Musiiik

Death Grips live

Death Grips haben mich immer etwas enttäuscht. Waren sie anfangs noch was starke - wenn auch nicht unerwünschte - Dälek-Kopisten, fanden sie schnell ihre eigene Art nosigen Raps. Was dabei leider auf der Strecke blieb, war der tiefere Frequenzbereich, kurios bassarm konzentrierten ihre beiden diesjährigen Alben ihre Musik auf eine aggressive Midrange-Attacke. Was auf Dauer unnötig anstrengend statt bedrohlich wurde, im Gegensatz zu dieser Liveaufnahme, bei der die Beats wundervoll voluminös vibrieren und mir so den Puls rauftreiben, wie es dermaßen aufregend intendierte Musik physisch machen sollte. Wenn doch nur ihre Studioaufnahmen ähnlich beeindruckend wären ...

Death Grips live in New York 17.10.2012

Sambassadeur - Memories

Sambassadeur hatten schon öfters einen Hauch von Karibik in ihrer Musik, wenn ihr Indiepop auch nicht so explizit dahin ausgerichtet war wie die Balearic-Inflektionen der jüngeren Göteborg-Crew. Doch ohne größere Änderungen in Instrumenten und Sound transformiert die neue Single Memories gerade die Perkussion, die lediglich einer dancigen Umbetonung folgt, zu einem frischen Unterbau für die verlässlich melancholiedurchhauchte Gesangsstime.

[Stream/MP3] Sambassadeur - Memories

Neues Von Woollen Kits

Ob Woollen Kits' Debütalbum nun ganz ganz spät letztes oder ultrafrüh dieses Jahr rauskam, scheint etwas strittig - und somit auch, ob sie mit Four Girls nächsten Monat bereits ihr zweites Album 2012 veröffentlichen. Klar ist jedoch, dass zwei der vier Frauennamen tragenden Stücke darauf bereits zu hören sind, wobei von der Shelley-Single- vermutlich noch eine ähnlich saubere Fassung wie die von Susannah folgen wird. Und vielleicht nicht selbstverständlich, aber wenig überraschend ist, dass unter Saxophonspiel eben letzterer Song schnittig dahinjangelt - Melbourne eben.

[Stream] Woollen Kits - Susannah
[Stream] Woollen Kits - Shelley

Dream Decay - Fern

Wenn Sub Pop gerade wieder mit METZ sein Noiserock-Portfolio erweitert, sind ihre Seattler Nachbarn Dream Decay vielleicht die nächsten? Was Nicht-NYC-Bands angeht, scheint das ja immer noch die beste Möglichkeit, um größere Aufmerksamkeit zu erhalten, ansonsten erinnert Dream Decays exzellente Debüt-EP Fern in seinem Zerfetztsound und Postpunkigkeit ein Stück an die Sacred-Boner Pop. 1280, aber auch STNNNG, Swans oder Clockcleaner - mich würd's jedenfalls nicht überraschen, wenn das kommende Album das Tageslicht unter einem prominenteren Labellogo erblicken würde.

[Stream] Dream Decay - Fern

Container - Dripping

Container hat ne Schraube locker. Die obendrein noch geölt werden muss. So quietscht es jedenfalls in Dripping, von der Ende November auf Spectrum Spools erscheinenden zweiten LP, über anfangs etwas ödem Schrottbeat. Jender entpuppt sich jedoch mit zunehmender Evolution als Zentralpunkt, mit dem die sukzessive hinzugefügten Elemente ein ums andere Mal die Vorwärtsdynamik des Noise-Technos ändern, mal ins Stolpern bringen, mal beschwingen oder konzentriert auf den Punkt intensivieren.

[Stream] Container - Dripping

Criminal Code - Sacred Hands

Ob dies nun die letzte Veröffentlichung von Criminal Code für dieses Jahr bleiben wird? Genug hätten sie ja eigentlich zu tun, immerhin ist ihr Debütalbum in der Mache, aber bevor das vermutlich genau wie ihre Europatour im nächsten Jahr folgt, gibt's nochmal zwei neue Songs auf Inimical. Bei deren Radiobootleg-Soundqualität ist es unmöglich zu sagen, ob das bedrückend verhangene Distressed Dreams nun ein älterer oder ein richtungsweisender neuerer Song ist, Sacred Hands jedoch fügt sich furios-nahtlos in die bisherige Erfolgsserie 2012 ein.

[Stream] Criminal Code - Sacred Hands / Distressed Dreams

Neues Von Benoit & Sergio

Auf ihrer heute erscheinenden neuen EP New Ships mögen Benoit & Sergio durchgängig eher clubbig und weiter weg vom Song rüberkommen, dabei zeigen sie aber, wie vielseitig sie auch dabei sein können: Dem mutierfreudigen ersten Stück Lipstick & Lace scheinen seine Einzelteile mehrfach vom Rest davonzurennen, auf einer weichen Synthwolke ist Not In Your Nature trotz bräsigen Basslaufs luftig entkörperlicht und das Titelstück konzentriert sich harmonisch-spannungsgeladen zum nächsten Beschwingtstampfer der beiden.

[Stream] Benoit & Sergio - Lipstick & Lace
[Stream] Benoit & Sergio - Not In Your Nature
[Stream] Benoit & Sergio - New Ships

T-ara - Sexy Love

T-ara sind womöglich die erste Popgruppe, die eine Single mit "Sexy" im Titel herausbringt und dabei nicht zu sehr auffallen will. Nach dem woche(n)lang Zeitungsschlagzeilen füllenden T-aragate, in dem (MAL GANZ KURZ GEFASST) ein Mitglied fast so schnell gefeuert wurde wie ein neues nachrückte, ist Sexy Loves Video mit der Gruppe als willenlose Robo-Marionetten nur noch bizarrer. Eine Shinsadong-Tiger-Produktion soll zugleich versichern, dass sich nichts verändert hat: Das sind die alten T-ara, die gutgelaunten Dance machen und 15-minütige, postapokalyptische Filme als Alternativvideos drehen.

Wobei auf musikalischer Seite die konstituierenden Einzelteile diesmal mehr überzeugen als die Gesamtkonstruktion: Das wie immer starke Intro, das schnell Fahrt aufnehmend hineinsaugt; die anschwellenden und wendenden Übergänge von einem Teil zum nächsten; die von Vocoder-Rülpserchen synkopierte Schnattermelodie über elastisch schnalzendem Beat; Soundeinwürfe wie die merkwürdig den normalen Gesang überkreuzenden "Aaah"s im Refrainübergang ... Geradezu irritierend ist jedoch eine Weile der stimmlose alveolare Frikativ (thx, Wikipedia) im Refrain: Wo immer ein scharfer "S"-Laut herausstehen kann, zischt er penetrant aus dem Mix hervor - was ungefähr jede zweite Silbe bedeutet.

[Video] T-Ara - Sexy Love

Lower Dens - Candy (Lovelock Remix) / Haim - Forever (Lindstrøm & Prins Thomas Remix)

Wenn die Revision so vereinnahmend ist, dass man sich die irgendwann schon mal gehörten originale lieber nicht nochmal anhören möchte, in Besorgnis, ihnen gegenüber an Achtung zu verlieren: Steve "Lovelock" Moore schiebt Jana Hunter vom introvertierten Psych-Hallraum auf den glamourösen Floor, wo schon Haim warten, denen ebenfalls wenig mehr als die Vocals in ein munter voranstampfendes Discokorsett gequetscht wurden - dieses aus Händen des hier mal wenig vergrasten Superduos Lindstrøm & Prins Thomas (von denen in wenigen Wochen auch schon neue Soloalben anstehen).

[Stream] Haim - Forever (Lindstrøm & Prins Thomas Remix)
[Stream] Lower Dens - Lower Dens - Candy (Lovelock Remix)

Young Smoke - The Space Zone

Der Weltraum. Unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2012, es ist schon ein ganzes Wochenende seit der Veröffentlichung von Young Smokes Debütalbum vergangen, doch einen Link um sich das Ganze anzuhören gibt es irgendwie immer noch nicht. Dafür kann man sich von dieser XXL-Versiond es Titelstücks von Space Zone weniger einen Eindruck vom Album als Ganzes machen als vom herrlich themagetreuen Sound, der Footwork mit der Effektpalette eines Sci-Fi-Flipperautomaten mischt.

[Stream] Young Smoke - The Space Zone