70 aus 2008 Teil 5

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Platz 42
Deerhoof – Offend Maggie (CD-Version)

Wie bei Xiu Xiu erwarte ich an diesem Punkt nicht mehr dass Deerhoof schlechte Alben machen können. Allerdings hat mich Offend Maggie wieder angenehm überrascht, mit dem Kunststück irgendwie gleichzeitig mehr Kanten als Friend Opportunity zu haben und doch noch leichterer, verspielter, müheloser rumzurocken. Mit Ed Rodriguez, der die Band wieder zum Quartett macht, gibt es interessantere zweite-Gitarre-Dynamiken, gleichzeitig sind Deerhoof so weit von bierernstem Muckertum entfernt wie eh und je, da braucht der Cheerleader-Nonsens von Basketball Get Your Groove On nur als ein Beispiel für herzuhalten. Mein einziges Problem ist dass mir die Tracks wirklich ein gutes Stück besser in der Reihenfolge der Vinylversion gefallen, insbesondere der Anfang. Hätte ich etwas früher angefangen es so zu hören wäre das Album noch einige Plätze weiter oben. Trotzdem eine ganz große Band.

[MP3] Deerhoof - Chandelier Searchlight

Platz 41
The Fiery Furnaces – Remember

Nach dem Desaster zu Beginn hatte ich ja etwas Angst vor diesem Album das gleich zwei Dilemmata erfindungsreich umschifft: Zum Einen scheinen Livealben in Zeiten von online omnipräsenten Audio- und Videobootlegs überflüssig, zum Anderen hat wohl jeder Fan unter den vielen unterschiedlichen Liveinkarnationen der letzten Jahre andere Favoriten. Welche Versionen haben die Furnaces also ausgewählt? Nun, äh, alle quasi. Die Stücke auf Remember sind Frankensteinsche Monster, mühevoll und sekundengenau aus einzelnen Liveaufnahmen neu zusammengeschnitten. So wird was bei anderen Bands lediglich ein Dokument ist bei den Friedbergers zur originären Neuschöpfung, ein Versuch das eigene Material um zwei Ecken neu zu interpretieren.

Dabei kriegt man gleich zu Anfang einen Eindruck davon wie hart der Job von Eleanor Friedberger ist, als Sängeräquivalent einer Mathcore-Gitarristin muss sie lächerlich viele und komplizierte Verbalriffs abarbeiten, dass sie sich nicht öfter wie im ersten Stück verhaspelt bleibt erstaunlich. Auch andere Liveimpressionen wie Publikumsgeräusche und Ansagen tauchen zwischendurch auf, lockern das Gesamtgeschehen aber nicht so weit dass ich irgendwem empfehlen würde alles an einem Stück durchzuhören. Auch für Neueinsteiger in die Welt der Friedbergers fände ich diesen Karrierequerschnitt zu überwältigend, da bleibt die erste Adresse die poppige EP. Für Fans der besten Band der Gegenwart ist Remember aber natürlich ein Muss.

[MP3] The Fiery Furnaces - Navy Nurse

Platz 40
Broken Social Scene Presents: Brendan Canning – Something For All Of Us...

Soloalbum Schmoloalbum, Something For All Of Us... klingt für mich wie die lineare Fortsetzung des selbstbetitelten BSS-Albums von 2005. Anders als Kevin Drews trifft Brendan Cannings BSS-Album ziemlich genau das was ich am prall gefüllten Kuddelmuddel-Popcore des Kanada-Kollektivs am meisten mag, angefangen beim Frauengesang (hier vor allem von Land Of Talks Liz Powell übernommen) den ich in dieser Form auf Spirit If... schwer vermisst hatte. Und wie in Hit The Wall gegen Ende die Gitarre abgehängt wird von einer Welle aus Streichern, Bläsern und purer Gutlaune, der Gesang, das Zusammen, das Miteinander Durcheinander, ich meine, das ist es doch wohl. Broken Social Scene.

[MP3] Broken Social Scene Presents: Brendan Canning - Hit The Wall

Platz 39
Surf City – Surf City

Über die Verbindungen zu The Clean und Pavement wurde an dieser Stelle schon genug geschrieben, wichtiger aber ist ohnehin dass die Debüt-EP des neuseeländischen Quartetts bei allen guten Referenzen auf eigenen Beinen steht. Surf City haben ein verdammt gutes Gespür für die richtige Melodie im richtigen Rahmen, seien es die euphorisch hallenden Wechselrufe in Records of a Flagpole Skater, das muntere Dudeln von Headin' Inside oder den langgezogenen Twang des weit ausladenden Finales Free The City. Sechs catchig-schrammelige Stücke über deren Verlauf Surf City kein einziges Mal stolpern, was will man für den Anfang mehr?

[MP3] Surf City - Headin' Inside

Platz 38
The Week That Was – The Week That Was

Gleich zwei Früchte trug dieses Jahr die Umstrukturierung von Field Music, Anfang des Jahres brachte Peter Brewis sein Projekt School Of Language an den Start das mir allerdings längst nicht so gut gefiel wie das seines Bruders. Vielleicht weil The Week That Was einen Teil der 80er referenziert den ich in letzter Zeit erst zu entdecken begonnen habe, die abenteuerlichen Popwerke Kate Bushs oder Peter Gabriels neben deren Ambitionen, Vorstellungskraft und letzliche Exekution die Synthdudeleien die dieses Jahr überall wieder auftauchten nur verblassen lassen können. Brewis streift dabei nicht weit ab von Field Musics XTC-infusioniertem Querpop, stapelt ihn eher eine Lage höher. [mehr]

[Video] The Week That Was - Learn To Learn

Platz 37
D.Lissvik – 7 Trx + Intermission

Westküstensommer die Dritte! Dan Lissviks Soloplatte erschien so spät im Jahr dass sie auf kaum einer Jahresendliste ihren verdienten Platz einnehmen konnte, aber solche Bedenken scheinen den beiden Studio-Leuten fern zu liegen. Die bringen raus was fertig ist wenn es fertig ist, in diesem Fall eben die ersten Neuschöpfungen (also Nicht-Remixe) seit West Coast. Lissvik jammt entspannt bis episch mit sich selbst und man selbst sitzt als Zuhörer mit im Raum, ein sanfter Trip der ein bisschen tiefer geht als alles andere Gute was derzeit aus Schweden kommt. [mehr]

[Video] D.Lissvik - Track 5

Platz 36
Volcano! – Paperwork

Hm, heute kann ich mir ja viel Kreativarbeit sparen, wieder ein tolles Album zu dem ich mich bereits an anderer Stelle ausführlich geäußert habe. Volcano!s zweite Packung herrlich überbordernden Math-Jazz-Gitarrenpops hat auch bis heute ihren Appeal zwischen Wahnsinn und Methode gewahrt, während ich ihr erstes Album später doch nur noch in Auszügen hörte gefällt mir Paperwork bis heute auch an einem Stück und Slow Jam, Tension Loop und sowieso Palimpsests sind immer noch klare Jahreshighlights. [mehr]

[Video] Volcano! - Africa Just Wants To Have Fun

70 aus 2008 Teil 4

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Platz 49
Chauchat – Upon Thousands

Auch wenn Last.fm nicht das allmächtige Statistiktool ist das ich mir mal erhofft hatte, eine Enthüllung hatte es zu bieten: Chauchat waren demnach auf Platz 13 meiner meistgehörten Künstler dieses Jahr. Auch weil ich mir eine Weile den Kopf darüber zerbrach an wen mich die Band am meisten erinnerte (und seit ein paar Wochen weiß ich's nun: Deerhunter), aber vor allem weil das mal eine Platte ist deren Klang ich richtig genieße. Alles klingt so räumlich, so warm, fast als wäre Yellow House ein Rockalbum geworden. Man hört die angeschlagenen, unverzerrten Saiten einzeln hallen, wie sich die Gitarren im Wind der Melodien wiegen, wie Tyler Whitneys Stimme manchmal den Ton nur so gerade trifft. Obwohl Chauchats Songs oft nicht die offensichtlichsten Wege gehen ist dies nicht die originellste oder gar modischste Musik der Welt, nein, besser. Es ist ein echtes Liebhabealbum.

[MP3] Chauchat - Fight Obscurity

Platz 48
El Guincho – Alegranza!

Die lange Wartezeit war es wert dieses Album über den Umweg England aus Spanien zu importieren, hätte ich auf den internationalen Release gewartet (von dem damals eh noch keiner was wusste) wäre der ganze Sommer schon an ihm und mir vorbeigezogen gewesen. Und die Mitte des Jahres war einfach die ideale Zeit für El Guinchos tropischen Optimismus, ähnlich wie The Go! Team nur eben mit mediterranen und südamerikanischem Quellmaterial verwurstet Alegranza! über betanzbaren Rhythmen haufenweise Samples um daraus eine kurzweilige aber durch und durch gut gelaunte Feststimmung zu zaubern.

[MP3] El Guincho - Palmitos Park

Platz 47
Jóhann Jóhannsson – Fordlândia

Mein erster Eindruck lag etwas daneben, Fordlândia beginnt gar nicht mit langer Stille, das habe ich erst gehört als ich die CD hatte. Die Töne sind anfangs nur so leise dass man die Anlage wirklich laut aufdrehen muss, und wie meistens in diesen Tagen ist das ein gutes Zeichen. Denn erst wenn man wie hier einen gewaltigen Unterschied zwischen den leisen und den lauten Tönen wahrnimmt entfaltet sich die wahre Epik von Stücken wie eben dem stetig lauter, stetig herrlicher anschwillenden Titelstück. Jóhannsson integriert nahtlos Elektronik in seine klassisch orchestralen Arrangements die voller Details stecken, wie dem Wabern das sich lange Zeit im Hintergrund von Chimaerica versteckt, toll auch die Verwendung eines Chors in The Great God Pan Is Dead. Mein momentanes Lieblingsalbum des Isländers.

[MP3] Jóhann Jóhannsson - The Rocket Builder

Platz 46
Fuck Buttons – Street Horrrsing

Sanfte Produktion ist sicher nichts worüber man sich hier Gedanken machen muss, aber das ist bei Noise, selbst wenn er so kinderfreundlich ist wie hier, ja auch nicht das Ziel. Dafür liefern Fuck Buttons etwas anderes das ich dieses Jahr sehr zu schätzen wusste, ihre Mischung aus harsch verzerrtem Sägen, geloopten Percussionmustern, animiertem Geschrei und zugänglichen Melodien wird nie richtig unterbrochen sondern läuft nahtlos von einem Stück ins nächste. So begibt man sich auf einen einzigen farbenfrohen Trip der nie langweilig wird, ein Ritt auf einem Regenbogen aus Kettensägen und Handgranaten.

[MP3] Fuck Buttons - Bright Tomorrow

Platz 45
Thursday/Envy – Split LP

Das Konzept der Split-Veröffentlichungen ist sicher nicht auf die Hardcore-verwandten Genres beschränkt, dort finden aber oft interessante Wege des künstlerischen Austauschs statt die ich gerne auch anderswo verfolgt sehen würde. Im Falle der Screamos von Thursday ist man dabei zum Beispiel den Endzeit-Krächzern Envy entgegengekommen und bollert, unterstützt von stimmungsvoller Elektronik wie sie die Japaner auch in letzter Zeit öfter einsetzen, endlich wieder mit den apokalyptischen Untertönen von Full Collapse durch die Gegend. Auch Envy betreiben hier in Hochform cineastisches Soundscaping, zarte Momente in denen einzelne Sonnenstrahlen die Wolkendecke durchbrechen werden bald im Keim erstickt und spätestens mit dem grandiosen Finale Pure Birth And Loneliness ist diese Veröffentlichung das beste was beide Bands in den vergangenen 5 Jahren geschaffen haben.

[Video] Thursday - In Silence

Platz 44
Be Your Own Pet – Get Awkward

Eine Weile spielte mein Mp3-Player dieses Jahr verrückt und zeigt kopierte Musiktitel immer nur in Großbuchstaben an, im Falle von Be Your Own Pet erschien das aber auch völlig angemessen. Für ihr zweites Album scheinen sie sich wochenlang nur von Pizza, (Whisky-)Cola und B-Movies ernährt zu haben, auf Get Awkward lassen sie ihrem jugendlichen Appetit auf Zerstörung wieder freien Lauf mit prima Slogans (“Eating pizza is really great, so is destroying everything you hate”), noch besseren Songs (der Mörderballade Becky nach Vorlage der “Juveline Delinquent”-Movies der 50er, Zombie Graveyard Party der Russ-Meyer-Hommage The Kelley Affair) und natürlich Songtiteln die in Großbuchstaben geschrieben werden wollen: BLOW YR MIND! BITCHES LEAVE! FOOD FIGHT! Vielleicht ganz gut dass dies auch ihr letztes Album war, ewige Juvenilität steht nur wenigen.

[Video] Be Your Own Pet - Becky

Platz 43
Guillemots – Red

Auch das chaotische zweite Album der Guillemots stieg beim Wiederhören in meiner Achtung. Klingt insgesamt doch um Einiges ruhiger und angenehmer als ich es in Erinnerung hatte, am problematischsten ist noch die Sprunghaftigheit zwischen den stark voneinander verschiedenen und stellenweise unnötig überladenen (auch wenn das meistens die Attraktivität der Briten ausmacht, wie wenn sie später in Don't Look Down erfolgreich eine verträumte Ballade auf knarzigen Drum 'N Bass legen) ersten Stücken. Ab Clarion pendelt sich Red dann in einer gesunden Balance zwischen formalem und klanglichem Ideenreichtum und solidem Songwriting ein mit dem Fyve Dangerfield mal wieder vermuten lässt dass er einen heißen Draht zum Himmel hat. Wo sonst beschwört der Mann diese zum Schmelzen schönen Melodien her? Übrigens ein tolles Regenwetteralbum.

[Video] Guillemots - Falling Out of Reach

70 aus 2008 Teil 3

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Platz 56
Windsurf – Coastlines

Westküstensommer die Zweite! Diesmal allerdings die amerikanische Variante, die Herren Hatchback und Sorcerer tun sich zusammen zu einem Album das einerseits eine Synthese aus ihren beiden Solosachen ist, andererseits lustigerweise eine völlig andere Wirkung auf mich hatte als das später noch zu erwähnende Hatchback-Album. Windsurf habe ich erst richtig genießen können als ich mal aufhörte hinzuhören, als ich die Musik einfach im Hintergrund auf mich wirken ließ schälten sich die Melodien richtig hervor, die quer durchs bunte Farbspektrum getränkten Horizonte begannen sich aufzuspannen und in mir erwachte die Lust nach einem eiskalten Cocktail.

[MP3] Windsurf - Pocket Check

Platz 55
Morgan Geist – Double Night Time

Ich kam für den Greenspan und blieb für den Geist. Dass mich die vertraute Stimme direkt an Junior Boys erinnerte half sicherlich dabei dass ich sofort Gefallen an dieser Platte fand, darüber hinaus aber sind es Geists feine Kompositionskünste die auf emotionale Resonanz stoßen. Ähnlich der letztjährigen Chromatics-Platte ist Double Night Time eine Liebeserklärung an nächtliche (Irr-)Fahrten, an Lichter die die Großstadt erleuchten und das gewaltige Erleignispotential das schon einer einzigen Nacht innewohnt.

Platz 54
The Hold Steady – Stay Positive

Stay Positive ist gewiss nicht die lauteste Rockpatte die ich mir dieses Jahr zugelegt habe, jedoch war hier der Punkt bei mir erreicht wo die Aufnahmen einfach so hässlich klangen dass mir die Lust am Hören verging. The Hold Steady dürften daran keine Schuld tragen, sie schreiben immer noch großartige Songs (was noch deutlicher daran wird dass die Bonustracks auf dieser CD locker mit dem Rest des Albums mithalten können, nur eben nicht richtig reingepasst hätten) und obwohl ich mich genausowenig damit identifizieren kann wie letztes Jahr bei James Murphy macht es Spaß Craig Finn zuzuhören wie er darüber sinniert würdevoll zu altern. Nur wenn man sich das Ganze nicht in Ruhe anhören kann muss man halt ein paar Spaßabstriche machen.

[Video] The Hold Steady - Stay Positive

Platz 53
Ladytron – Velocifero

Schon als die saftigen Numan-Synths von Black Cat erstmalig ertönten hatte ich ein enorm gutes Gefühl, nach mehreren Monaten des Hörens bin ich mir nun sicher dass dies mein Lieblingsalbum von Ladytron ist. Klar stehen die beiden fabelhaften Gesangsstimmen heraus (wobei Daniel Hunts Einsatz auf dem finalen Versus auch gelobt werden muss), die manchmal meterbreiten Synthklänge sind noch tiefschwarzer geworden, die Geheimwaffe sind aber die Drumsounds die auch dann Aufregung in die Stücke bringen wenn eines der anderen beiden Elemente generische Momente hat. Wenn dann alle drei wie auf I'm Not Scared in Hochform erscheinen vergesse ich auch sofort den kurzen Durchhänger den die Platte in der Mitte hat.

[MP3] Ladytron - Black Cat

Platz 52
TV On The Radio – Dear Science

Tja öhm, siehe zwei Einträge zurück sage ich mal. Eine Woche habe ich's vielleicht mit dieser Platte probiert und ich glaube ich mag sie, aber seitdem muss ich nur daran denken wie das große Finale dadurch versaut wird dass selbst die leisesten Momente laut und blechern aus meinem Kopfhörer dröhnten und mir vergeht wieder die Lust diesen Eindruck zu verstärken. Wenn die Band keinen Vertrauenskredit bei mir hätte wär die Platte noch ein gutes Stück weiter unten.

[Video] TV On The Radio - Golden Age

Platz 51
Glass Candy – Deep Gems: A Collection Of Singles, B-Sides & Rarities

Wenn man sich den globalen Tourplan von Glass Candy in diesem Jahr anschaut scheint sich einiges für Ida No und Johnny Jewel geändert zu haben, ihre Tonträger jedoch verschicken sie immer noch zusammen mit IDIB-Mitbegründer Mike Simonetti eigenhändig. Deep Gems sollte noch vor dem nächstjährigen Album klar machen dass der kreative Brunnen der beiden nicht so schnell erschöpfbar ist, selbst die Alternativversionen von Beatbox-Tracks sind so verschieden dass man sich glatt ein zweites Mal in sie verlieben kann. Darüber hinaus gibt es aber viele neue Italo-Taumeleien mit romantisch-finsterem Unterton, mit den charakteristischen Knarzsynths, interessanten neuen Percussion-Arragements und Nos Vokalcharisma. Favoriten: das treibend stampfende The Beat's Alive und das sexy schunkelnde (für Rheinländer ein vermeintliches Oxymoron, ich weiß) Feeling Without Touching.

[Video] Glass Candy - Feeling Without Touching (live)

Platz 50
The Indelicates – American Demo

Lange hab ich mich drauf gefreut, dieses Jahr brachten The Indelicates endlich ihr Debütalbum heraus das so viele Qualitäten verkörpert die ich an britischem Pop so schätze, herrlich böse, witzig, politisch, kurz alles was unvereinbar mit modernem UK-Indie Marke NME ist. Sie sind nicht die handwerklich besten Musiker der Welt und wissen es auch, trotzdem und gerade deswegen schreiben sie clevere, eingängige Songs vom Ende der Popmusik, über den Niedergang des Feminismus oder das dieser Tage prophetisch wirkende If Jeff Buckley Had Lived und echoen dabei Kenickie, Kate Bush (man vergleiche Romeo And Juliet mal mit Dream Of Sheep) und Luke Haines.

[VIdeo] The Indelicates - America

70 aus 2008 Teil 2

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Platz 63
Oxford Collapse – Bits

Die Rückkehr des Slackertums scheint langsam anzulaufen, im US-TV starteten mit Chuck und Reaper jüngst gleichzeitig zwei Serien deren Protagonisten Underachiever sind wie es sie vor 15 Jahren an allen Ecken der Popkultur gab. Eigentlich wären Oxford Collapse, in ihrer effektvollen Schlampigkeit die wohl klassisch subpoppigste aller neueren Sub-Pop-Bands, der ideale Soundtrack dafür. In typischer Imperfektion ist der beste Song des Trios dieses Jahr nicht einmal auf ihrem zweiten Sub-Pop-Album zu hören, Amongst Friends erschien stattdessen anderswo in kleiner Auflage auf Vinyl. Vielleicht war das aber doch Kalkulation, Bits ist nämlich ohne eine Single mit Soundtrackpotential ein homogeneres Album geworden als ihr letztes und stolpert elegant durch die Gegend.

[MP3] Oxford Collapse - The Birthday Wars

Platz 62
A Mountain Of One – Collected Works

Ach wenn das Entdecken von geschmackskompatibler Musik doch immer so einfach für mich wäre. Ich gab den Briten letztes Jahr zunächst allein deshalb schon mal eine Chance weil sie ihr Myspace-Profil mit Jodorowsky-Filmausschnitten behängt hatten, Vorschussvertrauen das sich auszahlte. Diese Kollektion ihrer beiden EPs und Singles ist ein bisschen wie eine Reise durch die Plattensammlung von jemandem der seine halbe Bude nur mit LPs gefüllt habt, mit Anklängen von Prog, Psych, Kraut, Wave die stellenweise etwas kitschig erscheinen aber in ihrer Summe irgendwie doch immer einen packenden und faszinierenden Trip ergeben. Einziger Wermutstropfen: Der Hippiegrütze-Text von People Without Love, au au aua autsch.

[Video] A Mountain of One - Brown Piano

Platz 61
The Magnetic Fields – Distortion

Im Nachhinein betrachtet ist schon lustig wieviel Aufhebens um den Mantel der Verzerrung gemacht wurde in den dieses Album gehüllt ist ("ZOMG Jesus & Mary Chain" etc.), denn wegen Stephin Merritts extremer Lärmempfindlichkeit bleibt live eh alles beim Alten (hier bspw. California Girls live) und songmäßig ist es auch ein Magnetic Fields-Album wie jedes andere. Nicht das beste, aber mit vielen Ohrwürmern ein sehr gutes und Merritt schreibt immer noch Popsongs wie kein anderer (“Faux folks sans derrieres”: Diss des Jahres!)

[MP3] The Magnetic Fields - California Girls

Platz 60
British Sea Power – Do You Like Rock Music?

Meine Meinung über dieses Album ging das Jahr über rauf, runter und ist mittlerweile wieder weit rauf. Nicht so sehr dass es ein Grower wäre, zeitweise irritierte mich das Aufreiben der sanften, naturverbundenen Melodien mit den hymnischen, pompösen Arrangements einfach so sehr dass ich die Lust am Hören verlor. Aber darum krame ich sämtliche Musik ja am Ende des Jahres wieder heraus, um dann zu merken dass ich von diesen Bedenken beim Hören nichts mehr merke, erst recht wenn ich den überzogenen Rahmen des ersten und letzten Stücks ausblende. BSP bleiben eine einzigartig exzentrische und hörenswerte Band, und Gott sei Dank sind sie nicht “Die neuen Arcade Fire”.

[MP3] British Sea Power - Waving Flags

Platz 59
Pacific! – Reveries

Westküstensommer die Erste! Es wundert mich schon dass ich dieses Jahr nicht öfter über Pacific! gelesen habe, die scheinen mir genau in die Air France/Tough Alliance/Boat Club/Studio-Ecke Göteborgs zu passen über die es echt einen Haufen Artikel gab. Vielleicht sind sie einfach nur nicht Teil dieser Clique, ihre Musik jedenfalls ist leichtfüßig und sonnenaffin wie die anderen musikalischen Erzeugnisse dieser Strandpartygemeinde, ein bisschen melancholisch, tanzbarer und mit stärkeren Anbindungen an moderne Elektroklänge aber immer noch mehr musikalische Meilen vom Knarzgeboller Frankreichs entfernt als physische.

[MP3] Pacific! - Hot Lips

Platz 58
Kelley Polar – I Need You To Hold On While The Sky Is Falling

Ich weiß dass man das dieser Liste wahrscheinlich nicht klar ansehen kann, aber mehr als je zuvor habe ich in diesem Jahr die “gut klingenden” Platten für mich entdeckt. Gut in dem Sinne dass ich nicht gleich von jedem Ton erschlagen werde, dass ich auf Alben wie diesem der Musik Freiraum gelassen wird um sich in der Wechselwirkung von Laut und Leise und dem Spiel verschiedener Texturen zu entfalten. Dass das Ganze wie der Soundtrack zu phantastischen Covern von SciFi-Heften, in die ich als Kind nie einen Blick werfen wollte weil der Inhalt nicht das übertreffen konnte was ich mir schon in meinem Kopf ausgemalt hatte, klingt ist dabei natürlich mehr als die halbe Miete.

[MP3] Kelley Polar - Entropy Reigns In The Celestial City

Platz 57
Jaguar Love – Take Me To The Sea

So betrübt ich auch über das Ende der Blood Brothers war, so sehr schienen mir doch viele der interessanteren Richtungen in die sich die Band hätte entwickeln können nicht mehr vom Zusammenspiel Johnny Whitneys und Jordan Blilies abhängig. Ersterer setzt denn auch mit seiner Nachfolgeband etwa das fort was er bereits zwischendurch mit Neon Blonde angefangen hatte, Art-Pop auf einem vielversprechenden (und gleichzeitig schon viel davon erfüllenden) Debütalbum. [mehr]

[MP3] Jaguar Love - Bats Over The Pacific Ocean