre Feinheiten, desto fesselnder ihre Konstruktion. Aber wenn man will kann man sie auch einfach in ihrer ganzen oberflächlichen Schönheit genießen. [mehr]

[MP3] Meanderthals - Kunst Or Ars
[Stream] Meanderthals - Desire Lines

Platz 25
Eat Skull - Wild And Inside

Mit einem Altersdurchschnitt der mit einer 3 an der Zehnerstelle beginnen dürfte sind die Mitglieder von Eat Skull gewiss nicht die jungen Wilden unter den Krachmachern, in zahlreichen Projekten wie The Hospitals sind sie schon seit Jahren mit niedrigfideligem Klang unterwegs. So zeigen sie auf diesem zweiten Album aus einer angemessenen Erfahrungsdistanz Humor, (Selbst)referentialität und das Wissen, keinem mehr etwas beweisen zu müssen, öffnen sich der Gemütlichkeit, melancholischer Emotionalität (in Form der wunderschönen Spätsommerstrahlen Dawn In The Face und Oregon Dreaming) und schaffen vielleicht die erste unter den jüngeren Shit-Fi-Platten, zu der man auch kuscheln kann. [mehr]

[MP3] Eat Skull - Stick To The Formula
[Stream] Eat Skull - Wild And Inside

Platz 24
The Pains Of Being Pure At Heart - The Pains Of Being Pure At Heart / Higher Than The Stars EP

Ein bisschen fühl ich mich, als hätte ich vom ersten Tag an darauf gewartet dass diese Band mal auf die Fresse fällt, denn langsam wird das schon gespentisch. Von der ersten EP an machten die Pains irgendwie alles richtig, schieben ihren zwar altbekannten, aber passenden Sound auch langsam in neue Richtungen (die dominanten Synths und der Smiths-Gesang auf der neuen EP) und kommen vor Allem immer wieder mit sanften, 1A Ohrwürmern an. Irgendwann werden sie so auch noch den letzten Skeptiker auf dem Planeten überzeugt haben, ich selbst hab vor ein paar Monaten aufgegeben. [mehr]

[MP3] The Pains Of Being Pure At Heart - Come Saturday (von The Pains Of Being Pure At Heart)
[MP3] The Pains Of Being Pure At Heart - Higher Than The Stars (von Higher Than The Stars)
[Stream] The Pains Of Being Pure At Heart - The Pains Of Being Pure At Heart
[Stream] The Pains Of Being Pure At Heart - Higher Than The Stars EP

48 Aus 2009 (Teil 2)

(Teil 1) (Teil 3) (Teil 4) (Teil 5) (Teil 6)

Platz 40
Micachu - Jewellery

Ein bemerkenswertes Gespür für songwriterische Ökonomie zeigt die Britin Mica Levi - ab und zu unterstützt von ihrer Band The Shapes - auf ihrem Debütalbum. Hier wird keine Sekunde zu lange verweilt, es geht rein in den Song, je nachdem wird das Strophe-Refrain-Schema genau so oft wiederholt wie es muss, ein-, zwei- oder auch keinmal, und schon geht's auch wieder raus ohne dass man sich geschmälert fühlt oder eine Idee unangemessen überstreckt wurde. Transportiert werden diese Ideen von einem idiosynkratischen, scheinbar klapprigen Instrumentarium bestehend aus u.a. Schrammel-Ukulele, Glockenspiel und Bohrmaschine und Electro-Loops das sich mit jedem Hören als ebenso clever inszeniert herausstellt wie Levis seltsame, aber verdammt eingängige Melodien.

[MP3] Micachu - Lips
[Stream] Micachu - Jewellery

Platz 39
Jay Reatard - Watch Me Fall

Genug Material hat das Garagepop-Genie offenbar jederzeit zur Hand, davon zeugen vier Solo-Longplayer in genau so vielen Jahren. Trotzdem ist Watch Me Fall, nach zuletzt zwei Sammlungen von Single-und EP-Veröffentlichungen, streng genommen Jay Reatards erstes Studioalbum seit dem Überwerk Blood Visions und leidet vielleicht auch deswegen ein wenig im Vergleich, nichtsdestotrotz schüttelt er auch hier wieder Hooks en masse aus dem Ärmel. Das Kleid frenetischer Punksalven haben seine Popsongs mittlerweile größtenteils abgelegt, immer mehr Akustikgitarre macht sich breit und auch Reatard selbst bellt seltener als dass er ein sanftes "Ba-Ba-Ba" intoniert und zum Finale bereichert ein Cello das ohnehin herrliche Falsett von There Is No Sun. Wer hätte gedacht dass der Mann auch Traumstunden auf Lager hat?

[MP3] Jay Reatard - It Ain't Gonna Save Me
[Stream] Jay Reatard - Watch Me Fall

Platz 38
Sky Larkin - The Golden Spike

Beinahe hätte ich diese Platte vergessen, da ich die Rezension dazu schon Ende letzten Jahres verfasst hatte hatte ich sie nämlich mental auch unter 2008 abgelegt, aber hier war mein anales Sortieren und Durchhören aller Platten des Jahres prä Listenerstellung mal echt zu was nütze. Und nachdem ich es länger nicht mehr gehört hatte stellte sich The Golden Spike erfreulicherweise als noch besser heraus als ich es in Erinnerung hatte, flotter, druckvoller Indierock (der längst nicht so britisch klingt wie der ihn begleitende Gesang) wie man ihn dieser Tage nur noch selten zu hören bekommt. Jetzt wo ich's mir überlege, jau, Sky Larkin würden perfekt ins Vorprogramm von Pavement passen. [mehr]

[MP3] Sky Larkin - Molten
[Stream] Sky Larkin - The Golden Spike

Platz 36 & 37
Permanent Vacation - Selected Label Works No. 1 / Milky Disco 2 - Let's Go Freak Out

Gewiss, Mixe und Compilations gibt es wie Sand am Meer, jeder kann in welcher Qualität auch immer mit großer Freiheit gewählte Zusammenstellungen zackig auf Rapidshare hauen, oder auch die Werke der Profis bei RA, Fact & Co umsonst runterladen. Was machten also diese beiden käuflichen Zusammenstellungen das sie darüber hinaus hob? Nun, zweierlei: Im Falle von Permanent Vacation stellte ein Label ohne Geschmacksverirrungen ganze 2 Cds mit seinen Veröffentlichungen der letzten Zeit zusammen (unter denen mir sogar die bislang unbekannten von 40 Thieves und Good Guy Mikesh & Filburt am besten gefielen), weniger als einen kontinuierlichen Mix als eine Sammlung die von der stilistischen Verwandschaft dieser Hits aus der Emo-Disco lebt. Einen anderen Weg wählte die ebenso großartige Milky Disco 2, in einem kontinuerlichen Fluss geht es hier von Sandstrand-Vibes über krautinjizierte Experimentalität, Schlafzimmer-Disco und Sternenflüge einmal quer durch so ziemlich alles was mir jenseits von Gitarrenmusik in den letzten paar Jahren gefallen hat, und das auf einem durchgängigen Niveau dass ich hier genau so oft reinhörte wie in ein gutes Album - und öfter als in jeden runtergeladenen Mix.

[Stream] Milky Disco 2 - Let's Go Freak Out

Platz 35
Swan Lake - Enemy Mine

Manchmal hilft es mir, eine Platte im Vergleich oder gar in Opposition zu einer anderen zu hören, dann werden manche Qualitäten schnell klarer. In diesem Falle war mir das zweite Album von Swan Lake, der gemütlich-freundschaftlichen Zusammenkunft der Herren Mercer, Krug und Bejar, nach ihrem imposanten Beast Moans zunächst etwas unbedeutend erschienen. Direkt nach einem vorhergehenden Anhören von Veckatimest wirkte die bislang zu müde, gefasste Platte allerdings wie ein Hardcore-Brett und ist seitdem auch stetig in meinen Ohren gewachsen. Das wohlgemerkt nur weil ich ohnehin allen Akteuren positiv zugewandt bin, auch hier drücken alle trotz angeblich intensiviertem Kollaborationsaspekt "ihren" je drei Stücken deutlich den persönlichen Stempel auf, angefangen mit ihren charakteristischen Stimmorganen, und so wird man diesem Album auch nur soviel abgewinnen können wie allen drei zusammengenommen. Bejars Beiträge gefallen mir sogar am besten, er ist für die poppige Seite verantwortlich zwischen der und Spencer Krugs Waldschrat-Folk (u.a. einer Alternativversion des auch auf Dragonslayer zu findenden Paper Lace) Carey Mercer das manisch-melodische Bindeglied gibt, besonders schön zu hören auf dem finalen Warlock Psychologist .

[MP3] Swan Lake - Spanish Gold, 2044
[MP3] Swan Lake - Spider
[MP3] Swan Lake - A Hand At Dusk

Platz 34
Times New Viking - Born Again Revisited

Es zieht sich wie ein Mini-Thema durch diese Liste, wer seine frühen Aufnahmen noch in (absichtlich) rauem Sound hielt wird mit der Zeit milder, harmoniesüchtiger. Auch Times New Viking schienen dieser Entwicklung bislang zu folgen, auch wenn seine penetrant komprimierte Produktion auf Rip It Off mehr denn je mit glorreichen Hörschäden drohte war es vor zwei Jahren das bislang eingängigste Werk des Trios. Dessen viertes Album nun zeigt sich zwar lautstärkenmäßig tatsächlich sanfter, auch findet sich hier eine neue melancholische Sänfte z.B. in Form des zart-verwundbaren These Days oder des in Klang gefassten Fluchtinstinkts Move To California, an anderer Stelle aber zeigen sich TNV punkig wie seit ihren Anfängen nicht mehr, rotzen einem I Smell Bubblegum und die thrashende Finalskizze Take The Piss entgegen und lassen dazwischen mehr denn je vermuten dass sie auch mit leichter Verspätung von The Velvet Underground zur Bandgründung inspiriert wurden.

[MP3] Times New Viking - No Time No Hope
[Stream] Times New Viking - Born Again Revisited

Platz 33
Lindstrøm & Prins Thomas – II

Das zweite gemeinsame Album der Norweger fand ich ja schon anfangs sehr gut, aber seitdem ich es dann mal mit Kopfhörern probierte bin ich ordentlich darin verknallt. Es ist als hätten die Meister der Kosmik versucht jede Sekunde dieser Scheibe mit Ideen zu füllen die sich bis ins fein heraushörbare Detail erstrecken, das funktioniert sowohl in Einzelportionen wie auch als ein gewaltiger, anfangs zugegeben kaum überschaubarer Trip. Besonders schön war es im Sommer so zu tun als würde man den beiden auf dem Balkon nebenan beim lustvollen, epischen Jammen lauschen, oder auch beim geplanten Spielen, wer weiß das schon genau, ist ja auch völlig egal wenn es so gut die Synapsen zum Tanzen bringt.

[Stream] Lindstrøm & Prins Thomas - II

Platz 32
Patrick Wolf - The Bachelor

Wenn ich nicht ziemlich gut wüsste, dass der Mann sich nicht in seine Kunst reden lässt, würde ich Patrick Wolf ja vorschlagen beim nächsten Album anstatt mit Alec Empire mit Kate Bush zusammenzuarbeiten. Denn während die beiden Stücke mit Digital-Hardcore-Tünchung mir trotz überragender Livedarbietung im Albumkontext nicht so recht zusagen gehören die Bushigsten Momente zu den klaren Highlights auf The Bachelor, wenn sich in The Sun Is Often Out der Songtitel musikalisch manifestiert oder Tilda Swintons Stimme die ohnehin camp-überhöhte Theatralik des Albums unterstreicht. Bin aber auch schwer gespannt was die zweite Hälfte des Albums bringen wird, damit dürfte man ja schon in der kommenden Jahreshälfte rechnen können.

[Video] Patrick Wolf - Hard Times

48 Aus 2009 (Teil 1)

(Teil 2) (Teil 3) (Teil 4) (Teil 5) (Teil 6)

Platz 48
Mono - Hymn To The Immortal Wind

In den letzten Jahren waren die vier Japaner – stellt man mal 65daysofstatic in die eigene Abteilung die sie verdienen – die einzigen, die mich noch davon abhielten, epischem Instrumentalrock (the genre formerly known as Post Rock) gelangweilt gegenüber zu stehen. Auf diesem, ihrem fünften bzw. sechsten Album, setzten aber auch bei mir erstmals Ermüdungserscheinungen ein. Der Sound sollte eigentlich, dank einem Vielfachen der bisherigen orchestraler Begleitung, breiter und prachtvoller sein, aber bis auf den letzten, tatsächlich sehr prachtvollen Song der sein Potential zu instrumentalem Grandeur voll ausnutzt, wirken die Stücke auch dank zu vorhersehbarer Melodien merkwürdig klein und flach. Wenn sich nicht mit Steve Albini der selbe Mensch wie zuvor hinter den Studioreglern befunden hätte hätte ich glatt darin die Ursache gesucht, live sind Mono nämlich immer noch eine Naturgewalt.

[MP3] Mono - Ashes In The Snow
[Stream] Mono - Hymn To The Immortal Wind

Platz 47
Pet Shop Boys - Yes

Die Rückkehr der Pet Shop Boys kam zu einem nahezu perfekten Zeitpunkt.Gerade hatte ich mir erst über meine neue Lieblingsband zu Jahresbeginn, The Tough Alliance, das grandiose Schaffenswerk von Saint Etienne richtig zu erschließen begonnen, und da passten nach meiner Theorie die Boys ebenso gut ins Bild. Zudem hatten Girls Aloud gerade auch mit dem von PSB verfassten The Loving Kind ihre herrlichste Single seit Längerem rausgebracht, eine Zusammenarbeit mit der britischen Pop-Entität Xenomania die sich auch in der Arbeit am neuen PSB-Album fortsetzte. Doch vielleicht waren gerade damit auch meine Erwartungen schon zu hoch gelegt, weder ans hohe Euphorieniveau der Schweden (obwohl Pandemonium mit seinem Marschbeat und Oooh-Jubeln auch so was von ein Tough-Alliance-Song sein könnte) noch an The Loving Kind kommt Yes je heran, und wegen des Absackers in der Mitte dürfte es auch ein Album bleiben das mir nach anfänglicher Euphorie nicht mehr oft in den CD-Spieler kommt.

[Video] Pet Shop Boys - All Over The World
[Stream] Pet Shop Boys - Yes

Platz 46
The Thermals - Now We Can See

Keine Frage, The Thermals werden nicht jünger. Auch auf Now We Can See wird das Tempo öfter gedrosselt als voll auf die Tube gedrückt wird, dafür wird mit aufgeputschtem Gitarrensound das Dynamik-Loch gut gefüllt. Und das Songwriting haben Kathy und Hutch gewiss nicht verlernt, trotz der gewohnt kleinen Akkordpalette dem eingängigen Powerpop auch neue Nuancen hinzugefügt, wie beim ungewohnt gefühlvollen How We Fade mit Mini-Gesangsverein im Hintergrund oder beim etwas-über-Midtempo-Ohrwurm I Let It Go, wo hier früher vor der 3minutenmarke Schluss gewesen wäre reißen die Thermals das Ruder noch einmal machtvoll rum und preschen zum kräftigen Finale voran. Es muss halt nicht immer wahnsinnige Geschwindigkeit sein.

[MP3] The Thermals - Now We Can See

Platz 45
The Paper Chase - Someday This Could All Be Yours (Part 1)

Ah, The Paper Chase. Wer sonst hat eine derartige Freude am Harmoniebruch (wie hierauf z.B. in This Is A Rape), hat Songs die wirken als wären sie auseinander gefallen und nicht ganz richtig wieder zusammengesetzt worden, kann ein Album über Katastrophen inklusive eines halben Pfunds Blasphemie machen und das Ganze dann doch dermaßen schön und enthusiastisch klingen lassen? Egal ob man in der Diskordanz von What Should We Do With Your Body (The Lightning) quiekende Schweine und schreiende Menschen raushört oder die Geigen in The Laying Of Hands The Speaking In Tongues (Mass Hysteria) hysterisch anschwellen, irgendwie möchte man doch fast schon mitsingen. [mehr]

[MP3] The Paper ChaseWhat Should We Do With Your Body (The Lightning)

Platz 44
Mi Ami - Watersports

Ich müsste es nochmal nachgucken um sicher zu sein, aber spontan würde ich sagen dass mein Lieblingskonzert 2009 das von Mi Ami war. Das Trio mit dem aufregendsten Punk/Hardcore-Entwurf seit – nun, seiner Vorgängerband Black Eyes halt – erinnert mit harschem Gitarrengefetze und dem manisch bis panisch hohen Gesang von Daniel Martin-McCormick mal wie ein verstärktes Echo von ganz frühen The Rupture, anderswo mit langen, elektronisch durchzogenen Dubmeditationen wie ein höchst originelles Update später The Slits, fern jeglicher Hardcore-Klischees dank eines ungemein blubbrigen Basssounds (der sich auch gern mal auf Funkausflüge begibt) und einer komplexen Polyrhythhmik die man eher von einem oktopus denn einem menschlichen Drummer erwarten würde. Auch wenn Mi Amis – wegen des überraschenden Untergangs von Touch & Go vielleicht ähnlich hektisch wie bei ihren Kollegen Crystal Antlers zustande gekommenes – Debüt die schiere Intensität ihres Liveauftritts nicht wiedergibt, ein vielversprechender Anfang ist es allemal, allzu lange wird man auf Nachschlag auch nicht warten müssen. [mehr]

[MP3] Mi Ami - New Guitar

Platz 43
Love Is All - A Hundred Things Keep Me Up At Night

Es ist mir ja unglaublich peinlich wie lange ich gebraucht habe um die Melodie von Wishing Well als die von The Cleans Tally Ho zu identifizieren. Den Schweden von Love Is All ist das aber gewiss nicht anzukreiden, die dürften das garantiert nicht als absichtlichen oder zufälligen Diebstahl, sondern als liebevolles Zitat gemeint haben, so versiert wie sie in der Indiepop-Geschichtsschreibung sind. Außerdem hat ihr zweites Album noch Einiges mehr an eigenerem Material zu bieten, ein gutes Dutzend flotter, kurzer Songs mit nervösen Dynamiken, Melodica-Melodien und einem No-Fi-quietschenden oder melodisch langgezogenen Saxophon. Ein wenig erwachsener, nicht so chaotisch wie ihr Debüt, aber nicht glattgebügelt (weil sie die auf Weisung ihres Labels hin polierten Songs in die Tonne kippten) sondern voller unperfekter musikalischer Momente, wie dem zaghaften Duett in A More Uncertain Future, und persönlicher Ungewissheit über das Nachtleben und was danach kommt.

[Video] Love Is All - Wishing Well

Platz 42
HEALTH - Get Color

Das Debüt des L.A.-Quartetts war 2007 so eines das bei mir unter "vielversprechend, aber mal abwarten" rangierte. Die Boredoms-Verbindung von hektischen, verflochtenen Drum-Eskapaden und glänzenden Noise-Sounds hatten sie ohne Frage damals schon drauf, so richtig haben sie ihre disparaten Elemente, zu denen auch ihr ätherischer Gesang zählt, aber erst auf diesem zweiten Album zusammengebracht. Neonfarben verzerrte und so gar nicht "rocken" wollende Gitarren schwingen und schnappen nach davongalloppierenden Beats, sirrende Wellen schwingen von Wand zu Wand, meditativ repetitieren sich die Rhythmen und fast schon erhaben inmitten des ganzen Heidewitzkas schwebt eine klare, aber nicht am Boden haften wollende Stimme. Trotz aller Drückender-Lärm-Assoziationen die einem spontan durch den Kopf gehen stellt sich beim Hörenden dabei ein etwas anderer Effekt ein, ein Gefühl angeregter Gebanntheit, als blickte man einem Tiger der hinter einer Glaswand tobt direkt ins Auge.

[MP3] HEALTH - Die Slow
[Stream] HEALTH - Get Color

Platz 41
The Mayfair Set - Young One

Mike Snipers Musik war schon immer sehr kompatibel mit (vermeintlich) "femininen" Stimmen. Anfangs pitchte er dabei seine manchmal ohnehin schon gender-ambiguös verzerrte Stimme nach oben, was die anfangs ohnehin mysteriöse Aura um sein Geisterpop-Projekt Blank Dogs nur verstärkte. Auf dessen diesjährigen Album Under And Under waren, meist aber eher im Hintergrund, die Vivian Girls zu hören, und nun hat Sniper mit der ebenfalls vor allem für ihre Soloproduktionen (als Dum Dum Girls) bekannten Kristin Gundred gleich genug Material für diese ansehnliche EP aufgenommen. Darauf treffen Snipers Mope-Genuschel und sein gruftiger Postpunk auf Gundreds von Motown und Spector beeinflussten California-Schrammelpop und Girlgroup-Gesänge, Echo und kaputter Gesamtklang sind noch der größte gemeinsame Nenner der beiden. Das Ganze klingt überraschenderweise nicht nur wie eine Verbindung des vermeintlich Unvereinbaren, da beide einander genügend Freiraum einräumen und sie im Wechselgesang eine faszinierende Stimmdynamik entwickeln funktioniert es auch verdammt gut.

The Mayfair Sets Myspace

Nite Jewel - Good Evening


Das ist was für die Abendstunden. Der Beat schlurft so verzogen dass man sich manchmal schon vergewissern muss ob er überhaupt noch da ist, der Gesang hallt so spärlich-schläfrig aus der Ferne dass man jederzeit erwartet er könne plötzlich gänzlich den Raum verlassen. Auf Good Evening, dem ersten Album von Nite Jewel, ist der Titel Programm. Der Künstlername jedoch mag irreführen: Obwohl sie ihre erste Single auf Italians Do It Better veröffentlichte steht Ramona Gonzalez ganz alleine hinter dieser Musik, anders als bei den ebenfalls von Frauenstimmen getragenen anderen IDIB-Acts Glass Candy, Chromatics und Farah hatte Johnny Jewel hier mal nicht seine Finger im Spiel.

Trotzdem passte What Did He Say bestens in die perfekt imperfekte Spiegelkugel-Ästhetik des Labels, eine mit Vintage-Equipment zusammengestellte verrauschte 8-Track-Aufnahme die so herrlich melancholisch funkelte dass man sie nicht vom besten Studio der Welt aufpoliert gewünscht hätte. Ähnlich spärlich geht es auf den übrigen Stücken von Nite Jewels Debütalbum zu, selten richtig langsam und selten richtig schnell taumelt Gonzalez' Stimme stets halbwach über eine süße Melodie nach der anderen, erweckt die minimalen Synthpop-Träume einer Dancepop-Diva nach Feierabend zum Leben.

Im Verlauf des Albums präsentiert Nite Jewel innerhalb ihres schon ziemlich runden Soundprofils eine angenehme Vielfalt: Universal Mind klingt wie ein verlorenes Kleinod eines leicht kitschigen 80er-Teenromanzen-Soundtracks, Chimera wie ein frustriert auf der Stelle tretender Tänzer im Silberlicht. In Artificial Intelligence duellieren sich, das technologieskeptische Thema reflektierend, lebendig vorangeklatschte Synthwolken mit robotisch-monotonen Blubberblasen, auf dem finalen, herrlich schimmernden Roxy-Music-Cover Lover schließlich ähnelt Gonzalez' Stimme mit einer bis dahin seltenen Fülle und Tiefe gar einer jungen Madonna.

Komplex wirken ihre Stücke nie, dafür sind alle mühelos abzählbaren Elemente bestens aufeinander abgestimmt und strahlen über allen Lo-Fi-Sound hinaus vor allem Eleganz aus. Eine richtig schöne kleine Sensation, besser kann man den warm andämmernden Abend derzeit nicht begrüßen.

[MP3] Nite Jewel - Weak For Me
[Video] Nite Jewel - Artificial Intelligence

70 aus 2008 Teil 10

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Platz 7
Jay Reatard – Matador Singles 08

Dieser Text wird weitaus kürzer wenn ich einfach die weniger guten Songs auf Matador Singles 08 hervorhebe, nämlich lediglich das Deerhunter Cover Fluorescent Grey stört mit seinem psychedelischen Abdriften den Fluss einer perfekten Songsammlung die, obwohl ursprünglich in 6 einzelnen Singles erschienen, auch als Album funktioniert. Es ist als hätte Reatard eine Goldader voller poppiger, ultracatchiger Garagepopnummern entdeckt die er hier genüsslich ausmint. Die erste Hälfte geht bei aller Akustikgitarre noch in etwas punkigere Gefilde, am aufregendsten finde ich aber mittlerweile den Schlusslauf der Songs nachdem Reatard auf D.O.A. seine beste Frank-Black-Imitation raushängen lässt. No Time wendet sich melancholisch ins Introspektive (“It seems I never have the time to make my mind feel fine”) und das perfekt produzierte I'm Watching You ist einer dieser Songs den man gerne 10mal am Stück hört.

[MP3] Jay Reatard - Always Wanting More

Platz 6
Lichter – Lichter

Ein bisschen überrascht bin ich schon dass Lichter ganz so weit hier oben stehen, aber ich weiß halt erst was ich am meisten mag wenn ich mal alle Platten miteinander hörverglichen habe. Und da kam das Debüt der Band, die mich vom ersten Konzert an begeistert hat, eben noch besser weg als ich gedacht hatte. Seit den Toco-Alben um die Jahrtausendwende haben deutsche Texte nicht mehr so zu mir gesprochen wie diese, die Nähe von Persönlichen und Politischen wird nur allzu deutlich wenn Amphetamin (“Ich finde keine Ruhe mehr in dir”) hier neben Ich Bleibe Ruhig (“Diese Welt ist nicht mehr für uns reserviert. Alle Plätze belegt und nichts garantiert. Unsere guten Ideen billig und ausstaffiert und wer kann hier noch sagen wer gewinnt, wer verliert”) steht.
Musikalisch entwickeln Lichters Stücke aus vermeintlich vorhersehbaren Anfängen herliche Eigendynamik, vom Wechselspiel der Stimmen und Instrumente erzeugen sie Texturen für das Platz mit seiner Motivvariation ein Paradebeispiel ist. Was andere lediglich als Novum oder plumpe Rockgeste nutzen würden, wie den Breakbeat in Radar oder den instrumentalen Ausbruch später im selben Stück, wird hier zur denkwürdigen Klangfläche umfunktioniert. Und wem das so ausgedrückt zu kopfig klingt sei versichert dass die größte Qualität von Lichters Musik ihre Seele ist.

[MP3] Lichter - Leerer Raum

Platz 5
Los Campesinos! – Hold On Now, Youngster...

Die Sticking Fingers Into Sockets-EP war wahrlich nur ein Vorgeschmack, dieses Jahr packten die tweereichen Sieben ihre Songs in ein zunächst wunderbar überwältigendes Album, quasi als Gegenteil eines Growers, dessen Qualitäten sich erst langsam herausschälen, wurde man wenn man unvorbereitet war von der gebündelten Freude von Hold On Now, Youngster... geradezu erschlagen. Und so sehr sie sich auch für andere Bereiche des Lebens zu naiver Romantik oppositioniert zeigen (Since We Became Accelerated Readers oder noch offensichtlicher This Is How You Spell “HAHAHA, We've Destroyed The Hopes And Dreams of A Generation of Faux-Romantics” das diesen Satz großartigerweise tatsächlich als Refrain hat) strömt die Liebe zum Leben als Musikfan aus allen Ecken dieser Platte, mit Knee Deep At ATPs Erzählung einer Festivalerfahrung zu Across The Sea-Weezer-Parallelen, der Kritik an Sexismus Marke NME ...And We Exhale And Roll Our Eyes In Unison, der Durchdachtheit des Albums mit großartiger Sequenzierung (You, Me, Dancing als Zentrum und Sweet Dreams, Sweet Cheecks ist einfach die perfekte Wahl als Finale und hatte ein Dreivierteljahr vorher auch schon als Demo eines meiner Mixtapes beendet) und natürlich einem Bonustrack. Eine Band die man sich nicht besser hätte ausdenken können.

[MP3] Los Campesinos! - Death To Los Campesinos!

Platz 4
The Long Blondes – “Couples”

Zu den bedauerlichsten Vorfällen des Jahres gehörte der Schlaganfall der Dorian Cox' musikalische Aktivitäten zu einem vorläufigen Ende brachte, dabei hatten The Long Blondes gerade erst angefangen ihr volles Potential zu entfalten. Auf ”Couples” streckte die Band gleich in mehrere Richtungen ihre Fühler aus, ob mit dem PIL-mäßigen Round The Hairpin, der Todesdisco Century oder dem heimlichen Star am Ende, meinem meistgehörten Song des Jahres, I'm Going To Hell. Ausführlichere Gedanken zu dieser Platte hab ich noch mehr, viel [mehr]

[MP3] The Long Blondes - Guilt

Platz 3
Wolf Parade – At Mount Zoomer

Wenn ich nicht schon vorher davon überzeugt gewesen wäre dass At Mount Zoomer Wolf Parades Erstling in praktisch nichts nachsteht hätte das der Liveauftritt Anfang des Monats erreicht. Da schien es egal ob das nächste Stück von Kanadas bester Band nun alt oder neu war, immer schwang da dieses zauberhaft Großartige mit das den Songs innewohnt. Deutlich wurde da auch wie markant des abwesenden Hadji Bakaras unsichtbare Soundmanipulationen besonders in Kombination mit Spencer Krugs Synthwerkeln für die Musik geworden sind, Language City wurde z.B. ohne das kristallene Funkeln im Hintergrund atmosphärisch ordinärer. Der Essenz der Songs kann das jedoch nicht schaden, denn Wolf Parade bleiben weiterhin vor allem eine Rockband und auf der Basis ihrer beiden Songwriter wirken sie derzeit einfach unschlagbar.

[MP3] Wolf Parade - Language City

Platz 2
Air France – No Way Down (UK-Version)

Westküstensommer die sechste und beste. Die britische Version von No Way Down enthält neben der gleichnamigen EP auch die vorherige On Trade Winds-EP und damit schon fast das bisherige Gesamtwerk des Duos aus Göteborg. Von all der tollen Musik die derzeit aus dieser Stadt kommt ignoriert die von Air France die Gesetze der Schwerkraft am meisten, zog 2008 nichts in höhere Höhen. Ätherische Stimmen die selten singen, öfter bloß flüstern, seufzen, hauchen, schweben über oft genauso körperlos wirkenden Stücken die aber alles andere als bloßes Ambiente sind. Viel zu substantiell und catchy wirkt es wenn in Collapsing At Your Doorstep (der Nationalhymne des Landes wo Milch und Honig fließen) die Melodie beim zweiten Mal leiser angestimmt wird, auch drumherum alles leiser schlägt, nur um dann wieder mit voller Wucht und wilden Geigen durchzubrechen. Anderswo rasen die Percussions auf Caribien, plätschert Wasser an eine tropische Beach Party, läuten Kirchenglocken zur Windmill Wedding dass es sich gleichzeitig immens und völlig unbeschwert anfühlt. Dass die folgenden Lyrics bestimmt in der Hälfte aller Rezensionen dieser Platte zitiert werden beweist dass Air France auch bestens wissen was sie da geschaffen haben: “Sorta like a dream, isn't it? - No, better.”

[MP3] Air France - Collapsing At Your Doorstep

Platz 1
Gang Gang Dance – Saint Dymphna

Anders als noch 2007 kam ich mir dieses Jahr fernab vom kritischen und populären Konsens vor, interessierte mich mehr für die musikalischen Ecken die nur hier und dort mal angerissen wurden und für nur wenige der Alben die auf jeder Liste aufzutauchen schienen. So sind dann auch für mich nicht TV On The Radio die New Yorker Band der Stunde sondern Gang Gang Dance, und das nicht nur weil die ein Album hingelegt haben das so exquisit produziert ist dass man jeden Klang auf seiner eigenen Ebene kristallklar definiert raushören kann, jedes Schimmern, jeden Bass-Sound, jedes perkussive Schnappen.
Das ist nur das Mittel um das atemberaubend schöne Stilamalgam von Saint Dymphna, das sich in allen Ecken der weltweiten Musikgeschichte zu bedienen scheint, voll auszuschöpfen. In seiner Komplettheit und Frische erinnert mich der Sound gar an Disco Inferno, gleichzeitig fließt das Album abwechslungsreich wie ein Mixtape mit den Übergängen vom shoegazigen Vacuum zur Grime-Nummer Princes, die Dubstep-Sounds von Inners Pace und Afoot mit , dem Elektrotraum House Jam, das von glitzernden Synth-Wasserfällen durchzogene First Communion oder das herrlich dichte Desert Storm. Gang Gang Dance existieren mit Saint Dymphna in einem eigenen Kosmos der stets für alle äußeren Einflüsse offen ist, ein wahres Album von Welt.

[MP3] Gang Gang Dance - House Jam

70 aus 2008 Teil 9

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Platz 14
Johnny Foreigner – Waited Up Til It Was Light

Birmingham ist vielen Berichten zufolge die langweiligste Stadt Englands. Johnny Foreigner, die in den wenigen Tagen die sie dieses Jahr nicht tourten dort leben, können davon mehr als ein Lied singen: “Why'd you want to live here if there's nothing but housing?” heißt es zum Beispiel in Cranes And Cranes And Cranes And Cranes, doch ihre Musik, die ist wie um einen Gegenpol zu bilden das absolute Gegenteil von langweilig. Als gäbe es kein Morgen feuert das Trio auf Waited Up Til It Was Light Adrenalin und Gummibärchen aus allen Zylindern, mit vergnüglich-rasanten Riffs, Singalongs und Shouts zwischen Sänger und Bassistin und einer unheimlichen Menge an kleinen instrumentalen Verspieltheiten die man bei dem hektischen Tempo der Songs zunächst kaum wahrnimmt.
"Doppelt so viel spielen bei doppelter Geschwindigkeit” scheint die Devise zu sein wenn sich Stücke wie Sometimes, In The Bullring am Rande der Hysterie zu überschlagen drohen. Die vielen Drehungen auf kleinem Raum würden sich anderswo zu einem ernsten, angestrengten (oder noch schlimmer, Foals-mäßig möchtegern-anspruchsvollen) Gesamtbild summieren, bei Johnny Foreigner aber werden Momente wie der Wechsel von synthetischer zu echter Drum auf Salt Peppa And Spinderella mit selbstreferentiellen Kommentaren (“Bring out the real fun, turn on the real drums”) quittiert. Ein Album das durch alle Schablonen fällt, das zu viele gute Ratschläge ignoriert und dennoch alles richtig macht.

[MP3] Johnny Foreigner - Champagne Girls I Have Known

Platz 13
Why? – Alopecia

Vielleicht ist es nachhaltige Trauer über das cLOUDDEAD-Ende. Bisher war es bei jedem Why?-Album als würde ich nur auf den Punkt warten wo es nachlässt, wo ich endlich etwas Schlechtes drüber sagen kann, bei Elephant Eyelash z.B. verließ mich das Interesse immer in der Zweiten Hälfte. Aber bei Alopecia kann ich einfach nichts machen, jedes Mal wenn ich denke das war's kommt der nächste Hook um die Ecke gebogen (das letzte Drittel ist für mich sogar das beste) und ich bin wieder Feuer und Flamme für Yoni Wolfs einmalige Stilfusion der man keinen Namen mehr geben mag.
Da wird mit eigenartiger Stimme gerappt aber kaum über traditionelle Beats, da wird Gitarre gespielt aber nicht gerockt, da spielen Percussiontextilien im Wind der Songs und da wird hymnisch über tote Präsidenten und Sex in Hintergassen gesungen. Wenn man Why?s Namen als existentielle Selbsthinterfragung betrachtet, "Warum mache ich das eigentlich? Was ist mein Ziel? Warum gibt es cLOUDDEAD nicht mehr?”, so darf man die Antwort 2008 geben: Alopecia.

[MP3] Why? - The Hollows

Platz 12
Times New Viking – Rip It Off / Stay Awake EP

Nach zwei exzellenten ersten Alben wechselten Times New Viking zu Matador, mit selbstbewusstem Lo-Fi-Gedröhne ist Rip It Off sogar mal eben das lauteste Album des Jahres geworden. Wo das Einwickeln der Melodien in Noise und das Begraben der Instrumente hinter dicken Rauschwänden der Musik bisher vor allem einen eigenen Charme gab nutzt das Trio seinen Sound nun endgültig als Stilmittel. Sicher könnte man z.B. die Refrains von Faces On Fire und The Apt. auch “sauber” aufnehmen, aber dieses Hervorstechend-Gellende würde dabei völlig verloren gehen. [mehr]
Dass Times New Viking die Ideen nicht ausgehen bewiesen sie dann auf der ebenso famosen Stay Awake-EP, mit dem in seinem Singalong-Appeal fast schon an Folk erinnernden Pagan Eyes, der Jahrmarktorgel von No Sympathy oder dem donnerpoltrigen Hate Hate Hate gibt es gleich mehrere Indikatoren wohin uns das nächste Album bringen könnte.

[MP3] Times New Viking - (My Head) / R.I.P. Allegory
[MP3] Times New Viking - Call & Respond

Platz 11
Rings – Black Habit

Den Klang der Musik auf Black Habit zu beschreiben erscheint mir nach längerer Überlegung nicht enorm wichtig. Sicher, mit Abby Portner hat das Trio aus Manhattan die Schwester von Avey Tare an Bord und so kann man für ein paar Sekunden durch einen hallenden Schrei mal an Animal Collective erinnert werden, durch die ungewöhnlichen Stimmen vielleicht auch für ne Sekunde an Cocorosie, aber einem Vergleich oder einer Beschreibung der Musik gehen Rings fast schon aus dem Weg. Sie sind ihre eigene Referenz. Weil sie es schaffen für sich zu existieren, als wären sie die erste und einzige Band auf der Welt, nichts außerhalb des unsichtbaren Kreises der sie zusammen hält.

Der einzige der nicht abgeschottet wird ist der Hörer selbst, er sitzt in der Mitte dieses Kreises, hört dank Kria Brekkans Produktion genau woher das Schlagzeug kommt, wo Gitarre und Keyboard gerade sind. Rings wirken dazu so unbewusst und naiv als wüssten sie gar nicht dass ihnen jemand beim Spielen zuhört, einmal brechen sie sogar mittendrin in Gelächter aus. Aber auch wenn sie nicht immer perfekt den Ton treffen sind ihre Melodien unglaublich warm, einladend, bewegend und denkwürdig. Wie stets wiederkehrende Kometen umkreisen Motive elegant die Songs, Songs die meist auf einem guten alten Strophe-Refrain-Gerüst aufgebaut sind aber alles andere als wie Popsongs aus dem Radio klingen. Sollten Rings es jedoch einmal schaffen es den Super Furry Animals anno 2001 gleich zu tun, ich bin mir sicher das finale, bewundernswert schöne Teepee wäre sofort ein Welthit.

[MP3] Rings - Mom Dance

Platz 10
Deerhunter – Microcastle / Weird Era Cont.

Echt seltsam. Da machen Deerhunter zwei Alben und eine EP mit denen ich nur stellenweise etwas anfangen kann, und dieses Jahr auf einen Schlag gleich zwei Alben die endlich richtig zu mir durchdringen. Dabei sind Microcastle und Weird Era Cont. wirklich voneinander verschieden, ersteres zwar weiterhin im rauschedelischen Deerhunter-Sound gehalten aber mit echten Popambitionen und letzteres direkt im Anschluss eine Sabotage all dieser Bestrebungen. Obwohl ich beide nicht 100% gelungen finde (sonst wäre bei einem Doppelalbum der erste Platz sicher gewesen) gibt es hier zu viel Gutes als dass man sinnvoll ein einziges Album draus hätte machen können, da sind die Titelstücke, Vox Celeste mit Spector-Intro, Calvary Scars in der originalen und der blubbrig-glöckernen de- und re-konstruierten Version, Circada und Deerhunters bisherige Meisterleistung Nothing Ever Happened erst der Anfang der Highlightliste. Wunderbar auch, angesichts der vielen Alben die dieses Jahr mit entspanntem Säuseln ausklangen, dass Microcastle in einer epischen Feedbackorgie endet. Deerhunter, ihr habt einen neuen Fan gewonnen.

[MP3] Deerhunter - Nothing Ever Happened

Platz 9
Marnie Stern – This is It And I Am It And You Are It And So Is That And He Is It And She Is It And It Is It And That Is That

Es war schwer sich auszumalen wie Marnie Stern ihr letztjähriges Debüt übertreffen könnte. Nicht dass es perfekt gewesen wäre, vielmehr wirkte ihre Musik wie aus der Zukunft in unsere Gegenwart gesendet, ich bin mir auch immer noch nicht ganz sicher was sie überhaupt macht. Klar, technisch layert sie mit Saitenanschlägen und Tapping erzeugte Riffs und Grooves ihrer Gitarre zu hyperaktiven Melodiekonstrukten und macht daraus mit ihren cheerleadenden Vocals und Zach Hill an den Drums ungemein anfeuernden Positiv-Rock (“I turn this moment into something new, it's true. Are you ready to feel alive?”, “Grabbing victory out of the jaws of defeat,” “Bigger without boundaries, big enough to try, bigger than the whole world, bravest in the whole world”) aber das Ganze klingt immer noch so fremd dass es mir schwer fällt zu sagen ob sie dieses Konzept mit ihrem zweiten, weitaus eingängiger konstruierten Album nun ausgeschöpft hat oder ob das erst der Anfang war. Die Zeit wird's wohl zeigen, im Moment jedenfalls lass ich mich weiter gerne vom unglaublichen Roads? We Don't Need Roads! und The Devil Is In The Details' “Alright here we go!” auf Optimismus und Tempo 180 pumpen.

[MP3] Marnie Stern - Transformer

Platz 8
School Of Seven Bells – Alpinisms

Große Überraschungen kurz vor Jahresende wie diese sind ein Grund warum ich diese Liste erst so spät wie möglich im Jahr erstelle. Alpinisms hat mich immer wieder angenehm von den Füßen gefegt, mit in die Stratosphäre gerissen in der die Deheza-Schwestern und Ben Curtis Songs wie Half Asleep und Faces To Faces On High Places verankert haben. Doch auch auf dem Aufweg aus den Tälern begleite ich die Gipfelstürmer gern, Alpinisms ist derart herrlich bis ins Detail durchdacht dass ich die Anlage am liebsten so weit wie erträglich aufdrehe und völlig darin aufgehe, so wie alle Beteiligten am Ende in My Cabal auf die bezauberndste Weise ineinander fließen. Pure Seelenmassage bei der's mir wohlig die ganze Wirbelsäule entlang schaudert. [mehr]

[MP3] School Of Seven Bells - Connjur

70 aus 2008 Teil 8

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Platz 21
Late Of The Pier – Fantasy Black Channel

Anfangs kam mir das Debüt der Briten wie eine Neuauflage der frühen The Faint mit der Andersweltlichkeit der Klaxons vor, was durchaus ein Lob war da ich die Alben bis heute noch gerne höre, damit wären sie aber doch unter Wert verkauft. Fantasy Black Channel sticht durch sein Sounddesign hervor, durch den hervorragend umgesetzten Ideenmischmasch in dem Synthpop, Dancerock, Spaceprog und Discometal sich wild überschneiden und von einem Takt auf den nächsten ein tollkühner Gitarrenritt in einen stolprigen Ravemoment umschwingen kann. Diese Sprunghaftigkeit hält die Musik zwar aufregend, würde sie letztlich aber nur zur Kuriosität machen wenn Late Of The Pier nicht auch ein tolles Gespür für Instrumentalhooks und catchige Refrains hätten. Nicht nur aber insbesondere in ihren durchweg hervorragenden Singles von denen sich gleich ein halbes Dutzend hierauf befindet.

[MP3] Late Of The Pier - Space And The Woods

Platz 20
Los Campesinos! – We Are Beautiful, We Are Doomed

Klatschend erschallt es von den Dächern, Ways To Make It Through The Wall läutet die erste Veröffentlichung von Los Campesinos! in dieser Liste ein. “We wait at ease, ah, we wait to see oh we are waiting here for catastrophe,” singt die vereinte Truppe vermeintlich ernster als bisher, doch bei allen Hurra-Gesängen und Glockenspielen wird schnell übersehen dass es bei LC! schon immer kontrastierend dunkle Texte gab, mit gewalttätigen Metaphern und Kampfansagen an falschen Optimismus. Auf ihrer EEP We Are Beautiful, We Are Doomed überziehen sie diese Unromantik in Depri-Emogefilde ("I my star sign by asking which is least compatible withmine", "I've spend too much time on my knees next to urinals in garish Mexican restaurants, sobbing into my warm, pale palms for a better understanding of my dietary requierements", "As if I walked into the room to see my ex-girlfriend, who by the way, I'm still in love with, sucking the face of some pretty boy, with my favourite band's most popular song in the background, is it wrong that I can't decide which bothers me most?" und so weiter und so super) und absorbieren damit einen weiteren Aspekt vergangener Indiekultur in ihren Referenzkosmos, ihre Musik ist dabei fokussierter geworden (sicher auch da nicht mehr Dave Newfeld am Mischpult saß) aber noch längst nicht auf dem Boden angekommen.

Letztlich werden dadurch, dass LC! öfter das BSS-mäßige Alle-zusammen-Chaos zurückschrauben und den leiseren Sektionen Gelegenheit zu scheinen geben, Mitsing-Momente die auch live wunderbar funktionieren wie der im Titelstück (“OH WE KID OURSELVES THERE'S FUTURE IN THE FUCKING, BUT THERE IS NO FUCKING FUTURE”) umso herrlicher herausgestellt. Und obwohl über 10 Stücke eben nicht so viel Platz für Hits bleibt wie auf ihrem Album klingt WAB,WAD abwechslungsreicher, mit einem instrumentalen Zwischenspiel, dem kurios boinkenden It's Never That Easy Though, is It? (Song For The Other Kurt) und dem Bright Eyesigen Heart Swells/Pacific Daylight Time.

In Interviews haben die Bandmitglieder bereits angedeutet dass sie realistisch selbst nicht erwarten viele Jahre lang als Band zu bestehen (sie kennen sich halt in der Musikgeschichte aus), wenn diese überzogene Torschlusspanik dazu führt dass wir weiterhin so oft so tolle Musik von ihnen bekommen darf man ihnen dann wirklich nicht böse sein wenn das Ende einmal kommt.

[MP3] Los Campesinos! - We Are Beautiful, We Are Doomed

Platz 19
Studio – Yearbook 2

Westküstensommer die Fünfte, das Duo das mich mit West Coast letztes Jahr überhaupt erst auf diese sonische Entdeckungsreise schickte die dieses Jahr so viele großartige Platten zu Tage förderte. Ja, Studios zweiter Longplayer ist eine Compilation aller ihrer zauberhaften Remixe bis Anfang 2008, aber Studio machen sich jedes Stück so zu Eigen dass das hier genauso gut eines ihrer eigenen Alben sein könnte. Dass die Ergebnisse dabei so verschieden ausfallen wie das helle Wellen reitende Room Without A Key mit Feist und das meditativ-dubbige Love On A Real Train ist nur ein weiterer Grund warum Studio für mich zur Zeit zu den ganz Großen gehören. [mehr]

[Video] Shout Out Louds - Impossible (Possible Remake By Studio)

Platz 18
M83 – Saturdays = Youth

Dass Anthony Gonzalez großen Popsong schreiben kann hat er ja schon mit Don't Save Us From The Flames gezeigt, trotzdem hätte ich damals nicht gedacht dass das die beste Richtung wäre die M83 nur einschlagen könnte. Der Beweis folgte mit Saturdays = Youth, zuckersüße Melodien verpackt in Synthpop der sein volles Potential erst entfaltet wenn man ihn so laut aufdreht dass einen die Songs mit all ihren Details erschlagen können. Erst dann nimmt all die herrlichen Texturen wahr, wirkt das Zwitschern im Hintergrund von Graveyard Girl so richtig, registriert man den brodelnden Wind von Skin Of The Night mehr als flüchtig.
Fast nebenbei kann das Album auch wirklich in seiner Songanordnung als Soundtrack herhalten, von den Glücksmomenten der Singles über die Partyszene in der Couleurs gespielt wird bis zur Enddramatik des Films die sich über Highway Of Open Dreams (der Spurt zum Finale), den großen romantischen Moment Too Late und das Happy End Dark Moves Of Love entfaltet. Midnight Souls Still Remain ist zum Schluss zwar etwas zu lang für die meisten Filmcredits, dafür aber von allen epischen Ambient-Instrumentals (von denen es in diesem Jahr tatsächlich einige am Ende von Alben gab) das schönste.

[Video] M83 - Graveyard Girl

Platz 17
Lindstrøm – Where You Go I Go Too

Westküstensommer die Sechste, auch wenn Oslo nun beim besten Willen an keiner Westküste liegt. Wenn ein Typ so ein fettes, stolzes Grinsen im Gesicht kleben hat wie Hans-Peter Lindstrøm auf dem Cover von Where You Go I Go Too hat er entweder gerade einen monumentalen Scheißhaufen in deinem Klo hinterlassen oder ein monumental gutes Album fabriziert. Anfangs war mir noch unklar welcher Fall zutraf, aber irgendwann klickte es dann. Ein glorreicher Trip mit einer herrlichen Enthüllung nach der anderen, am schönsten an einem Stück anzuhören denn wenn man erst mal richtig einsteigt geht selbst das 30minütige Titelstück verdammt schnell vorüber.

[MP3] Lindstrøm - The Long Way Home (Prins Thomas Edit)

Platz 16
Ponytail – Ice Cream Spiritual

Ich weiß nicht ob's an der Musik liegt die ich höre oder ob mittlerweile generell kaum noch wer in seinen Songs ein anfeuerndes “Let's go!” ausruft. Bei Ponytail hat man mit diesen zwei Worten bereits die musikalische Maxime gefunden, Ice Cream Spiritual ist nämlich bei aller Faszination des Deerhoofschen Zwischenspiels beider Gitarristen vor allem die Show von Molly Siegel, die ihre Band wie ein betrunkener Zaubertroll auf einem Amoklauf nach vorne treibt. Das Eröffnungsstück Beg Waves ist ein perfektes Beispiel für die einer Achterbahnfahrt gleichende Dynamik von Ponytails Stücken: antreibend monoton hallt die Trommel, Siegel stößt animalische Laute aus und die Gitarren riffen los bis die Musik in einen kurzen, brachialen Ritt ausbricht. Genau so schnell kommt sie wieder zum Stehen, hält aber keine Sekunde still bevor sie wieder Anlauf nimmt und sich zu einem noch größeren, druckvolleren Gipfel aufbaut. Das Highlight des Albens ist aber Celebrate The Body Electric (It Came From An Angel), ein Paket aus purer Energie zu dessen Musikvideo in meinem Kopf Antilopen, Geparden und Usain Bolt im freundlichen Wettlauf mit einer Rakete der Sonne entgegenrennen.

[MP3] Ponytail - Celebrate The Body Electric (It Came From An Angel)

Platz 15
John Maus – Love is Real

Eigentlich schade dass ich hiervon keinen Stream finden konnte, denn wie bei kaum einem anderen Album in dieser Liste kann man sich von John Maus' Zweitling nicht anhand eines repräsentativen Songs ein Bild machen. Zumindest in der ersten Jahreshälfte waren Love Is Reals Synthpopträume meine erste Wahl wenn's erst mal dunkel wurde, von Do Your Bests Großstadtmelancholie die Maus mit Scott Walkerschem Brummen unterschreibt über Green Bouzzards unheilige Fuge, die zarte Synthlandschaft The Silent Chorus und den Nervenzusammenbruch-Flashdance My Whole World is Coming Apart Apart (den Maus grandioserweise genauso manisch performt wie ich es mir vorgestellt hatte) bis zum wirklich terrorisierenden Goblin-Horror von Tenebrae (klar, Argento-Hommage) tun sich hier in nur einem Album ganze Welten auf. Wunderbares Album für alle die keine Angst vor Stimmungswechseln haben.

[MP3] John Maus - Do Your Best

70 aus 2008 Teil 7

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Platz 28
Eat Skull – Sick To Death

Dass ich mit Eat Skull auf einer Wellenlänge liege wurde mir schlagartig bewusst als ich bei Puker Corpse ankam. Wie alle Stücke auf ihrem Siltbreeze-Debüt ist der Song in Lo-Fi-Klang gehalten, strahlt aber so eine überzogen fiese Aura aus dass ich an einer Stelle einfach ein albernes Cartoon-Schurkenlachen ablassen musste und prompt ertönte auch aus dem Lautsprecher ein “Muu-huu-hahahaaa”. Meist ist Sick To Death aber lockerer und poppiger, vor allem nutzt die erfahrene Band den harschen Sound zu bemerkenswert verschiedenen Effekten aus. Wenn man die einsam echoende Gitarre in New Confinement klampfen hört und dazu den im eigenen Feedback ertrinkenden Gesang, die Art wie sich die Stimmen im gegenseitigen Echo in I Licked The Spider vermischen oder wie das helle Plinkern in Shredders On Fry gegen eine höllisch rauschige Melodie ankämpfen muss dann erscheint das die einzig richtige Möglichkeit diese Songs aufzunehmen.

[MP3] Eat Skull - Shredders On Fry

Platz 27
Titus Andronicus – The Airing Of Grievances

So gern ich auch der Band aus Nu Joisey eine abenteuerlichere Stilbeschreibung zwischen Arcade Fire als Punkband und Pogues zusammenbasteln würde erinnern sie mich doch jedes Mal wieder vor allem an Desaparecidos, Conor Obersts ein(st)malige Wüstenpunk-Combo. Dabei haben die Songs ihres Debütalbums (100 Punkte für die Seinfeld-Referenz) eine weitere, leicht pompöse Dimension mit weit ausladender Pauke und dramatisch anschwellenden Gitarren, anders als Trail Of Dead aber verlieren sie sich nicht im Pomp, dafür stolpern sie auch zu oft sturzbetrunken über die Bordsteinkante. Titus Andronicus feiern eine große nihilistische Party und sicher wird man ihre Hymne noch öfters erklingen hören wenn das Album 2009 auf einem größeren Label neu veröffentlicht wird. No more cigarettes, no more having sex, no more drinking till you fall on the floor. Your life is over.

[MP3] Titus Andronicus - Titus Andronicus

Platz 26
Hatchback – Colors Of The Sun

Westküstensommer die Vierte. Hatchback macht die Art von Musik mit der man der Realität einen alternativen Soundtrack aufzwingen kann, die Zeit beginnt sich beim Hören seiner herrlich detaillierten Instrumentalusik zu verlangsamen und jedes positive Element in der Umwelt wird verstärkt wahrgenommen. Manch eine banale Zugfahrt dieses Jahr wurde bei mir auf diese Weise zu einem bezaubernden Erlebnis, egal wie ich mich auch vorher fühlte. Über den Verlauf dieser 10 Stücke nimmt Hatchback unter Einmischung von Kraut-Motorik zwar immer wieder kurz Fahrt auf, die zweite Hälfte zerfließt jedoch in pure ätherische Glückseligkeit. Im Weltkatalog der Genrebezeichnungen steht Colors Of The Sun wahrscheinlich irgendwo unter “Slow-Disco/Dance” verzeichnet, aber ich kann mir einfach nicht vorstellen lieber dazu tanzen zu wollen als mich einfach irgendwo in eine bequeme Sitzgelegenheit und in diese Musik fallen zu lassen.

[MP3] Hatchback - White Diamond

Platz 25
Cheap Time – Cheap Time

Wenn Wangenknochen töten könnten müssten Cheap Time aus Nashville nicht nur einen Waffenschein tragen, ich würde ihnen im Zweifelsfall auch nie den Rücken zuwenden. So aber muss man der Band (die einst als Jemina Pearls Nebenprojekt von Be Your Own Pet startete) nur Beachtung schenken wenn man etwas für Powerchord-Powerpop in Bestform übrig hat, mit gleichermaßen Glam, Surf und Garage im Blut punkt sich das Trio durch 14 höchstmelodiöse Nummern die genauso schnell auf den Punkt kommen wie die drei schon wieder zum nächsten Monsterhook weiterrasen. All killer no filler, allen voran der Song-des-Jahres-Kandidat People Talk, eine Platte die mich mittlerweile noch mehr aus dem Häuschen bringt als beim anfänglichen Hören, insbesondere das atemberaubende finale Songquartett sucht seinesgleichen.

Platz 24
No Age – Nouns

Ich weiß nicht was es ist, aber ich habe dieses Album immer als schwächer in Erinnerung als ich es dann beim Hören empfinde. Vielleicht weil es sich trotz stärkeren Popkonstruktionen leichter, flüchtiger als das letztjährige Weirdo Rippers anfühlt, weil es einen selten wie beim druckvollen Aufbau von Sleeper Hold am Kragen packt so dass die 30 Minuten Spielzeit schnell verziehen. Jetzt beim Hören find ich's aber wieder großartig, bunt verwaschener Punkpop mit mehr Gefiepe als eine Gitarre zu produzieren imstande ist und Melodien die nicht zu weit unter allem Gerausche verbudelt sind. Exzellentes Verpackungsdesign übrigens.

[MP3] No Age - Eraser

Platz 23
Cut Copy – In Ghost Colours

2008 war das Jahr in dem PRler entdeckten dass man mit schlechten Remixen oft genau so viel Aufmerksamkeit erzeugen kann wie mit dem Versenden der weitaus besseren Originale (die nicht alle so gerne rausrücken) als Promo-Mp3s. So schienen gewisse Ecken der musikbloggenden Zunft 2008 in einer Flut von uninspiriertem Indie-Dance und Elektropop mit 80er-Einfluss zu verseichen. Angesichts dessen fällt es mir gerade schwer zu sagen warum genau sich In Ghost Colours, das mit Cut Copys “New Order/Human League/Heaven 17 etwas moderner”-Rezept in diese Ecke zu fallen scheint, daraus hervorhebt.

Sind es die durchweg guten Melodien? Überwiegend schöne Produktion mit herrlichen Hintergrunddetails, auch wenn an irgendeiner Stelle dann wieder auf unnötig hohe Lautstärke gesetzt wurde? Fließende Übergänge und sanft den Wechsel einleitende Zwischenspiele zwischen den Songs durch die man das Album wunderbar an einem Stück hören kann. Ein Grower. All die Huuhs und Haahs! Funktioniert sowohl im Club als auch mit seiner süß mitschwingenden Melancholie unterwegs und zu Hause. Die ekstatische Stelle in Out There On The Ice wo der Publikumsjubel lauter gedreht wird" Der Glitzervorhang der in So Haunted herunterrollt!! IF THAT'S WHAT IT TAKES, THEN DON'T LET IT TEAR US APART... EVEN IF IT BREAKS YOUR HEART!

Hm, so schwer fällt es dann wohl doch nicht.

[MP3] Cut Copy - So Haunted

Platz 22
Blank Dogs – On Two Sides

The Fields mag eine höhere Hitquote gehabt haben, On Two Sides wirkt aber im Gegensatz dazu nicht wie eine Zusammenwürfelung von Songs sondern hält als ein exzellentes Gesamtwerk her. Vom Einstieg mit dem One-Two von Ants und Blaring Speeches der einen direkt in Blank Dogs' Welt katapultiert über die abwechslungsreiche Mitte (Pieces ist hier besonders wohlplatziert) bis zum heimlichen Höhepunkt in seinen finalen Songs fokussiert Blank Dogs' erstes Album alles was seine Musik so einzigartig und beeindruckend macht. [mehr]

[Video] Blank Dogs - Pieces

70 aus 2008 Teil 6

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Platz 35
Animal Collective – Water Curses EP

Wie es schon Tradition ist brachten Animal Collective auch nach ihrem letzten Album eine EP mit vermeintlichen B-Seiten heraus, im Gegensatz zur vorigen People weiß auf Water Curses aber nicht nur der Titeltrack zu bezaubern. Der ist eine gute Repräsentation der Verschmelzung experimenteller Sounds und eingängiger Songstrukturen die sich in zwei Wochen auch auf dem neuen Album der Gruppe fortsetzen dürfte, mindestens genauso hörenswert sind aber die folgenden drei Stücke. Das schwimmende Street Flash und Cobwebs erinnern dabei auch etwas an den Klang von Feels, insbesondere letzteres mit seinem grandiosen Ausschwenken am Ende, die blubbernde Pianonummer Seal Eyeing bendet das Geschehen dann in einem warmen ambienten Schlummern.

[MP3] Animal Collective - Water Curses

Platz 34
Stephen Malkmus & The Jicks – Real Emotional Trash

Ob es an der Umbesetzung der Band liegt oder einfach eine Frage der Zeit war, mit Real Emotional Trash hat Stephen Malkmus sein erstes Album gemacht bei dem mir der Vergleich mit Pavement gar nicht erst in den Sinn kam. Vielleicht weil er selbst so wirkt als könnte ihn seine Vergangenheit nichts im Geringsten kümmern, die Songs rollen ihm und den Jicks wie selbstverständlich von der Hand, gerade was mir an den längeren Stücken anfangs wie überflüssige Rumnudelei vorkam macht die Musik so souverän und das Hören zu so einem lockeren Vergnügen. Dass Malkmus dabei tolle Melodien und beschissen brillante Reime wie “Oyster/Cloister” produziert sollte eigentlich selbstverständlich sein.

[MP3] Stephen Malkmus & The Jicks - Baltimore

Platz 33
Parts & Labor – Receivers

Das Erstaunliche an Parts & Labor ist, abgesehen davon dass sie zwei Jahre in Folge ein großartiges Album produziert haben, wie unauffällig der experimentelle Charakter ihres epischen Noisepops schnell wird. Es wirkt völlig selbstverständlich dass im Vordergrund die meisten ihrer überlebensgroßen Melodien von Stimmen und Elektronik geführt werden, die klassische Rockinstrumentation vervollständigt den Sound eher. Auf Receivers ist dieser Sound noch breiter geworden, hat selten die halsbrecherische Geschindigkeit des letztjährigen Mapmaker, ist aber ebenso herrlich hymnisch und beschäftigt kracherfüllt zugleich.

[MP3] Parts & Labor - Nowhere's Nigh

Platz 32
Vampire Weekend – Vampire Weekend

“Plus ça change, plus c'est la même chose.” Nach allem was über die Band zu lesen, schreiben und denken war bin ich bezüglich Vampire Weekend wieder da angekommen wo ich letzten September war. Die Songs sind nicht revolutionär ungewöhnlich und gehen (auch deswegen) nach all der Zeit immer noch so ins Gehör wie beim ersten Mal, eine frische unverzerrte Brise. Dass dadurch viele Leute afrikanische Musik entdeckt haben ist ein wunderbarer Bonus, ändert aber am Album selbst letztlich nichts.

[MP3] Vampire Weekend - Oxford Comma

Platz 31
Blank Dogs – The Fields

Für ein paar Monate in diesem Jahr verlangsamte sich mal kurz die stets besser werdende Veröffentlichungsflut von Blank Dogs, nur ab und zu tauchte ein neuer Song auf Myspace auf. Und hätte ich mir eine Favoritenliste davon erstellt, bis auf einen wären davon alle auf The Fields gelandet. Red World mit typischem Joy Division-Rumpelkammer-Klang, Before The Hours mit im kreis schwirrenden Synths und Mascis'scher Gesangsmelodie, das in Nebelschwaden ertrinkende The Other Way und der mechanische Stampfer Spinning. Und das war nur die A-Seite, das Highlight ist für mich kurz vor Schluss Now Signals (mit Bridge vorm Refrain, das ist Luxus in der Blank-Dogs-Ökonomie) bei dem alles schlampig aus der Spur zu laufen scheint und doch einen befremdlichen Ohrwurmcharakter erhält.

Platz 30
Jay Reatard – Singles 06-07

Gleich zwei großartige Longplayer voller punkigem Garagepop brachte Jay Reatard dieses Jahr heraus, schon diese erste Singlesammlung funktioniert bemerkenswert gut auch als Album. Von den noch harsch wie Blood Visions schneidenden Stücken der Night Of Broken Glass-EP aus merkt man hier bereits wie Jay beginnt seine Produktion auszudifferenzieren, wie der Popaspekt durch Akustikgitarre und den Einsatz von Synths in I Know A Place und Another Person in den Vordergrund gesetzt wird. Mit Hammer I Miss You, All Wasted, It's So Useless , Let it All Go und dem Go-Betweens-Cover Don't Let Him Come Back finden sich viele seiner besten Songs hierauf, allein dass die zweite Hälfte größtenteils aus guten aber nicht gut ins Gesamtbild passenden Alternativversionen von Blood Visions-Tracks besteht verhindert die Perfektion dieser Platte.

Platz 29
The Mae Shi – HLLLYH

Der Weltuntergang nach biblischem Vorbild hat schon viele Künstler zu epischen Konzeptalben inspiriert, u.a. die Texaner Lift To Experience die Anfang des Jahrzehnts den Postrock-Giganten The Texas Jerusalem Crossroads herausbrachten. Aus Sicht von The Mae Shi mutet das ganze Geschehen aber eher wie eine Spongebob Squarepants-Folge an, HLLLYH (man fülle die geeigneten Vokale selbst ein) ist voller überdreht ekstatischer Singalongs, 8bit-Melodudelei und einem Sänger der wie ein kastrierter Waldschrat mit Tollwut schreit. Das Ganze kuliminiert dann in Kingdom Come, dem vielleicht absurdesten Song des Jahres, eine 11minütige manisch hüpfende Vermischung der bisherigen Albumstücke die in einem acidfarbenen Brei aus Boings, Bleeps und endorphingetränkten Vokalloops endet. Die Apokalypse: ein gewaltiger Spaß für die ganze Familie.

[MP3] The Mae Shi - I Get Almost Anything I Want