Musiiik

Times New Viking - Sleep-In

Wer Times New Viking nur über das Material verfolgt, das hierzulande veröffentlicht wird, verpasst mehr als die Hälfte. Von ihren nur auf Tour erhältlichen CD-Rs mal ganz zu schweigen, waren ihre ersten beiden Alben ebenso nur als Import zu haben wie ihre EPs. Mit der übernächste Woche auf Wichita (UK) und Siltbreeze (US) erscheinenden Over & Over, von der Sleep-In stammt, dürfte das abermals der Fall sein (werden?).

[Stream] Times New Viking - Sleep-In

DJ Earl - Audio Fixx

Über das vergangene Wochenende hab ich irgendwie tonnenweise Footwork gehört. Zum Einen hat sich dabei herausgestellt, dass trotz der funktionalen Energie der Musik vieles bei mir doch eine Weile braucht, um richtig zu zünden; und außerdem, dass dies am besten in EP- oder Albumeinheiten klappt. Selbst dann, wenn diese hoffnungslos verkorkst sind wie DJ Earl
s Album Audio Fixx, das jedoch in seiner alphabetischen Anordnung genausogut randomisierte Playlist sein könnte.

Vielmehr hat sich - vielleicht eigentlich auch genauso beabsichtigt - als bemerkenswert stimmig die Reihenfolge der Stücke erwiesen, in der sie in Auszügen auf seinem Soundcloud hochgeladen wurden - also mit Let Me Love You als letztem Stück, wobei ausgerechnet das somit erste Up Up & Away auch auf Bandcamp nicht komplett verfügbar ist. Außerdem gibt es das Ganze nicht zum Download, nur in Einzelstücken à 1,50$ - wie gesagt, es ist etwas chaotisch ...

[Stream] DJ Earl - Audio Fixx

Stream: Converge - All We Love We Leave Behind

Schneller, überdrehter, intensiver? Das mag der Anfangseindruck sein, wenn ein neues Converge-Album das erste Mal die Ohren beschallt und den Vergleich zum Vorgänger sucht, doch viszerale Härte ist bei dieser Band nunmal höchstens die halbe Rechnung, Träger und Begleiter von Komplexität oder Konzept. Letzteres war beim letzten Mal die Kollaboration mit Freunden und Geistesverwandten, doch beim übermorgen erscheinenden All We Love We Leave Behind scheint der umgekehrte Weg eingeschlagen worden zu sein. Selbstversorgung, was keine gemütliche Selbstzufriedenheit beinhaltet - schließlich muss man sich hier erst ein paar Mal aus den Socken hauen lassen.

[Spotify] Converge - All We Love We Leave Behind

Sky Ferreira/Solange - Everything Is Embarrassing/Losing You

Wä irgendwie das Bedürfnis einer gewissen Sauberkeit, Stärke oder anderer Überzeugungskraft. Bestes Beispiel dafür wäre die Musik von Dev Hynes als Blood Orange, die mir einfach gesangsmäßig zu fahl wird - wohingegen die Songs, die er für Sky Ferreira und Solange Knowles fabriziert hat, in Ermangelung dieses Mankos ganz tolle Popnummern geworden sind.

[Video] Sky Ferreira - Everything is Embarrassing
[Video] Solange - Losing You

Titus Andronicus - In A Big City

Nach dem (zumindest in Singleform) ersten fällt auch der zweite Song von Local Business schlank aus. Zumindest für Titus Andronicus' Verhältnisse, denn auch bei dreieinhalb Minuten und ungekrümmtem Durchlauf kommt das folkhymnische In A Big City nicht ohne multiple Begleitstimmen und Streicher aus - wobei die von Owen Pallett arrangierten letzteren zum Klimax auch von Begleit- zur Führungsrolle wechseln, dass ich mal gespannt bin, wie viel Punk auf dem Ende Oktober wohl mal wieder hierzulande nicht erscheinenden Album noch übrig bleibt.

[Stream] Titus Andronicus - In A Big City

Tegan And Sara - Closer

Closer spielt mit dem Herauszögern, dehnt einen Moment zur ungewissen Weile. Die Strophenmelodie ist in den niederen Tonregistern angesiedelt, einen Halb- bis Ganzsatz nach dem anderen malen Tegan And Sara in stimmungsvoller Stimme die Szenerie äußerlich, arbeiten aufs Annähern hin. Das würde man vielleicht im energetisch gesungenen zerlegten Refrain erwarten, doch der kommt weder gänzlich erfüllend noch sofort: Die Synthmelodie fängt schon damit an, während die Vocals noch beim "The night sky is changing overhead" ist. Erst mit einer Verspätung fallen sie nach dem zerfetzten Schlagzeug ein, als müssten sie sich erst physisch im Takt orientieren und emotional die richtigen Worte finden kommt erst nur abgehackt eine Silbe nach der anderen heraus, bis diese zu Worten und Sätzen flüssig zusammen finden.

[Stream] Tegan And Sara - Closer

John Talabot - Mai Mes

Vielleicht fand er die beiden Stücke auch einfach nicht gut genug - wahrscheinlicher ist aber, dass John Talabot Mai Mes und Tragedial deswegen demnächst auf einer separaten 7" veröffentlicht, weil sie nicht so recht auf fIN gepasst hätten. Beide glänzen mehr durch Atmosphäre denn Melodie und perkussive Dynamik, vor allem aber sind sie eben passend dazu Midtempo-Stimmungshänger, die sich Zeit und im Falle der B-Seite auch etwas Leerlauf lassen. Mein Favorit ist aber Mai Mes, das seiner Faseroszillation einen verhallten Hellton anheim stellt, der es glatt wie ein Stück bildmalerischen Instrumentalrock klingen lässt.

[Stream] John Talabot - Mai Mes / Tragedial

Massacooramaan - Fademix002

Ja klar, Nguzunguzu, aber der bassbetriebene Mix der Woche kommt für mich vom auch im Mix des Duos zuhauf vertretenen Massacooramaan. Nach noch recht verhaltenem Anfang fliegen einem bald Polyrhythmik, Synkopation und Breaks nur so um die Ohren, dass es eine Wonne ist, nimmermüde mutieren die Perkussionsmuster zu zackigen Vocal-Schnippelchen und esoterisch-ätherischen Melodiesamples, dass man sich bald daran gewöhnen muss, wenn kein Takt mehr mit einem nachfolgenden deckungsgleich ist.

[Stream/MP3] Massacooramaan - Fademix002

Animal Collective - Crimson

Anders als es auf Centipede Hz üblich ist, lässt Animal Collectives bislang nur in Radiosession-Aufnahmen hörbarer Outtake Crimson sich nicht sofort in die Karten gucken. Ich bin sogar überrascht, dass ich immer noch anfangs enttäuscht bin, wie sich die rhythmische Laffheit und Pausen des Stücks mit Avey Tares fast schon volkstümlichem Vortrag zu einem Eindruck der uninspirierten Ziellosigkeit kombinieren - bis sich die uterschwellige Unruhe verdichtet und Tare sich unter Beorgelung aus verengter Kehle entlädt. Jetzt, wo einmal klar ist, wohin dieses Stück die ganze Zeit hinaus lief, erscheint beim anschließend wiederholten Hören der Anfang in neuem, vorteilhaftem Licht.

[Stream] Animal Collective - Crimson

Juliane Werding - Großstadtlichter (Kinky Lovers Edit)

"Unknown" steht auf Soundcloud als Quelle dieser wundervoll deliriösen Überarbeitung, doch selbst Nichtdeutsche werden bei dem Titel kein Problem haben, diese zu identifizieren. Zunächst einmal wird die sinistre Stimmung des Songs verdichtet, indem der eigentliche Anfang des Stückes unter langsam intensivierenden Instrumental- und Beatvariationen vier Minuten hinausgezögert wird. Gerade der Beat ist es auch, der hier auffrischend renoviert wurde und nun druckvoller und mit mehr Schwung nach vorne weg zieht, die Krönung ist aber die - egal ob absichtlich oder Nebenprodukt der Quellenverwertung - andererseits knistrige Unschärfe, die leichte Übersteuerung von Instrumenten und Gesang, deren Glamour einen tragisch befleckten Anstrich bekommen hat.

[Stream] Juliane Werding - Großstadtlichter (Kinky Lovers Edit)