Musiiik

Rational Animals

Uhm ja, ich glaube auf der Suche nach überragendem Punk/Hardcore/Noiserock brauch ich mich momentan nur durch das Label- und Vertriebsprogramm von Katorga Works zu klicken und bin damit bestens bedient. Die Entdeckung der letzten Woche ist Rational Animals, ein Hardcore-Quartett dessen munteres Debüt Bock Rock Parade zwischen den Rumpeleien der treibenden Rhythmussektion, dem vollbrünstigen Gesang und der doppelstarken Sechssaiter-Rifferei keine Sekunde nachlässt. Ganz toll und wie immer bei KT per Download zu beschnuppern.

[Stream] Rational Animals - Guess What? (Crunch)

Bare Mutants - Inside My Head

Krieg zunehmend das Gefühl, dass Auf den zweiten Blick die beste Idee ist, die ich blogmäßig je hatte. Nicht als Bereicherung für die ganze Welt, sondern allein für mich. Man kriegt ein anderes Gefühl für Zeit, besonders in der mittlerweile zeitlosen Allesgleichzeitigmachung des Internets, wenn man (ungefähr) jeden Tag für ein paar Minuten lang etwa gleich viele Jahre in die Vergangenheit blickt. So kommt es mir z.B. nicht bloß so vor, als hätte ich mich erst kürzlich gefragt "Was ist eigentlich aus The Ponys geworden?"

Die Antwort lautet, zumindest im Fall von Bandchef Jered Gummere: Bare Mutants. Die veröffentlichen dieser Tage ihre Debütsingle Without You auf HoZac, und schon die glorreich verorgelte B-Seite Inside My Head macht Lust auf mehr, besonders wenn im letzten Drittel die Pedale so richtig durchgedrückt werden.

[Stream] Bare Mutants - Inside My Head

Zombelles "Shantasy Island"-Mix

Eine Abhandlung über #seapunk erspare ich mir mal gerne, denn für die herausragende Qualität dieses Mixes von Zombelle muss man den Begriff weder kennen noch seine subkulturellen Attribute verstehen. Shantasy Island ist nämlich fast ausschließlich eine Mischung großartiger Italo-und-sonstwie-Euro-Disco-Nummern um die 80er-Wende rum, die zwischen Sci-Fi- und Gruftgeschichten-Flair genau diese Seltsamkeit verstrahlen, die mich in Kindergartenjahren an einem Tape mit ähnlichem Inhalt ungemein gereizt hat.

[Stream/MP3] Zombelle - Shantasy Island

Container - In A Pile

Muss mir mal langsam angewöhnen, alle Labels und Musizierenden die ich gut finde nach einem Soundcloud-Profil abzuchecken. So bin ich jetzt erst auf das von Container gestoßen, wo sich schon gut ein halbes Jahr In A Pile tummelt. Das Stück ist ein weiterer großartiger Noisetechno-Klopper, der sich über 8 Minuten zunehmend füllt und intensiviert, vor allem aber ist es nur eines von vielen auf sowohl Containers Concepto-Mix wie auch der Cassetten-Compilation Fake Sound Routine Vol 2, auf denen Ren Schofield zahlreiche Geistesverwandte versammelt - was mir die Suche nach solcher Musik doch erheblich erleichtert. Nicht ganz so, aber auch gut ist zudem sein Beitrag zur Split mit Unicorn Hard-On.

[Stream] Container - In A Pile

Shoppers

Und gleich eine fabelhafte Nachhol-Entdeckung aus Spät-2011: Shoppers entrollen auf ihrem wuchtigen Debütalbum Silver Year eine ähnlich massive Punklawine wie ihre Beinahe-Nachbarn The Men. Nur finden sich unter ihrer verrauschten Noisedecke tightere, melodische Songs, die obendrein von herrlich shoutigem Gesang begleitet werden. Wie andere der jüngeren Labels auf der New York-Miami-Achse stellt Feeble Minds seine Veröffentlichungen wie diese hier zum freien Download online, physische Exemplare der mittlerweile ein zweites Mal aufgelegten LP sind aber durchaus auch noch zu finden.

[Stream] Shoppers - Silver Year

Shock - Heaven

Als sich die brillanten Studio jüngst endgültig auflösten, hinterließen sie neben vermutlichen Gigabytes an unvollendetem Material auch knapp über ein Dutzend eigene Stücke und ebensoviele Remixe. Unter letzteren befanden sich offenbar auch ein paar Geistesverwandte, so haben sich Daniel Judd alias Sorcerer von Windsurf und Terri Loewenthal von Rubies zu Shock zusammengetan. Deren erstes Stück Heaven schreit geradezu "ich komme aus San Francisco", teilt sich eine Furchtlosigkeit vor zuviel strandinduzierter Lockerheit und Oberflächenglätte mit Tycho oder Judds Windsurf-Partner Hatchback und groovt sich hauchgesangsverhangen durch einen kristallinen Slow-Disco-Tempel voll von balearischsten Synth- und Gitarrenschwärmereien.

[Stream] Shock - Heaven

Neues Von School Of Seven Bells

Über die Stimmchemie der Deheza-Schwestern, die School Of Seven Bells' ersten Alben so eine entrückende Traumhaftigkeit verlieh, ließ sich schnell vergessen, dass der dritte im Bunde - Benjamin Curtis - ja vorher bei den Secret Machines war. Vielleicht liegt es am Weggang von Claudia Deheza, es ist aber auch eine Fortstzung der Entwicklung ihrer Musik, dass sich das Duo auf den ersten beiden Songs des am 24.02. erscheinenden Ghostory deutlich dronerockiger gibt. Vor allem das erstmalig nicht aus der Maschine kommende Schlagzeug gibt The Night eine gehörige Portion Extra-Drive, Lafaye hingegen ist mindestens halbelektronischer 4x4-Dreampop auf der Spur von M83s Couleurs, nur weitaus Single-kompakter.

[Stream] School Of Seven Bells - Lafaye
[Stream/MP3] School Of Seven Bells - The Night

Factory Floor Live

Was ihre Studioveröffentlichungen weniger konkretisieren als kompakter machen, ist der hypnotische Strudel, den die repetitiven Maschinismen von Factory Floor erzeugen. Live streckt sich das Trio nicht nur voluminös in die Breite, sondern auch in die Tracklänge - nur hab ich bislang nie Liveaufnahmen gefunden, die dem so recht gerecht werden wollten. Nun kommt ARTE Live Web nicht nur damit, sondern dazu noch mit Videomaterial an. Wenn das mal keine feine Wintermusik ist.

Factory Floor bei den Trans Musicales de Rennes

Mix: Do(wner)-Fi


Wo ich mich gerade zwecks gnadenlos akkurater Listenerstellung durch alle meine diesjährigen Erwerbungen höre, ist mir doch glatt dieser Mix eingefallen, den ich irgendwann für den Eigenkonsum erstellt und nie verlinkt hatte. Eine Sammlung von Songs, die - meist mit beidgeschlechtlichem Gesang - einen ganz bestimmten, emotional verregneten Ton treffen, mit ihren kaputten Instrumenten zugleich in einem Zustand fragiler Schönheit hängen. Mit dabei in der knack(s)igen halben Stunde sind EMA, Sebadoh, Times New Viking, Circle Pit u.v.a.

Do(wner)-Fi

The Men Live

Was wäre man nur ohne WFMU. Letzte Woche eine Band, die nicht in meiner Nähe tourte, diese Woche eine Session einer Band, die im nächsten Jahr nur andere Ecken Deutschlands besuchen wird. Nach anfänglicher Nichtbeachtung scheint das großartige Sacred-Bones-Debüt Leave Home von The Men nach und nach eine Hörerschaft gefunden zu haben und findet sich dieser Tage auch schon in einigen Listen wieder - zu Recht. Für die Radiosendung von Brian Turner spielten die New Yorker satte 7 Stücke, und die nicht gerade in Kurzfassungen.

The Men - Live at WFMU