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Platten

Nite Jewel - Good Evening


Das ist was für die Abendstunden. Der Beat schlurft so verzogen dass man sich manchmal schon vergewissern muss ob er überhaupt noch da ist, der Gesang hallt so spärlich-schläfrig aus der Ferne dass man jederzeit erwartet er könne plötzlich gänzlich den Raum verlassen. Auf Good Evening, dem ersten Album von Nite Jewel, ist der Titel Programm. Der Künstlername jedoch mag irreführen: Obwohl sie ihre erste Single auf Italians Do It Better veröffentlichte steht Ramona Gonzalez ganz alleine hinter dieser Musik, anders als bei den ebenfalls von Frauenstimmen getragenen anderen IDIB-Acts Glass Candy, Chromatics und Farah hatte Johnny Jewel hier mal nicht seine Finger im Spiel.

Trotzdem passte What Did He Say bestens in die perfekt imperfekte Spiegelkugel-Ästhetik des Labels, eine mit Vintage-Equipment zusammengestellte verrauschte 8-Track-Aufnahme die so herrlich melancholisch funkelte dass man sie nicht vom besten Studio der Welt aufpoliert gewünscht hätte. Ähnlich spärlich geht es auf den übrigen Stücken von Nite Jewels Debütalbum zu, selten richtig langsam und selten richtig schnell taumelt Gonzalez' Stimme stets halbwach über eine süße Melodie nach der anderen, erweckt die minimalen Synthpop-Träume einer Dancepop-Diva nach Feierabend zum Leben.

Im Verlauf des Albums präsentiert Nite Jewel innerhalb ihres schon ziemlich runden Soundprofils eine angenehme Vielfalt: Universal Mind klingt wie ein verlorenes Kleinod eines leicht kitschigen 80er-Teenromanzen-Soundtracks, Chimera wie ein frustriert auf der Stelle tretender Tänzer im Silberlicht. In Artificial Intelligence duellieren sich, das technologieskeptische Thema reflektierend, lebendig vorangeklatschte Synthwolken mit robotisch-monotonen Blubberblasen, auf dem finalen, herrlich schimmernden Roxy-Music-Cover Lover schließlich ähnelt Gonzalez' Stimme mit einer bis dahin seltenen Fülle und Tiefe gar einer jungen Madonna.

Komplex wirken ihre Stücke nie, dafür sind alle mühelos abzählbaren Elemente bestens aufeinander abgestimmt und strahlen über allen Lo-Fi-Sound hinaus vor allem Eleganz aus. Eine richtig schöne kleine Sensation, besser kann man den warm andämmernden Abend derzeit nicht begrüßen.

[MP3] Nite Jewel - Weak For Me
[Video] Nite Jewel - Artificial Intelligence

70 aus 2008 Teil 10

(Teil 1) (Teil 2) (Teil 3) (Teil 4) (Teil 5) (Teil 6) (Teil 7) (Teil 8) (Teil 9) (Teil 10)

Platz 7
Jay Reatard – Matador Singles 08

Dieser Text wird weitaus kürzer wenn ich einfach die weniger guten Songs auf Matador Singles 08 hervorhebe, nämlich lediglich das Deerhunter Cover Fluorescent Grey stört mit seinem psychedelischen Abdriften den Fluss einer perfekten Songsammlung die, obwohl ursprünglich in 6 einzelnen Singles erschienen, auch als Album funktioniert. Es ist als hätte Reatard eine Goldader voller poppiger, ultracatchiger Garagepopnummern entdeckt die er hier genüsslich ausmint. Die erste Hälfte geht bei aller Akustikgitarre noch in etwas punkigere Gefilde, am aufregendsten finde ich aber mittlerweile den Schlusslauf der Songs nachdem Reatard auf D.O.A. seine beste Frank-Black-Imitation raushängen lässt. No Time wendet sich melancholisch ins Introspektive (“It seems I never have the time to make my mind feel fine”) und das perfekt produzierte I'm Watching You ist einer dieser Songs den man gerne 10mal am Stück hört.

[MP3] Jay Reatard - Always Wanting More

Platz 6
Lichter – Lichter

Ein bisschen überrascht bin ich schon dass Lichter ganz so weit hier oben stehen, aber ich weiß halt erst was ich am meisten mag wenn ich mal alle Platten miteinander hörverglichen habe. Und da kam das Debüt der Band, die mich vom ersten Konzert an begeistert hat, eben noch besser weg als ich gedacht hatte. Seit den Toco-Alben um die Jahrtausendwende haben deutsche Texte nicht mehr so zu mir gesprochen wie diese, die Nähe von Persönlichen und Politischen wird nur allzu deutlich wenn Amphetamin (“Ich finde keine Ruhe mehr in dir”) hier neben Ich Bleibe Ruhig (“Diese Welt ist nicht mehr für uns reserviert. Alle Plätze belegt und nichts garantiert. Unsere guten Ideen billig und ausstaffiert und wer kann hier noch sagen wer gewinnt, wer verliert”) steht.
Musikalisch entwickeln Lichters Stücke aus vermeintlich vorhersehbaren Anfängen herliche Eigendynamik, vom Wechselspiel der Stimmen und Instrumente erzeugen sie Texturen für das Platz mit seiner Motivvariation ein Paradebeispiel ist. Was andere lediglich als Novum oder plumpe Rockgeste nutzen würden, wie den Breakbeat in Radar oder den instrumentalen Ausbruch später im selben Stück, wird hier zur denkwürdigen Klangfläche umfunktioniert. Und wem das so ausgedrückt zu kopfig klingt sei versichert dass die größte Qualität von Lichters Musik ihre Seele ist.

[MP3] Lichter - Leerer Raum

Platz 5
Los Campesinos! – Hold On Now, Youngster...

Die Sticking Fingers Into Sockets-EP war wahrlich nur ein Vorgeschmack, dieses Jahr packten die tweereichen Sieben ihre Songs in ein zunächst wunderbar überwältigendes Album, quasi als Gegenteil eines Growers, dessen Qualitäten sich erst langsam herausschälen, wurde man wenn man unvorbereitet war von der gebündelten Freude von Hold On Now, Youngster... geradezu erschlagen. Und so sehr sie sich auch für andere Bereiche des Lebens zu naiver Romantik oppositioniert zeigen (Since We Became Accelerated Readers oder noch offensichtlicher This Is How You Spell “HAHAHA, We've Destroyed The Hopes And Dreams of A Generation of Faux-Romantics” das diesen Satz großartigerweise tatsächlich als Refrain hat) strömt die Liebe zum Leben als Musikfan aus allen Ecken dieser Platte, mit Knee Deep At ATPs Erzählung einer Festivalerfahrung zu Across The Sea-Weezer-Parallelen, der Kritik an Sexismus Marke NME ...And We Exhale And Roll Our Eyes In Unison, der Durchdachtheit des Albums mit großartiger Sequenzierung (You, Me, Dancing als Zentrum und Sweet Dreams, Sweet Cheecks ist einfach die perfekte Wahl als Finale und hatte ein Dreivierteljahr vorher auch schon als Demo eines meiner Mixtapes beendet) und natürlich einem Bonustrack. Eine Band die man sich nicht besser hätte ausdenken können.

[MP3] Los Campesinos! - Death To Los Campesinos!

Platz 4
The Long Blondes – “Couples”

Zu den bedauerlichsten Vorfällen des Jahres gehörte der Schlaganfall der Dorian Cox' musikalische Aktivitäten zu einem vorläufigen Ende brachte, dabei hatten The Long Blondes gerade erst angefangen ihr volles Potential zu entfalten. Auf ”Couples” streckte die Band gleich in mehrere Richtungen ihre Fühler aus, ob mit dem PIL-mäßigen Round The Hairpin, der Todesdisco Century oder dem heimlichen Star am Ende, meinem meistgehörten Song des Jahres, I'm Going To Hell. Ausführlichere Gedanken zu dieser Platte hab ich noch mehr, viel [mehr]

[MP3] The Long Blondes - Guilt

Platz 3
Wolf Parade – At Mount Zoomer

Wenn ich nicht schon vorher davon überzeugt gewesen wäre dass At Mount Zoomer Wolf Parades Erstling in praktisch nichts nachsteht hätte das der Liveauftritt Anfang des Monats erreicht. Da schien es egal ob das nächste Stück von Kanadas bester Band nun alt oder neu war, immer schwang da dieses zauberhaft Großartige mit das den Songs innewohnt. Deutlich wurde da auch wie markant des abwesenden Hadji Bakaras unsichtbare Soundmanipulationen besonders in Kombination mit Spencer Krugs Synthwerkeln für die Musik geworden sind, Language City wurde z.B. ohne das kristallene Funkeln im Hintergrund atmosphärisch ordinärer. Der Essenz der Songs kann das jedoch nicht schaden, denn Wolf Parade bleiben weiterhin vor allem eine Rockband und auf der Basis ihrer beiden Songwriter wirken sie derzeit einfach unschlagbar.

[MP3] Wolf Parade - Language City

Platz 2
Air France – No Way Down (UK-Version)

Westküstensommer die sechste und beste. Die britische Version von No Way Down enthält neben der gleichnamigen EP auch die vorherige On Trade Winds-EP und damit schon fast das bisherige Gesamtwerk des Duos aus Göteborg. Von all der tollen Musik die derzeit aus dieser Stadt kommt ignoriert die von Air France die Gesetze der Schwerkraft am meisten, zog 2008 nichts in höhere Höhen. Ätherische Stimmen die selten singen, öfter bloß flüstern, seufzen, hauchen, schweben über oft genauso körperlos wirkenden Stücken die aber alles andere als bloßes Ambiente sind. Viel zu substantiell und catchy wirkt es wenn in Collapsing At Your Doorstep (der Nationalhymne des Landes wo Milch und Honig fließen) die Melodie beim zweiten Mal leiser angestimmt wird, auch drumherum alles leiser schlägt, nur um dann wieder mit voller Wucht und wilden Geigen durchzubrechen. Anderswo rasen die Percussions auf Caribien, plätschert Wasser an eine tropische Beach Party, läuten Kirchenglocken zur Windmill Wedding dass es sich gleichzeitig immens und völlig unbeschwert anfühlt. Dass die folgenden Lyrics bestimmt in der Hälfte aller Rezensionen dieser Platte zitiert werden beweist dass Air France auch bestens wissen was sie da geschaffen haben: “Sorta like a dream, isn't it? - No, better.”

[MP3] Air France - Collapsing At Your Doorstep

Platz 1
Gang Gang Dance – Saint Dymphna

Anders als noch 2007 kam ich mir dieses Jahr fernab vom kritischen und populären Konsens vor, interessierte mich mehr für die musikalischen Ecken die nur hier und dort mal angerissen wurden und für nur wenige der Alben die auf jeder Liste aufzutauchen schienen. So sind dann auch für mich nicht TV On The Radio die New Yorker Band der Stunde sondern Gang Gang Dance, und das nicht nur weil die ein Album hingelegt haben das so exquisit produziert ist dass man jeden Klang auf seiner eigenen Ebene kristallklar definiert raushören kann, jedes Schimmern, jeden Bass-Sound, jedes perkussive Schnappen.
Das ist nur das Mittel um das atemberaubend schöne Stilamalgam von Saint Dymphna, das sich in allen Ecken der weltweiten Musikgeschichte zu bedienen scheint, voll auszuschöpfen. In seiner Komplettheit und Frische erinnert mich der Sound gar an Disco Inferno, gleichzeitig fließt das Album abwechslungsreich wie ein Mixtape mit den Übergängen vom shoegazigen Vacuum zur Grime-Nummer Princes, die Dubstep-Sounds von Inners Pace und Afoot mit , dem Elektrotraum House Jam, das von glitzernden Synth-Wasserfällen durchzogene First Communion oder das herrlich dichte Desert Storm. Gang Gang Dance existieren mit Saint Dymphna in einem eigenen Kosmos der stets für alle äußeren Einflüsse offen ist, ein wahres Album von Welt.

[MP3] Gang Gang Dance - House Jam

70 aus 2008 Teil 9

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Platz 14
Johnny Foreigner – Waited Up Til It Was Light

Birmingham ist vielen Berichten zufolge die langweiligste Stadt Englands. Johnny Foreigner, die in den wenigen Tagen die sie dieses Jahr nicht tourten dort leben, können davon mehr als ein Lied singen: “Why'd you want to live here if there's nothing but housing?” heißt es zum Beispiel in Cranes And Cranes And Cranes And Cranes, doch ihre Musik, die ist wie um einen Gegenpol zu bilden das absolute Gegenteil von langweilig. Als gäbe es kein Morgen feuert das Trio auf Waited Up Til It Was Light Adrenalin und Gummibärchen aus allen Zylindern, mit vergnüglich-rasanten Riffs, Singalongs und Shouts zwischen Sänger und Bassistin und einer unheimlichen Menge an kleinen instrumentalen Verspieltheiten die man bei dem hektischen Tempo der Songs zunächst kaum wahrnimmt.
"Doppelt so viel spielen bei doppelter Geschwindigkeit” scheint die Devise zu sein wenn sich Stücke wie Sometimes, In The Bullring am Rande der Hysterie zu überschlagen drohen. Die vielen Drehungen auf kleinem Raum würden sich anderswo zu einem ernsten, angestrengten (oder noch schlimmer, Foals-mäßig möchtegern-anspruchsvollen) Gesamtbild summieren, bei Johnny Foreigner aber werden Momente wie der Wechsel von synthetischer zu echter Drum auf Salt Peppa And Spinderella mit selbstreferentiellen Kommentaren (“Bring out the real fun, turn on the real drums”) quittiert. Ein Album das durch alle Schablonen fällt, das zu viele gute Ratschläge ignoriert und dennoch alles richtig macht.

[MP3] Johnny Foreigner - Champagne Girls I Have Known

Platz 13
Why? – Alopecia

Vielleicht ist es nachhaltige Trauer über das cLOUDDEAD-Ende. Bisher war es bei jedem Why?-Album als würde ich nur auf den Punkt warten wo es nachlässt, wo ich endlich etwas Schlechtes drüber sagen kann, bei Elephant Eyelash z.B. verließ mich das Interesse immer in der Zweiten Hälfte. Aber bei Alopecia kann ich einfach nichts machen, jedes Mal wenn ich denke das war's kommt der nächste Hook um die Ecke gebogen (das letzte Drittel ist für mich sogar das beste) und ich bin wieder Feuer und Flamme für Yoni Wolfs einmalige Stilfusion der man keinen Namen mehr geben mag.
Da wird mit eigenartiger Stimme gerappt aber kaum über traditionelle Beats, da wird Gitarre gespielt aber nicht gerockt, da spielen Percussiontextilien im Wind der Songs und da wird hymnisch über tote Präsidenten und Sex in Hintergassen gesungen. Wenn man Why?s Namen als existentielle Selbsthinterfragung betrachtet, "Warum mache ich das eigentlich? Was ist mein Ziel? Warum gibt es cLOUDDEAD nicht mehr?”, so darf man die Antwort 2008 geben: Alopecia.

[MP3] Why? - The Hollows

Platz 12
Times New Viking – Rip It Off / Stay Awake EP

Nach zwei exzellenten ersten Alben wechselten Times New Viking zu Matador, mit selbstbewusstem Lo-Fi-Gedröhne ist Rip It Off sogar mal eben das lauteste Album des Jahres geworden. Wo das Einwickeln der Melodien in Noise und das Begraben der Instrumente hinter dicken Rauschwänden der Musik bisher vor allem einen eigenen Charme gab nutzt das Trio seinen Sound nun endgültig als Stilmittel. Sicher könnte man z.B. die Refrains von Faces On Fire und The Apt. auch “sauber” aufnehmen, aber dieses Hervorstechend-Gellende würde dabei völlig verloren gehen. [mehr]
Dass Times New Viking die Ideen nicht ausgehen bewiesen sie dann auf der ebenso famosen Stay Awake-EP, mit dem in seinem Singalong-Appeal fast schon an Folk erinnernden Pagan Eyes, der Jahrmarktorgel von No Sympathy oder dem donnerpoltrigen Hate Hate Hate gibt es gleich mehrere Indikatoren wohin uns das nächste Album bringen könnte.

[MP3] Times New Viking - (My Head) / R.I.P. Allegory
[MP3] Times New Viking - Call & Respond

Platz 11
Rings – Black Habit

Den Klang der Musik auf Black Habit zu beschreiben erscheint mir nach längerer Überlegung nicht enorm wichtig. Sicher, mit Abby Portner hat das Trio aus Manhattan die Schwester von Avey Tare an Bord und so kann man für ein paar Sekunden durch einen hallenden Schrei mal an Animal Collective erinnert werden, durch die ungewöhnlichen Stimmen vielleicht auch für ne Sekunde an Cocorosie, aber einem Vergleich oder einer Beschreibung der Musik gehen Rings fast schon aus dem Weg. Sie sind ihre eigene Referenz. Weil sie es schaffen für sich zu existieren, als wären sie die erste und einzige Band auf der Welt, nichts außerhalb des unsichtbaren Kreises der sie zusammen hält.

Der einzige der nicht abgeschottet wird ist der Hörer selbst, er sitzt in der Mitte dieses Kreises, hört dank Kria Brekkans Produktion genau woher das Schlagzeug kommt, wo Gitarre und Keyboard gerade sind. Rings wirken dazu so unbewusst und naiv als wüssten sie gar nicht dass ihnen jemand beim Spielen zuhört, einmal brechen sie sogar mittendrin in Gelächter aus. Aber auch wenn sie nicht immer perfekt den Ton treffen sind ihre Melodien unglaublich warm, einladend, bewegend und denkwürdig. Wie stets wiederkehrende Kometen umkreisen Motive elegant die Songs, Songs die meist auf einem guten alten Strophe-Refrain-Gerüst aufgebaut sind aber alles andere als wie Popsongs aus dem Radio klingen. Sollten Rings es jedoch einmal schaffen es den Super Furry Animals anno 2001 gleich zu tun, ich bin mir sicher das finale, bewundernswert schöne Teepee wäre sofort ein Welthit.

[MP3] Rings - Mom Dance

Platz 10
Deerhunter – Microcastle / Weird Era Cont.

Echt seltsam. Da machen Deerhunter zwei Alben und eine EP mit denen ich nur stellenweise etwas anfangen kann, und dieses Jahr auf einen Schlag gleich zwei Alben die endlich richtig zu mir durchdringen. Dabei sind Microcastle und Weird Era Cont. wirklich voneinander verschieden, ersteres zwar weiterhin im rauschedelischen Deerhunter-Sound gehalten aber mit echten Popambitionen und letzteres direkt im Anschluss eine Sabotage all dieser Bestrebungen. Obwohl ich beide nicht 100% gelungen finde (sonst wäre bei einem Doppelalbum der erste Platz sicher gewesen) gibt es hier zu viel Gutes als dass man sinnvoll ein einziges Album draus hätte machen können, da sind die Titelstücke, Vox Celeste mit Spector-Intro, Calvary Scars in der originalen und der blubbrig-glöckernen de- und re-konstruierten Version, Circada und Deerhunters bisherige Meisterleistung Nothing Ever Happened erst der Anfang der Highlightliste. Wunderbar auch, angesichts der vielen Alben die dieses Jahr mit entspanntem Säuseln ausklangen, dass Microcastle in einer epischen Feedbackorgie endet. Deerhunter, ihr habt einen neuen Fan gewonnen.

[MP3] Deerhunter - Nothing Ever Happened

Platz 9
Marnie Stern – This is It And I Am It And You Are It And So Is That And He Is It And She Is It And It Is It And That Is That

Es war schwer sich auszumalen wie Marnie Stern ihr letztjähriges Debüt übertreffen könnte. Nicht dass es perfekt gewesen wäre, vielmehr wirkte ihre Musik wie aus der Zukunft in unsere Gegenwart gesendet, ich bin mir auch immer noch nicht ganz sicher was sie überhaupt macht. Klar, technisch layert sie mit Saitenanschlägen und Tapping erzeugte Riffs und Grooves ihrer Gitarre zu hyperaktiven Melodiekonstrukten und macht daraus mit ihren cheerleadenden Vocals und Zach Hill an den Drums ungemein anfeuernden Positiv-Rock (“I turn this moment into something new, it's true. Are you ready to feel alive?”, “Grabbing victory out of the jaws of defeat,” “Bigger without boundaries, big enough to try, bigger than the whole world, bravest in the whole world”) aber das Ganze klingt immer noch so fremd dass es mir schwer fällt zu sagen ob sie dieses Konzept mit ihrem zweiten, weitaus eingängiger konstruierten Album nun ausgeschöpft hat oder ob das erst der Anfang war. Die Zeit wird's wohl zeigen, im Moment jedenfalls lass ich mich weiter gerne vom unglaublichen Roads? We Don't Need Roads! und The Devil Is In The Details' “Alright here we go!” auf Optimismus und Tempo 180 pumpen.

[MP3] Marnie Stern - Transformer

Platz 8
School Of Seven Bells – Alpinisms

Große Überraschungen kurz vor Jahresende wie diese sind ein Grund warum ich diese Liste erst so spät wie möglich im Jahr erstelle. Alpinisms hat mich immer wieder angenehm von den Füßen gefegt, mit in die Stratosphäre gerissen in der die Deheza-Schwestern und Ben Curtis Songs wie Half Asleep und Faces To Faces On High Places verankert haben. Doch auch auf dem Aufweg aus den Tälern begleite ich die Gipfelstürmer gern, Alpinisms ist derart herrlich bis ins Detail durchdacht dass ich die Anlage am liebsten so weit wie erträglich aufdrehe und völlig darin aufgehe, so wie alle Beteiligten am Ende in My Cabal auf die bezauberndste Weise ineinander fließen. Pure Seelenmassage bei der's mir wohlig die ganze Wirbelsäule entlang schaudert. [mehr]

[MP3] School Of Seven Bells - Connjur

70 aus 2008 Teil 8

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Platz 21
Late Of The Pier – Fantasy Black Channel

Anfangs kam mir das Debüt der Briten wie eine Neuauflage der frühen The Faint mit der Andersweltlichkeit der Klaxons vor, was durchaus ein Lob war da ich die Alben bis heute noch gerne höre, damit wären sie aber doch unter Wert verkauft. Fantasy Black Channel sticht durch sein Sounddesign hervor, durch den hervorragend umgesetzten Ideenmischmasch in dem Synthpop, Dancerock, Spaceprog und Discometal sich wild überschneiden und von einem Takt auf den nächsten ein tollkühner Gitarrenritt in einen stolprigen Ravemoment umschwingen kann. Diese Sprunghaftigkeit hält die Musik zwar aufregend, würde sie letztlich aber nur zur Kuriosität machen wenn Late Of The Pier nicht auch ein tolles Gespür für Instrumentalhooks und catchige Refrains hätten. Nicht nur aber insbesondere in ihren durchweg hervorragenden Singles von denen sich gleich ein halbes Dutzend hierauf befindet.

[MP3] Late Of The Pier - Space And The Woods

Platz 20
Los Campesinos! – We Are Beautiful, We Are Doomed

Klatschend erschallt es von den Dächern, Ways To Make It Through The Wall läutet die erste Veröffentlichung von Los Campesinos! in dieser Liste ein. “We wait at ease, ah, we wait to see oh we are waiting here for catastrophe,” singt die vereinte Truppe vermeintlich ernster als bisher, doch bei allen Hurra-Gesängen und Glockenspielen wird schnell übersehen dass es bei LC! schon immer kontrastierend dunkle Texte gab, mit gewalttätigen Metaphern und Kampfansagen an falschen Optimismus. Auf ihrer EEP We Are Beautiful, We Are Doomed überziehen sie diese Unromantik in Depri-Emogefilde ("I my star sign by asking which is least compatible withmine", "I've spend too much time on my knees next to urinals in garish Mexican restaurants, sobbing into my warm, pale palms for a better understanding of my dietary requierements", "As if I walked into the room to see my ex-girlfriend, who by the way, I'm still in love with, sucking the face of some pretty boy, with my favourite band's most popular song in the background, is it wrong that I can't decide which bothers me most?" und so weiter und so super) und absorbieren damit einen weiteren Aspekt vergangener Indiekultur in ihren Referenzkosmos, ihre Musik ist dabei fokussierter geworden (sicher auch da nicht mehr Dave Newfeld am Mischpult saß) aber noch längst nicht auf dem Boden angekommen.

Letztlich werden dadurch, dass LC! öfter das BSS-mäßige Alle-zusammen-Chaos zurückschrauben und den leiseren Sektionen Gelegenheit zu scheinen geben, Mitsing-Momente die auch live wunderbar funktionieren wie der im Titelstück (“OH WE KID OURSELVES THERE'S FUTURE IN THE FUCKING, BUT THERE IS NO FUCKING FUTURE”) umso herrlicher herausgestellt. Und obwohl über 10 Stücke eben nicht so viel Platz für Hits bleibt wie auf ihrem Album klingt WAB,WAD abwechslungsreicher, mit einem instrumentalen Zwischenspiel, dem kurios boinkenden It's Never That Easy Though, is It? (Song For The Other Kurt) und dem Bright Eyesigen Heart Swells/Pacific Daylight Time.

In Interviews haben die Bandmitglieder bereits angedeutet dass sie realistisch selbst nicht erwarten viele Jahre lang als Band zu bestehen (sie kennen sich halt in der Musikgeschichte aus), wenn diese überzogene Torschlusspanik dazu führt dass wir weiterhin so oft so tolle Musik von ihnen bekommen darf man ihnen dann wirklich nicht böse sein wenn das Ende einmal kommt.

[MP3] Los Campesinos! - We Are Beautiful, We Are Doomed

Platz 19
Studio – Yearbook 2

Westküstensommer die Fünfte, das Duo das mich mit West Coast letztes Jahr überhaupt erst auf diese sonische Entdeckungsreise schickte die dieses Jahr so viele großartige Platten zu Tage förderte. Ja, Studios zweiter Longplayer ist eine Compilation aller ihrer zauberhaften Remixe bis Anfang 2008, aber Studio machen sich jedes Stück so zu Eigen dass das hier genauso gut eines ihrer eigenen Alben sein könnte. Dass die Ergebnisse dabei so verschieden ausfallen wie das helle Wellen reitende Room Without A Key mit Feist und das meditativ-dubbige Love On A Real Train ist nur ein weiterer Grund warum Studio für mich zur Zeit zu den ganz Großen gehören. [mehr]

[Video] Shout Out Louds - Impossible (Possible Remake By Studio)

Platz 18
M83 – Saturdays = Youth

Dass Anthony Gonzalez großen Popsong schreiben kann hat er ja schon mit Don't Save Us From The Flames gezeigt, trotzdem hätte ich damals nicht gedacht dass das die beste Richtung wäre die M83 nur einschlagen könnte. Der Beweis folgte mit Saturdays = Youth, zuckersüße Melodien verpackt in Synthpop der sein volles Potential erst entfaltet wenn man ihn so laut aufdreht dass einen die Songs mit all ihren Details erschlagen können. Erst dann nimmt all die herrlichen Texturen wahr, wirkt das Zwitschern im Hintergrund von Graveyard Girl so richtig, registriert man den brodelnden Wind von Skin Of The Night mehr als flüchtig.
Fast nebenbei kann das Album auch wirklich in seiner Songanordnung als Soundtrack herhalten, von den Glücksmomenten der Singles über die Partyszene in der Couleurs gespielt wird bis zur Enddramatik des Films die sich über Highway Of Open Dreams (der Spurt zum Finale), den großen romantischen Moment Too Late und das Happy End Dark Moves Of Love entfaltet. Midnight Souls Still Remain ist zum Schluss zwar etwas zu lang für die meisten Filmcredits, dafür aber von allen epischen Ambient-Instrumentals (von denen es in diesem Jahr tatsächlich einige am Ende von Alben gab) das schönste.

[Video] M83 - Graveyard Girl

Platz 17
Lindstrøm – Where You Go I Go Too

Westküstensommer die Sechste, auch wenn Oslo nun beim besten Willen an keiner Westküste liegt. Wenn ein Typ so ein fettes, stolzes Grinsen im Gesicht kleben hat wie Hans-Peter Lindstrøm auf dem Cover von Where You Go I Go Too hat er entweder gerade einen monumentalen Scheißhaufen in deinem Klo hinterlassen oder ein monumental gutes Album fabriziert. Anfangs war mir noch unklar welcher Fall zutraf, aber irgendwann klickte es dann. Ein glorreicher Trip mit einer herrlichen Enthüllung nach der anderen, am schönsten an einem Stück anzuhören denn wenn man erst mal richtig einsteigt geht selbst das 30minütige Titelstück verdammt schnell vorüber.

[MP3] Lindstrøm - The Long Way Home (Prins Thomas Edit)

Platz 16
Ponytail – Ice Cream Spiritual

Ich weiß nicht ob's an der Musik liegt die ich höre oder ob mittlerweile generell kaum noch wer in seinen Songs ein anfeuerndes “Let's go!” ausruft. Bei Ponytail hat man mit diesen zwei Worten bereits die musikalische Maxime gefunden, Ice Cream Spiritual ist nämlich bei aller Faszination des Deerhoofschen Zwischenspiels beider Gitarristen vor allem die Show von Molly Siegel, die ihre Band wie ein betrunkener Zaubertroll auf einem Amoklauf nach vorne treibt. Das Eröffnungsstück Beg Waves ist ein perfektes Beispiel für die einer Achterbahnfahrt gleichende Dynamik von Ponytails Stücken: antreibend monoton hallt die Trommel, Siegel stößt animalische Laute aus und die Gitarren riffen los bis die Musik in einen kurzen, brachialen Ritt ausbricht. Genau so schnell kommt sie wieder zum Stehen, hält aber keine Sekunde still bevor sie wieder Anlauf nimmt und sich zu einem noch größeren, druckvolleren Gipfel aufbaut. Das Highlight des Albens ist aber Celebrate The Body Electric (It Came From An Angel), ein Paket aus purer Energie zu dessen Musikvideo in meinem Kopf Antilopen, Geparden und Usain Bolt im freundlichen Wettlauf mit einer Rakete der Sonne entgegenrennen.

[MP3] Ponytail - Celebrate The Body Electric (It Came From An Angel)

Platz 15
John Maus – Love is Real

Eigentlich schade dass ich hiervon keinen Stream finden konnte, denn wie bei kaum einem anderen Album in dieser Liste kann man sich von John Maus' Zweitling nicht anhand eines repräsentativen Songs ein Bild machen. Zumindest in der ersten Jahreshälfte waren Love Is Reals Synthpopträume meine erste Wahl wenn's erst mal dunkel wurde, von Do Your Bests Großstadtmelancholie die Maus mit Scott Walkerschem Brummen unterschreibt über Green Bouzzards unheilige Fuge, die zarte Synthlandschaft The Silent Chorus und den Nervenzusammenbruch-Flashdance My Whole World is Coming Apart Apart (den Maus grandioserweise genauso manisch performt wie ich es mir vorgestellt hatte) bis zum wirklich terrorisierenden Goblin-Horror von Tenebrae (klar, Argento-Hommage) tun sich hier in nur einem Album ganze Welten auf. Wunderbares Album für alle die keine Angst vor Stimmungswechseln haben.

[MP3] John Maus - Do Your Best

70 aus 2008 Teil 7

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Platz 28
Eat Skull – Sick To Death

Dass ich mit Eat Skull auf einer Wellenlänge liege wurde mir schlagartig bewusst als ich bei Puker Corpse ankam. Wie alle Stücke auf ihrem Siltbreeze-Debüt ist der Song in Lo-Fi-Klang gehalten, strahlt aber so eine überzogen fiese Aura aus dass ich an einer Stelle einfach ein albernes Cartoon-Schurkenlachen ablassen musste und prompt ertönte auch aus dem Lautsprecher ein “Muu-huu-hahahaaa”. Meist ist Sick To Death aber lockerer und poppiger, vor allem nutzt die erfahrene Band den harschen Sound zu bemerkenswert verschiedenen Effekten aus. Wenn man die einsam echoende Gitarre in New Confinement klampfen hört und dazu den im eigenen Feedback ertrinkenden Gesang, die Art wie sich die Stimmen im gegenseitigen Echo in I Licked The Spider vermischen oder wie das helle Plinkern in Shredders On Fry gegen eine höllisch rauschige Melodie ankämpfen muss dann erscheint das die einzig richtige Möglichkeit diese Songs aufzunehmen.

[MP3] Eat Skull - Shredders On Fry

Platz 27
Titus Andronicus – The Airing Of Grievances

So gern ich auch der Band aus Nu Joisey eine abenteuerlichere Stilbeschreibung zwischen Arcade Fire als Punkband und Pogues zusammenbasteln würde erinnern sie mich doch jedes Mal wieder vor allem an Desaparecidos, Conor Obersts ein(st)malige Wüstenpunk-Combo. Dabei haben die Songs ihres Debütalbums (100 Punkte für die Seinfeld-Referenz) eine weitere, leicht pompöse Dimension mit weit ausladender Pauke und dramatisch anschwellenden Gitarren, anders als Trail Of Dead aber verlieren sie sich nicht im Pomp, dafür stolpern sie auch zu oft sturzbetrunken über die Bordsteinkante. Titus Andronicus feiern eine große nihilistische Party und sicher wird man ihre Hymne noch öfters erklingen hören wenn das Album 2009 auf einem größeren Label neu veröffentlicht wird. No more cigarettes, no more having sex, no more drinking till you fall on the floor. Your life is over.

[MP3] Titus Andronicus - Titus Andronicus

Platz 26
Hatchback – Colors Of The Sun

Westküstensommer die Vierte. Hatchback macht die Art von Musik mit der man der Realität einen alternativen Soundtrack aufzwingen kann, die Zeit beginnt sich beim Hören seiner herrlich detaillierten Instrumentalusik zu verlangsamen und jedes positive Element in der Umwelt wird verstärkt wahrgenommen. Manch eine banale Zugfahrt dieses Jahr wurde bei mir auf diese Weise zu einem bezaubernden Erlebnis, egal wie ich mich auch vorher fühlte. Über den Verlauf dieser 10 Stücke nimmt Hatchback unter Einmischung von Kraut-Motorik zwar immer wieder kurz Fahrt auf, die zweite Hälfte zerfließt jedoch in pure ätherische Glückseligkeit. Im Weltkatalog der Genrebezeichnungen steht Colors Of The Sun wahrscheinlich irgendwo unter “Slow-Disco/Dance” verzeichnet, aber ich kann mir einfach nicht vorstellen lieber dazu tanzen zu wollen als mich einfach irgendwo in eine bequeme Sitzgelegenheit und in diese Musik fallen zu lassen.

[MP3] Hatchback - White Diamond

Platz 25
Cheap Time – Cheap Time

Wenn Wangenknochen töten könnten müssten Cheap Time aus Nashville nicht nur einen Waffenschein tragen, ich würde ihnen im Zweifelsfall auch nie den Rücken zuwenden. So aber muss man der Band (die einst als Jemina Pearls Nebenprojekt von Be Your Own Pet startete) nur Beachtung schenken wenn man etwas für Powerchord-Powerpop in Bestform übrig hat, mit gleichermaßen Glam, Surf und Garage im Blut punkt sich das Trio durch 14 höchstmelodiöse Nummern die genauso schnell auf den Punkt kommen wie die drei schon wieder zum nächsten Monsterhook weiterrasen. All killer no filler, allen voran der Song-des-Jahres-Kandidat People Talk, eine Platte die mich mittlerweile noch mehr aus dem Häuschen bringt als beim anfänglichen Hören, insbesondere das atemberaubende finale Songquartett sucht seinesgleichen.

Platz 24
No Age – Nouns

Ich weiß nicht was es ist, aber ich habe dieses Album immer als schwächer in Erinnerung als ich es dann beim Hören empfinde. Vielleicht weil es sich trotz stärkeren Popkonstruktionen leichter, flüchtiger als das letztjährige Weirdo Rippers anfühlt, weil es einen selten wie beim druckvollen Aufbau von Sleeper Hold am Kragen packt so dass die 30 Minuten Spielzeit schnell verziehen. Jetzt beim Hören find ich's aber wieder großartig, bunt verwaschener Punkpop mit mehr Gefiepe als eine Gitarre zu produzieren imstande ist und Melodien die nicht zu weit unter allem Gerausche verbudelt sind. Exzellentes Verpackungsdesign übrigens.

[MP3] No Age - Eraser

Platz 23
Cut Copy – In Ghost Colours

2008 war das Jahr in dem PRler entdeckten dass man mit schlechten Remixen oft genau so viel Aufmerksamkeit erzeugen kann wie mit dem Versenden der weitaus besseren Originale (die nicht alle so gerne rausrücken) als Promo-Mp3s. So schienen gewisse Ecken der musikbloggenden Zunft 2008 in einer Flut von uninspiriertem Indie-Dance und Elektropop mit 80er-Einfluss zu verseichen. Angesichts dessen fällt es mir gerade schwer zu sagen warum genau sich In Ghost Colours, das mit Cut Copys “New Order/Human League/Heaven 17 etwas moderner”-Rezept in diese Ecke zu fallen scheint, daraus hervorhebt.

Sind es die durchweg guten Melodien? Überwiegend schöne Produktion mit herrlichen Hintergrunddetails, auch wenn an irgendeiner Stelle dann wieder auf unnötig hohe Lautstärke gesetzt wurde? Fließende Übergänge und sanft den Wechsel einleitende Zwischenspiele zwischen den Songs durch die man das Album wunderbar an einem Stück hören kann. Ein Grower. All die Huuhs und Haahs! Funktioniert sowohl im Club als auch mit seiner süß mitschwingenden Melancholie unterwegs und zu Hause. Die ekstatische Stelle in Out There On The Ice wo der Publikumsjubel lauter gedreht wird" Der Glitzervorhang der in So Haunted herunterrollt!! IF THAT'S WHAT IT TAKES, THEN DON'T LET IT TEAR US APART... EVEN IF IT BREAKS YOUR HEART!

Hm, so schwer fällt es dann wohl doch nicht.

[MP3] Cut Copy - So Haunted

Platz 22
Blank Dogs – On Two Sides

The Fields mag eine höhere Hitquote gehabt haben, On Two Sides wirkt aber im Gegensatz dazu nicht wie eine Zusammenwürfelung von Songs sondern hält als ein exzellentes Gesamtwerk her. Vom Einstieg mit dem One-Two von Ants und Blaring Speeches der einen direkt in Blank Dogs' Welt katapultiert über die abwechslungsreiche Mitte (Pieces ist hier besonders wohlplatziert) bis zum heimlichen Höhepunkt in seinen finalen Songs fokussiert Blank Dogs' erstes Album alles was seine Musik so einzigartig und beeindruckend macht. [mehr]

[Video] Blank Dogs - Pieces

70 aus 2008 Teil 6

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Platz 35
Animal Collective – Water Curses EP

Wie es schon Tradition ist brachten Animal Collective auch nach ihrem letzten Album eine EP mit vermeintlichen B-Seiten heraus, im Gegensatz zur vorigen People weiß auf Water Curses aber nicht nur der Titeltrack zu bezaubern. Der ist eine gute Repräsentation der Verschmelzung experimenteller Sounds und eingängiger Songstrukturen die sich in zwei Wochen auch auf dem neuen Album der Gruppe fortsetzen dürfte, mindestens genauso hörenswert sind aber die folgenden drei Stücke. Das schwimmende Street Flash und Cobwebs erinnern dabei auch etwas an den Klang von Feels, insbesondere letzteres mit seinem grandiosen Ausschwenken am Ende, die blubbernde Pianonummer Seal Eyeing bendet das Geschehen dann in einem warmen ambienten Schlummern.

[MP3] Animal Collective - Water Curses

Platz 34
Stephen Malkmus & The Jicks – Real Emotional Trash

Ob es an der Umbesetzung der Band liegt oder einfach eine Frage der Zeit war, mit Real Emotional Trash hat Stephen Malkmus sein erstes Album gemacht bei dem mir der Vergleich mit Pavement gar nicht erst in den Sinn kam. Vielleicht weil er selbst so wirkt als könnte ihn seine Vergangenheit nichts im Geringsten kümmern, die Songs rollen ihm und den Jicks wie selbstverständlich von der Hand, gerade was mir an den längeren Stücken anfangs wie überflüssige Rumnudelei vorkam macht die Musik so souverän und das Hören zu so einem lockeren Vergnügen. Dass Malkmus dabei tolle Melodien und beschissen brillante Reime wie “Oyster/Cloister” produziert sollte eigentlich selbstverständlich sein.

[MP3] Stephen Malkmus & The Jicks - Baltimore

Platz 33
Parts & Labor – Receivers

Das Erstaunliche an Parts & Labor ist, abgesehen davon dass sie zwei Jahre in Folge ein großartiges Album produziert haben, wie unauffällig der experimentelle Charakter ihres epischen Noisepops schnell wird. Es wirkt völlig selbstverständlich dass im Vordergrund die meisten ihrer überlebensgroßen Melodien von Stimmen und Elektronik geführt werden, die klassische Rockinstrumentation vervollständigt den Sound eher. Auf Receivers ist dieser Sound noch breiter geworden, hat selten die halsbrecherische Geschindigkeit des letztjährigen Mapmaker, ist aber ebenso herrlich hymnisch und beschäftigt kracherfüllt zugleich.

[MP3] Parts & Labor - Nowhere's Nigh

Platz 32
Vampire Weekend – Vampire Weekend

“Plus ça change, plus c'est la même chose.” Nach allem was über die Band zu lesen, schreiben und denken war bin ich bezüglich Vampire Weekend wieder da angekommen wo ich letzten September war. Die Songs sind nicht revolutionär ungewöhnlich und gehen (auch deswegen) nach all der Zeit immer noch so ins Gehör wie beim ersten Mal, eine frische unverzerrte Brise. Dass dadurch viele Leute afrikanische Musik entdeckt haben ist ein wunderbarer Bonus, ändert aber am Album selbst letztlich nichts.

[MP3] Vampire Weekend - Oxford Comma

Platz 31
Blank Dogs – The Fields

Für ein paar Monate in diesem Jahr verlangsamte sich mal kurz die stets besser werdende Veröffentlichungsflut von Blank Dogs, nur ab und zu tauchte ein neuer Song auf Myspace auf. Und hätte ich mir eine Favoritenliste davon erstellt, bis auf einen wären davon alle auf The Fields gelandet. Red World mit typischem Joy Division-Rumpelkammer-Klang, Before The Hours mit im kreis schwirrenden Synths und Mascis'scher Gesangsmelodie, das in Nebelschwaden ertrinkende The Other Way und der mechanische Stampfer Spinning. Und das war nur die A-Seite, das Highlight ist für mich kurz vor Schluss Now Signals (mit Bridge vorm Refrain, das ist Luxus in der Blank-Dogs-Ökonomie) bei dem alles schlampig aus der Spur zu laufen scheint und doch einen befremdlichen Ohrwurmcharakter erhält.

Platz 30
Jay Reatard – Singles 06-07

Gleich zwei großartige Longplayer voller punkigem Garagepop brachte Jay Reatard dieses Jahr heraus, schon diese erste Singlesammlung funktioniert bemerkenswert gut auch als Album. Von den noch harsch wie Blood Visions schneidenden Stücken der Night Of Broken Glass-EP aus merkt man hier bereits wie Jay beginnt seine Produktion auszudifferenzieren, wie der Popaspekt durch Akustikgitarre und den Einsatz von Synths in I Know A Place und Another Person in den Vordergrund gesetzt wird. Mit Hammer I Miss You, All Wasted, It's So Useless , Let it All Go und dem Go-Betweens-Cover Don't Let Him Come Back finden sich viele seiner besten Songs hierauf, allein dass die zweite Hälfte größtenteils aus guten aber nicht gut ins Gesamtbild passenden Alternativversionen von Blood Visions-Tracks besteht verhindert die Perfektion dieser Platte.

Platz 29
The Mae Shi – HLLLYH

Der Weltuntergang nach biblischem Vorbild hat schon viele Künstler zu epischen Konzeptalben inspiriert, u.a. die Texaner Lift To Experience die Anfang des Jahrzehnts den Postrock-Giganten The Texas Jerusalem Crossroads herausbrachten. Aus Sicht von The Mae Shi mutet das ganze Geschehen aber eher wie eine Spongebob Squarepants-Folge an, HLLLYH (man fülle die geeigneten Vokale selbst ein) ist voller überdreht ekstatischer Singalongs, 8bit-Melodudelei und einem Sänger der wie ein kastrierter Waldschrat mit Tollwut schreit. Das Ganze kuliminiert dann in Kingdom Come, dem vielleicht absurdesten Song des Jahres, eine 11minütige manisch hüpfende Vermischung der bisherigen Albumstücke die in einem acidfarbenen Brei aus Boings, Bleeps und endorphingetränkten Vokalloops endet. Die Apokalypse: ein gewaltiger Spaß für die ganze Familie.

[MP3] The Mae Shi - I Get Almost Anything I Want

70 aus 2008 Teil 5

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Platz 42
Deerhoof – Offend Maggie (CD-Version)

Wie bei Xiu Xiu erwarte ich an diesem Punkt nicht mehr dass Deerhoof schlechte Alben machen können. Allerdings hat mich Offend Maggie wieder angenehm überrascht, mit dem Kunststück irgendwie gleichzeitig mehr Kanten als Friend Opportunity zu haben und doch noch leichterer, verspielter, müheloser rumzurocken. Mit Ed Rodriguez, der die Band wieder zum Quartett macht, gibt es interessantere zweite-Gitarre-Dynamiken, gleichzeitig sind Deerhoof so weit von bierernstem Muckertum entfernt wie eh und je, da braucht der Cheerleader-Nonsens von Basketball Get Your Groove On nur als ein Beispiel für herzuhalten. Mein einziges Problem ist dass mir die Tracks wirklich ein gutes Stück besser in der Reihenfolge der Vinylversion gefallen, insbesondere der Anfang. Hätte ich etwas früher angefangen es so zu hören wäre das Album noch einige Plätze weiter oben. Trotzdem eine ganz große Band.

[MP3] Deerhoof - Chandelier Searchlight

Platz 41
The Fiery Furnaces – Remember

Nach dem Desaster zu Beginn hatte ich ja etwas Angst vor diesem Album das gleich zwei Dilemmata erfindungsreich umschifft: Zum Einen scheinen Livealben in Zeiten von online omnipräsenten Audio- und Videobootlegs überflüssig, zum Anderen hat wohl jeder Fan unter den vielen unterschiedlichen Liveinkarnationen der letzten Jahre andere Favoriten. Welche Versionen haben die Furnaces also ausgewählt? Nun, äh, alle quasi. Die Stücke auf Remember sind Frankensteinsche Monster, mühevoll und sekundengenau aus einzelnen Liveaufnahmen neu zusammengeschnitten. So wird was bei anderen Bands lediglich ein Dokument ist bei den Friedbergers zur originären Neuschöpfung, ein Versuch das eigene Material um zwei Ecken neu zu interpretieren.

Dabei kriegt man gleich zu Anfang einen Eindruck davon wie hart der Job von Eleanor Friedberger ist, als Sängeräquivalent einer Mathcore-Gitarristin muss sie lächerlich viele und komplizierte Verbalriffs abarbeiten, dass sie sich nicht öfter wie im ersten Stück verhaspelt bleibt erstaunlich. Auch andere Liveimpressionen wie Publikumsgeräusche und Ansagen tauchen zwischendurch auf, lockern das Gesamtgeschehen aber nicht so weit dass ich irgendwem empfehlen würde alles an einem Stück durchzuhören. Auch für Neueinsteiger in die Welt der Friedbergers fände ich diesen Karrierequerschnitt zu überwältigend, da bleibt die erste Adresse die poppige EP. Für Fans der besten Band der Gegenwart ist Remember aber natürlich ein Muss.

[MP3] The Fiery Furnaces - Navy Nurse

Platz 40
Broken Social Scene Presents: Brendan Canning – Something For All Of Us...

Soloalbum Schmoloalbum, Something For All Of Us... klingt für mich wie die lineare Fortsetzung des selbstbetitelten BSS-Albums von 2005. Anders als Kevin Drews trifft Brendan Cannings BSS-Album ziemlich genau das was ich am prall gefüllten Kuddelmuddel-Popcore des Kanada-Kollektivs am meisten mag, angefangen beim Frauengesang (hier vor allem von Land Of Talks Liz Powell übernommen) den ich in dieser Form auf Spirit If... schwer vermisst hatte. Und wie in Hit The Wall gegen Ende die Gitarre abgehängt wird von einer Welle aus Streichern, Bläsern und purer Gutlaune, der Gesang, das Zusammen, das Miteinander Durcheinander, ich meine, das ist es doch wohl. Broken Social Scene.

[MP3] Broken Social Scene Presents: Brendan Canning - Hit The Wall

Platz 39
Surf City – Surf City

Über die Verbindungen zu The Clean und Pavement wurde an dieser Stelle schon genug geschrieben, wichtiger aber ist ohnehin dass die Debüt-EP des neuseeländischen Quartetts bei allen guten Referenzen auf eigenen Beinen steht. Surf City haben ein verdammt gutes Gespür für die richtige Melodie im richtigen Rahmen, seien es die euphorisch hallenden Wechselrufe in Records of a Flagpole Skater, das muntere Dudeln von Headin' Inside oder den langgezogenen Twang des weit ausladenden Finales Free The City. Sechs catchig-schrammelige Stücke über deren Verlauf Surf City kein einziges Mal stolpern, was will man für den Anfang mehr?

[MP3] Surf City - Headin' Inside

Platz 38
The Week That Was – The Week That Was

Gleich zwei Früchte trug dieses Jahr die Umstrukturierung von Field Music, Anfang des Jahres brachte Peter Brewis sein Projekt School Of Language an den Start das mir allerdings längst nicht so gut gefiel wie das seines Bruders. Vielleicht weil The Week That Was einen Teil der 80er referenziert den ich in letzter Zeit erst zu entdecken begonnen habe, die abenteuerlichen Popwerke Kate Bushs oder Peter Gabriels neben deren Ambitionen, Vorstellungskraft und letzliche Exekution die Synthdudeleien die dieses Jahr überall wieder auftauchten nur verblassen lassen können. Brewis streift dabei nicht weit ab von Field Musics XTC-infusioniertem Querpop, stapelt ihn eher eine Lage höher. [mehr]

[Video] The Week That Was - Learn To Learn

Platz 37
D.Lissvik – 7 Trx + Intermission

Westküstensommer die Dritte! Dan Lissviks Soloplatte erschien so spät im Jahr dass sie auf kaum einer Jahresendliste ihren verdienten Platz einnehmen konnte, aber solche Bedenken scheinen den beiden Studio-Leuten fern zu liegen. Die bringen raus was fertig ist wenn es fertig ist, in diesem Fall eben die ersten Neuschöpfungen (also Nicht-Remixe) seit West Coast. Lissvik jammt entspannt bis episch mit sich selbst und man selbst sitzt als Zuhörer mit im Raum, ein sanfter Trip der ein bisschen tiefer geht als alles andere Gute was derzeit aus Schweden kommt. [mehr]

[Video] D.Lissvik - Track 5

Platz 36
Volcano! – Paperwork

Hm, heute kann ich mir ja viel Kreativarbeit sparen, wieder ein tolles Album zu dem ich mich bereits an anderer Stelle ausführlich geäußert habe. Volcano!s zweite Packung herrlich überbordernden Math-Jazz-Gitarrenpops hat auch bis heute ihren Appeal zwischen Wahnsinn und Methode gewahrt, während ich ihr erstes Album später doch nur noch in Auszügen hörte gefällt mir Paperwork bis heute auch an einem Stück und Slow Jam, Tension Loop und sowieso Palimpsests sind immer noch klare Jahreshighlights. [mehr]

[Video] Volcano! - Africa Just Wants To Have Fun

70 aus 2008 Teil 4

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Platz 49
Chauchat – Upon Thousands

Auch wenn Last.fm nicht das allmächtige Statistiktool ist das ich mir mal erhofft hatte, eine Enthüllung hatte es zu bieten: Chauchat waren demnach auf Platz 13 meiner meistgehörten Künstler dieses Jahr. Auch weil ich mir eine Weile den Kopf darüber zerbrach an wen mich die Band am meisten erinnerte (und seit ein paar Wochen weiß ich's nun: Deerhunter), aber vor allem weil das mal eine Platte ist deren Klang ich richtig genieße. Alles klingt so räumlich, so warm, fast als wäre Yellow House ein Rockalbum geworden. Man hört die angeschlagenen, unverzerrten Saiten einzeln hallen, wie sich die Gitarren im Wind der Melodien wiegen, wie Tyler Whitneys Stimme manchmal den Ton nur so gerade trifft. Obwohl Chauchats Songs oft nicht die offensichtlichsten Wege gehen ist dies nicht die originellste oder gar modischste Musik der Welt, nein, besser. Es ist ein echtes Liebhabealbum.

[MP3] Chauchat - Fight Obscurity

Platz 48
El Guincho – Alegranza!

Die lange Wartezeit war es wert dieses Album über den Umweg England aus Spanien zu importieren, hätte ich auf den internationalen Release gewartet (von dem damals eh noch keiner was wusste) wäre der ganze Sommer schon an ihm und mir vorbeigezogen gewesen. Und die Mitte des Jahres war einfach die ideale Zeit für El Guinchos tropischen Optimismus, ähnlich wie The Go! Team nur eben mit mediterranen und südamerikanischem Quellmaterial verwurstet Alegranza! über betanzbaren Rhythmen haufenweise Samples um daraus eine kurzweilige aber durch und durch gut gelaunte Feststimmung zu zaubern.

[MP3] El Guincho - Palmitos Park

Platz 47
Jóhann Jóhannsson – Fordlândia

Mein erster Eindruck lag etwas daneben, Fordlândia beginnt gar nicht mit langer Stille, das habe ich erst gehört als ich die CD hatte. Die Töne sind anfangs nur so leise dass man die Anlage wirklich laut aufdrehen muss, und wie meistens in diesen Tagen ist das ein gutes Zeichen. Denn erst wenn man wie hier einen gewaltigen Unterschied zwischen den leisen und den lauten Tönen wahrnimmt entfaltet sich die wahre Epik von Stücken wie eben dem stetig lauter, stetig herrlicher anschwillenden Titelstück. Jóhannsson integriert nahtlos Elektronik in seine klassisch orchestralen Arrangements die voller Details stecken, wie dem Wabern das sich lange Zeit im Hintergrund von Chimaerica versteckt, toll auch die Verwendung eines Chors in The Great God Pan Is Dead. Mein momentanes Lieblingsalbum des Isländers.

[MP3] Jóhann Jóhannsson - The Rocket Builder

Platz 46
Fuck Buttons – Street Horrrsing

Sanfte Produktion ist sicher nichts worüber man sich hier Gedanken machen muss, aber das ist bei Noise, selbst wenn er so kinderfreundlich ist wie hier, ja auch nicht das Ziel. Dafür liefern Fuck Buttons etwas anderes das ich dieses Jahr sehr zu schätzen wusste, ihre Mischung aus harsch verzerrtem Sägen, geloopten Percussionmustern, animiertem Geschrei und zugänglichen Melodien wird nie richtig unterbrochen sondern läuft nahtlos von einem Stück ins nächste. So begibt man sich auf einen einzigen farbenfrohen Trip der nie langweilig wird, ein Ritt auf einem Regenbogen aus Kettensägen und Handgranaten.

[MP3] Fuck Buttons - Bright Tomorrow

Platz 45
Thursday/Envy – Split LP

Das Konzept der Split-Veröffentlichungen ist sicher nicht auf die Hardcore-verwandten Genres beschränkt, dort finden aber oft interessante Wege des künstlerischen Austauschs statt die ich gerne auch anderswo verfolgt sehen würde. Im Falle der Screamos von Thursday ist man dabei zum Beispiel den Endzeit-Krächzern Envy entgegengekommen und bollert, unterstützt von stimmungsvoller Elektronik wie sie die Japaner auch in letzter Zeit öfter einsetzen, endlich wieder mit den apokalyptischen Untertönen von Full Collapse durch die Gegend. Auch Envy betreiben hier in Hochform cineastisches Soundscaping, zarte Momente in denen einzelne Sonnenstrahlen die Wolkendecke durchbrechen werden bald im Keim erstickt und spätestens mit dem grandiosen Finale Pure Birth And Loneliness ist diese Veröffentlichung das beste was beide Bands in den vergangenen 5 Jahren geschaffen haben.

[Video] Thursday - In Silence

Platz 44
Be Your Own Pet – Get Awkward

Eine Weile spielte mein Mp3-Player dieses Jahr verrückt und zeigt kopierte Musiktitel immer nur in Großbuchstaben an, im Falle von Be Your Own Pet erschien das aber auch völlig angemessen. Für ihr zweites Album scheinen sie sich wochenlang nur von Pizza, (Whisky-)Cola und B-Movies ernährt zu haben, auf Get Awkward lassen sie ihrem jugendlichen Appetit auf Zerstörung wieder freien Lauf mit prima Slogans (“Eating pizza is really great, so is destroying everything you hate”), noch besseren Songs (der Mörderballade Becky nach Vorlage der “Juveline Delinquent”-Movies der 50er, Zombie Graveyard Party der Russ-Meyer-Hommage The Kelley Affair) und natürlich Songtiteln die in Großbuchstaben geschrieben werden wollen: BLOW YR MIND! BITCHES LEAVE! FOOD FIGHT! Vielleicht ganz gut dass dies auch ihr letztes Album war, ewige Juvenilität steht nur wenigen.

[Video] Be Your Own Pet - Becky

Platz 43
Guillemots – Red

Auch das chaotische zweite Album der Guillemots stieg beim Wiederhören in meiner Achtung. Klingt insgesamt doch um Einiges ruhiger und angenehmer als ich es in Erinnerung hatte, am problematischsten ist noch die Sprunghaftigheit zwischen den stark voneinander verschiedenen und stellenweise unnötig überladenen (auch wenn das meistens die Attraktivität der Briten ausmacht, wie wenn sie später in Don't Look Down erfolgreich eine verträumte Ballade auf knarzigen Drum 'N Bass legen) ersten Stücken. Ab Clarion pendelt sich Red dann in einer gesunden Balance zwischen formalem und klanglichem Ideenreichtum und solidem Songwriting ein mit dem Fyve Dangerfield mal wieder vermuten lässt dass er einen heißen Draht zum Himmel hat. Wo sonst beschwört der Mann diese zum Schmelzen schönen Melodien her? Übrigens ein tolles Regenwetteralbum.

[Video] Guillemots - Falling Out of Reach

70 aus 2008 Teil 3

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Platz 56
Windsurf – Coastlines

Westküstensommer die Zweite! Diesmal allerdings die amerikanische Variante, die Herren Hatchback und Sorcerer tun sich zusammen zu einem Album das einerseits eine Synthese aus ihren beiden Solosachen ist, andererseits lustigerweise eine völlig andere Wirkung auf mich hatte als das später noch zu erwähnende Hatchback-Album. Windsurf habe ich erst richtig genießen können als ich mal aufhörte hinzuhören, als ich die Musik einfach im Hintergrund auf mich wirken ließ schälten sich die Melodien richtig hervor, die quer durchs bunte Farbspektrum getränkten Horizonte begannen sich aufzuspannen und in mir erwachte die Lust nach einem eiskalten Cocktail.

[MP3] Windsurf - Pocket Check

Platz 55
Morgan Geist – Double Night Time

Ich kam für den Greenspan und blieb für den Geist. Dass mich die vertraute Stimme direkt an Junior Boys erinnerte half sicherlich dabei dass ich sofort Gefallen an dieser Platte fand, darüber hinaus aber sind es Geists feine Kompositionskünste die auf emotionale Resonanz stoßen. Ähnlich der letztjährigen Chromatics-Platte ist Double Night Time eine Liebeserklärung an nächtliche (Irr-)Fahrten, an Lichter die die Großstadt erleuchten und das gewaltige Erleignispotential das schon einer einzigen Nacht innewohnt.

Platz 54
The Hold Steady – Stay Positive

Stay Positive ist gewiss nicht die lauteste Rockpatte die ich mir dieses Jahr zugelegt habe, jedoch war hier der Punkt bei mir erreicht wo die Aufnahmen einfach so hässlich klangen dass mir die Lust am Hören verging. The Hold Steady dürften daran keine Schuld tragen, sie schreiben immer noch großartige Songs (was noch deutlicher daran wird dass die Bonustracks auf dieser CD locker mit dem Rest des Albums mithalten können, nur eben nicht richtig reingepasst hätten) und obwohl ich mich genausowenig damit identifizieren kann wie letztes Jahr bei James Murphy macht es Spaß Craig Finn zuzuhören wie er darüber sinniert würdevoll zu altern. Nur wenn man sich das Ganze nicht in Ruhe anhören kann muss man halt ein paar Spaßabstriche machen.

[Video] The Hold Steady - Stay Positive

Platz 53
Ladytron – Velocifero

Schon als die saftigen Numan-Synths von Black Cat erstmalig ertönten hatte ich ein enorm gutes Gefühl, nach mehreren Monaten des Hörens bin ich mir nun sicher dass dies mein Lieblingsalbum von Ladytron ist. Klar stehen die beiden fabelhaften Gesangsstimmen heraus (wobei Daniel Hunts Einsatz auf dem finalen Versus auch gelobt werden muss), die manchmal meterbreiten Synthklänge sind noch tiefschwarzer geworden, die Geheimwaffe sind aber die Drumsounds die auch dann Aufregung in die Stücke bringen wenn eines der anderen beiden Elemente generische Momente hat. Wenn dann alle drei wie auf I'm Not Scared in Hochform erscheinen vergesse ich auch sofort den kurzen Durchhänger den die Platte in der Mitte hat.

[MP3] Ladytron - Black Cat

Platz 52
TV On The Radio – Dear Science

Tja öhm, siehe zwei Einträge zurück sage ich mal. Eine Woche habe ich's vielleicht mit dieser Platte probiert und ich glaube ich mag sie, aber seitdem muss ich nur daran denken wie das große Finale dadurch versaut wird dass selbst die leisesten Momente laut und blechern aus meinem Kopfhörer dröhnten und mir vergeht wieder die Lust diesen Eindruck zu verstärken. Wenn die Band keinen Vertrauenskredit bei mir hätte wär die Platte noch ein gutes Stück weiter unten.

[Video] TV On The Radio - Golden Age

Platz 51
Glass Candy – Deep Gems: A Collection Of Singles, B-Sides & Rarities

Wenn man sich den globalen Tourplan von Glass Candy in diesem Jahr anschaut scheint sich einiges für Ida No und Johnny Jewel geändert zu haben, ihre Tonträger jedoch verschicken sie immer noch zusammen mit IDIB-Mitbegründer Mike Simonetti eigenhändig. Deep Gems sollte noch vor dem nächstjährigen Album klar machen dass der kreative Brunnen der beiden nicht so schnell erschöpfbar ist, selbst die Alternativversionen von Beatbox-Tracks sind so verschieden dass man sich glatt ein zweites Mal in sie verlieben kann. Darüber hinaus gibt es aber viele neue Italo-Taumeleien mit romantisch-finsterem Unterton, mit den charakteristischen Knarzsynths, interessanten neuen Percussion-Arragements und Nos Vokalcharisma. Favoriten: das treibend stampfende The Beat's Alive und das sexy schunkelnde (für Rheinländer ein vermeintliches Oxymoron, ich weiß) Feeling Without Touching.

[Video] Glass Candy - Feeling Without Touching (live)

Platz 50
The Indelicates – American Demo

Lange hab ich mich drauf gefreut, dieses Jahr brachten The Indelicates endlich ihr Debütalbum heraus das so viele Qualitäten verkörpert die ich an britischem Pop so schätze, herrlich böse, witzig, politisch, kurz alles was unvereinbar mit modernem UK-Indie Marke NME ist. Sie sind nicht die handwerklich besten Musiker der Welt und wissen es auch, trotzdem und gerade deswegen schreiben sie clevere, eingängige Songs vom Ende der Popmusik, über den Niedergang des Feminismus oder das dieser Tage prophetisch wirkende If Jeff Buckley Had Lived und echoen dabei Kenickie, Kate Bush (man vergleiche Romeo And Juliet mal mit Dream Of Sheep) und Luke Haines.

[VIdeo] The Indelicates - America

70 aus 2008 Teil 2

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Platz 63
Oxford Collapse – Bits

Die Rückkehr des Slackertums scheint langsam anzulaufen, im US-TV starteten mit Chuck und Reaper jüngst gleichzeitig zwei Serien deren Protagonisten Underachiever sind wie es sie vor 15 Jahren an allen Ecken der Popkultur gab. Eigentlich wären Oxford Collapse, in ihrer effektvollen Schlampigkeit die wohl klassisch subpoppigste aller neueren Sub-Pop-Bands, der ideale Soundtrack dafür. In typischer Imperfektion ist der beste Song des Trios dieses Jahr nicht einmal auf ihrem zweiten Sub-Pop-Album zu hören, Amongst Friends erschien stattdessen anderswo in kleiner Auflage auf Vinyl. Vielleicht war das aber doch Kalkulation, Bits ist nämlich ohne eine Single mit Soundtrackpotential ein homogeneres Album geworden als ihr letztes und stolpert elegant durch die Gegend.

[MP3] Oxford Collapse - The Birthday Wars

Platz 62
A Mountain Of One – Collected Works

Ach wenn das Entdecken von geschmackskompatibler Musik doch immer so einfach für mich wäre. Ich gab den Briten letztes Jahr zunächst allein deshalb schon mal eine Chance weil sie ihr Myspace-Profil mit Jodorowsky-Filmausschnitten behängt hatten, Vorschussvertrauen das sich auszahlte. Diese Kollektion ihrer beiden EPs und Singles ist ein bisschen wie eine Reise durch die Plattensammlung von jemandem der seine halbe Bude nur mit LPs gefüllt habt, mit Anklängen von Prog, Psych, Kraut, Wave die stellenweise etwas kitschig erscheinen aber in ihrer Summe irgendwie doch immer einen packenden und faszinierenden Trip ergeben. Einziger Wermutstropfen: Der Hippiegrütze-Text von People Without Love, au au aua autsch.

[Video] A Mountain of One - Brown Piano

Platz 61
The Magnetic Fields – Distortion

Im Nachhinein betrachtet ist schon lustig wieviel Aufhebens um den Mantel der Verzerrung gemacht wurde in den dieses Album gehüllt ist ("ZOMG Jesus & Mary Chain" etc.), denn wegen Stephin Merritts extremer Lärmempfindlichkeit bleibt live eh alles beim Alten (hier bspw. California Girls live) und songmäßig ist es auch ein Magnetic Fields-Album wie jedes andere. Nicht das beste, aber mit vielen Ohrwürmern ein sehr gutes und Merritt schreibt immer noch Popsongs wie kein anderer (“Faux folks sans derrieres”: Diss des Jahres!)

[MP3] The Magnetic Fields - California Girls

Platz 60
British Sea Power – Do You Like Rock Music?

Meine Meinung über dieses Album ging das Jahr über rauf, runter und ist mittlerweile wieder weit rauf. Nicht so sehr dass es ein Grower wäre, zeitweise irritierte mich das Aufreiben der sanften, naturverbundenen Melodien mit den hymnischen, pompösen Arrangements einfach so sehr dass ich die Lust am Hören verlor. Aber darum krame ich sämtliche Musik ja am Ende des Jahres wieder heraus, um dann zu merken dass ich von diesen Bedenken beim Hören nichts mehr merke, erst recht wenn ich den überzogenen Rahmen des ersten und letzten Stücks ausblende. BSP bleiben eine einzigartig exzentrische und hörenswerte Band, und Gott sei Dank sind sie nicht “Die neuen Arcade Fire”.

[MP3] British Sea Power - Waving Flags

Platz 59
Pacific! – Reveries

Westküstensommer die Erste! Es wundert mich schon dass ich dieses Jahr nicht öfter über Pacific! gelesen habe, die scheinen mir genau in die Air France/Tough Alliance/Boat Club/Studio-Ecke Göteborgs zu passen über die es echt einen Haufen Artikel gab. Vielleicht sind sie einfach nur nicht Teil dieser Clique, ihre Musik jedenfalls ist leichtfüßig und sonnenaffin wie die anderen musikalischen Erzeugnisse dieser Strandpartygemeinde, ein bisschen melancholisch, tanzbarer und mit stärkeren Anbindungen an moderne Elektroklänge aber immer noch mehr musikalische Meilen vom Knarzgeboller Frankreichs entfernt als physische.

[MP3] Pacific! - Hot Lips

Platz 58
Kelley Polar – I Need You To Hold On While The Sky Is Falling

Ich weiß dass man das dieser Liste wahrscheinlich nicht klar ansehen kann, aber mehr als je zuvor habe ich in diesem Jahr die “gut klingenden” Platten für mich entdeckt. Gut in dem Sinne dass ich nicht gleich von jedem Ton erschlagen werde, dass ich auf Alben wie diesem der Musik Freiraum gelassen wird um sich in der Wechselwirkung von Laut und Leise und dem Spiel verschiedener Texturen zu entfalten. Dass das Ganze wie der Soundtrack zu phantastischen Covern von SciFi-Heften, in die ich als Kind nie einen Blick werfen wollte weil der Inhalt nicht das übertreffen konnte was ich mir schon in meinem Kopf ausgemalt hatte, klingt ist dabei natürlich mehr als die halbe Miete.

[MP3] Kelley Polar - Entropy Reigns In The Celestial City

Platz 57
Jaguar Love – Take Me To The Sea

So betrübt ich auch über das Ende der Blood Brothers war, so sehr schienen mir doch viele der interessanteren Richtungen in die sich die Band hätte entwickeln können nicht mehr vom Zusammenspiel Johnny Whitneys und Jordan Blilies abhängig. Ersterer setzt denn auch mit seiner Nachfolgeband etwa das fort was er bereits zwischendurch mit Neon Blonde angefangen hatte, Art-Pop auf einem vielversprechenden (und gleichzeitig schon viel davon erfüllenden) Debütalbum. [mehr]

[MP3] Jaguar Love - Bats Over The Pacific Ocean

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