Musiiik

Yo La Tengo - Before We Run

Erwähne 10 Leuten gegenüber den Namen Yo La Tengo, so werden sie zwischen sich gutmöglich 10 unterschiedliche Songs im Kopf rumschwirren haben. Nicht nur lässt sich diese Band innerhalb einzelner Alben kaum auf einen dominanten Spielmodus festlegen, über den Verlauf ihrer Diskographie hat sich bis heute auch weder Noisepop noch schnoddriger Indierock noch Folkig-Intimes oder ein anderer YLT-Sound als endgültig abgehandelt gezeigt - was auf dem am 11.01. erscheinenden Fade dem bläser- und glockenverhangenen Schlussstück Before We Run vorausgehen wird, steht bisher noch in den Sternen.

[Stream] Yo La Tengo - Before We Run

How To Dress Well - & It Was U (Pional Re-work)

Gestreckt-gezerrt-echoversehene, zerschnippelte und sonstwie modulierte Vocals sind derzeit nun wirklich keine Mangelware - warum? Nur weil man das halt gerade so macht? Bei Pional jedenfalls wirkt es nicht bloß wie ästhetisches Beiwerk, wenn er Stimmchöre zur Emotions- und Stimmungserzeugung einsetzt und in den nicht minder verfremdeten Hauptgesang einfallen lässt, nirgends schöner als an der Zwei-Drittel-Marke, wo sich alles von unten nach oben hocharbeitet.

[Stream] How To Dress Well - & It Was U (Pional Re-work)

The Stevens

Die große Schwierigkeit in Sachen Melbourne besteht weniger im Finden als im Nicht-aus-den-Augen-Verlieren guter Bands. Vormerken muss ich mir schon mal für 2013 das mit Mikey Young eingespielte Debütalbum von The Stevens, die zwar für ihre Heimatverhältnisse relativ unmelancholisch, dafür mit astreinem Melodiegespür daherkommen - zu hören auf ihrer feinen EP, die sie auch hier zum Download verschenken. Garantiert besser als die gerade Promos lancierenden Britgitarrenhypes des nächsten "BBC Sound Of"-Marketingkrams.

[Stream] The Stevens - EP

The Mary Onettes - Evil Coast

Und schon haben wir das erste Stück Post-Service-Pop. Dass Dan Lissvik mit The Mary Onettes bereits Anfang des Jahres auf ihrer Love Forever-EP zusammenarbeitete, wurde in deren doch noch recht typischem Labrador-Indiepop-Sound weniger deutlich als bei seiner(auch demnächst fortgesetzter) Young-Galaxy-Kollaboration. Stärker schon scheint das bei der ersten Single des nächstjährigen Albums Hit The Waves durch, erst recht in der auf Spotify zu findenden Komplettfassung, welche die sanft-funklige Getragenheit um wellenumschwemmt-handperkussive Mittel- und Outro-Sektionen erweitert. West Coast forever.

[Stream] The Mary Onettes - Evil Coast (Radio Edit)

Stream: Dominik Eulberg - Ein Stückchen Urstoff

Dominik Eulberg spannt die Flügel aus. Nach dem formidablen Diorama folgt nun die EP Ein Stückchen Urstoff, die seinen Blick vom Mikrokosmos des Waldes gen Makrofokus, von Lupe zu Teleskop zu verschieben scheint,, spaciger hallen Beats und Melodien, behalten dabei jedoch eine traumhafte Wärme anstatt in der Kälte des Alls zu frösteln.

[Spotify] Dominik Eulberg - Ein Stückchen Urstoff

Marcus Marr - The Music

Ein Hoch auf die Euro Disco! Nicht nur Lindstrøm und Terje haben ein fideles Jahr, der Brite Marcus Marr hat für seine Single The Music einen sprungelastischen Groove maßgeschneidert, der mit jeder nordöstlichen Konkurrenz mithalten kann. Zu wüstem Genudel und -streiche mutiert das Stück kontinuierlich, hier mal was Vocal, da mal ein Percussion-Streuer, bis es in einem goldigen Solo gipfelt.

[Stream] Marcus Marr - The Music

School Of Seven Bells - Put Your Sad Down

Schon kurios: Einserseits sind die Alben von School Of Seven Bells von mal zu Mal fünf Minuten kürzer geworden, so dass das diesjährige Ghostory mit ner Dreiviertelstunde ihr kompaktestes war. Andererseits bringen sie nun die Put Your Sad Down-EP heraus, die mit fünf Songs über 32 Minuten mehr Musik bringt als manch andere Band mit ihren Alben. Das liegt aber auch vor allem daran, dass das eröffnende Titelstück sich genüsslich über mehr als ein Drittel davon erstreckt, im Langformat, von dem ich schon befürchtet hatte, dass SVIIB es hinter sich gelassen hätten.

[Stream] School Of Seven Bells - Put Your Sad Down

Chromatics - Running From The Sun

Andere Leute bringen regelmäßig eine größere Menge von Musik auf einmal raus. Johnny Jewel bringt lange nichts heraus, gelegentlich mal ein kleines Vorzeichen und dann irgendwann einmal aus dem Nichts heraus (oder auch Jahre nach der ersten Ankündigung) einen Riesenbatzen. Während diese schiefe Verteilung teilweise auf ungünstige Terminplanung (ganz zu schweigen vom abgelehnten Drive-Soundtrack, aus dem das Symmetry-Album hervorging) zurückführbar sein kann, liegt es aber nunmal auch daran, dass der Mann zugleich sehr produktiv und Perfektionist ist.

Jahre nachdem sie eigentlich verfrüht erschienen (und ihn dennoch bekannt machten) brachte er erst fertig gemasterte Fassungen der After Dark-Compilation und von Chromatics' Nite Drive heraus, lange frickelte er am diesjährigen Album der Band, wobei neben einer "Drumless"-Version von Kill For Love auch die Alternativfassungen und nicht verwendeten Stücke übrig blieben, die er nun zu einer Art Zweitalbum zusammengemischt hat, das sogar deutlich kohärenter als das eigentliche ausgefallen ist.

[Stream/Download] Chromatics - Running From The Sun

Flight Facilities - Clair De Lune

Clair De Lune ist nicht unbedingt etwas, was man nach ihrem bisherigen Sommerdisco-Resümee von Flight Facilities erwartet hätte. Kühl und atmosphärisch gleitet es schon fast an der Peripherie zu Waldtechno à la Pantha oder Löffler, nur so gedämpft, dass es eintönig ambient zu geraten droht. Doch das ist alles nur Einlullen, damit sich der Song nach über vier Minuten umso sanfter aufspannt und warme Streicherstrahlen in alle Himmelsrichtungen entsendet.

[Stream] Flight Facilities - Clair De Lune (feat. Christine Hoberg)

School Of Seven Bells - Days

Da ich von dieser Band nicht genug kriegen kann, feu ich mich natürlich sehr, dass School Of Seven Bells' drittes Album Ghostory Ende des Jahres nicht mal die Hälfte ihres musikalischen Ausstoßes 2012 ausmachen wird. Ihren bisherigen Covern und B-Seiten folgen in zwei Wochen auf der Put Your Sad Down-EP nochmal fünf bislang unveröffentlichte Songs, unter denen Days noch locker der kürzeste und wahrscheinlich am wenigsten abenteuerliche ist.

[Stream/MP3] School Of Seven Bells - Days