48 Aus 2009 (Teil 6)

(Teil 1) (Teil 2) (Teil 3) (Teil 4) (Teil 5)

Platz 8
The Fiery Furnaces - I'm Going Away / Take Me Round Again

Es wäre kein Jahr gewesen ohne mindestens eine Furnaces-Platte, kein Jahr ohne mindestens drei weitere angekündigte neue Furnaces-Projekte von denen sich höchstens eins materialisiert und kein Jahr ohne dass die Furnaces versuchten, einen vor den Kopf zu stoßen. Dabei ist I'm Going Away mit seinen sauberen, leichten Arrangements das für Einsteiger am leichtesten zu verdauende Werk der Friedbergers seit EP, voller herrlicher Songs die diesmal von Eleanor geschriebene Situationen und Geschichten schildern und sich vom detaillierten Weltenbummeln in Kneipen und Clubs verlegen. Doch es wäre einfach zu einfach gewesen es dabei zu belassen, also folgte vor ein paar Wochen Take Me Round Again, auf dem beide Geschwisterteile für sich fünf der Songs in reduzierter Form selbst neu interpretieren - die Fiery Furnaces covern sich selbst. Wer auch sonst. [mehr]

[MP3] The Fiery Furnaces - The End Is Near (von I'm Going Away)
[MP3] The Fiery Furnaces - Keep Me in the Dark (Eleanor Friedberger version) (von Take Me Round Again)
[Stream] The Fiery Furnaces - I'm Going Away
[Stream] The Fiery Furnaces - Take Me Round Again

Platz 7
Future Of The Left - Travels With Myself And Another / Last Night I Saved Her From Vampires

Wer McLusky immer noch nachtrauert hat Future Of The Left wahrscheinlich noch nicht gehört und garantiert noch nicht live gesehen. Ihre Konzertqualitäten zeigte Anfang des Jahres bereits das Livealbum Last Night I Saved Her From Vampires auf, bei dem natürlich die unvergleichlichen Zwischenansagen ans und Verbalduelle mit dem Publikum nicht fehlen dürfen. Bald darauf folgte das zweite Album des Trios und übertraf das hervorragende Debüt nochmal locker, von Anfang an, wenn man den Fehler begeht und das leise Intro auf verständliche Lautstärke dreht nur um vom tatsächlichen Beginn überrollt zu werden dass man vor Schreck an die Decke springt (ist mir sicher 4mal passiert), wird klar dass Travels With Myself And Another entgegen "Alles wahllos laut"-Trends eine echte dynamische Breite bietet und so eben auch wirklich Einschlaglöcher hinterlässt wenn's kracht, andererseits seinen Pop-Appeal auch voll ausspielen kann. Andy Falkous' Stimme ist dabei über alle Ruhe erhaben, er schwingt sie so absurd und manisch wie er will, was eben auch perfekt zum Humor der Platte passt, wie wenn sich der Satanistist in You Need Satan More Than He Needs You durch schlechtes Wetter plötzlich deprimiert fühlt und die anstehende Orgie höchst skeptisch betrahtet, erst recht wenn die verdammte Opferziege außer Rand und Band ist. Ist ja auch viel interessanter als zu böser Musik einen auf böse zu machen.

[MP3] Future Of The Left - Arming Eritrea (von Travels With Myself And Another)
[MP3] Future Of The Left - Manchasm (live) (von Last Night I Saved Her From Vampires)
[Stream] Future Of The Left - Travels With Myself And Another
[Stream] Future Of The Left - Last Night I Saved Her From Vampires

Platz 6
St. Vincent - Actor

Pompös scheint Actor zu beginnen, doch der hallende Chorgesang weicht nach Sekunden einem merklich eindrucksvolleren, der Stimme von Annie Clark die es schafft, erheblich weiser zu klingen als ihr Alter es vermuten ließe. Diese Stimme war es auch die mich zunächst bei der Stange hielt, die besser austarierten Arrangments dieses zweiten Albums wollten bei mir zunächst nicht so recht zünden, waren aber umso großartiger aber als es dann endlich soweit war. Dieser Kontrast zwischen klarer und verzerrter Stimme, zwischen Glockenspiel und Chor auf der einen und dissonant holzender Gitarre und Bläsern auf der anderen Seite, wie er z.B. In Black Rainbow zu minutenlanger Steigerung führen kann, und in Actor Out Of Work unter voran preschendem Schlagzeug und dem Gesang "I think I'm mad" alles manisch zusammen kommt, toll! Wie der Beat im kühl-atmospärischen Marrow abwechselnd links und rechts pocht, genial! Und darüber hinaus erstreckt sich Clarks Gespür für Dramaturgie und Sequenzierung auf auf das ganze Album, bestens exempliert am Finale, als nach dem prächtigem The Party und dem traumhaften Just The Same But Brand New leise davonfadend das Ende klar erreicht ist und Clark wohlwissend unter dem Titel The Sequel nochmal einen nachsetzt und es sich wirklich wie der Beginn von etwas Neuem anfühlt.

[MP3] St. Vincent - The Strangers
[Stream] St. Vincent - Actor

Platz 5
jj - jj n° 2

"Wanna hear my masterplan? Here's my masterplan." Ja, was ist eigentlich der Masterplan von jj? Anonym (jj steht dabei für "Jules & Jim", Tach auch Truffaut) auf dem grandiosen Göteborg-Label Sincerely Yours, das uns u.a. schon Air France und The Tough Alliance brachte, simple, leichtfüßige Songs in der beliebten SY-DIY-Ästhetikformel Sport- und Strandvideos + Filmzitate + Pop-Cover + inspirative Slogans + ein Hauch Absurdum (auf 27 Exemplare limitierte T-Shirts) in die Welt setzen, die internetweit verstreuten Hörer einen ganzen Sommer lang von fernen Stränden an Afrika, Malaga, Miami und Mittelmeer träumen lassen und soviel Erfolg haben dass man im Frühjahr 2010 das Nachfolgewerk jj n° 3 international in die Welt setzen und mit The xx touren kann. Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert. [mehr]

[MP3] jj - Ecstasy
[Stream] jj - jj n° 2

Platz 4
Sunset Rubdown - Dragonslayer

Klar, ohne Spencer Krug geht hier oben nichts, der Mann vollbringt einfach immer wieder Großtaten. Nicht nur alleine, wie gut Sunset Rubdown zur Band gewachsen sind konnte man nicht nur live erleben, es wird auch auf Dragonslayer reflektiert das, nach dem glorreich überladenen letzten Album, dieses sauberere Zusammenspiel wiedergibt. Raum für wunderbare Vielfalt ist dabei natürlich immer noch, wie das kreuz-und-quer-Drumming und die Nintendo-Sounds in You Go on Ahead (Trumpet Trumpet II), herausragend auch die Karibik-Vibes von Paper Lace, das elegant barocke Nightingale / December Song das als einziges selbst von fünf Leuten live nicht repliziert werden kann oder die Momente wenn Black Swan schier explodiert, nicht erst am Ende sondern wie im Finale Dragon's Lair in einem Auf und Ab der Spannungskurve. Und natürlich glänzt Krug selbst wieder mit seiner unnachahmlichen Fähigkeit, Texte und Melodien zu schreiben die man, völlig egal ob man ihren Inhalt aus klassischen Mythen und Krug persönlicher Traum-Metaphorik versteht, aus vollster passionierter Kehle mitsingen möchte.

[MP3] Sunset Rubdown - Idiot Heart

Platz 3
Fuck Buttons - Tarot Sport

Es war einer dieser Momente, der klar machte, das etwas Großes in der Zukunft lag, als am Ende von Fuck Buttons' gutem aber nicht überraschenden Konzert auf einmal ein mächtig polternder Beat angaloppiert kam und das damals noch völlig unbekannte Flight Of The Feathered Serpent überwältigend zeigte dass man zu diesen krachgefüllten Stücken auch tanzen konnte. Und Tarot Sport enttäuschte keineswegs, hatte mit Olympians und Surf Solar zwei weitere epische Prachtwerke zu bieten, die nach stetigem Aufbau die Glückszentren im Körper voll belohnen, und war darüber hinaus wieder eine unterbrechungsfreie Folge ruheloser rhythmischer Regenbogennoisefeste. [mehr]

[Stream] Fuck Buttons - Tarot Sport

Platz 2
Devin Townsend Project - Addicted

Devin Townsend war auch so einer den ich die Jahre über abgeschrieben hatte. Sein naturspirituelles Terria hatte ich auf der anderen Seite dieses Jahrzehnts noch geliebt, aber danach war alles entweder zu absehbar ausgeflippt, absehbar ausgedehnt oder einfach nicht konstant auf ähnlichem Niveau mitreißend. Dass er ein neues Projekt mit vier Alben und je unterschiedlicher Bandbesetzung am Laufen hatte, ich auch erst heraus als mich die ersten Songs von Addicted neugierig gemacht hatten. Furchtlos und hochoriginell bubblegum-farbener Progmetalpop mit mächtigen Refrains, dichtestens mit Sound gefüllt den zu einem signifikanten Teil der himmlisch vervielfachte Gesang Anneke van Giersbergens einnimmt, eine perfekte Paarung mit Townsends unverkennbarem Stimmorgan die den 10 durchweg exzellenten Stücken erst ihren lebensfrohen Ohrwurmappeal verleiht. [mehr]

[Video] Devin Townsend Project - Bend It Like Bender!

Platz 1
Animal Collective - Merriweather Post Pavilion / Fall Be Kind EP

Devin Townsend kam noch überraschend nahe dran, aber letztendlich gibt es doch keinen Zweifel am Highlight des Jahres. Mit Freuden erwartet habe ich dieses Album schon seit ich die Songs vor zwei Jahren live liebte und so hin und weg war, dass ich auch so viel später mit einem Hören völlig vertraut mit ihnen war, als klar wurde dass Strawberry deswegen ein leichter Durchhänger war weil es ein Übergangswerk war. Auf Merriweather Post Pavilion lösen Animal Collective ein was Fireworks und Derek versprachen, poppige und emotional affektierende Songs mit Fluten von elektronischer Euphorie, beginnend mit dem Moment wenn In The Flowers einen nach einer Minute so wunderschön überrollt, transportiert von und auch, wie in Brother Sport, energetisch verwoben mit Beats die nicht ruhig sitzen lassen. Der Pop-Appeal ist gewiss immer noch kein universaler, die Maultrommel in Lion In A Coma gehört dabei noch zu den alltäglichen Sounds. So auch auf der Nachfolge-EP Fall Be Kind, die gerade in der zweiten Hälfte mit den pluckernden Bleed und On A Highway eher auf der sanften bis trippigen Seite gelegen ist, stellenweise gar ein wenig an das immer noch beste Collective-Album Feels erinnert, aber sich gefasster, runder als frühere Werke zeigt und mit dem flötenden Graze auch so zum Wippen und mit What Would I Want? Sky zum Segeln auf weißblauen Traumwellen einlädt.

[MP3] Animal Collective - My Girls (von Merriweather Post Pavilion)
[Stream] Animal Collective - Merriweather Post Pavilion
[Stream] Animal Collective - Fall Be Kind

48 Aus 2009 (Teil 5)

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Platz 16
Julianna Barwick - Florine EP

Die menschliche Stimme war dieses Jahr ein beliebtes Musikinstrument, gesampelt, gefiltert und geloopt wurde sie bei manchen sogar zum Hauptbestandteil ihrer Kompositionen. Babe Terror benebelte mit seinem brasilianischen Tropicalia-Psych-Ambient, Matias Aguayo konstruierte mit seinem Organ hingegen Tanzbares und Julianna Barwick schichtete auf Florine ihren klaren Gesang so oft aufeinander bis sie in die höchsten Sphären des Glückes vordrang. Traumähnlich und erhaben gleiten die Stücke ins Bewusstsein und wieder hinaus, ähnlich und doch immer wieder neu und zurück bleibt das Gefühl, einem wäre eine kleine Sonne im Kopf aufgegangen.

[MP3] Julianna Barwick - Bode
[Stream] Julianna Barwick - Florine

Platz 15
The Juan MacLean - The Future Will Come

Spätestens beim Konzert (RIP Jerry Fuchs) war klar dass The Juan Macleans Songs den Körper mindestens genau so bewegen sollen wie die Seele, aber dazu braucht man eigentlich The Future Will Come nur einmal zu Ende hören, wenn, mit Human Disaster scheinbar am emotionalen Boden endend, das episch-herrliche Happy House jeglichen schlechten Gedanken mit Piano-House und Raketendisco auslöscht. Ähnlich wie die Belgier von Aeroplane brillieren The Juan MacLean mit musikalischem Maximalismus, nicht unbedingt subtile oder clevere Sounds und Motive werden mit größter Effektivität eingesetzt um den Hörer zu bewegen, sei es mit Melancholie oder Euphorie. Was mir auch völlig Recht ist wenn es so wunderbar funktioniert wie hier.

[MP3] The Juan Maclean - One Day
[Stream] The Juan MacLean - The Future Will Come

Platz 14
Oneohtrix Point Never - Rifts

Vier Jahrzehnte, und immer noch gibt es kein futuristischer klingendes Instrument als den Synthesizer. Das verleiht Rifts, auf dem der Großteil von Oneohtrix Point Nevers beatlosen Werken handlich und homogen versammelt ist, zwischen Retro- und Zukunfts-Assoziation ein unstetiges Hörgefühl von Zeitlosigkeit. Doch wie das Instrument in Filmsoundtracks auch für fast jedes anderes Genre, sei es Horror, Porno oder Komödie, genutzt wurde ist nicht jedes von Daniel Lopatins bildevokativen Stücken von der Marke Sci-Fi-Synth, er schlägt in einem wohltemperierten Meer aus Drone und Ambient die Brücke zwischen Arpeggio-Salven und Lasergewitter auf der einen und mit tropischen Tier- und Wellenklängen auf der anderen Seite, Rifts ist eine monumentale, gleichzeitig sehr intime Reise an deren Ende eine noch größere Überraschung wartet.

[MP3] Oneohtrix Point Never - Physical Memory
[Stream] Oneohtrix Point Never - Rifts

Platz 13
Dananananaykroyd - Hey Everyone!

Die zweite Campesinos!-Empfehlung die dieses Jahr richtig ihr Potential entfaltete. Mit einem breiten Lächeln im Gesicht entfesseln Dananananaykroyd aus Glasgow auf ihrem Debütalbum eine ungemein fröhliche (Post-)Hardcoreparty, zwar hochenergetisch, aber nicht auf Konfrontation und Moshpits aus, dafür versprühen die sehr unmartialischen "Yeah"s, Händeklatschen und vor allem Melodien einfach zu wenig Testosteron, Schreiduelle Marke Blood Brothers und gedoppelte Trommelpower hin oder her. [mehr]

[Video] Dananananaykroyd - Some Dresses
[Stream] Dananananaykroyd - Hey Everyone!

Platz 12
Shiina Ringo - Sanmon Gossip

Nachdem Shiina Ringo mit Karuki Zamen Kuri No Hana 2003 an ihrem damaligen künstlerischen Höhepunkt angekommen war, kehrte sie der Popstar-Solokarriere überraschend den Rücken. Ebenfalls plötzlich erfolgte dieses Jahr ihre Rückkehr, wenn auch nicht so überraschend, hatten doch schon 2007 Heisei Fuuzoku, eine Kollaboration mit dem Komponisten Saiko Neto bei der Stücke quer durch ihre Diskographie zu zauberhaftem Orchestralpop transformiert wurden, und die Veröffentlichungen rund um ihr letztjähriges 10. Jubiläum Anlass zu Spekulation gegeben. Neto ist nun einer von vielen die jedem Stück auf Shiinas neuem Werk ein diskretes Klangbild verpassen: Instrumentalbombast, 70s-Agententhriller-Thema, Lounge-Pop, feuriger Clubjazz, ziehharmonikaunterstützter Sologesang und Cyber-Breakbeats u.a. werden hier symmetrisch um das zentrale Stück Shun angeordnet (auch was die Songtitellängen anbelangt), zwar traditionellere Stile als man es von der experimentellen Shiina gewohnt ist, die enorme Dichte an Ideen macht dies jedoch zu alles anderem als einem flachen Hörerlebnis. Wie immer bei Shiina verstehe ich nicht alles was sie macht, aber irgendwann klickt's einfach und ich bin wieder hin und weg.

[Video] Shiina Ringo - Tsugou No Ii Karada

Platz 11
Converge - Axe To Fall

Nach anfänglicher Begeisterung bin ich auf Converges letztes Werk No Heroes dann doch nicht mehr so oft zurückgekommen, mit Axe To Fall sieht das aber anders aus, das ist immer noch wie beim ersten Hören ein echtes Biest. Es ist ungemein schwer, Kurt Ballous herausragende Produktion zu beschreiben ohne zu martialischen Klischeemetaphern zu greifen, so wuchtig ist ihre Dynamik, so fernab der Realität wirkt sie und so stark ist ihr Eindruck auf den Hörer, aber die andere Attraktion ist natürlich die immer wieder frische Wendungen nehmende Musik selbst. Bis kurz vor dem verhältnismäßig ruhigen, aber nicht unpassenden Doppelfinale, gibt es zwischen den rasant und oft von D-Beat vorangetriebenen Songs keine Atempause und wie in dem etwas geradlinigeren, aber in seiner Kompaktheit umso beeindruckenderen Cutter gut zu hören schafft auch Jacob Bannons Gesang es immer wieder sich nochmal zu übertreffen, so wie es die ganze Band mit diesem Album getan hat.

[MP3] Converge - Axe To Fall

Platz 10
Dirty Projectors - Bitte Orca

Statt Fever Ray oder Bat For Lashes hätte ich mich bei Bitte Orca tatsächlich mal über eine erweiterte Neuauflage ein halbes jahr nach Erstveröffentlichung gefreut. Denn mit ihren Kollaborationen mit David Byrne und Björk sowie den neuen Stücken der, hierzulande unerklärlicherweise nicht mal als Download erhältlichen, EP Temecula Sunrise und B-Seiten als Bonusmaterial hätte ich mir das Album glatt nochmal gekauft, so konsistent toll zeigte sich David Longstreths Projekt dieses Jahr. Was mir bei Rise Above neben der komplexen Komposition noch fehlte war der Zugang zu den Melodien, die sind (mittlerweile über vier Stimmen verteilt) diesmal wirklich prächtig ausgefallen und werden von der leicht und warm wirkenden Musik bestens komplementiert - dabei wäre es nun wirklich kein Leichtes, sie nachzuspielen.

[MP3] Dirty Projectors - Stillness Is The Move
[Stream] Dirty Projectors - Bitte Orca

Platz 9
Mungolian Jet Set - We Gave It All Away...Now We Are Taking It Back

Wenn ich in den vergangenen 3 Monaten eine Melodie, einen Hook, einen ungewöhnlichen Rhythmus oder auch einen merkwürdigen, aber angenehme Konnotationen erweckenden Klang im Kopf hatte stammten die in gut 50% aller Fälle von dieser Platte. Zwar eine Sammlung von Remixen, aber Mungolian Jet Set verwursten ihr Quellmaterial dermaßen kohärent zu Weirdo-Disco, düsterem Großstadt-Jazzfunk, euphorischen Sternstunden und sonnengetränkten Yachtgrooves dass es oft ebensogut Eigenkompositionen sein könnten, außerdem sind die über 2 CDs verteilten Stücke kontinuierlich ineinander überfließend dass sie mehr wie ein Album wirken. Bemerkenswert auch wie viele ungewöhnliche, ach sagen wir lieber gleich bekloppte, Sounds zur Verwendung kommen (angefangen mit dem Markenzeichen der Norweger, dem Mung-Gong) und dass, während man sich immer wieder fragt "Was war das gerade für ein Geräusch? Was reden die da? Hab ich das wirklich gerade gehört?", Tracks mit Zungenschnalzen, dramatisch irrem Hecheln und Ziehharmonika trotzdem ernsthaft großartig und nicht alberne Gimmicks sind.

[MP3] Mungolian Jet Set - Creepy

48 Aus 2009 (Teil 4)

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Platz 23
Real Estate - Real Estate

Das beste Argument für frei verfügbare Albumstreams. Auch wenn noch so viele Leute, mit denen ich geschmacklich oft auf einer Ebene liege, schon seit Monaten über diese Band schrieben, von verstreuten Einzelsongs wollte mir ihr Appeal nicht klar werden. Das änderte sich sofort als ich mir einmal das ganze Album bei Boomkat anhörte, ich musste erst mal mit der Stimmung dieser Musik auf eine Ebene kommen. Ihre entspannte Sanftheit/sanfte Entspanntheit/entsaftete Spinat hnn lässt die fast schon countrymäßigen Stücke, die durchaus My Morning Jacket zu Lagerfeuer-Zeiten ins Gedächtnis rufen, substanzarmer und eintöniger wirken als sie sind, besonders in der zweiten Hälfte nimmt das Debüt aber dann auch genug Fahrt auf dass einem Aufmerksamkeitsschwächling wie mir diese delikaten Melodien schnell und gut munden.

[MP3] Real Estate - Fake Blues
[Stream] Real Estate - Real Estate

Platz 22
Deerhunter - Rainwater Cassette Exchange EP

An dieser Stelle ist eine kleine Unterscheidung von Nöten: Der beste Song von Bradford Cox dieses Jahr ist ohne jeglichen Zweifel Quick Canal, seine herrlich neblig-schimmerige Kollaboration mit Laetitia Sadier vom zweiten Atlas-Sound-Album. Die bessere Veröffentlichung aber kam unfairerweise in Deutschland gar nicht heraus, auf Rainwater Cassette Exchange geben Deerhunter Grund zur Annahme dass Cox mit starken kreativen Köpfen zusammen noch besser agiert als solo und beweisen mal wieder dass sie momentan eine der besten verdammten Bands auf dem Planeten sind. Fünf Stücke die ihnen so lässig von der Hand zu gehen scheinen wie sie beeindrucken, mal psychedelisch und verträumt, mal tight und nach vorne wetzend und mal, wie im Finale Circulation, beides gleichzeitig. Das soll erst mal wer nachmachen.

[MP3] Deerhunter - Rainwater Cassette Exchange
[Stream] Deerhunter - Rainwater Cassette Exchange

Platz 21
Zola Jesus - The Spoils / New Amsterdam / Tsar Bomba

Wer von den Werken Nika Danilovas nicht genug bekommen kann darf sich glücklich schätzen, dieses Jahr hat sie sich in zwei Solo- und mindestens drei kollaborativen Projekten das Gegenteil von rar gemacht. Auch ihr Hauptschaffen als Zola Jesus erstreckt sich über deutlich mehr als ihr Debütalbum The Spoils, vorher sammelten bereits die New Amsterdam- und Tsar Bomba-EPs unveröffentlichte Songs und eine Radiosession bzw. 7 neue Stücke. Auf allen drei Releases befinden sich Songs (auf den EPs u.a. Be Your Virgin, Lady In The Radiator, Last Day, Sea Talk und natürlich Rester) die zu den besten des Jahres gehören und zusammen ein überragendes Album ergeben hätten. So ergeben sich "nur" drei sehr gute Veröffentlichungen, da werde ich mich aber sicher nicht drüber beklagen. [mehr]

[MP3] Zola Jesus - Clay Bodies (von The Spoils)
[MP3] Zola Jesus - Sea Talk (von Tsar Bomba)
[MP3] Zola Jesus - Dog (live @ WFMU) (von New Amsterdam)
[Stream] Zola Jesus - The Spoils

Platz 20
Handsome Furs - Face Control

Ich hätte ja nicht gedacht dass mir mit dem zweiten Album des kanadischen Traumpaares das Gleiche passieren würde wie mit dem ersten, I'm Confused kochte auf so hoher Flamme dass ich diesmal keinen langsamen Grower erwartete. Und doch ist auch Face Control, immer wenn ich es gerade höre, ein gutes Stück besser als ich es in Erinnerung hatte. Ist nicht schlimm, nur muss man sich halt merken dass man seinem Gedächtnis nicht trauen kann. Mehr als auf dem Debüt haben es mir diesmal die abwechslungsreichen und clever arrangierten Beats angetan, das hechelnde Klatschen der Single, das unterlassungslose Pochen und die drückende Intensivierung zum Refrain hin in Hotel Arbat Blues oder das Handtrommeln in Officer Of Hearts. Dan Boeckners markant-memorable Stimme und sein Gespür für Melodien sind mittlerweile auch über jeden Zweifel erhaben, gebau so verlässlich wie die Tatsache dass man das nächste Werk der Furs im Anschluss ans kommenden Wolf-Parade-Album erwarten dürfte. [mehr]

[MP3] Handsome Furs - I'm Confused

Platz 19
Marit Larsen - If A Song Could Get Me You

Die Norwegerein wäre beinahe schon letztes Jahr hier gelandet, wenn ich da nur meinen Arsch hochgekriegt hätte um ihr zweites Album The Chase zu importieren. Aber da in dieser Sammlung so ziemlich alle ihrer besten Stücke drauf sind war's vielleicht sogar ein wenig besser so, zum Glück wurde die detailfreundliche Produktion auch nicht nochmal neu überarbeitet. Denn mit herrlichen Details geizen Larsen Songs wirklich nicht, stellenweise laufen vier oder fünf verschiedene Melodien zwischen zwei Streichern, Piano, Gitarre und Gesang zwischen denen das Ohr wandern kann, dazu gibt es auch mal Banjo oder Handclaps (Whoo!) für die mehr folkigen als orchestralpoppigen Songs. Aber das Interessante an Larsens Songs ist der Kontrast zwischen leicht-optimistischer Musik und ihren weitaus ernsteren post-adoleszenten Situationsskizzen, in denen oft noch der rationale Verstand einer Erwachsenen mit emotionalen Impulsen in Konflikt gerät, ein Thema das sie wie kaum eine andere beherrscht.

[Video] Marit Larsen - Under The Surface

Platz 18
Ben Frost - By The Throat

Was pure, bis ins Mark spürbare körperliche Wirkung angeht kam dieses Jahr keiner an Ben Frosts drittes Album heran. Extrem noisig ist By The Throat nicht, es verströmt vielmehr ein Gefühl von Unbehagen, das sich langsam heranschleicht bis man sich völlig von ihm umgeben sieht. Gleichzeitig sind Frosts mit bemerkenswerter Klarheit aufgezeichnete Kompositionen auch von einer schrecklichen Schönheit, dass man immer, wenn man sich abgeschreckt fühlen könnte, wieder darin eintauchen möchte. [mehr]

[MP3] Ben Frost - The Carpathians
[Stream] Ben Frost - By The Throat

Platz 17
Home Blitz - Out Of Phase

Ich werde genau in dem Jahr wissen, dass ich ich nix mehr von aktueller Musik mitkriege, wenn ich am Ende so eine Platte nicht in meiner Liste habe. Veröffentlicht auf nem Kleinstlabel, und das noch Ende November, ist das reguläre Debütalbum von Home Blitz (das erste war eher ne Compilation) eines das schnell in der allgemeinen Schnellsurfigkeit übersehen wird. Dabei ist es in Sachen Powerpop, Garage-Krach oder wie man es auch nennen mag rasant zu meinem großen Favoriten geworden, schnelle, kurze Songs mit Replacements-Kaputtheit, frühe-R.E.M.-Jangle, aber vor allem Hits, Hooks und einer jugendlich-manischen Energie die alles kurz vorm völligen Auseinanderfallen zusammenhält. Da gniedelt Daniel DiMaggio in einer Sekunde ein geniales Riff herunter, verläuft sich scheinbar in der nächsten völlig und stolpert dann mit Getöse in einen wilden Schepperritt hinein. Inmitten des totalen Noise-Blowouts von A Different Touch taucht aus dem Boden unerwartet ein Klavier auf, genau so kaputt verzerrt wie alles andere, und ach ja, zwei der Stücke sind irgendwelche Ambientaufnahmen deren Zweck wohl einzig und allein ist einer 8+-Wertung in respektablen Musikpublikationen zu entgehen. Wahnsinn mit ein bisschen Methode.

[MP3] Home Blitz - Two Steps

48 Aus 2009 (Teil 3)

(Teil 1) (Teil 2) (Teil 4) (Teil 5) (Teil 6)

Platz 31
Blank Dogs - Under And Under

2009 war das Jahr in dem "Blankdoggen" ein Verb wurde. Zwar eines das eher sarkastisch in Rezensionen genutzt wurde, aber nichtsdestotrotz zeigt es den Einfluss von Mike Snipers preisgünstigem Produktionsethos. Trotzdem spielt er was Longplayer angeht immer noch in einer Klasse für sich, nach anfänglichem Routinegefühl entdeckte ich bei einer Bahnfahrt unter Kopfhörereinsatz mal wieder wie die unscheinbare Oberfläche seiner Musik täuschen kann. Die oszillierenden Scooby-Doo-Synths, der Nuschelgesang, die simplen Postpunk-Anschläge bestimmen immer noch das Klangbild, sind jedoch im Vergleich zu frühen Aufnahmen dichter texturiert, präzise eingefangen und werden von Glasklirren, Summen, Bohren, Knarzen und anderen Krachsounds komplementiert. Mit der Losgelöstheit der Stimmen erhielt so eine Nachtfahrt einen unerwarteten American-Gothic-Charakter, wunderbar davon kontrastiert dass Sniper in dieser Atmosphäre völlig eingängige Popsongs unterbringt.

[MP3] Blank Dogs - Tin Birds
[Stream] Blank Dogs - Under And Under

Platz 30
Thursday - Common Existence

Ich bin kein Fan von Dave Fridmanns Produktionen. Jedenfalls nicht mehr. Irgendwann nach Hate begann mir seine innovative Klangschmiererei, besonders in Verbindung mit sinnlos steigenden Lautstärken, gehörig auf die Nerven zu gehen, soweit dass sie bei meinen Ohren mittlerweile Fluchtinstinkte auslösen. Die überraschende Ausnahme bildet dabei eine Band die ich bis vor Kurzem ebenfalls abgeschrieben hatte, nach ihrer Rehabilitation mit der letztjährigen Envy-Split brachten Thursday 2009 mindestens ihr bestes Album raus seit sie zu Jahrzehntanfang zu Screamo-Helden erkoren wurden. Der Gesamtklang ist zwar immer noch zu laut und unförmig,aber hier bringen Fridmanns Soundideen den Songs wirklich ein schönes Mehr. Dazu kommen Thursdays wiedergewonne Klopperlust, ein souveränes Spiel mit Spannung und Entladung und astrale Momente wie in Time's Arrow oder den angemessenen Streichern im zartsüßen Beyond The Visible Spectrum, in Love Has Led Us Astray wird man auch mal an Sensefield erinnert. Aber am schönsten ist es immer noch wenn wie im Finale You Were The Cancer letztendlich der Damm reißt und all die angestaute nervöse Anspannung befreiend herausbricht.

[Video] Thursday - Circuits Of Fever

Platz 29
Annie - Don't Stop / Of The Night EP

Anfangs war ich ja voll an Bord mit der "alte Songs in die Tonne kloppen, lieber frisches, noch mehr meta Material"-Strategie die Annies zweites Album trotz einem Jahr zurückliegenden Leaks nochmal auffrischen sollte, erst recht nachdem die neuen Stücke von Paul Epworth und Richard X' Songs Remind Me Of You zu meinen frühen Favoriten avancierten. Aber als ich dann die UK-Ausgabe dieses Albums mitsamt der EP hörte die die weggefallenen Stücke enthielt konnte ich schon verstehen warum die Fans in den Popjustice-Foren seitenlang darüber debattieren wie man sich aus beiden das perfekte Album basteln kann, gerade die vorhersehbaren Produktionen von Xenomania (Loco ist nicht schlecht, klingt aber fast genau so wie das bereits ein paar Jahre alte, bessere Xenomania-Stück Long Hot Summer) hätte ich nur zu gern mit den herrlichen Singles I Know Ur Girlfriend Hates Me und Anthonio ersetzt gesehen, oder auch mit dem NDW-igen I Can't Let Go, einem der spaßigsten Duette seit dem der 1990s mit Lovefoxxx. Aber letztendlich ist es ja nicht mein Verlust, mit beiden Scheiben zur Hand kann ich mich zur Not selbst unter die Albumbastler begeben. [mehr]

[Video] Annie - Songs Remind Me Of You (von Don't Stop)
[Video] Annie - I Know Ur Girlfriend Hates Me (von Of The Night)

Platz 28
Nite Jewel - Good Evening

Im Verlauf ihres Debütalbums präsentiert Nite Jewel innerhalb ihres schon ziemlich runden Soundprofils eine angenehme Vielfalt: Universal Mind klingt wie ein verlorenes Kleinod eines leicht kitschigen 80er-Teenromanzen-Soundtracks, Chimera wie ein frustriert auf der Stelle tretender Tänzer im Silberlicht. In Artificial Intelligence duellieren sich, das technologieskeptische Thema reflektierend, lebendig vorangeklatschte Synthwolken mit robotisch-monotonen Blubberblasen, auf dem finalen, herrlich schimmernden Roxy-Music-Cover Lover schließlich ähnelt Gonzalez' Stimme mit einer bis dahin seltenen Fülle und Tiefe gar einer jungen Madonna. Anstrengend komplex wirken ihre Stücke nie, dafür sind alle mühelos abzählbaren Elemente bestens aufeinander abgestimmt und strahlen über allen Lo-Fi-Sound hinaus vor allem Eleganz aus. Eine richtig schöne kleine Sensation. [mehr]

[MP3] Nite Jewel - Weak For Me
[Stream] Nite Jewel - Good Evening

Platz 27
Fight Like Apes - Fight Like Apes And The Mystery Of The Golden Medallion

Die nicht enden wollenden Kette von "tollen Bands die mal mit Los Campesinos! gespielt haben" setzte sich auch dieses Jahr fort, beginnend mit dem Debüt dieser Iren. Die waren zwar schon etwas früher in diesem Rahmen empfohlen worden, doch so richtig bekamen sie ihren Keyboards-statt-Gitarren-Sound erst hier auf die Reihe, und schon entfalteten die durch Essen, Wrestling und obskure britische Popkultur gefilterten Songs ihre volle vergnügende Wirkung. Nach einer mächtigen Frontladung lässt die zwar ein wenig nach, aber Sängerin May-Kay, klarer Star dieses Affentheaters, lässt mit ihrer stimmlichen Bandbreite von emotionalem Tiefgang bis wüstem Screamo-Ausbruch keine Eintönigkeit aufkommen. Und eine 12sekündige Melt-Banana-Hommage kann man ja sowieso nur gut finden.

[Video] Fight Like Apes - Tie Me Up With Jackets
[Stream] Fight Like Apes - Fight Like Apes And The Mystery Of The Golden Medallion

Platz 26
Meanderthals - Desire Lines

Die Grenze zwischen Entspanntheit und Eintönigkeit ist ziemlich dünn, und zunächt war ich mir gar nicht mal so sicher ob sie hier nicht überschritten wurde. Aber gerade über ihre etwas längere Spieldauer entfalten das kreisende Akustikgitarrenspiel und die verzahnten Rhythmen mehr als ein Gefühl der Losgelöstheit, je tiefer man in die Musik eintaucht desto klarer werden ihre Feinheiten, desto fesselnder ihre Konstruktion. Aber wenn man will kann man sie auch einfach in ihrer ganzen oberflächlichen Schönheit genießen. [mehr]

[MP3] Meanderthals - Kunst Or Ars
[Stream] Meanderthals - Desire Lines

Platz 25
Eat Skull - Wild And Inside

Mit einem Altersdurchschnitt der mit einer 3 an der Zehnerstelle beginnen dürfte sind die Mitglieder von Eat Skull gewiss nicht die jungen Wilden unter den Krachmachern, in zahlreichen Projekten wie The Hospitals sind sie schon seit Jahren mit niedrigfideligem Klang unterwegs. So zeigen sie auf diesem zweiten Album aus einer angemessenen Erfahrungsdistanz Humor, (Selbst)referentialität und das Wissen, keinem mehr etwas beweisen zu müssen, öffnen sich der Gemütlichkeit, melancholischer Emotionalität (in Form der wunderschönen Spätsommerstrahlen Dawn In The Face und Oregon Dreaming) und schaffen vielleicht die erste unter den jüngeren Shit-Fi-Platten, zu der man auch kuscheln kann. [mehr]

[MP3] Eat Skull - Stick To The Formula
[Stream] Eat Skull - Wild And Inside

Platz 24
The Pains Of Being Pure At Heart - The Pains Of Being Pure At Heart / Higher Than The Stars EP

Ein bisschen fühl ich mich, als hätte ich vom ersten Tag an darauf gewartet dass diese Band mal auf die Fresse fällt, denn langsam wird das schon gespentisch. Von der ersten EP an machten die Pains irgendwie alles richtig, schieben ihren zwar altbekannten, aber passenden Sound auch langsam in neue Richtungen (die dominanten Synths und der Smiths-Gesang auf der neuen EP) und kommen vor Allem immer wieder mit sanften, 1A Ohrwürmern an. Irgendwann werden sie so auch noch den letzten Skeptiker auf dem Planeten überzeugt haben, ich selbst hab vor ein paar Monaten aufgegeben. [mehr]

[MP3] The Pains Of Being Pure At Heart - Come Saturday (von The Pains Of Being Pure At Heart)
[MP3] The Pains Of Being Pure At Heart - Higher Than The Stars (von Higher Than The Stars)
[Stream] The Pains Of Being Pure At Heart - The Pains Of Being Pure At Heart
[Stream] The Pains Of Being Pure At Heart - Higher Than The Stars EP

48 Aus 2009 (Teil 2)

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Platz 40
Micachu - Jewellery

Ein bemerkenswertes Gespür für songwriterische Ökonomie zeigt die Britin Mica Levi - ab und zu unterstützt von ihrer Band The Shapes - auf ihrem Debütalbum. Hier wird keine Sekunde zu lange verweilt, es geht rein in den Song, je nachdem wird das Strophe-Refrain-Schema genau so oft wiederholt wie es muss, ein-, zwei- oder auch keinmal, und schon geht's auch wieder raus ohne dass man sich geschmälert fühlt oder eine Idee unangemessen überstreckt wurde. Transportiert werden diese Ideen von einem idiosynkratischen, scheinbar klapprigen Instrumentarium bestehend aus u.a. Schrammel-Ukulele, Glockenspiel und Bohrmaschine und Electro-Loops das sich mit jedem Hören als ebenso clever inszeniert herausstellt wie Levis seltsame, aber verdammt eingängige Melodien.

[MP3] Micachu - Lips
[Stream] Micachu - Jewellery

Platz 39
Jay Reatard - Watch Me Fall

Genug Material hat das Garagepop-Genie offenbar jederzeit zur Hand, davon zeugen vier Solo-Longplayer in genau so vielen Jahren. Trotzdem ist Watch Me Fall, nach zuletzt zwei Sammlungen von Single-und EP-Veröffentlichungen, streng genommen Jay Reatards erstes Studioalbum seit dem Überwerk Blood Visions und leidet vielleicht auch deswegen ein wenig im Vergleich, nichtsdestotrotz schüttelt er auch hier wieder Hooks en masse aus dem Ärmel. Das Kleid frenetischer Punksalven haben seine Popsongs mittlerweile größtenteils abgelegt, immer mehr Akustikgitarre macht sich breit und auch Reatard selbst bellt seltener als dass er ein sanftes "Ba-Ba-Ba" intoniert und zum Finale bereichert ein Cello das ohnehin herrliche Falsett von There Is No Sun. Wer hätte gedacht dass der Mann auch Traumstunden auf Lager hat?

[MP3] Jay Reatard - It Ain't Gonna Save Me
[Stream] Jay Reatard - Watch Me Fall

Platz 38
Sky Larkin - The Golden Spike

Beinahe hätte ich diese Platte vergessen, da ich die Rezension dazu schon Ende letzten Jahres verfasst hatte hatte ich sie nämlich mental auch unter 2008 abgelegt, aber hier war mein anales Sortieren und Durchhören aller Platten des Jahres prä Listenerstellung mal echt zu was nütze. Und nachdem ich es länger nicht mehr gehört hatte stellte sich The Golden Spike erfreulicherweise als noch besser heraus als ich es in Erinnerung hatte, flotter, druckvoller Indierock (der längst nicht so britisch klingt wie der ihn begleitende Gesang) wie man ihn dieser Tage nur noch selten zu hören bekommt. Jetzt wo ich's mir überlege, jau, Sky Larkin würden perfekt ins Vorprogramm von Pavement passen. [mehr]

[MP3] Sky Larkin - Molten
[Stream] Sky Larkin - The Golden Spike

Platz 36 & 37
Permanent Vacation - Selected Label Works No. 1 / Milky Disco 2 - Let's Go Freak Out

Gewiss, Mixe und Compilations gibt es wie Sand am Meer, jeder kann in welcher Qualität auch immer mit großer Freiheit gewählte Zusammenstellungen zackig auf Rapidshare hauen, oder auch die Werke der Profis bei RA, Fact & Co umsonst runterladen. Was machten also diese beiden käuflichen Zusammenstellungen das sie darüber hinaus hob? Nun, zweierlei: Im Falle von Permanent Vacation stellte ein Label ohne Geschmacksverirrungen ganze 2 Cds mit seinen Veröffentlichungen der letzten Zeit zusammen (unter denen mir sogar die bislang unbekannten von 40 Thieves und Good Guy Mikesh & Filburt am besten gefielen), weniger als einen kontinuierlichen Mix als eine Sammlung die von der stilistischen Verwandschaft dieser Hits aus der Emo-Disco lebt. Einen anderen Weg wählte die ebenso großartige Milky Disco 2, in einem kontinuerlichen Fluss geht es hier von Sandstrand-Vibes über krautinjizierte Experimentalität, Schlafzimmer-Disco und Sternenflüge einmal quer durch so ziemlich alles was mir jenseits von Gitarrenmusik in den letzten paar Jahren gefallen hat, und das auf einem durchgängigen Niveau dass ich hier genau so oft reinhörte wie in ein gutes Album - und öfter als in jeden runtergeladenen Mix.

[Stream] Milky Disco 2 - Let's Go Freak Out

Platz 35
Swan Lake - Enemy Mine

Manchmal hilft es mir, eine Platte im Vergleich oder gar in Opposition zu einer anderen zu hören, dann werden manche Qualitäten schnell klarer. In diesem Falle war mir das zweite Album von Swan Lake, der gemütlich-freundschaftlichen Zusammenkunft der Herren Mercer, Krug und Bejar, nach ihrem imposanten Beast Moans zunächst etwas unbedeutend erschienen. Direkt nach einem vorhergehenden Anhören von Veckatimest wirkte die bislang zu müde, gefasste Platte allerdings wie ein Hardcore-Brett und ist seitdem auch stetig in meinen Ohren gewachsen. Das wohlgemerkt nur weil ich ohnehin allen Akteuren positiv zugewandt bin, auch hier drücken alle trotz angeblich intensiviertem Kollaborationsaspekt "ihren" je drei Stücken deutlich den persönlichen Stempel auf, angefangen mit ihren charakteristischen Stimmorganen, und so wird man diesem Album auch nur soviel abgewinnen können wie allen drei zusammengenommen. Bejars Beiträge gefallen mir sogar am besten, er ist für die poppige Seite verantwortlich zwischen der und Spencer Krugs Waldschrat-Folk (u.a. einer Alternativversion des auch auf Dragonslayer zu findenden Paper Lace) Carey Mercer das manisch-melodische Bindeglied gibt, besonders schön zu hören auf dem finalen Warlock Psychologist .

[MP3] Swan Lake - Spanish Gold, 2044
[MP3] Swan Lake - Spider
[MP3] Swan Lake - A Hand At Dusk

Platz 34
Times New Viking - Born Again Revisited

Es zieht sich wie ein Mini-Thema durch diese Liste, wer seine frühen Aufnahmen noch in (absichtlich) rauem Sound hielt wird mit der Zeit milder, harmoniesüchtiger. Auch Times New Viking schienen dieser Entwicklung bislang zu folgen, auch wenn seine penetrant komprimierte Produktion auf Rip It Off mehr denn je mit glorreichen Hörschäden drohte war es vor zwei Jahren das bislang eingängigste Werk des Trios. Dessen viertes Album nun zeigt sich zwar lautstärkenmäßig tatsächlich sanfter, auch findet sich hier eine neue melancholische Sänfte z.B. in Form des zart-verwundbaren These Days oder des in Klang gefassten Fluchtinstinkts Move To California, an anderer Stelle aber zeigen sich TNV punkig wie seit ihren Anfängen nicht mehr, rotzen einem I Smell Bubblegum und die thrashende Finalskizze Take The Piss entgegen und lassen dazwischen mehr denn je vermuten dass sie auch mit leichter Verspätung von The Velvet Underground zur Bandgründung inspiriert wurden.

[MP3] Times New Viking - No Time No Hope
[Stream] Times New Viking - Born Again Revisited

Platz 33
Lindstrøm & Prins Thomas – II

Das zweite gemeinsame Album der Norweger fand ich ja schon anfangs sehr gut, aber seitdem ich es dann mal mit Kopfhörern probierte bin ich ordentlich darin verknallt. Es ist als hätten die Meister der Kosmik versucht jede Sekunde dieser Scheibe mit Ideen zu füllen die sich bis ins fein heraushörbare Detail erstrecken, das funktioniert sowohl in Einzelportionen wie auch als ein gewaltiger, anfangs zugegeben kaum überschaubarer Trip. Besonders schön war es im Sommer so zu tun als würde man den beiden auf dem Balkon nebenan beim lustvollen, epischen Jammen lauschen, oder auch beim geplanten Spielen, wer weiß das schon genau, ist ja auch völlig egal wenn es so gut die Synapsen zum Tanzen bringt.

[Stream] Lindstrøm & Prins Thomas - II

Platz 32
Patrick Wolf - The Bachelor

Wenn ich nicht ziemlich gut wüsste, dass der Mann sich nicht in seine Kunst reden lässt, würde ich Patrick Wolf ja vorschlagen beim nächsten Album anstatt mit Alec Empire mit Kate Bush zusammenzuarbeiten. Denn während die beiden Stücke mit Digital-Hardcore-Tünchung mir trotz überragender Livedarbietung im Albumkontext nicht so recht zusagen gehören die Bushigsten Momente zu den klaren Highlights auf The Bachelor, wenn sich in The Sun Is Often Out der Songtitel musikalisch manifestiert oder Tilda Swintons Stimme die ohnehin camp-überhöhte Theatralik des Albums unterstreicht. Bin aber auch schwer gespannt was die zweite Hälfte des Albums bringen wird, damit dürfte man ja schon in der kommenden Jahreshälfte rechnen können.

[Video] Patrick Wolf - Hard Times