Musiiik

Girls' Generation - I Got A Boy

Wie schafft man es, neun Vokalistinnen mit überaus unterschiedlichen Stimmen - vor allem inklusive diverser Stärken und Schwächen - derart auf einen Popsong zu verteilen dass alle Solo-Parts bekommen? Eine Möglichkeit ist offenbar, aus diversen Einzelsequenzen ein irrsinniges Prog-Monster zusammenzuschnippeln. Wahrscheinlich würde I Got A Boy mit seinen Vollbremsungen (die beste sicher die zugleich auf 140 bpm und 1:40 Minuten beziehbare) selbst dann nicht ganz kohärent werden, wenn man einmal die musical-ähnliche Text-Dramaturgie verstanden hat, die sich zwischen mehreren Protagonistinnen abspielt. Nach über einer Woche kann ich nun aber auch nicht leugnen, dass ich seit seinem Erscheinen ein halbes Dutzend Ohrwürmer von diesem Song im Kopf rumschwirren hab und immer wieder aufs Neue fasziniert-perplex zu hören versuche, ob er sich doch noch ganz zusammenfügt.

[Video] Girls' Generation - I Got A Boy

JoJo - Agápē

In der Monatsleiste fast gegenüberliegend von Art Dealer Chic zu Beginn gibt es am Ende des Jahres erneut ein herausragendes Mixtape aus Major-R&B-Zirkeln, jedoch mit weniger konkreter Verheißung eines Albumnachfolgers. Über ein halbes Jahrzehnt schon hängt JoJo in einem Labelzirkus fest, über den ihr drittes Album immer noch (oder auch erneut) nicht in Sicht ist. So gibt's nun erstmal Agápē - ohne Demonstrate, das wohl eher als Albumkandidat aufgewahrt wird, doch mit Andre und We Get By, die darauf besser klingen als ich sie in Erinnerung hatte.

[Stream/Download] JoJo - Agápē

My Chemical Romance - Conventional Weapons

Zum jetzigen Zeitpunkt mögen Aufmachung und Titel von My Chemical Romances monatlich erscheinender Single-Serie nicht ganz glücklich gewählt scheinen, aber das kann man ja nicht im Voraus wissen. Als eine bessere Entscheidung erscheint es rückblickend, die Songs der Conventional Weapons-Sessions 2009 nicht zum The Black Parade-Albumnachfolger zu machen, neu anzufangen und dabei das immer noch exzellente Danger Days: The True Lives Of The Fabulous Killjoys auf die Beine zu stellen. Doch hörenswert sind die Songs, mit Doppelpack Nummer drei nun zur Hälfte ans Licht gekommen, allemal, insbesondere die A-Seiten.

[Spotify] My Chemical Romance - Number One
[Spotify] My Chemical Romance - Number Two
[Spotify] My Chemical Romance - Number Three

Jhené Aiko - Mirrors

Mehr Nu-Triphop, mehr mehr! Jhené Aikos neue Single Mirrors hätte, mit Plinkermelodie, verschlafener Orgel und lethargisch geschlepptem Beat, fast genau so vor 15 Jahren im Spätabend-Radio laufen können. Eigentlich schon schade, wenn ihr nächstes Album sich nun gänzlich nach der Dämmerung abspielen würde, ohne die Westcoast-Hippie-Vibes von Sailing Soul(s) - andererseits steht ihrer Stimme das Ominöse nun mal keinen Deut schlechter.

[Video] Jhené Aiko - Mirrors

Marnie Stern - Year Of The Glad

Dieser Song kommt exakt drei Wochen zu früh. Er kündet von einem Neubeginn, von einem frischen Start: "It's a special face with conviction. Got to make it great. On a mission. The beginning." Marnie Stern, nun wohl von Oneida-Klöppeler Kid Millions am weiterhin hochaktiven Schlagzeug begleitet, kündigt für nächsten März The Chronicles Of Marnia an, mit einem Song, der mit prominentem Akkordzug und Begleitvocals wärmer und runder klingt als Vorhergegangenes, dann aber auch im Breakdown nicht mit Knochenmark geizt. "And everything's starting now."

[Stream] Marnie Stern - Year Of The Glad

Katy B - Danger EP

Die vergangene, überragende EP-Woche krönte Katy B am Freitag mit ihrem Danger-Songpaket, das sich im Kollaborationsgeist präsentiert. Neben den neuen Produktionsgewändern Diplos und (passender) Jacques Greenes sind die beiden überragenden Stücke zwar in den vertrauten Rinse-Händen von Zinc und Geeneus, bringen jedoch neue Stimmfacetten in Spiel mit einem furiosen Wiley-Spot im bemessen überdrehten Got Paid und dem Jessie-Ware-Duett im durchweg grandiosen Aaliyah.

[Stream/Download] Katy B - Danger EP

Twigs - Breathe

Gestern hatte ich sie schon in der großen Linkkette versteckt, aber Twigs (wir erinnern uns: nicht soo mysteriös) hat mit ihrer just auf Bandcamp, Youtube und (leider wohl nur via Boomkat) Vinyl veröffentlichten EP sicher etwas mehr Erwähnung verdient. Von den beiden neuen Stücken darauf ist, nach dem eröffnenden Weak Spot, Breathe das stärker formatige, verdichtet das anderswo zwischen verhauchter Stimme und Knarzmetall-Perkussieren und -Atmosphärisieren pendelnde zum So-gerade-schon-Song zwischen Delilah und Zola Jesus.

[Stream] Twigs - Breathe

CREEP - Call Her

Wenn derzeit schon alle mit Trip-Hop flirten , warum dann nicht auch mal eine Koryphäe auf dem Gebiet an Bord holen? Dachten sich wohl CREEP und lassen über die Stimme von School Of Seven Bells das Brummsprech Trickys laufen, derart am Rande ihrer Sounds drehend und biegend, dass das Ganze nicht als zu geschmackvoll oder geschmacklos empfunden werden kann.

[Stream] CREEP - Call Her (feat. Tricky & Alejandra de la Deheza)

Dawn Richard - Whiteout

Auch wenn Armor On gut und gerne als Album durchgehen kann, designativ gesehen ihre zweite EP hat Dawn Richard nun mit Whiteout veröffentlicht. Eigentlich ein Zwischenstopp zum am 16.01. endlich erscheinenden Goldenheart, und doch erneut mehr als nur das, was es sein sollte: Vom Titelstück an wirken die Klanglandschaften ihres R&B gefestigt und erhaben, als wäre schon längst der Punkt erreicht, wo nichts mehr zu beweisen ist. Die nonchalant große Vision.

[Spotify] Dawn Richard - Whiteout EP

Lichtblick - Meuterei Auf Dem Immenhof

Als eines meiner neuen Faibles scheint sich deutsche Amateur-Disco vergangener Jahrzehnte zu entpuppen - ich nenn das mal so, weil die Stücke, die mich besonders faszinieren, von durchaus professionellen Bands kommen die ansonsten aber wenig bis gar nichts in dieser Richtung gemacht haben. So auch diese funkige Nummer der bis auf ein, zwei SIngles wohl ultraobskuren NDW-ler Lichtblick, auf deren gleichnamiger zweiter LP sich mitten unter recht rockigen Nummern dieses sprechgesungene Goldstück versteckt.

[Stream] Lichtblick - Meuterei Auf Dem Immenhof