48 Aus 2009 (Teil 4)

(Teil 1) (Teil 2) (Teil 3) (Teil 5) (Teil 6)

Platz 23
Real Estate - Real Estate

Das beste Argument für frei verfügbare Albumstreams. Auch wenn noch so viele Leute, mit denen ich geschmacklich oft auf einer Ebene liege, schon seit Monaten über diese Band schrieben, von verstreuten Einzelsongs wollte mir ihr Appeal nicht klar werden. Das änderte sich sofort als ich mir einmal das ganze Album bei Boomkat anhörte, ich musste erst mal mit der Stimmung dieser Musik auf eine Ebene kommen. Ihre entspannte Sanftheit/sanfte Entspanntheit/entsaftete Spinat hnn lässt die fast schon countrymäßigen Stücke, die durchaus My Morning Jacket zu Lagerfeuer-Zeiten ins Gedächtnis rufen, substanzarmer und eintöniger wirken als sie sind, besonders in der zweiten Hälfte nimmt das Debüt aber dann auch genug Fahrt auf dass einem Aufmerksamkeitsschwächling wie mir diese delikaten Melodien schnell und gut munden.

[MP3] Real Estate - Fake Blues
[Stream] Real Estate - Real Estate

Platz 22
Deerhunter - Rainwater Cassette Exchange EP

An dieser Stelle ist eine kleine Unterscheidung von Nöten: Der beste Song von Bradford Cox dieses Jahr ist ohne jeglichen Zweifel Quick Canal, seine herrlich neblig-schimmerige Kollaboration mit Laetitia Sadier vom zweiten Atlas-Sound-Album. Die bessere Veröffentlichung aber kam unfairerweise in Deutschland gar nicht heraus, auf Rainwater Cassette Exchange geben Deerhunter Grund zur Annahme dass Cox mit starken kreativen Köpfen zusammen noch besser agiert als solo und beweisen mal wieder dass sie momentan eine der besten verdammten Bands auf dem Planeten sind. Fünf Stücke die ihnen so lässig von der Hand zu gehen scheinen wie sie beeindrucken, mal psychedelisch und verträumt, mal tight und nach vorne wetzend und mal, wie im Finale Circulation, beides gleichzeitig. Das soll erst mal wer nachmachen.

[MP3] Deerhunter - Rainwater Cassette Exchange
[Stream] Deerhunter - Rainwater Cassette Exchange

Platz 21
Zola Jesus - The Spoils / New Amsterdam / Tsar Bomba

Wer von den Werken Nika Danilovas nicht genug bekommen kann darf sich glücklich schätzen, dieses Jahr hat sie sich in zwei Solo- und mindestens drei kollaborativen Projekten das Gegenteil von rar gemacht. Auch ihr Hauptschaffen als Zola Jesus erstreckt sich über deutlich mehr als ihr Debütalbum The Spoils, vorher sammelten bereits die New Amsterdam- und Tsar Bomba-EPs unveröffentlichte Songs und eine Radiosession bzw. 7 neue Stücke. Auf allen drei Releases befinden sich Songs (auf den EPs u.a. Be Your Virgin, Lady In The Radiator, Last Day, Sea Talk und natürlich Rester) die zu den besten des Jahres gehören und zusammen ein überragendes Album ergeben hätten. So ergeben sich "nur" drei sehr gute Veröffentlichungen, da werde ich mich aber sicher nicht drüber beklagen. [mehr]

[MP3] Zola Jesus - Clay Bodies (von The Spoils)
[MP3] Zola Jesus - Sea Talk (von Tsar Bomba)
[MP3] Zola Jesus - Dog (live @ WFMU) (von New Amsterdam)
[Stream] Zola Jesus - The Spoils

Platz 20
Handsome Furs - Face Control

Ich hätte ja nicht gedacht dass mir mit dem zweiten Album des kanadischen Traumpaares das Gleiche passieren würde wie mit dem ersten, I'm Confused kochte auf so hoher Flamme dass ich diesmal keinen langsamen Grower erwartete. Und doch ist auch Face Control, immer wenn ich es gerade höre, ein gutes Stück besser als ich es in Erinnerung hatte. Ist nicht schlimm, nur muss man sich halt merken dass man seinem Gedächtnis nicht trauen kann. Mehr als auf dem Debüt haben es mir diesmal die abwechslungsreichen und clever arrangierten Beats angetan, das hechelnde Klatschen der Single, das unterlassungslose Pochen und die drückende Intensivierung zum Refrain hin in Hotel Arbat Blues oder das Handtrommeln in Officer Of Hearts. Dan Boeckners markant-memorable Stimme und sein Gespür für Melodien sind mittlerweile auch über jeden Zweifel erhaben, gebau so verlässlich wie die Tatsache dass man das nächste Werk der Furs im Anschluss ans kommenden Wolf-Parade-Album erwarten dürfte. [mehr]

[MP3] Handsome Furs - I'm Confused

Platz 19
Marit Larsen - If A Song Could Get Me You

Die Norwegerein wäre beinahe schon letztes Jahr hier gelandet, wenn ich da nur meinen Arsch hochgekriegt hätte um ihr zweites Album The Chase zu importieren. Aber da in dieser Sammlung so ziemlich alle ihrer besten Stücke drauf sind war's vielleicht sogar ein wenig besser so, zum Glück wurde die detailfreundliche Produktion auch nicht nochmal neu überarbeitet. Denn mit herrlichen Details geizen Larsen Songs wirklich nicht, stellenweise laufen vier oder fünf verschiedene Melodien zwischen zwei Streichern, Piano, Gitarre und Gesang zwischen denen das Ohr wandern kann, dazu gibt es auch mal Banjo oder Handclaps (Whoo!) für die mehr folkigen als orchestralpoppigen Songs. Aber das Interessante an Larsens Songs ist der Kontrast zwischen leicht-optimistischer Musik und ihren weitaus ernsteren post-adoleszenten Situationsskizzen, in denen oft noch der rationale Verstand einer Erwachsenen mit emotionalen Impulsen in Konflikt gerät, ein Thema das sie wie kaum eine andere beherrscht.

[Video] Marit Larsen - Under The Surface

Platz 18
Ben Frost - By The Throat

Was pure, bis ins Mark spürbare körperliche Wirkung angeht kam dieses Jahr keiner an Ben Frosts drittes Album heran. Extrem noisig ist By The Throat nicht, es verströmt vielmehr ein Gefühl von Unbehagen, das sich langsam heranschleicht bis man sich völlig von ihm umgeben sieht. Gleichzeitig sind Frosts mit bemerkenswerter Klarheit aufgezeichnete Kompositionen auch von einer schrecklichen Schönheit, dass man immer, wenn man sich abgeschreckt fühlen könnte, wieder darin eintauchen möchte. [mehr]

[MP3] Ben Frost - The Carpathians
[Stream] Ben Frost - By The Throat

Platz 17
Home Blitz - Out Of Phase

Ich werde genau in dem Jahr wissen, dass ich ich nix mehr von aktueller Musik mitkriege, wenn ich am Ende so eine Platte nicht in meiner Liste habe. Veröffentlicht auf nem Kleinstlabel, und das noch Ende November, ist das reguläre Debütalbum von Home Blitz (das erste war eher ne Compilation) eines das schnell in der allgemeinen Schnellsurfigkeit übersehen wird. Dabei ist es in Sachen Powerpop, Garage-Krach oder wie man es auch nennen mag rasant zu meinem großen Favoriten geworden, schnelle, kurze Songs mit Replacements-Kaputtheit, frühe-R.E.M.-Jangle, aber vor allem Hits, Hooks und einer jugendlich-manischen Energie die alles kurz vorm völligen Auseinanderfallen zusammenhält. Da gniedelt Daniel DiMaggio in einer Sekunde ein geniales Riff herunter, verläuft sich scheinbar in der nächsten völlig und stolpert dann mit Getöse in einen wilden Schepperritt hinein. Inmitten des totalen Noise-Blowouts von A Different Touch taucht aus dem Boden unerwartet ein Klavier auf, genau so kaputt verzerrt wie alles andere, und ach ja, zwei der Stücke sind irgendwelche Ambientaufnahmen deren Zweck wohl einzig und allein ist einer 8+-Wertung in respektablen Musikpublikationen zu entgehen. Wahnsinn mit ein bisschen Methode.

[MP3] Home Blitz - Two Steps