Neues Von Real Estate, The Magnetic Fields

In meiner verlangsamten Rezeption von Real Estates Debütalbum ist mir zu Zeiten von dessen Veröffentlichung völlig entgangen, dass das Quartett bereits eine Nachfolge-EP auf Lager hat, nun ist die eigentlich erst diesen Monat erscheinende Reality-12" allein schon von den Vorbestellungen her beim Label Mexican Summer ausverkauft und nur noch digital zu bekommen. Dem dort hörbaren Younger Than Yesterday nach zu urteilen dürften sich die sechs neuen Stücke bestens ans Album anfügen:

[Stream] Real Estate - Younger Than Yesterday

Mit etwas Glück haben Real Estate ja auch noch ein oder zwei Exemplare im Gepäck wenn sie nächsten Monat auf Tour kommen, leider auf einer NRW raffiniert umschiffenden Route:

02.02.2010 Prinzenbar, Hamburg
05.02.2010 Magnet Club, Berlin
06.02.2010 Ostpol, Dresden
08.02.2010 Yellow Stage, Frankfurt
11.02.2010 ISC Club, Bern

Dass kaum einer mitgekriegt hat, dass es einen ersten Song vom neuen The Magnetic Fields-Album schon vor Wochen zu hören gab, liegt wohl vor allem daran dass Everything Is One Big Christmas Tree in der Masse der saisonalen Gimmicks leicht untergegangen ist. Nach Distortion, das wie The Magnetic Fields mit aufgesetztem Schrammelsound klang, dürfte das am 29.01. erscheinende Realism nun nach.. nun, The Magnetic Fields eben klingen, Akusikgitarren-Klampfen, munterer Pfeifgesang und ein Chor mit lausig akzentuiertem Deutsch.

[Stream] The Magnetic Fields - Everything Is One Big Christmas Tree

Vielleicht üben Merritt & Co. ja noch ein bisschen bis zu den drei Auftritten im März:

27.03.2010 Babylon, Berlin
29.03.2010 Fabrik, Hamburg
30.03.2010 Mousonturm, Frankfurt

Stream: Vampire Weekend - Contra

Der erste Montag des Jahres, prompt auch schon der erste Albumstream 2010. Wird ja auch langsam Zeit, schließlich soll Vampire Weekends zweites Album Ende der Woche schon in den Regalen stehen. Der Vorabsong Horchata war zwar schon sehr nett, aber obwohl dort ebenso die bislang unterschätzte Rhythmussektion stärker zum Einsatz kam blieb die Single Cousins doch ein enttäuschendes Stück hinter A-Punk zurück. Mal hören was der Rest so bringt, auf Vampire Weekends Homepage gibt es das diesmal von Westküste statt NY-Campusleben inspirierte neue Werk komplett im Stream:

[Stream] Vampire Weekend - Contra

48 Andere Songs Aus 2009

Ich weiß nicht ob es an meinen entschleunigten Hörgewohnheiten lag und es da ein an die Wochen des Jahres gebundenes Phänomen gibt, aber sowohl meine Film-, Album- als auch diese Liste der meistgehörten Songs - seien es Einzelveröffentlichungen oder Songs von Alben die dieses Niveau nicht halten konnten - die sich nicht auf den Platten der Albumliste finden, rangierten nicht nur alle im 50er-Bereich sondern kamen bei einer spontanen Aufstellung alle kurioserweise auf 48 oder 49 Einträge. Bislang hatte ich mich an sowas nicht rangetraut in der Sorge zuviel zu übersehen, aber über Twitter- und Tumblr-Einträge (sowie über die gratis verfügbaren Songs von denen ich mich nicht trennen wollte) konnte ich diesmal ganz gut nachvollziehen was dieses Jahr jenseits von Alben mein Ohr im Griff hatte. Plus, dank Twitter war ein Großteil der Texte dazu schon vorher fertig, der Natur des Mediums entsprechend natürlich auf 140 Zeichen beschränkt (inklusive Künstler, Songtitel, Tag zum Wiederfinden und Link zum Hören wohlgemerkt - alles andere wäre zu komfortabel). Mit den Links war ich diesmal ebenso faul, aber über Google sollten sich die als legale Gratissongs erhältlichen Stücke bei Interesse leicht finden lassen.

A Mountain Of One - Bones:
Wer das Barbarella-Remake dreht sollte für nen trippigen Space-OST bei AMO1 anfragen.

A Sunny Day In Glasgow - Ashes Grammar / Ashes Math:
Zart umherwirbelnd wie ein Gefühl das gerade vergessen wird

Air France with Roos - GBG Belongs To Us:
Eine Ode an die Heimatstadt im Stil ihrer Helden Saint Etienne

Anamanaguchi - Dawn Metropolis:
Gameboyrock-Farbexplosion Marke Trans Am mit endlos-Repeat-Appeal

Architecture In Helsinki - That Beep:
Bester Sommerpartysong 2009, bedauerlicherweise 5 Monate zu früh erschienen

Atlas Sound - Quick Canal (ft. Laetitia Sadier):
Krautgroovt mit leuchtenden Droneschwaden in himmlisches Rauschen

Boredoms - Ant 10 (Remix By DJ Lindstrom):
Aus den Weiten des Kosmos über Discofunk zur großen Euphorieexplosion

Boris - Buzz In (Optimo Remix):
Ganz recht, das sind wirklich DIE Boris im schottischen Laserfeuer-Discogewitter.

Cold Cave - Theme From Tomorrowland:
Wuchtig, futuristisch, hymnisch und doch innerlich verwirrt

David Cassidy Vs. Donna Summer - Romance (Lovemix):
Brummbär und Discoqueen an der Riviera.

Demis Roussos - Love Is (Dimitri From Paris Sunday At The Loft Remix):
So grandios & soulig wie der Titel verheißt

Destroyer - Bay Of Pigs:
Bejar spielt mit Elektronik und freestylt über Windsurfschen Softdance - Warum nicht?

DJ Kaos - Love The Nite Away (TieDye Mix):
Garantiert lange, sanfte und festive Mittelmeer-Sommerabende

Girls Aloud - The Loving Kind:
Herrlicher Pet-Shop-Boys-Song, spätestens erkennbar an der Verwendung von "disinclined"

Grizzly Bear - Two Weeks:
Tänzelnde Stimmen und ornamentierte Musik walzern im Lichtermeer

Holy Ghost! - I Will Come Back:
Die DFA-Geheimwaffe auch großer Synthdisco-Sommerhitjagd in der Großstadt

James Blackshaw - Cross:
Kristallene Traumwelt wächst um Blackshaws Gitarrenspiralen - der Song des Jahres

Johnny Foreigner - Criminals:
Mit Wechselgesang und Gitarrenspiralen gegen korrupte Bauausschüsse. Fight the power!

Katy Perry - Hot 'N Cold:
Prescht egozentrisch und überdreht voran; mit einem Song rechtfertigt Perry ihre Existenz

Lindstrøm & Prins Thomas - Tirsdagsjam:
Ein intergalaktisches Progkrautdiscogroovemonster das auch Samstags jammt

Los Campesinos! - The Sea Is A Good Place To Think Of The Future:
Immer noch beautiful & doomed, mehr Xiu Xiu & Emo

Lucky Soul - Lonely This Christmas:
Wie jedes Jahr brachten auch diese Festtage mindestens einen veritablen Ohrwurm hervor

Major Lazer (feat. Ricky Blaze & Nina Sky) - Keep It Goin' Louder:
So pumpend und synth-pulsierend dass selbst Autotune-Exzess nicht stört

Manic Street Preachers - Jackie Collins Existential Question Time (Saint Etienne Version):
Manics als eleganter Pop

Memory Cassette - Surfin (Sail A Whale Version):
The Field ohne Loopgedönse und ein paar Sphären höher schwebend

Men - Off Our Backs:
Der Moment als nach langem Spannungsaufbau der shoutige Refrain ausbricht: Sensationell

Mini Viva - Left My Heart In Tokyo:
Hookgeladener Discopop glänzt so poliert-futuristisch wie eben jene Stadt

Montée - Isle Of Now:
Norwegische Version von Phoenix mit Bongos und Falsettrefrain zum ultimativen Yachtcore-Jam

Nite Jewel - Want You Back:
Vereint elegant distanzierten Gesang, pointierte Synthanschläge und Beats mit Schmackes

Parallels - Ultralight:
Glammig-futuristischer Neo(n)-Italo als kanadische Kehrseite von Junior Boys' Wimplectro

Pissed Jeans - False Jesii Part 2:
Pigfucker exen ein Sixpack und toben durch den schweißtriefenden Kellerclub

Prince Rama Of Ayodhya - Golden Glow:
Joanna Newsom verliert Harfe bei Tibet-Reise, kehrt mit Buddhistenband zurück

Pure Ecstasy - DWLDWD:
Trockene Hallade lullt im zauberhaften Schleichtempo ein

Richgirl - He Ain't Wit Me Now (Tho):
Auch Chartpop-Hits können zu Geheimtipps werden, siehe auch Electrik Red

Saint Etienne - Method Of Modern Love (Richard X Join Our Clique Mix):
Bringt nach zwei Minuten pure Erhabenheit

Saint Etienne - Spring (Air France Remix):
Federleichtem Klassiker einmal frisch durch die Federn gewuschelt

SNSD - Gee:
Anderswo holte sich der boomende K-Pop RedOne und Bloodshy&Avant ins Haus, der addiktivste Song war aber Eigenbau

Still Going - Spaghetti Circus:
Mächtige Vocals + Pianohämmern + Nudelgitarre kann auf DFA wohl nicht versagen.

Superchunk - Crossed Wires:
Die Indie-Helden melden sich zurück, rasant und melodisch wie eh und je

The Horrors - Sea Within A Sea:
Die Zutaten sind bekannt, das Resultat trotzdem arpeggitastisches Britkraut

The Kiara Elles - Odio:
Abgehackt-dringlicher Gesang auf saucool hüpfendem Beat in perfekten 2:22 Popminuten

The Noisettes - Wild Young Hearts:
Alben kriegen sie immer noch keine hin, dafür eine Single wie diese

The Raveonettes - Suicide:
Zuckerduett steht den Dänen doch ein wenig besser als Lynch und Lederjacken

The School - All I Wanna Do:
Die walisische Ausgabe von Lucky Soul/Camera Obscura, nicht minder grandios melanchoherzig.

The Sound Of Arrows - Into The Clouds:
Luftiger Göteborg-Pop anno 2008 auf Indiedisco gebügelt, trotzdem gut.

The Veronicas - Untouched:
Wunderbar dramatischer, verwirrter, hektischer Düsterrave mit Bombastgitarren

Visti & Meyland - Yes Maam (All Nite Long):
Prisencolinensinainciusol groovt eng umschlungen mit Machs On And On

Von Spar - HyBoLT:
Herrlicher Griff nach den Krautdiscosternen, übertrifft sogar den remixenden Prins des Metiers

Yeah Yeah Yeahs - Heads Will Roll

The Hundred In The Hands / Nika+Rory



Wie immer beginnt das neue Jahr mit den Songs, bei denen es mich während meines selbstauferlegten "Nicht über neue Musik schreiben"-Embargos der letzten Tage am meisten in den Fingern gejuckt hat. Dressed In Dresden von The Hundred In The Hands wartet mit einer derartig auf mich zugeschnittenen Mischung auf dass ich mich doch fragen muss wie ich das Duo so lange ignorieren konnte, elektronisch rhythmisierte Gitarren-Schrapnelle mit wach-warmem K-Records-Gesang als hätten Bloc Party nach Silent Alarm Kele Okereke mit Khaela Maricich ersetzt. Da der Song den Leuten von Warp Records wohl auch gefallen hat, hat man dort das Duo unter Vertrag genommen und verschenkt in Aussicht auf mehr nun eben jenen Song:

[MP3] The Hundred In The Hands - Dressed In Dresden



Nika+Rory ist eine der kürzlich erwähnten Kollaborationen von Nika Roza Danilova alias Zola Jesus, mit dem Beatmacher Rory Kane lässt sie jenseits von Düstergefilden mal richtig die große Popsängerin raus und das Ergebnis ist im Falle von I'm Not Going Anywhere auch derart fabelhaft dass ich seit zwei Wochen dadurch mindestens einmal pro Tag zu Myspace getrieben werde. Mehr Songs haben die beiden glaub ich schon fertig, dauert also vielleicht nicht mehr allzu lange bis zur ersten Veröffentlichung.

[MP3] Nika+Rory - I'm Not Going Anywhere

Nika+Rorys Myspace