Lindbergh Palace - Days Don't Fade (Johan Agebjörn & Le Prix Remix)

So durchgängig hochwertig sein Output ist, richtig hellhörig werde ich bei Johan Agebjörn, wenn er nicht als einziger an einem Stück beteiligt ist. Ob er wie letztes Jahr von Skatebård remixt wird, wen anders remixt oder in Kollaborationen mit Sally Shapiro oder Le Prix, mit dem zusammen er die Vocals einer ganz guten Synthpop-Nummer in den Arpeggiohimmel hievt.

[Stream] Lindbergh Palace - Days Don't Fade (Johan Agebjörn & Le Prix Remix)

Stream: Mount Eerie - Clear Moon

Die letzten Jahre haben's gezeigt: Wenn jemand ein Doppelalbum auf zwei Veröffentlichungen zeitlich verteilt, sind die Chancen gut, dass über diverse Komplaikationen der zweite Teil das Licht der Welt nicht erblickt (RIP The Paper Chase). Doch bei Phil Elverum muss man sich darum keine Sorgen machen, wenn der zwei miteinander verbundene Mount Eerie-Alben ankündigt, werden die früher oder später garantiert erscheinen. So steht in einer Woche auf seinem eigenen Label schon das hoch atmosphärische Clear Moon an, das es vorab zu hören gibt.

[Stream] Mount Eerie - Clear Moon

Criminal Code

Es ist ja fast, als gäbe es in den USA einen Wettbewerb, wer Hüsker Dü den blechern-noisigst produzierten Punkaltar errichten kann. Energetisch mit zimmern Criminal Code aus Tacoma, Washington mit ihrem Debüt Cold Thought auf dem Inimical-Label, das seit dem tollen Arctic Flowers-Album letztes Jahr meine volle Aufmerksamkeit hat.

Oder eher halbe, denn hier wär ich beinahe mal wieder zu spät gewesen, aber zum Glück gibt's noch genügend Distributionen zu googeln, die ein Exemplar dieser herrlich riffigen und furios betrommelten Songsammlung auf Lager haben. Zur Not gibt's die Stücke aber auch alle zum Download auf Soundcloud, wobei man hier mal wirklich nichts davon haben wird, dass die Dateien in CD-Qualität sind. Bin mal gespannt, ob die LP auch klingen wird als wären die Gitarren von nem ollen Fernseherlautsprecher gebootleggt worden.

[Stream] Criminal Code - Capsules
[Stream] Criminal Code - Wasteland

Stream: The KDMS - Kinky Dramas And Magic Stories

Bald ein Jahrzehnt ist Kathy Diamonds delikat-warme Stimme schon unter den Discokugeln zu hören, dabei ist nach ihrem 2007er Debüt jüngst erst ihr zweites Album erschienen. Doch das liegt sicher auch daran, dass die Engländerin bei der Wahl ihrer musikalischen Kollaborationen Sorgfalt und Geschmack bewiesen hat, wie die Liste aus u.a. Maurice Fulton, Aeroplane (in deren Hochphase) und Permanent Vacation beweist. So verwundert es denn auch wenig, dass sie mit Max Skiba als The KDMS erneut ein vorzügliches Tanzwerk geschaffen hat, das rein zufällig auch einen elegantes Gegenstück zum schmierigen Lovelock-Album bildet.

[Spotify] The KDMS - Kinky Dramas And Magic Stories

Veronica Falls - My Heart Beats

Und wo ich gestern die Slumberland-Homepage durchcruiste fiel mir da noch auf, dass ich die neue Single von Veronica Falls bislang gar nicht gehört hatte. Irgendwo hab ich das mit dem Leben in der Streamwelt noch nicht effektiv organisiert; den Soundcloud-Link zum locker rumharmonisierenden My Heart Beats hatte ich im Februar gewiss gesehen, aber dann wohl den Browsertab damit geschlossen und prompt war es schon wieder aus dem Sinn. Dafür ist, nun da die Single erschienen ist, auf Spotify auch gleich die B-Seite zu begutachten die mit prominentem Georgel stimmungsvoll-eindringlicher und nicht minder hörenswert ist.

[Stream] Veronica Falls - My Heart Beats
[Spotify] Veronica Falls - Killing Time

Stream: Violens - True

Nun, wie gesagt: Wenn ein Album auf Fortuna Pop! oder Slumberland erscheint, ist das ein gutes Zeichen. Mit Allo Darlin' und Evans The Death haben die beiden auch gerade eine gemeinsame Indiepop-Erfolgsserie laufen, das zweite Album der New Yorker Violens wird hingegen erstmal nur in den USA erscheinen. Und wenn das janglige Quartett darauf die irritierende Unfokussiertheit seines Debüts ad acta gelegt haben sollte, dürfte sich der Import glatt wieder einmal lohnen.

[Stream] Violens - True

Animal Collective - Honeycomb / Gotham

Kaum zum Quartett wiedervereinigt, scheinen Animal Collective seit Merriweather Post Pavilion eher bestrebt, ihre stark unterschiedlichen Einzelpersönlichkeiten hervorzuheben. Auf ODDSAC teilten sie sich nicht nur zum Teil die Stücke untereinander auf, sondern traten im Film auch physisch ohne viel Interaktion segmentiert auf. Ihre Schuh-EP bestand aus Solostücken und bei Transverse Temporal Gyrus darf man sogar mitansehen und selbst Hand anlegen, wie die seltsame Alchemie aus vier Einzelinputs gemischt wird.

So scheint es eine gefühlte Ewigkeit seit dem letzten Mal, wenn in Honeycomb die Vocals von Lennox und Tare nun wieder vereint erklingen. Zwar steht letzterer sowohl dort wie auch auf der B-Seite der neuen Single, Gotham, stimmlich im Vordergrund, aber der holprigen Perkussionsdynamik und dem darin eingebetteten verquarzten Soundgebilde entspringt noch stärker der Eindruck einer Gruppe, die wieder Spaß am kollektiven Verschmelzen gefunden hat.

[Stream] Animal Collective - Honeycomb
[Stream] Animal Collective - Gotham

Stream: Guillemots - Hello Land!

In ihrer frühen Schaffenszeit verströmten Guillemots den Eindruck einer endlosen Kreationslust, als wäre der Akt der Aufnahme, Produktion und Veröffentlichung das einzige, was sie davon abhielte, ohne Unterlass neue Werke zwischen Pop und Experiment in die Welt zu setzen. Offenbar lassen sie nun eben jener Lust freien Lauf und planen, dieses Jahr vier komplette Alben zu veröffentlichen - eines pro Jahreszeit. Seit Montag ist das erste davon erhältlich, vorher reingehört werden kann in Hello Land! nun auch:

[Stream] Guillemots - Hello Land!

New Young Pony Club - You Used To be A Man

Haben wir den Punkt erreicht, an dem die Attraktivität des Neuen alles andere überwiegt? Eine Weile war's ja schön, wenn in Blogs der Entdeckungslust gefrönt wurde, versucht wurde, jenen eine Plattform zu geben, die von den etabliert-/traditionellen Medien zugunsten bekannterer Namen verschmäht wurden. Doch mittlerweile machen ja alle bei dieser Jagd mit, aus panischer Angst, als den Anschluss verpasst habende dazustehen und aus Gefallen am kulturellen Kapital, den einem das Werfen immer wieder neuer Namen in den Raum einbringt.

Und da ein Raum nunmal nicht ewig übersichtlich bleiben kann, wenn man ihn immer weiter anfüllt, muss irgendwo Platz gemacht werden. Was böte sich da mehr an als die neuen Namen von gestern, frei nach dem "was geht mich mein Geschwätz?"-Motto macht die ewige Verfügbarkeit des Neuen das Ignorieren des Alten nur noch leichter, drauf geschissen, dass man mal wem beid er künstlerischen Weiterentwicklung eine Weile folgen würde. Zur Not kann man immer was von "ist halt nicht mehr in" faseln, egal wie gut die neue Single der von mir bislang ignorierten New Young Pony Club ist.

Oder vielleicht ist sie auch einfach zu subtil, langsam aufblühend um mit einem halben Hinhören erfasst zu werden, zugleich aber bedachtsam ausgeformt und eben kein halbgarer Billigbeat-Klangbrei, wie er an dieser Stelle unter dem Instagram-Porträt eines unbekannten Newcomers stehen könnte. Vielleicht werd ich in Zukunft lieber mal was offener für das vermeintlich Bekannte sein, wenn gerade das zu übersehen werden droht.

[Stream] New Young Pony Club - You Used To be A Man

Street Chant - Salad Daze

Es ist schön anzuhören, wie divers Gitarrenmusik heute mithilfe anderer Genreeinflüsse texturell und strukturell gestaltet wird. In letzterer Hinsicht hat vor allem die Qualität der Repetition - ob vom Krautrock oder aus rein elektronischer Musik gespeist - mehr und mehr Ansehen gefunden. Doch zusammen mit erprobten Rockformeln ist es so nur noch seltener geworden, dass man einem Song nicht schon in den ersten paar Takten seinen gesamten Verlauf abhören kann oder irgendwann mal überrascht wird.

Neuseelands melodischstes Powertrio Street Chant lässt sich bei Salad Daze, der einen Seite seiner neuen Doppelsingle, jedoch nicht in die Karten gucken, pendelt mit zunehmender Heftigkeit zwischen Dur und Moll und findet sich in der Mitte des Fünfminüters doch wieder woanders, als man es vielleicht erwartet hätte. Und krönt das Ganze mit einem Finale, das sich gewaschen hat.

[Stream] Street Chant - Salad Daze