The Tough Alliance



Seit über drei Jahren kenn ich The Tough Alliance nun schon, aber irgendwie brauchte es, obwohl sie mit den warmen Air France/St. Etienne-Vibes ihres gutgelaunten E-Pops samt Sternschem Optimismus ja eigentlich voll in meinen letztjährigen Kanon passen, bis zur obigen Version von The Last Dance mit seinem Bombenfinale bis ich endgültig über den nasalen Gesang hinwegkam. Seit dem zweiten Weihnachtstag bin ich dafür wieder voll auf dem Göteborg-Kick und werd heute anfangen die Diskographie des Duos zu erjagen, das Debütalbum A New Chance erschien immerhin 2007 hierzulande und steht dem neueren A New Chance sowohl musikalisch als auch cleverer Sloganausschlachtung und Phrasenschwenkerei ("Take no heroes, only inspiration", "Got Koka Kola veins, we don't use our brains", "No excuses, no looking back. We think too much about the things we lack") in nichts nach. Zu drei meiner Favoriten von ihnen gibt es Videos, beim Durchstöbern der Sincerely Yours-Seite kann man sicher auch ein paar Mp3s finden.

[Video] The Tough Alliance - First Class Riot
[Video] The Tough Alliance - Koka Kola Veins
[Video] The Tough Alliance - Neo Violence

Nicht The Tough Alliances Myspace

Samstagmorgenkaffeelektüre + Bonusgedanken

  • Which is what I like about Los Campesinos – they’re unafraid to be Los Campesinos, to be themselves. Which is a different thing from the boring old issue of authenticity. This is about transparency, the idea that you can throw your obsessions into art’s frame and, by doing so, demonstrate the blessed democratic nature of experience and existence. And some people will never forgive you for that.
    Kieron "Phonogram" Gillen über das nach einem seiner Texte benannte We Are Beautiful, We Are Doomed und 40 andere Stücke aus 2008.
  • Diederichsen beklagt den Niedergang von Pop im Radio. Lesenswert auch wenn ich Probleme habe das persönlich nachzuvollziehen, war halt nie ein großer Radiohörer oder Zeitschriftenleser sondern habe, als ich mich Ende des letzen Jahrzehnts massiv für Musik zu interessieren begann, damit eben im Netz begonnen, mit Diskussionen in Foren oder auf Seiten wie der von Gillen.
  • I need to clean out my ears. So from January to November 2009, I'm embarking on a kind of purification rite. In that time, I'm only allowing myself to download one MP3 at a time; the next MP3 can only be downloaded once I listen to the first one. With CDs, if I buy one, I have to listen to it all before I buy another, and before I am allowed to rip any of it to iTunes. There will surely be exceptions--CDs that suck, that I can't deal with playing all the way through--but hearing a bad album end to end is, if nothing else, a learning experience, so I plan to stick by this rule as much as I can.
    Michaelangelo Matos gründet die Slow Listening Movement, eine Einschränkung der Hörgewohnheiten die ich in dieser oder anderer Form nur empfehlen kann. Ich hatte schon letztes Jahr Ermüdungserscheinungen von der Mp3-Promoflut die das Bloggen so mit sich bringt und höre die Dinger seitdem nur noch in gezielten Dosen, dafür kann ich mich größtenteils eben der Musik widmen von der ich schon im Vornherein weiß dass sie mich interessiert. Zudem hab ich mich völlig aus der ganzen Hysterie um die, wie man bei Animal Collective gerade wieder mit lächerlichen bis ekligen Ausmaßen beobachten konnte, Leakgeilheit und dieses verfehlte Gefühl der Berechtigung seitens der Hörer die da mitkommt ("Give us the goddamn album! We as your fans deserve to hear it!") ausgeklinkt. Noch keinen Thread über das neue Album (die sich eh zu 90% um das Runterladen des Leaks zu drehen scheinen, danach ebbt die Diskussion schnell ab) gelesen, keine Reviews die nach einem mal Durchhören schnellstmöglich online gesetzt wurden, weil ich festgestellt habe dass mein Musikhören viel angenehmer und belohnender geworden ist wenn ich im Zweifelsfall erst mal abwarte, nicht sofort höre oder auch nicht sofort alles blogge. Vielleicht werd ich auch omg alt.

    Ähnlich ist es mir wichtig die Alben die ich gerne höre (und davon hier Kund tue) auch zu kaufen, das "Put your money where your mouth is"-Prinzip, auch dann wenn ich die Dinger schon als Promo hab. Abgesehen davon dass ich mich damit eben den Leuten die es verdienen gegenüber erkenntlich zeige, hebt das die Musik in meiner Erachtung eben aus einem Datenhaufen hervor den man anhäufen kann ohne sich ihm jemals wirklich zu widmen. Albumstreams hör ich online trotzdem, denn um alle was mich interessiert ungehört zu kaufen fehlen mir einfach die finanziellen Mittel, aber wenn ich mich dann mal entschieden habe warte ich auch wieder mit dem Hören bis ich das gute Stück in der Hand halte. Also ja, Entschleunigung macht mehr Freude. Mir zumindest. Slow Listening!

Cinema X Musica

Die vergangenen Ferientage gaben zwischen Fress und Feier auch mal wieder richtig Gelegenheit sich dem Film zu widmen, komischerweise gab es da direkt bei drei Streifen hintereinander musikrelevante Entdeckungen zu machen:

- Zum zweiten Mal Fight Club gesehen und jetzt erst kapiert dass Kettcars Academy die Kino-Rede von Edward Norton sampelt. Dooh.

- In einem irrsinnigen Zufall kurz nachdem ich mir Kate Bushs Hounds Of Love zugelegt habe ohne es zu wissen den Film gesehen aus dem das "It's in the trees!"-Sample zu Beginn stammt (Night Of The Demon, herrlich oldschool). Apropos Hound Of Love, ist das etwa dieses Jahr an der Reihe wiederentdeckt zu werden?

- Und dann ist da noch der richtig richtig gute (und wie ich gerade las sich vielleicht bald in die Criterion-Collection einreihende) The last Days of Disco mit tollem Drehbuch und Ensemble. Chloë Sevigny! Kate Beckinsale als sie noch schauspielerte! Matt "Middleman" Keeslar! Jennifer Beals! Wilson aus House! Chloë Sevignys Bruder aus Big Love! Öhm, ganz viele Leute von denen man nie wieder was gehört hat!

Darüber hinaus aber hat der Film einen anhörlichen Soundtrack über den ich auch endlich einen Song identifizieren konnte nach dem ich jetzt ohne Scheiß 20 Jahre lang gesucht habe: Dolce Vita war auf einem falsch verpackten Mixtape in einer Kiste von Hörspielkassetten die mir meine Eltern als Kind gebraucht gekauft hatten. Diese Kassette mit ihren fantastisch fremd wirkenden Klängen (u.a. mit Thriller von Michael Jackson und Everything Counts von Depeche Mode) war meine erste formative Begegnung mit Popmusik und ich schwöre irgendwann werde ich mal alle unvergesslichen Songs davon wieder finden, zumindest die Wurzel meiner Italo-Zuneigung habe ich nun also identifiziert.

Neues Von Mono


In Sachen epischer Instrumentalrock habe ich mit den Jahren wirklich das Interesse verloren, die einzige Ausnahme stellen die Japaner Mono dar die nicht nur live die größte dynamische Spannweite haben (Übersetzung: So laut dass man sich vor Angst in die Hose kackt) sondern sich auch mit jedem Album gesteigert haben. Auffällig war dabei die zunehmende Integration von klassischen Instrumenten auf ihren Alben, beim Ende März erscheinenden Fünftling Hymn To The Immortal Wind ist daraus eine wahre Flotte von Streichern geworden. Das Eröffnungsstück Ashes klingt merkwürdig dumpf, was an der 160kbps-Codierung liegen könnte (Steve Albini bricht das Herz), erwacht aber mit Kopfhörern schon zu eindrucksvollem Leben. Dort ist es interessanterweise auch nicht so polternd laut wenn die Musik zum ersten Mal explodiert.

[MP3] Mono - Ashes

Parts & Labor Live

Für mich das klare Januarhighlight in Sachen Konzerte ist der Auftritt von Wire, auch weil davor Parts & Labor zu sehen sein werden. Einen Eindruck davon wie das Quartett das massiv-melodische Material des großartigen Receivers und ihrer vorherigen Alben live rüberbringt vermittelt die Sendung We Have Signal, deren neueste Ausgabe Material vom Auftritt in Birmingham (im amerikanischen Alabama, nicht das in England) zeigt.

We Have Signal mit Parts & Labor live in Birmingham

Neues Von Zola Jesus, Farah


Viel besser kann das Jahr nicht beginnen: Zola Jesus war mit ihrem no-wavigen, gothig-dramatischen Popnoise vor zwei Wochen bei WNYUs stets hörenswerter "(Make The) Product"-Sendung Gast und einziges Thema, über anderthalb Stunden gibt es in der Sendung die man immer noch als Stream und Mp3 hören kann ganze 14 Stücke von ihr kredenzt. Allein die Hälfte davon wird auf ihrer kommenden Tsar Bomba-EP für Troubleman Unlimited zu finden sein, u.a. das spät aber schnell zu einem meiner Lieblingssongs 08 avancierte Rester mit seinem Monstercrescendo und das dank ihrer grandiosen (und wie sich herausstellt am Julliard-Konservatorium klassisch operesk ausgebildeter) Stimme ebenso eindringliche Sea Talk.

(Make The) Product mit Zola Jesus


Ähnlich wie das im Noise- und Punk-Untergrund verwurzelte Troubleman ein bisschen die Kehrseite seines Schwesterlabels Italians Do It Better darstellt, könnte die hoffentlich bald auf letzterem ihr Debütalbum veröffentlichende Farah kaum unterschiedlicher zu Zola Jesus sein. Mit ihrer scheinbar drogeninduziert monotoner bis kindlicher Stimme trägt sie über kosmischen Discoträumen in bester Italians-Tradition ihre öfter gesprochenen denn gesungenen Texte, manchmal auch in Farsi, vor und obwohl mich dieser Kontrast zunächst immer wieder irritiert weiß ich vom 2007er Law Of Life und mittlerweile auch vom großartigen The Blessing, einem von fünf in den vergangenen Wochen aufgetauchten Stücken auf ihrem Myspace, dass sich da durchaus Offenbarungen auftun können.

Farahs Myspace

Und Der Ganze Dreckige Rest Aus 2008

Ein paar wenige Nachträge bevor's hier wieder nach vorne geht:

Beste WTF-Jahrescharts: Die Lieblingsplatten der Zeit-Leser. Ja, ich musste auch erst googeln, 1A Trollerei.

Der AV Club punktet auch groß mit Jahresendlisten, 2008: The Year In Band Names und The Least Essential Albums Of 2008

Ben Sisarios Liste unorigineller Bands

Schönste Tonträger-Verpackung: Hatchback - Colors Of The Sun von Non-Format. In Echt sieht das noch weitaus besser aus, fantastisch abgestimmte Farbton-Kombo der viel Freiraum gegeben wird.

Konzert des Jahres: FIREINTHEHOLE, FIREINTHEHOLE, FIREINTHEHOLE, OH-OH!

Remixe des Jahres: Alles von Studio und Aeroplane.

Blog des Jahres: XXJFG

Webseite des Jahres (trotz des untrigen Bullshits): Pitchfork.tv

Songs des Jahres (Kann ich mich erstmalig zu rumringen, mit dabei sind sowohl Einzelstücke als jene welche ich gefühlt öfter einzeln als im Albumkontext gehört habe):

Aeroplane & Kathy Diamond - Whispers
Air France - Collapsing At Your Doorstep
Be Your Own Pet! - Becky
Cheap Time - People Talk
Deerhunter - Nothing Ever Happened
Die Kollaboration von !!! und The Field von der ärgerlicherweise seitdem das Originalvideo online gestellt wurde die ersten paar Minuten abgeschnitten wurden, was soll denn das? Zum Glück bin ich ja 1337, hier geht's zu den ganzen 13 Minuten.
Eine Kleine Nachtmusik - La Serenissima
Girls Aloud - The Loving Kind
Jay Reatard - I'm Watching You
Ponytail - Celebrate The Body Electric (It Came From An Angel)
School Of Seven Bells - My Cabal
The Juan Maclean - Happy House
The Long Blondes - I'm Going To Hell
The Magnetic Fields - California Girls
Volcano! - Palimpsests
Wolf Parade - California Dreamer
Zola Jesus - Rester

Zum Vergleich übrigens ganz interessant meine last.fm-Charts in den Kommentaren bei Spreeblick, die Unterschiede kommen vor allem daher dass dort unterwegs und weder auf CD noch Mp3 gehörte Sachen gar nicht einfließen und Vorab-Mp3s dafür übermäßig.

70 aus 2008 Teil 10

(Teil 1) (Teil 2) (Teil 3) (Teil 4) (Teil 5) (Teil 6) (Teil 7) (Teil 8) (Teil 9) (Teil 10)

Platz 7
Jay Reatard – Matador Singles 08

Dieser Text wird weitaus kürzer wenn ich einfach die weniger guten Songs auf Matador Singles 08 hervorhebe, nämlich lediglich das Deerhunter Cover Fluorescent Grey stört mit seinem psychedelischen Abdriften den Fluss einer perfekten Songsammlung die, obwohl ursprünglich in 6 einzelnen Singles erschienen, auch als Album funktioniert. Es ist als hätte Reatard eine Goldader voller poppiger, ultracatchiger Garagepopnummern entdeckt die er hier genüsslich ausmint. Die erste Hälfte geht bei aller Akustikgitarre noch in etwas punkigere Gefilde, am aufregendsten finde ich aber mittlerweile den Schlusslauf der Songs nachdem Reatard auf D.O.A. seine beste Frank-Black-Imitation raushängen lässt. No Time wendet sich melancholisch ins Introspektive (“It seems I never have the time to make my mind feel fine”) und das perfekt produzierte I'm Watching You ist einer dieser Songs den man gerne 10mal am Stück hört.

[MP3] Jay Reatard - Always Wanting More

Platz 6
Lichter – Lichter

Ein bisschen überrascht bin ich schon dass Lichter ganz so weit hier oben stehen, aber ich weiß halt erst was ich am meisten mag wenn ich mal alle Platten miteinander hörverglichen habe. Und da kam das Debüt der Band, die mich vom ersten Konzert an begeistert hat, eben noch besser weg als ich gedacht hatte. Seit den Toco-Alben um die Jahrtausendwende haben deutsche Texte nicht mehr so zu mir gesprochen wie diese, die Nähe von Persönlichen und Politischen wird nur allzu deutlich wenn Amphetamin (“Ich finde keine Ruhe mehr in dir”) hier neben Ich Bleibe Ruhig (“Diese Welt ist nicht mehr für uns reserviert. Alle Plätze belegt und nichts garantiert. Unsere guten Ideen billig und ausstaffiert und wer kann hier noch sagen wer gewinnt, wer verliert”) steht.
Musikalisch entwickeln Lichters Stücke aus vermeintlich vorhersehbaren Anfängen herliche Eigendynamik, vom Wechselspiel der Stimmen und Instrumente erzeugen sie Texturen für das Platz mit seiner Motivvariation ein Paradebeispiel ist. Was andere lediglich als Novum oder plumpe Rockgeste nutzen würden, wie den Breakbeat in Radar oder den instrumentalen Ausbruch später im selben Stück, wird hier zur denkwürdigen Klangfläche umfunktioniert. Und wem das so ausgedrückt zu kopfig klingt sei versichert dass die größte Qualität von Lichters Musik ihre Seele ist.

[MP3] Lichter - Leerer Raum

Platz 5
Los Campesinos! – Hold On Now, Youngster...

Die Sticking Fingers Into Sockets-EP war wahrlich nur ein Vorgeschmack, dieses Jahr packten die tweereichen Sieben ihre Songs in ein zunächst wunderbar überwältigendes Album, quasi als Gegenteil eines Growers, dessen Qualitäten sich erst langsam herausschälen, wurde man wenn man unvorbereitet war von der gebündelten Freude von Hold On Now, Youngster... geradezu erschlagen. Und so sehr sie sich auch für andere Bereiche des Lebens zu naiver Romantik oppositioniert zeigen (Since We Became Accelerated Readers oder noch offensichtlicher This Is How You Spell “HAHAHA, We've Destroyed The Hopes And Dreams of A Generation of Faux-Romantics” das diesen Satz großartigerweise tatsächlich als Refrain hat) strömt die Liebe zum Leben als Musikfan aus allen Ecken dieser Platte, mit Knee Deep At ATPs Erzählung einer Festivalerfahrung zu Across The Sea-Weezer-Parallelen, der Kritik an Sexismus Marke NME ...And We Exhale And Roll Our Eyes In Unison, der Durchdachtheit des Albums mit großartiger Sequenzierung (You, Me, Dancing als Zentrum und Sweet Dreams, Sweet Cheecks ist einfach die perfekte Wahl als Finale und hatte ein Dreivierteljahr vorher auch schon als Demo eines meiner Mixtapes beendet) und natürlich einem Bonustrack. Eine Band die man sich nicht besser hätte ausdenken können.

[MP3] Los Campesinos! - Death To Los Campesinos!

Platz 4
The Long Blondes – “Couples”

Zu den bedauerlichsten Vorfällen des Jahres gehörte der Schlaganfall der Dorian Cox' musikalische Aktivitäten zu einem vorläufigen Ende brachte, dabei hatten The Long Blondes gerade erst angefangen ihr volles Potential zu entfalten. Auf ”Couples” streckte die Band gleich in mehrere Richtungen ihre Fühler aus, ob mit dem PIL-mäßigen Round The Hairpin, der Todesdisco Century oder dem heimlichen Star am Ende, meinem meistgehörten Song des Jahres, I'm Going To Hell. Ausführlichere Gedanken zu dieser Platte hab ich noch mehr, viel [mehr]

[MP3] The Long Blondes - Guilt

Platz 3
Wolf Parade – At Mount Zoomer

Wenn ich nicht schon vorher davon überzeugt gewesen wäre dass At Mount Zoomer Wolf Parades Erstling in praktisch nichts nachsteht hätte das der Liveauftritt Anfang des Monats erreicht. Da schien es egal ob das nächste Stück von Kanadas bester Band nun alt oder neu war, immer schwang da dieses zauberhaft Großartige mit das den Songs innewohnt. Deutlich wurde da auch wie markant des abwesenden Hadji Bakaras unsichtbare Soundmanipulationen besonders in Kombination mit Spencer Krugs Synthwerkeln für die Musik geworden sind, Language City wurde z.B. ohne das kristallene Funkeln im Hintergrund atmosphärisch ordinärer. Der Essenz der Songs kann das jedoch nicht schaden, denn Wolf Parade bleiben weiterhin vor allem eine Rockband und auf der Basis ihrer beiden Songwriter wirken sie derzeit einfach unschlagbar.

[MP3] Wolf Parade - Language City

Platz 2
Air France – No Way Down (UK-Version)

Westküstensommer die sechste und beste. Die britische Version von No Way Down enthält neben der gleichnamigen EP auch die vorherige On Trade Winds-EP und damit schon fast das bisherige Gesamtwerk des Duos aus Göteborg. Von all der tollen Musik die derzeit aus dieser Stadt kommt ignoriert die von Air France die Gesetze der Schwerkraft am meisten, zog 2008 nichts in höhere Höhen. Ätherische Stimmen die selten singen, öfter bloß flüstern, seufzen, hauchen, schweben über oft genauso körperlos wirkenden Stücken die aber alles andere als bloßes Ambiente sind. Viel zu substantiell und catchy wirkt es wenn in Collapsing At Your Doorstep (der Nationalhymne des Landes wo Milch und Honig fließen) die Melodie beim zweiten Mal leiser angestimmt wird, auch drumherum alles leiser schlägt, nur um dann wieder mit voller Wucht und wilden Geigen durchzubrechen. Anderswo rasen die Percussions auf Caribien, plätschert Wasser an eine tropische Beach Party, läuten Kirchenglocken zur Windmill Wedding dass es sich gleichzeitig immens und völlig unbeschwert anfühlt. Dass die folgenden Lyrics bestimmt in der Hälfte aller Rezensionen dieser Platte zitiert werden beweist dass Air France auch bestens wissen was sie da geschaffen haben: “Sorta like a dream, isn't it? - No, better.”

[MP3] Air France - Collapsing At Your Doorstep

Platz 1
Gang Gang Dance – Saint Dymphna

Anders als noch 2007 kam ich mir dieses Jahr fernab vom kritischen und populären Konsens vor, interessierte mich mehr für die musikalischen Ecken die nur hier und dort mal angerissen wurden und für nur wenige der Alben die auf jeder Liste aufzutauchen schienen. So sind dann auch für mich nicht TV On The Radio die New Yorker Band der Stunde sondern Gang Gang Dance, und das nicht nur weil die ein Album hingelegt haben das so exquisit produziert ist dass man jeden Klang auf seiner eigenen Ebene kristallklar definiert raushören kann, jedes Schimmern, jeden Bass-Sound, jedes perkussive Schnappen.
Das ist nur das Mittel um das atemberaubend schöne Stilamalgam von Saint Dymphna, das sich in allen Ecken der weltweiten Musikgeschichte zu bedienen scheint, voll auszuschöpfen. In seiner Komplettheit und Frische erinnert mich der Sound gar an Disco Inferno, gleichzeitig fließt das Album abwechslungsreich wie ein Mixtape mit den Übergängen vom shoegazigen Vacuum zur Grime-Nummer Princes, die Dubstep-Sounds von Inners Pace und Afoot mit , dem Elektrotraum House Jam, das von glitzernden Synth-Wasserfällen durchzogene First Communion oder das herrlich dichte Desert Storm. Gang Gang Dance existieren mit Saint Dymphna in einem eigenen Kosmos der stets für alle äußeren Einflüsse offen ist, ein wahres Album von Welt.

[MP3] Gang Gang Dance - House Jam