Musiiik

Criminal Code - Hollowed

Angesichts der Unprofessionalität ihrer (Non-)Produktion scheint es unwahrscheinlich, doch ich glaube, locker ein Drittel meiner Zuneigung für Criminal Code geht daraus hervor, wie der verstärkt-verzerrte Sound ihrer Gitarre(n) in Symbiose mit ihrer Art von Punk steht. Das muskulös voransemmelnde Schlagzeug und der Gesang mögen die Energie hochhalten, doch eine wohlige, fast schon meditative Wirkung geht von diesem elektrischen Pelz in Hollowed von der gleichnamigen 7"-EP auf Deranged aus. Als wüsste die Band selbst um diese Qualität, lässt sich der Gesang nach anfänglichem Einsatz auch nur noch einmal ganz kurz blicken, der Rest des Songs gehört allein diesen Saiteninstrumenten.

[Stream] Criminal Code - Hollowed

Neues Von Matthew Friedberger

Selbst wenn Matthew Friedberger hier - wie meistens beim letztjährigen Solos-Albumzyklus - nicht im vertrauten Sound seines wabbeligen Tasteninstruments käme, wäre dieser eingängige, süß-gemütsvolle Tonlauf unverkennbar. Das Eröffnungsstück des am 2. November erscheinenden Matricidal Sons Of Bitches ist kurz weil nur der erste Teil eines von fünf mehrteiligen Stücken/Songs/Dingen, deren genaue Beschreibung sich möglicherweise auf dem zugehörigen Blog oder einer der beiden dort verlinkten, möglicherweise nicht oder nur noch nicht existenten Fake-Seiten befindet, aber auch gutmöglich nicht. Lust darauf, sie zu hören, macht das hier allemal.

[Stream/MP3] Matthew Friedberger - Ladies-in-Waiting – Waiting Forever I. The Neighbors

Miguel - Kaleidoscope Dream: Air Preview

Auf das erste Tripel folgt der Mittelteil von Kaleidoscope Dream in Form drei neuer Songs, inklusive des falsettierten Titelstücks, das umweht von spektralem Nebelhauch orchestrale und elektrisch-sechssaitige Ausbrüche nur andeutet. Zunehmend wird über The Thrill klar, dass sich hier jedes Stück mit eigenem Klangbild dennoch zum kohärenten Ganzen einfügt und wenn Do You... mit "Do you like drugs? / Do you like hugs?" mal nicht zeigt, dass Miguel stimmlich einfach Sachen bringen kann, die bei anderen untragbar wären, dann weiß ich auch nicht.

[Stream] Miguel - Kaleidoscope Dream: Air Preview

Julia Holter & Nite Jewel - What We See

Es ist wohl die zynische Sichtweise, wenn sich ein gemeinsamer Song von Julia Holter und Nite Jewel ziemlich genauso anhört, wie man es erwartet hat. Erfreulicher gesehen kombiniert What We See die Talente beider eben so, wie man es sich erhofft hätte: Hirngespenstiger, pausenfreudiger Gesang aus Holters Äthergefilden zu solidem Beattreiben und Pluckersynths aus Ramona Gonzalez' Funk-Abendstunden, als goldene Mittellinie sprenkelt sich ein moodsiger Pianolauf dazwischen.

[Video] Julia Holter & Nite Jewel - What We See

Poolside - Only Everything

Nachdem ich nur ein paar Wochen brauchte, um die Paypal-Option zu finden, hab ich Poolside endlich ihr Sommeralbum abgekauft, bevor der Sommer ganz zu Ende ging. Und als wäre das mit 72 1/2 Minuten eine CD prall stopfende Pacific Standard Time noch nicht lang genug gewesen, gibt's gleich noch Nachschlag: Im Gegensatz zu manchen ihrer Stücke, die nur deswegen nicht zu laff erscheinen, weil sie in der generellen Gemütlichkeit des Albums situiert sind, taugt die smoothe Eskalation Only Everything auch für sich allein genommen zum Kurzausflug.

[Stream/MP3] Poolside - Only Everything

Ruby Lee Ryder & Terror Danjah - Full Attention / Let Me Be The One

Entweder bringt sie da ihre eigenen Vorlieben mit ins Spiel, oder es gibt irgendwas an der Stimme von Ruby Lee Ryder, das mit ihr kollaborierende Produzenten dazu verleitet, gleichzeitig beatmassive und melodiös üppige Stücke zu entwerfen. Neben ihrem Feature auf Royal-Ts Album lässt sich das auf dem ebenfalls dieswöchig erscheinenden Let Me Be The One hören, ihrer zweiten Single in Zusammenarbeit mit Grime-Stepper Terror Danjah und in einem dermaßen ähnlichen Klangraum beheimatet, dass sie locker als Sequel zum letztjährigen, noch großartigeren Full Attention durchginge: Nach dramatischen Geigen und Intro-Pauken zeigt sich Let Me Be The One unter Wub und Wobble zwar etwas weniger dunkel verhangen, kontrastiert seine dramatisch bollernde aber nicht weniger mitreißend mit Ryders souliger Intensität.

[Spotify] Ruby Lee Ryder & Terror Danjah - Let Me Be The One
[Spotify] Ruby Lee Ryder & Terror Danjah - Full Attention

Converge - Aimless Arrow

Der Oktober wird fetzig eingerahmt: Auf der anderen Monatsseite von Pig Destroyer in der letzten Woche ist für den 05.10. das neue Converge-Album angesetzt. All We Love We Leave Behind wird von Aimless Arrow gleich mit melancholischen Vocals eröffnet, die mehr an ausgemergelten Post-Hardcore erinnern denn an die druckvolle Performance Jacob Bannons auf Axe To Fall. Die Musik wirkt damit einhergehend punkiger, vor allem im melodiösen Refrain, ist aber nicht minder virtuos in ihrer Verflechtung rasanter Einzelparts zu einer komplexeren Komposition, als man sie in Genres vorfindet, die dafür bekannter sind als Hardcore.

[Video] Converge - Aimless Arrow

Stream: Bitch Prefect - Big Time

Wenn ich mir meine Plattenkäufe anschaue, so sieht's nach einem recht lausigen Jahr für US-Indierock aus - einzig Lee Ranaldo würde da reinpassen, dessen Album ich eigentlich noch am wenigsten wegen seiner Indierock-haftigkeit mag. Momentan bin ich viel optimistischer, wann immer sich eine neue Schrammelscheibe down under ankündigt, zum Beispiel das zweite Album der Südostküstler Bitch Prefect. Auf dem exzellenten Bedroom Suck (Kitchen's Floor, Scott & Charlene's Wedding) erschienen, atmet Big Time westerbergschen Downbeat-Slacker-Geist in höchst eingängigem Jangle-Pop, wie momentan so viel von diesem Kontinent so herrlich brüchig-kaputt und doch nicht apathisch distanziert klingend.

[Stream] Bitch Prefect - Big Time

AlunaGeorge - Your Drums, Your Love

Irgendwie bin ich zu beschränkt, um ihn auf der Homepage der beiden nachzuspielen, aber dafür haben AlunaGeorge Your Drums, Your Love ja auch selbst aufgenommen. Und ohnehin ist der titelgebende, verpitchte Vocal-Hook nur eben das, der initiale Lockreiz. Immer wieder zurück kommt man für den hellstimmigen, im Kontrast zum Hook A-E-I-hellvokaligen, nur gen Ende mal ein O wagenden Refrain über gleichermaßen zittriger (und doch nicht überdrehter) Perkussion und Synthflutscherei, gebettet von Neon-Synthkissen und geerdet von diesem wohlig melodiösen Basslauf.

[Stream] AlunaGeorge - Your Drums, Your Love

KARA - Pandora

Slap-Bass, hell sprenkelnde und röhrend-knarzige Synths, klar beschwingte und breitbeinig verzerrte E-Gitarre, Blechbläser, mehrere durch die Lüfte schwingende Streicherformationen, Plinker-Piano, satt schmatzende Klatscher - Sweetune folgen einmal mehr ihrem "Zuviel gibt es nicht"-Komponiermantra, dass man schon ohne KARAs Vocals Mühe hat, dem wilden Spiel von Weichem und Hartem zu folgen. Und da eine Standard-Electropop-Nummer im sturen Beat das auch etwas leichter machen könnte, ist Pandora so ein überdreht galoppsynkopierter Genrestilmasch aus - ja, was? Swing, Dancerock, Showtune, Electrokloppe? Trance-Wiederaufbau nach dem Rap-Part über der dramatischsten Geigenekstase seit Sixth Sense natürlich inklusive, alles in einem kontinuierlichen Rasant-Tempo, das keine Atempause zulässt? Je näher man hinhört, umso wahnsinniger erscheint das Ganze - was war nochmal normaler Pop?

[Video] KARA - Pandora