Musiiik

Neues Von Ceo, Hatchback

Mit ein bisschen Verzögerung, dafür pünktlich zum (hoffentlich diesmal wirklichen) Winterende erscheint Eric Berglunds Tough-Alliance-Nachfolgewerk als ceo dieses Woche nun endlich auch hierzulande, nachdem es schon letztes Jahr zu den ganz großen Highlights zählte. Der Perfektion von White Magic wurde zum Glück offenbar kein ungelenker Bonustrack aufgedrängt, ein neuer Song ist vielmehr in Form der B-Seite zur Illuminata-Single mittlerweile erhältlich. Wobei mir zugegeben das Beyoncé-Cover Halo anfangs nicht sonderlich zugesagt hat, aber trotz der müllig übersteuerten Musik hat sich mit der Zeit Berglunds nasale Überschwänglichkeit nicht wieder wegdenken lassen.

[Stream] ceo - Halo

Auf den Wellen der Gemütlichkeit ritt Hatchbacks White Diamond vor bald vier Jahren übergenüsslich, dem stand das Debütalbum Colors Of The Sun denn auch nicht nach. Am 25.03. bringt Sam Grawe nun den Nachfolger Zeus & Apollo heraus, dessen sechs Stücke diesmal gleich mehrfach in zweistelligen Minutenlängen rangieren. Immer noch deutlich zu lang, mehr als doppelt so lang wie White Diamond, war dann aber wohl das beatlose Delphi das es komplett auf Soundcloud zu hören gibt:

[Stream] Hatchback - Delphi

Neues Von Gang Gang Dance, Guillemots

Was gibt in diesen Tagen Grund zum Feiern? Na, wenn die Band mit dem besten Album 2006 und die mit dem besten Album 2008 innerhalb weniger Stunden neue Musik in die Welt setzen. Bei Gang Gang Dance lief es sogar wie auf Bestellung, noch wenige Stunden vorher hatte ich spekuliert, dass der lange Zeit unter Crystals firmierende Elfminüter auf dem am 06.05. erscheinenden Eye Contact zu finden sein könnte, und nun ist eben jene breakbeatige Glanznummer unter dem finalen Titel Glass Jar die erste Single, die es in aller Studio-Herrlichkeit bei zu hören gibt. Der Countdown zum Album des Jahres läuft.

[MP3] Gang Gang Dance - Eye Contact

Obwohl es in seinem überfrachteten Pop-Volumen nicht so schlecht ausfiel, wie das für manche auf den ersten Schock gewirkt haben mag, war ihr Zweitling Red doch eine gewisse Enttäuschung, schließlich hatten Guillemots zuvor ihre abwegigeren Ideen entweder subtil in ihre Musik eingeflochten oder auf EPs wie Of The Night in vollem Wahn wüten lassen. Doch für das für April angepeilte Walk The River scheinen sie den Soul und vor allem die klangliche Räumlichkeit früher Werke wiederentdeckt zu haben, verwundet hallt Fyfe Dangerfields Stimme auf dem eröffnenden Titelstück das sich stetig, aber nie zu schwer verdichtet. Träumerisch mutet die erste Single The Basket nach knarzigen Strophen an, die gibt es allerdings bislang nur als recht miserablen Radio-Rip was mir die Lust an der Meinungsbildung etwas verdirbt .

[Stream] Guillemots - Walk The River

Neues Von Between The Buried And Me, Thursday

Als ich zuerst sah, dass am 1. April ein Best-Of-Album von Between The Buried And Me - der Progger, deren Alben nicht nur als Gesamtwerke gedacht sind, sondern zuletzt bis zu nahtlosen Übergängen zwingend sequenziert waren - rauskommen sollte, dachte ich eine Sekunde an enen Scherz. Dann fiel mir ein, dass ich die Band kurzfristig schon mal abgeschrieben hatte als sie ein denkbar banales Coveralbum rausbrachte, und dann sah ich, dass die Band im April anderswo ein neues Album herausbringen wird - für das sie allerdings Victory Records verlassen hat. Und da jenes nunmal als das schlechteste Label der Hardcore-Welt berüchtigt ist, wäre so eine letzte Abzocke absolut keine Überraschung, in jedem Fall gefällt der erste Eindruck von The Parallax: Hypersleep Dialogues schon mal:

[Stream] Between The Buried And Me - Specular Reflection

Auf Victory waren auch Thursday einst, dass sie nach dem Ende ihres Major-Vertrags nicht dorthin zurückkehrten ist denn auch kein Wunder. Die ersten beiden Vorabstücke wirken so aus dem am 08.04. erscheinenden No Devolución gerissen zwar nicht gerade so, als würde man sie auf einer Greatest Hits wiederfinden, lassen mich aber vor allem wünschen dass Soundcloud für Metal/Hardcore-Geschichten eine höhere Streamqualität erlauben würde, in 128kb/s klingt das nämlich durch die Bank weg recht grausig vermatscht.

[Stream] Thursday - Past And Future Ruins
[Stream] Thursday - Magnets Caught In A Metal Heart

tUnE-YarDs / Extra Life

Auch wenn sie ungünstigerweise zur gleichen Zeit wie die ähnlich experimentierfreudige Ukulelistin Micachu und das eingängigste Werk der Dirty Projectors auf den Plan trat, wartete das Debüt von Merrill Garbus alias tUnE-YarDs durchaus mit einer eigenen Art von verquerem Pop auf. Mein Problem damit war aber vor allem, dass die Lo-Fi-Produktion der Musik schwer die Hörfreude nahm, auf dem am 15.04. erscheinenden Nachfolger w h o k i l l hat sich das aber zum Glück geändert: Das erste Vorabstück Bizness glänzt in all seiner komplexen Herzlichkeit, von dem auf mehrere Stimmen verteilten Vocal-Hook über die belebten Bläser und nervösen Percussions bis zu Garbus' kraftvollem Gesang im Vordergrund.

[MP3] tUnE-YarDs - Bizness

Wenn Charlie Looker, Chef und Stimme von Extra Life, seine Wortendungen so nasal lang zieht erinnert mich das immer schwer an Kermit den Frosch. Doch auch wenn er von einer gewissen Theatralik beseelt ist, schwingt sich Ripped Heart von der gleichnamigen, Anfang April erscheinenden EP fernab von Marionetten-Varieté schönmelodisch in die Höhe, was von den dissonant mitlaufenden Saiteninstrumenten ebenso schön wieder untergraben wird und sich zum Ende in krachige Xiu-Xiu-Beklemmung verdichtet.

[Stream] Extra Life - Ripped Heart

Liturgy / Delicate Steve



Es gibt so Punkte, wo Musik ihr designiertes Genre oder auch nur stilistische Charakteristika so nebensächlich erscheinen lässt, dass sie einen größeren, breiteren Appeal erhält. So könnte der neue Song von Liturgy auch dann gefallen, wenn man sonst nichts mit Black Metal (die vier sehen ohnehin mehr wie Stoner-Rocker aus) oder mathigem Hickhack am Hut hat, denn in hohen Tonlagen, die ein wenig an die mitreißenden frühen Trail Of Dead erinnern, ergießt sich ein gleißend melodischer Strom der dann auch verständlich macht, warum ihr zweites Album Aesthetica im Mai auf Thrill Jockey erscheinen wird.

[Stream] Liturgy - Returner



Nahezu gesangloses Gitarrenspiel trifft eher selten meinen Geschmack, hinter dem trügerischen Namen Delicate Steve verbirgt sich aber die ungemein belebte, gutgelaunte Musik einer Band, die mit ihren Afro-Pop-Einflüssen sicher Vergleiche mit den Sonnenmomenten der Dirty Projectors rechtfertigt, aber in ihrer Dichtheit und spaßigen Rhythmik auch an (den offenbar doch nicht aufgelösten) Ponytail oder Micachu erinnert. Das Debütalbum Wondervisions erscheint am 18.03., bei Luaka Bop kann man es schon komplett anhören.

[MP3] Delicate Steve - Butterfly
[Video] Delicate Steve - Wondervisions

Neues Von Belong, Boris

Manche musikalische Entwicklung lässt sich zwar vorherahnen, ist dann aber doch etwas überraschend wenn sie geschieht. Beim New Orleanser Drone-Duo Belong hatte sich zum Beispiel nach dessen großartigem Debüt eine Pop-Affinität angedeutet, die in der Colorloss Record-EP nur allzu deutlich wurde, jedoch in ambienter Entrücktheit verweilte. Für das am 25.03. erscheinende Common Era scheint das Duo nun in klassische und klare Songstrukturen zu kippen, inklusive peitschender Drumbeats und Gesang die nur noch leicht von Dronewolken runtergedrückt werden.

[Stream] Belong - Perfect Life

Noch weniger sollte man eigentlich davon überrascht sein, dass Boris auf ihrem neuen Song mal wieder eine neue Facette ihres umfangreichen Schaffens offenbaren, haben sie in diesem Jahrzehnt doch von Doom über Psych, Thrash, Grindcore bis zu straightem Hardrock schon eine bemerkenswerte Vielfalt an Gitarrenmusik produziert. Doch dass ausgerechnet ihre 2009er Split mit den japanischen Disco-Softrockern 9dw tatsächlich als Indiz aufs für März angekündigte werweißwievielte Album des Trios aufzufassen gewesen sein könnte, darauf hätte dann doch niemand so schnell gewettet.

[Stream] Boris - Party Boy

Neues Von Psychedelic Horseshit

Seit ihrem Noisepop-Meisterwerk Magic Flowers Droned musste man mitunter etwas danach suchen, aber Psychedelic Horseshit haben bei allem inneren Chaos einen stetigen Fluss an Neuveröffentlichungen in fast allen irgendwie denkbaren Formaten (u.a. ein Album auf Doppel-7") aufrecht erhalten. Derartige Ausdauer zahlt sich nun aus, in ihrer wie auch immer aktuellen Besetzung ist die Band nun von Fat Cat an Bord genommen worden das im Mai ihr neues Werk Laced rausbringt. Ein neues, vielleicht darauf zu findendes Instrumental zwischen kaputten Dronespiralen und hell-metallenen Percussions gibt es auf der Seite des Labels ebenso zum freien Dowload wie das gesamte letztjährige Album Acid Tape, dessen ursprüngliches Tonträgermedium nicht schwer zu erraten sein dürfte.

Neues Von Cut Copy

Ursprünglich sollte an dieser Stelle was anderes stehen, hab aber völlig vergssen was, denn dieser Song hat nach heutiger Dauerbeschallung und damit einhergehendem Ausflippen alle anderen Gedanken vertrieben. Mit Need You Now bin ich nun definitiv massiv gespannt auf Cut Copys kommendes Album, der beinahe 7minütige Eröffnungstanz schwingt sich frei von jeder Hektik von einer Herzschmelz-Herrlichkeit zur nächsten, von atmosphärischen Chören und Drones über Perkussionsstreusel und gülden glitzernde Synthkaskaden bis hin zum seidigen grenz-Emo-Schmachtgesang die spätestens ab der 2:38-Marke in purer Glückseligkeit aufgehen.

[Stream] Cut Copy - Need You Now

Südamerika-Sampler: Fonogramáticos Vol.11

Die besten Entdeckungen macht man selten früh genug. So hab ich mich Ende letzten Jahres bei der, vom Ergebnis her sicher nicht unangenehmen, Entdeckungsreise durch die südamerikanische Indie/Pop-Welt mit nicht mehr als Google Translate, STRG-C und STRG-V ausgerüstet durch einen Haufen vertreuter Blogs gewühlt. Wieviel leichter wäre es gewesen, hätte ich früher Club Fonograma entdeckt, die Seite ist nicht nur englischsprachig, sondern auch eine der besten für aktuelle Klänge aus dem Süden Amerikas und dem Rest der spanischsprachigen Welt. Einen guten Einstieg bietet die aktuelle Ausgabe ihrer Compilation-Reihe Fonogramáticos, besonders in der zweiten Hälfte davon hab ich ein paar feine neue Bands wie die Shoegaze-Pop-Spanier Odio París kennengelernt.

Fonogramáticos Volumen 11: Juventud Bruta

Neues Von Parts & Labor, Obits

Obwohl sie mit jedem ihrer letzten beiden Alben einen einschneidenden Personalwechsel vollzogen der sich auch musikalisch bemerkbar machte, hat der hochmelodische Noiserock von Parts & Labor sein Spitzenniveau tollerweise nicht verlassen. So macht es denn auch nur leicht bedenklich, dass sich Dave "Kompression" Fridmann des am 11.03. erscheinenden Constant Future angenommen hat, selbstsicher spielt das Titelstück auf das sich neben dem zirpend-hymnischen Outnumbered in die Artwork-aktualisierte Webseite der New Yorker eingebettet findet wo es jede Woche einen neuen Song zu hören geben soll.

[MP3] Parts & Labor - Constant Future
[Stream] Parts & Labor - Outnumbered

Pünktlich zu Aprilbeginn bringen Obits am scherzanfälligsten Tag des Jahres ihr zweites Album auf Sub Pop heraus. Dem Debüt der neuen Band von Rick Froberg (Hot Snakes/Drive Like Jehu) fehlte es mir wen ich mich recht entsinne an der erwarteten kantigen Energie, das kräftig dahinwetzende erste Vorabstück von Moody, Standard And Poor lässt aber darauf hoffen, dass derlei Bedenken bald vergessen sein könnten.

[MP3] Obits - You Gotta Lose