Stream: diskJokke - En Fin Tid

Bis vor kurzem sah der Juli zwar wetterlich vielversprechend, jedoch in Sachen Musik noch größtenteils trostlos aus, aber allmählich haben sich doch noch ein paar potentielle Highlights in den Veröffentlichungskalender eingeschlichen. Eines davon ist das am 16.07. erscheinende zweite Album von diskJokke, der sich in bester skandinavischer Spacedisco-Krautrock-Poptradition anschickt, den imaginären und reellen Strände dieses Sommers damit zu huldigen.

[Stream] diskJokke - En Fin Tid

Konzert: c/o pop Tag 3 - The Ruby Suns, The Go! Team



Ein bisschen das dreckige, unterschlagene Negativum dieser Berichte ist ja, dass mich das Programm dieser c/o pop nach denen der letzten Jahre enttäuscht. Zum ersten Mal seit Langem hab ich mir kein Festivalticket für alle Veranstaltungen gekauft, denn ein großer Teil der Handvoll interessanterer Konzerte fand dummerweise gestern zur gleichen Zeit statt. Gut, hätte ich früher gewusst dass Diamond Rings recht pünktlich und The Ruby Suns mit kräftiger Verspätung anfangen würden, hätte sich noch ein Sprint von einem Konzert zum anderen einfädeln lassen, aber dann hätte ich wahrscheinlich auch das beste Lied des Neuseeländer-Trios verpasst.

Die Bühne der Opernterassen, die sonst die Veranstaltungsstätte für anspruchsvolle Avantgarde-Kunstevents wie "Muschi Club" und "Ohrgasmus" geben, versuchte mit hawaiianischem Blumenkranzbehängung ein wenig tropisches Feeling zu erwecken, auch die bereits bevor sich der Raum füllt warm-feuchte Luft trug authentisierend dazu bei. Übertropisch gut gelaunt zeigte sich Gitarrist, Sänger und einziges festes Bandmitglied Ryan McPhun, er war schon vor seinem eigenen Auftritt gespannt wie ein Flitzebogen auf den später anstehenden Auftritt der von ihm obsessiv verehrten Robyn ein paar Meter weiter Richtung Dom. Gehypt spang er munter im Kreis, schon mal auf Kosten ihn umgebender Stühle oder Trommeln, vom präzisen Spiel und Gesang hielt ihn das aber nicht ab.

Die ähnlich viel von Afropop-Melodien wie von Tropicalia-Elementen durchzogenen farbenfrohen Songs waren weniger geradlinig als erwartet, vollzogen immer wieder mit oder ohne Stop Richtungswechsel. Nicht immer war dabei direkt ein Sinn zu erkennen, so dass unklar wurde, ob hier zwei verschiedene Stücke hintereinander gespielt wurden oder ob es Absicht war. Egal war das, wenn die Melodie so stark war wie beim traumhaften Cranberry, verwirrend waren aber besonders die beiden Songs im 80er-Britpopgewand, die mit dem Rest auf keiner erkennbaren Linie standen und so wirkten, als hätte hier auf einmal eine andere Band die Bühne betreten. Trotzdem ein guter, gutgelaunter Auftritt der durch ein Running Up That Hill-Cover nicht weniger sympathisch wurde.



Mit einem Mal doppelt so voll schien es auf und vor der Bühne zu werden, als die britischen Labelkollegen The Go! Team selbige betraten. Die legten von Anfang an mit der vollen Kraft der zwei Schlagzeuge los, weder Rapperin/Sängerin/Hypewoman Ninja noch der im Sprung Gitarren rumreißende Chef Ian Parton zeigten eine Spur von Einrostung, obwohl die Band nun schon seit längerer Zeit an ihrem dritten Album arbeitet. Trotzdem gab es an diesem Abend nur drei neue Stücke zu hören, die mit ihrer pseudonaiv-freuderfüllten Mischung aus Funk, Hip Hop, Cheerleading, Gitarrenbrettern und Xylophon-Melodica-Tweeness eben typisch Go! Team waren, qualitativ aber nicht direkt an alte Highlights ranzukommen schienen. Wobei sich das nicht unbedingt mit den Studioaufnahmen decken muss, deren zahlreiche Samples in der Vergangenheit live oft durch andere Parts ersetzt werden.

Deutlich genug auszumachen waren die vielen Go!-Team-Klassiker, die an diesem Abend gespielt und trotz zunehmender Hitze munter betanzt wurden, aber allemal. Ninja kriegte die Menge sowohl zu Gesängen in Grip Like A Vice und Doing It Right animiert, als auch zum Händeschwenken und beim großen Finale zum Springen. Zwischendurch wurde dem Verliererteam des sonntäglichen Matches - wer immer es auch sein möge - Everyone's A V.I.P. To Someone gewidmet, das, wie die anderen ruhigeren Stücke auch, eine willkommene Schnaufpause darstellte bevor das nächste friedlich-freudige Tohuwabohu ausbrach. Lange wurde nach der ersten noch eine zweite Zugabe gefordert, vergeblich allerdings, so dass wir nun wohl wieder eine Weile warten müssen bis es wieder Neues von Englands ältester Rasselbande zu hören gibt. Für mich war's das wahrscheinlich schon mit dieser relativ attraktionsarmen c/o pop, aber das schöne Wetter sollte ja auch genug nette Alternativen bieten.

Konzert: c/o pop Tag 2 - Italic Recordings Live In Concert



Tag 2 des Festivals ging genau dort weiter, wo der erste aufgehört hatte: An dem rechtsrheinischen Ort mit den vielen Namen und Bezeichnungen. Fritz-Schramma-Halle, dem Gebäude 6c, Deutz Air, Deutzer Werft, wie auch immer, das Wetter war noch besser als am Tag davor und die Musik beim Köln-Düsseldorfer Showcase des Italic-Labels ebenfalls.

Der Auftritt Antonellis als Harmonious Thelonious ist entweder ausgefallen oder mir irgendwie total entgangen, zuerst war auf jeden Fall POPNONAME in Aktion, der mit seinem dritten Auftritt innerhalb von zwei Tagen Frequent Player Miles zu sammeln schien. Diesmal stand der Mann mit dem Hut jedenfalls solo hinterm Laptop-Pult und ab und zu auch nach dem Griff zu Gitarre und Mikro davor, ansonsten eines dieser Sets zwischen ambienten Beats und Pop wo ich nie weiß ob ich es wie einen Liveauftritt behandle und nach vorne gewendet zugucke, oder ob es bloß ein DJ-Set im Hintergrund war zu dem bei so früher Stunde nie jemand tanzt. Aber das ist wohl auch eine Sache der Sozialisierung.



Ebenfalls für leichte Irritation, aber noch unverschuldeter, sorgte Lucas Croon mit flach runtergegeltem und präzise gescheiteltem blondem Haar (und, das muss man auch ganz modeunkundig feststellen, fantastischem Schuhwerk). Der Mann von rheinabwärts (nach den ersten paar mit Applaus quittierten Stücken feixte der ihn unterstützende Drummer Stefan Schiffermüller "Wissen die, dass wir aus Düsseldorf sind?") entlockte seiner Treppe aus Analog-Synthesizern eigentlich genau die Art von spacig-futuristisch anmutenden Klängen, wie sie mir gerade aus verschiedenen Richtungen (u.a. Oneohtrix Point Never, Von Spar, Emeralds und dem großartigen 1970er Debütalbum von Michael Bundt) entgegenschwimmen.

Nur waren die dancigen 4/4-Beats auf digitalen Drum Pads dazu erst mal schwer ungewohnt, trotz gewissem 80er-Soundtrack-Appeal à la Carpenter ein klanglich trockener Kontrast zur analogen Wärme der Synthwellen. Vermutlich auch weil das auf Jonas Reinhardts ansonsten recht ähnlichen neuen Platte mit krautiger vorantuckernden Beats so ausgezeichnet klappt brauchte ich eine Weile um mich hieran zu gewöhnen, aber etwa nach der Hälfte des zum Glück nicht zu kurzen Auftritts war ich dann drin und werd sicher Ausschau halten, was der Mann als nächstes macht.



Danach war es Zeit für die Hauptattraktion des Abends. Auftritte von Von Spar bei der c/o pop haben ja schon eine gewisse Tradition, mit der noisigen Verwirrung die sie 2006 verbreiteten und dem nicht weniger überraschenden letztjährigen Ausblick auf ihr herrliches Drittwerk Foreigner. Dieses wurde dann auch, statt eines erneuten Bruchs der Erwartungshaltungen, in einem herrlichen Kosmik-Kraut-Trip aufgeführt und von den Anwesenden zelebriert (die Singles trOOps und HyBoLT schon beim Erklingen der ersten Töne), nur leicht unterschied sich diese Liveumsetzung von der letzten.

Die Videoprojektionen von Christopher Marquez beinhalteten neue Sequenzen, die auch zum Teil auf Vimeo zu sehen sind und ich meine auch, dass Jan Phillip Janzens Schlagzeug damals öfter zum Einsatz gekommen wäre, nicht wie hier erst bei der Zugabe. Erneut zum Einsatz kam, allerdings nur kurz, dann inmitten der mehrfachen Instrumentenwechsel irgendwann natürlich auch Popnoname von dem ich nun überzeugt bin, dass er im Keller dieses Gebäudes lebt. Und apropos Gebäude Wegen fehlender Vernebelungsmöglichkeiten in der hohen, gut belüfteten Halle war die Atmosphäre zwar weniger.. äh.. nebulös, dafür schwitzte man sich beim Tanzen auch nicht zu Tode. Und überhaupt, wenn es dieser Band an einem nicht mangelt, dann ist es Atmosphäre.

Pavement & Superchunk Live

Is ja richtig Festivalwoche hier. Abends die echten Konzerte in Köln, morgens kommt momentan ein toller Livemitschnitt nach dem anderen ins Haus. Heute ein Doppelpack reaktivierter Indierock-Legenden, deren Auftritte (neben einigen anderen) beim Primavera-Festival von WFMU aufgezeichnet wurden und nun für begrenzte Zeit auch online angehört werden können: Pavement. Superchunk. 'Nuff said.

Pavement live beim Primavera Festival 28.05.2010
Superchunk live beim Primavera Festival 28.05.2010

Konzert: c/o pop Tag 1 - Magazine Opening Night

Der erste c/o-pop-Abend, oder "Warum man offizielle Festivalwebseiten genau studieren sollte." Da fand sich dann zum Beispiel, dass das Areal, in dem der Eröffnungsabend des neuen Kölner Magazine-Labels stattfand, die Deutzer Werft auf der anderen Rheinseite war, nicht wie in manchen Tageszeitungen *hust* Kölner Stadtanzeiger *hust* behauptet jene Werft am Bonner Weg. Auch hätte man dort erfahren, dass der Abend so richtig erst nach dem vor Ort gezeigten Fußballspiel beginnen und so allen, die noch eine der letzten Bahnen zurück kriegen wollten, nicht mehr allzu viel Verweilzeit übrig bleiben würde.

Doch um darüber Missmut aufkommen zu lassen war dies klar die falsche Atmosphäre. Während auf der einen Rheinseite Konzerte an gediegenen Orten wie Gloria, King Georg oder den Opernterrassen stattfanden, hatte die Labeleröffnung in der Beinahemillionenstadt eher den kommunal-provinziellen Charakter eines Dorffestes, inmitten ehemaliger und nicht gerade neu aussehender Lagerhallen lief ein kleines Mädchen herum und verteilte Plastikschüsseln an alle Besucher, die sich am Chili bedienen wollten. Aus umstehenden Bungalows und Campingwagen echoten Reaktionen auf den Spielverlauf, Axel Willner aka The Field schob einen Babywagen umher und Hunde latschten munter schwanzwedelnd durch die Gegend, auch während des anschließenden Auftrittes von DOC + PNN.



Hinter dem Kürzel verbargen sich zum Einen die Drums Off Chaos, eine fünfköpfige Perkussionistengruppe mit u.a. Jaki Liebezeit von Can, und Jens-Uwe Beyer alias POPNONAME. Mit dem Weste tragenden Liebezeit und Beyer am Laptop im Zentrum bildeten die sechs vor einer Leinwandprojektion aus Fernseh- und Printmagazinausschnitten einen gen Publikum gerichteten Trommel-Halbkreis, über den sich mehr schellende Glöckchen verteilten als ich je in einem Konzert erlebt habe. Entgegen ihres Namens spielten DOC nicht sonderlich chaotisch, sondern blieben mit ständigen Detailvariationen gemeinsam im sich nur ab und zu verschiebenden Rhythmus, der aber nie so richtig wuchtig à la Boredoms ausbrach.

Irgendwo zwischen Antreiben und bewegter Textur entwickelten die Dutzend verteilten Schläge pro Sekunde mit der Zeit einen dahin treibenden Charakter, mit dem sich Beyers elektronische Soundscapes nicht immer sinnig zu verbinden schienen. Auch bei völliger Fokussierung auf die Musik wollte sie mich nur zeitweise so richtig mitnehmen wie die gemütlich in ihr Spiel versunkenen Performer selbst, auch wenn das Set mit der Zeit intensiver und auch damit einhergehend besser wurde. Immerhin erschien es mir aber nicht langwierig, so war das 0:04 beim anschließenden Blick auf die Uhr schon überraschend.

Zum Glück ging es aber ohne Unterbrechung weiter. Links daneben hatten sich Cologne Tape bereits aufgestellt, und während Beyers Laptop noch nachhallte, wanderte er als gemeinsamer Mitspieler rüber um sich die Gitarre umzuschwingen. Mit zwei Drummern und Gitarristen, Bass und drei Laptops/Synthesizern schien das Projekt fast vollversammelt, alleine John Stanier fehlte glaube ich aus der Liste fester Mitglieder. Viel hab ich nicht mehr davon mitbekommen, nur dass das erste Stück von den Beats her - trotz Drums und wenig verzerrt schrappelnder Gitarren - einen eher elektronischen Charakter hatte und ganz nett anzuhören war, als das zweite einen Abgang in schön Enoig-ätherische Gefilde zu vollziehen schien musste ich leider auch schon einen selbigen machen und war immerhin froh, dass der Fußbal dem nächsten Festivalabend nicht mehr in die Quere kommen würde.

The New Pornographers Live

Man mag ja vom The New Pornographers-Album halten was man will (ich find's zunehmend super), aber nicht abzustreiten ist, dass die versammelte Truppe nach einem guten Jahrzehnt genug Spitzensongs in ihrer Diskographie hat, um eine absolut bombige Best Of zusammenzustellen. Und auch die jüngsten Konzerte der Pornographers scheinen mit eben so einem Popdauerfeuer aufzuwarten (ich meine, look at this fucking setlist!), dass die Spielfreude der früher schon mal etwas reservierten Kanadier ebenfalls auf einem Hoch ist zeigt der Mitschnitt vom gestrigen Auftritt in Washington:

The New Pornographers live in Washington, D.C. 23.06.2010