Musiiik

Woollen Kits / Royal Headache

Dafür, dass seine Bevölkerung nicht mal an die Kaliforniens ranreicht, ist es ja schon bemerkenswert wie locker Australien momentan in Sachen verkrachter Rock mit den USA mithalten kann. Zu einem der Epizentren darf man R.I.P. Society wohl spätestens seit der Albumveröffentlichung des großzügigerweise gleich mit zwei Sängern aufwartenden (und mit zumindest einem davon wie ein großartig seltsamer Treffpunkt von Calvin Johnson und Eat Skull klingenden) Schrammeltrios Woollen Kits zählen.

[Stream] Woollen Kits - Out Of Whack
[Stream] Woollen Kits - Always

Spätestens wohlgemerkt, denn vorher kam dort neben Singles von Circle Pit und Naked On The Vague auch schon u.a. die (tatsächlich so benannte) Debut LP von Royal Headache heraus. Jene Art von mühelos powerpoppigen Rock'N'Roll aus dem Ärmel schüttelnde Band, die so viele in Großbritannien gerne wären aber nicht sind, weil sie unnötigen Wert auf Politur legen und keinen derart Vollkörperstimmen-gesegneten Sänger haben. Falls Girls davon noch nicht Zeugnis genug ablegt, gibt's bei ihrem französischen Label auch den Rest des Albums zu hören, das für alle zu spät gekommenen (*hust*) im Sommer auch nochmal bei What's Your Rupture? erscheint.

[Stream] Royal Headache - Girls

Miguel - Adorn

Ich hatte mich nie für einen R&B-Puristen gehalten, schon allein in Ermangelung dafür nötiger Fachkenntnis. Aber irgendwie fand ich die mäßig gut besungenen Niedrigbitraten-Beats und Beach-House-Samples, die letztes Jahr so in den Indie-Bereich überkreuzten, nicht so mitnehmend wie vereinzelte mainstreamigere Sachen. Vor allem die von Miguel, der wohlgemerkt schon recht eigentümliche, visionäre Produktionen hat. Das zeigt sich auch am schwummrig verhangenen, bebrummten und beblubberten Mitternachtssoul von Adorn, dem herausragenden Eröffnungsstück seiner ersten von drei monatlichen Art Dealer Chic-Mini-EPs.

[Stream] Miguel - Adorn

Moonface - Teary Eyes And Bloody Lips

Was für einen Sonderstatus Spencer Krug hat merke ich dann wieder, wenn ich schon üble Vorfrude auf sein neues Werk als Moonface bekomme, sobald ich nur die Texte lese. Dabei sind die (falls tatsächlich auch auf dem Album vorhandenen) zwei Spoken-Word-Teile (einer davon zitiert Rainer Maria Rilke) noch nicht mal das Bemerkenswerteste an dem am 20.04. erscheinenden With Siinai: Heartbreaking Bravery.

Um wie versprochen die Moonface-Künstleridentität variabel zu halten, hat er dafür mit den Finnen Siinai kollaboriert, mit deren krautiger Rückendeckung er zumindest auf dem vorletzten Stück gehörig Dronerockig ankommt und fast an die synth-psychedelischeren Momente der Horrors erinnert. Jedoch höchstenst, bis der Song im letzten Drittel eine Güteklasse höher steigt und Krug ein simpel-perfektes "You looked so beautiful then. And you look so beautiful now" mit doppelten Tastenanschlägen einrahmt.

[MP3] Moonface - Teary Eyes And Bloody Lips

Useless Children / Yvette

Ein stoisches Schlagzeug: viermal Pochen, viermal Fetzen, Pochen, Fetzen und so fort. Mit dem krönenden Beckenakzent scheint es so breit wie der gesamte Song, und dann füllen die Melbourner Useless Children den auch noch mit Basslauf, wüstem Gesang und heulenden Gitarrenflächen, dass diese Vorschau auf ihr kommendes Noiserock-Opus Post Ending // Pre Completion eine immense feedbackverhallte Feuerwalze wird.

[Stream] Useless Children - Locked Groove

Ein uriges Schlagzeug: wuchtend, in den Raum hallend, mit schierer Masse die Musik vorantragend. Darüber ziehen Yvette auf ihrer Erosion-Single einen Metallschleifer, Funken sprühen, Oberflächen werden geglättet und wieder aufgeraut, bis das New Yorker Duo die ungemütliche Substanz darunter freigelegt hat.

[Stream] Yvette - Erosion / Cold Sweat

Mi Ami - Time Of Love

Wer über Daniel Martin-McCormicks Ital-Soloaktivitäten das Ende von Mi Ami befürchtet haben sollte, darf beruhigt sein. Obwohl er nun an der anderen US-Küste, entgegengesetzt dem in San Francisco verbliebenden Damon Palermo residiert, fanden die beiden Zeit und Möglichkeit, um die 20.03. auf 100% Silk erscheinende Decade-EP aufzunehmen. Wie auf der letztjährigen Dolphins-EP schon zu hören und anschließend live zu sehen war, sind Gitarre und Schlagzeug mittlerweile ad acta gelegt, dafür ist Time Of Love ein großer housiger Space Jam mit verhallten Stimmnebeln und einem Hihat-schweren Beat, der durchaus dem wuchtigen Livespiel Palermos nachempfunden ist.

[MP3] Mi Ami - Time Of Love

Neues Von Merchandise

Erst werden The Men ganz herzlich, nun fährt auch der neue Merchandise-Song schnell den Feedbackvorhang beiseite - hat die Ostküste schon wieder die Lust am Krach verloren? Aber genau genommen kehrt Time ja auch nur den schon immer immanenten Pop-Appeal von Merchandise hervor, ob der Rest des Anfang April erscheinenden Children Of Desire ähnlich shoegazetypisch ausfällt muss sich ja auch erst noch zeigen - der großartige Vorgänger Strange Songs (In The Dark) kommt übrigens auch noch die Tage in einer remasterten Neuauflage.

[Stream] Merchandise - Time

Neues Von Nite Jewel

Wird One Second Of Love wirklich erst Nite Jewels zweites Album sein? Mensch, wie die Zeit nicht vergeht. Zumindest, wenn man sie nur an Longplayern markiert, in Wahrheit sind seit dem Erscheinen von Good Evening schon drei Jahre vergangen, über die die Weiterentwicklung von Ramona Gonzalez' vormaligem Eine-Frau-Projekt an über nem halben Dutzend Singles und EPs mitzuverfolgen war. Voller, sauberer ist ihr Funk-infusionierter Synth-Pop natürlich jenseits verrauschter 4-Track-Aufnahmen geworden, aber auch instrumental stärker ausgeformt und live zur vollwertigen Band angewachsen. Geblieben ist jedoch die Mitternachtsstimmung ihrer Synthschwaden, wie die ersten drei Stücken des am 09.03. erscheinenden Albums zeigen.

[Stream] Nite Jewel - One Second Of Love
[Stream] Nite Jewel - In The Dark
[Stream] Nite Jewel - She's Always Watching You

Kurt Vile & Boris Im Balearic-Reigen

Das leichter mit Beispielen als Worten vermittelbare an Balearic als Genrehut ist ja, dass die darunter versammelbaren Stücke zwar idR. gewisse ästhetische und formale Gemeinsamkeiten wie sanften Gesang oder Niederintensität-Bpm haben, jedoch vor allem einem gewissen Ton, einer Stimmung unterliegen die sie einen. Was Remixe angeht, ist so oft jenes Material am besten dafür geeignet, das bereits eine derartige Stimmung in sich trägt, egal in welchem Stil sie formuliert ist. So kehre ich derzeit immer wieder ganz gerne zu diesen beiden Neubearbeitungen zurück, die den langhaarigen Kurt Vile in Softbeats kleiden und die hier so gar nicht metallischen Boris auf der anderen Seite des Pazifiks amerikanische Westküstenluft schnuppern lassen.

[Stream] Kurt Vile - Runner Ups (Rødsten & Jesper Rummenigge Remix)
[Stream] Boris - Looprider (Hatchback's Pacific Wind Mix)

Nachtrag: Ha, und sehr apropos hat nun auch Prins Thomas sich Kurt Vile vorgeknöpft (um die 28-Minuten-Marke rum).

Neues Von Julia Holter

Von der hastigen Truppe ist Julia Holter nicht gerade. Zwar bringt sie am 08.03. auf RVNG Intl. schon ihr zweites Album innerhalb eines knappen halben Jahres raus, doch hat sie an Ekstasis gut doppelt so lang gearbeitet wie am letztjährigen Tragedy. Das zeigt sich spätestens daran, dass unter anderem darauf auch Für Felix enthalten sein wird, jenes Stück, dem ich bereits vor 3½ Jahren hier meine Zuneigung bekundet hatte als ich erstmals über sie schrieb. In dessen weniger abstrakte Synthpop-Richtung scheint sich auch der Rest des Albums zu bewegen, wenngleich im distanziert-ätherischen Rahmen, der dann doch nie gänzlich greifbar zu werden droht.

[Stream] Julia Holter - In The Same Room
[Stream] Julia Holter - Marienbad

Neues Von The Men

Die heute beginnende Tour der New Yorker Noiserocker The Men mag weiterhin außerhalb meiner Reichweite sein, doch wie zum Ausgleich dafür gibt's nun das erste Stück ihrer zweiten Sacred-Bones-LP innerhalb von 12 Monaten zu hören. Und als wäre der Titel Programm, nach dem glorreich-manischen Höllenritt von Leave Home dreht das Titelstück zum am 09.03. erschienenden Open Your Heart Lärm und Heulen nun zugunsten der Melodie ein wenig zurück - weniger Pissed Jeans, mehr Buzzcocks. Sicher noch ein paar mehr neue Songs gibt's dann die Tage live zu hören.

[Stream] The Men - Open Your Heart

24.01.2012 Hafenklang, Hamburg
02.02.2012 West Germany, Berlin
03.02.2012 UT Connewitz, Leipzig
04.02.2012 Le Romandie, Lausanne