Musiiik

Neues Von Cut Copy

Als im letzten Sommer das erste Vorabstück von Cut Copys drittem Album die Runde machte, gab es guten Grund zur Besorgnis. Where I'm Going scheint zwar sonnig, wartet aber bei allem Lalala, Klatschen und Yeah! statt eines starken Refrains nur mit monotoner 60er-Hippiegrütze auf, die auf Dauer keine reizvolle Alternative zum bisherigen Synthpop-Schaffen darstellen dürfte. Doch die Zeichen mehren sich, dass das am 11.02. erscheinenden Zonoscope doch nicht so weit ab vom Schlag liegen wird, sowohl die Single Take Me Over als auch das gestern beim wiedergeborenen Epitonic aufgetauchte Blink And You'll Miss A Revolution zeigen sich in schönster Synthpolitur, warten aber eben auch mit genug Neuklang auf um nicht Teil eines In Ghost Colours 2 sein zu können.

[MP3] Cut Copy - Blink And You'll Miss A Revolution
[Stream] Cut Copy - Take Me Over
[MP3] Cut Copy - Where I'm Going

Iceage / Slug Guts



Ob es and er generell dunklen Jahresphase liegt oder noch eine Nachwirkung des Sacred-Bones-Textes, aber im Moment juckt es mich doch wieder mal sehr nach etwas dunkleren Klängen. Da kommen die jungen Dänen Iceage gerade recht, die auf ihrem Debütalbum Hardcore und Post-Punk zu kalt intonierten Hits verbräuen die zum Aufregendsten gehören, was ich seit einiger Zeit gehört hab. New Brigade ist vergangene Woche auf Tambourhinoeros erschienen, die Vinylversion bei Escho muss bereits nachgepresst werden.

[Video] Iceage - New Brigade

Iceages Myspace



Auch Slug Guts mögen es schwarz und postpunkig, allerdings in gemäßigterem Tempo - und mit viel Atmosphäre. Nicht nur wegen ihrer Heimat Australien an The Birthday Party erinnernd, schwärzen die vier Stücke auf ihrem Myspace schön desolat hallend für das am 25.02. erscheinende Howling Gang vor.

Neues Von The Go! Team

Eine erste Vorabaufführung ihrer neuen Stücke brachte nicht nur eine amüsierende Demonstration, dass nicht alle Menschen mit Sound und Auftreten dieser Band klarkommen, sondern auch die leichte Befürchtung dass The Go! Team auf ihrem dritten Album endgültig in ihrem Sound festgefahren und arm an Ideen wären. Doch Livearrangement und Studioaufnahme können gerade bei dieser sample- und gastauftrittfreundlichen Band enorm unterschiedlich ausfallen, und so wirken diese ersten beiden Kostproben des am 28.01. erschienenden Rolling Blackouts zwar nicht wie große Neuentwürfe, sind aber auch nicht mit anderen ihrer Stücke zu verwechseln: Vielleicht nie klang das Team so dringlich wie auf dem beatstotternden T.O.R.N.A.D.O. mit seinen stürmisch kreisenden Geigen, die erste Single Buy Nothing Day ist dafür umso runder und harmonischer, voller Glockenspiel und süßer Melodien in einer Wall Of Sound wie es sie so Spectoresk seit Johnny Boy nicht mehr gab.

[MP3] The Go! Team - T.O.R.N.A.D.O
[Stream] The Go! Team - Buy Nothing Day

Chikita Violenta



Es wirkt ein wenig wie eine Zeitreise in die erste Hälfte der 00er, oder als hätte man ein verloren geglaubtes Album der ersten kanadischen Musiksensation des letzten Jahrzehnts gefunden: Die Mexikaner Chikita Violenta klingen mehr nach Broken Social Scene anno 2005 als BSS selbst heute. Nicht ohne Grund, ihr drittes Album Tre3s ist in Zusammenarbeit mit u.a. Lisa Lobsinger und dem nicht nur Sound prägenden Dave Newfeld entstanden, obendrein erschien es zunächst auf dem Mexiko-Ableger von Arts & Crafts und kommt Ende Januar auch auf dem (nord-)nordamerikanischen BSS-Label selbst heraus. Im Scheinchaos von elektrisierten Stürmen durchrauschter Songs wie den beiden, die die Band verschenkt, steht dann ein auch innerlicher Wirrwar, der aber in großen, die Welt umarmen wollenden Melodien nach außen drängt.

[MP3] Chikita Violenta - All I Need's A Little More / Tired

Neues Von Los Campesinos!

Wenn ich mir überlege, welchen Bands bzw. KünstlerInnen ich dermaßen vertraue, dass ich ihnen ungehört zukünftige Werke abkaufen (und sie zudem finanziell und durch eine Affektionsbekundung an ihrem Schaffen, die über Blogeinträge und Tweets hinaus geht unterstützen) würde, fällt die Liste recht kurz aus. Alles woran Spencer Krug beteiligt ist wäre da auf jeden Fall drauf, die Fiery Furnaces auch, bei Matt Friedberger solo bin ich noch am Überlegen. Nach zwei großartigen Alben, EPs bzw. EEPs und auch einer Single in meinem Plattenregal sollten Los Campesinos! nun auch dabei sein.

Und haben prompt fürs kommende Jahr Heat Rash gestartet, eine Reihe von vierteljährlichen Zines, neuer Musik und anderem die sich vorab abonnieren lässt. Wofür sie eigentlich auch genau die richtige Band sind, mit dem engen Kontakt, den sie mit ihren HörerInnen pflegen und natürlich den amerikanischen Indie-Traditionen, in denen sie stehen und in denen Singles Clubs auch heute noch genügend AbnehmerInnen finden. Ich freu mich jedenfalls auf mindestens ein Jahr mehr mit diesen nun-wirklich-nicht-mehr-Kids, einen der beiden Weihnachts-Bonusdownloads zu Heat Rash gibt es schon mal in ihrem Blog:

[Stream] Los Campesinos! - Kindle A Flame In Your Heart

Odisea



Es will einfach noch kein Ende nehmen mit Chile. Und es scheint dort echt eine kleine, feine Pop-Szene zu geben, denn Alex Anwandter, der Regisseur von Javiera Menas Video ist wohl erheblich mehr für seine musikalischen Aktivitäten bekannt und hat als Odisea letztens sein, wohl echt typisch für dort, detaillieb produziertes erstes Soloalbum herausgebracht.

Der pianohousige Disco-Pop des Mannes mit einer Stimme, die stellenweise an Michael Jackson erinnert, hat schon was von leicht verlangsamten Hercules & Love Affair, ist aber wenn ich das richtig verstehe textlich erheblich düsterer beseelt und wird besonders in seinen langen, wenig radiofreundlichen Stücken richtig interessant. Die Hälfte des Albums Odisea kann man auf seiner Homepage anhören, soweit ich sehe scheint es als Download nur auf dieser chilenischen Seite erhältlich zu sein - werd ich mich wohl mal mit Google Translate durchwühlen müssen wenn sich nun auch diese Klänge bei mir festsetzen sollte.

[Stream] Odisea - Casa Latina
[Stream] Odisea - Cabros

2010 im Mix: Sternenstaub



Wenn ich zwischen den Alben, die mir dieses Jahr gefallen haben die üblichen roten Fäden ziehe, dann bildet sich einer dieser Fäden außergewöhnlich dick aus. Musikalische Entwicklungen anhand der paar hundert Alben, die man in einem Jahr hört, festmachen zu wollen ist natürlich nie eine sonderlich glaubwürdige Sache, aber wenn ich große gemeinsame Nenner zwischen einer Kölner Experimentalband, dem amerikanischen Synth-Drone-Nachwuchs, den neuen Werken weltbekannter Elektronik-Größen oder Wohnzimmerkomponisten aus Griechenland und Irland höre, bin ich einfach versucht meinen Finger an irgendeinen Puls zu legen.

Steile Thesenverfasser würden hier jetzt wohl was von Krautrock-Revival oder Hypnagogie darlegen, aber mir reicht es, ganz unakademisch das kosmisch-kreisende Taumelgefühl in der Musik von Emeralds, The Chemical Brothers, Von Spar, Atlas Sound, Oneohtrix Point Never, Solar Bears und vielen anderen, das dieses Musikjahr mehr als alles andere für mich geprägt hat, in diesem Mix zu versammeln:

Sternenstaub

Neues Von Jamie Woon, Matthew Friedberger

Beinahe 4 Jahre sind seit der ersten Single Jamie Woons vergangen, doch sonderlich viel ist seitdem nicht von dem mittlerweile nicht mehr so jungen Mann mit der eindringlichen Stimme gekommen. Seine (wenn ich das richtig sehe) gerade erst zweite eigene Single ist gerade erschienen, doch wenn dadurch jedes Mal eine derart gänsehauterzeugende Nachtpop-Nummer wie Night Air herauskommt ist so eine Wartezeit fast schon in Kauf zu nehmen.

[Stream] Jamie Woon - Night Air
[Stream] Jamie Woon - Spiral

Das Gegenteil eines sparsam dosierten Outputs hat Matthew Friedberger, erst recht wenn man die Dutzenden Albumkonzepte mitzählt, die die nicht unbedingt dabei ernst zu nehmenden Fiery Furnaces immer wieder ankündigen. Im kommenden Jahr setzt es aber wirklich ganze acht Vinyl-Soloalben, die bei Thrilljockey bereits im Abo vorbestellbar sind (und angeblich regen Absatz finden, ich sollte also vielleicht nicht zu lange warten). Ausgehend von seinem erstem Solo(doppel)album dürfte dann auch mindestens die Hälfte des Materials, auf welche Weise verteilt auch immer, den Blindkauf voll und ganz wert sein, vom ersten Werk Napoleonette gibt es schon mal Shirley, auf dem Matt zu Solopiano - das Instrument soll von Platte zu Platte wechseln - durch zartere Intonierung soviel mehr als ohnehin schon wie seine Schwester klingt dass es stellenweise fast runtergepitcht anmutet.

[MP3] Matthew Friedberger - Shirley

Umberto



Keine Frage, Umberto alias Matt Hill ist ein Fan von 70er-Horror und Italo-Exploitation. Das spiegelt sich nicht nur in seinem Namen wider, auch erinnern seine unheilvoll brodelnden, aber herrlich melodischen Schauerstücke dermaßen an frühe Carpenter-Werke oder Goblins synthlastigere Argento-Soundtracks wie Tenebrae oder Phenomena, dass ich mir zunächst nicht ganz sicher war, ob es sich bei seinem hervorragenden Zweitwerk Prophecy Of The Black Widow um ein Coveralbum handelte.

Für dessen Qualitäten bürgt wohl auch, dass die dreistellige Vinylauflage beim Label Not Not Fun bereits vergriffen und nur noch bei vereinzelten Mailordern auf Lager ist (nächste Woche dürfte nochmal ein Schub in Europa ankommen). Ohne stilvolle Aufmachung gibt es das Album sonst nur als Download, bis auf zwei Stücke können alle auf Umbertos Myspace angehört werden:

[Stream] Umberto - Temple Room / Night Stalking / Black Candles / Red Dawn / Everything Is Going To Be Okay / The Psychic

Neues Von Deerhoof

Ich hab gewiss nicht geplant, zu jedem neuen Deerhoof-Song was zu schreiben, aber der dritte Vorabeindruck von Deerhoof Vs. Evil ist das beste was ich diese Woche gehört habe und auch meine Lieblings-Deerhoofnummer seit Längerem, und verdient somit gewiss Erwähnung. Eigentlich schon direkt fällt hier auf wie dynamisch ausgeweitet, wie gerundet Greg Sauniers zuletzt so spröde-trockener Schlagzeugsound auf einmal geworden ist, spätestens aber wenn einem nach einer Minute warmem, sonnige Küstenfahrten illustrierenden Gitarrenspiels die wuchtige Bass- und klatschende Beatexplosion nur so um die Ohren fliegt. Ein lustvoller Bruch, doch funktionieren beide Teile für sich als auch miteinander, was sich schön im finalen, irgendwo zwischen beiden angesiedelten Melodieritt widerspiegelt.

[Stream] Deerhoof - Behold A Marvel In The Darkness