Musiiik

Superchunk - This Summer

Hinsichtlich Auffassungen wie künstlerischer Integrität oder Ambition hat die Sommersingle keinen herausragenden Ruf. Sie soll nicht mehr als saisonaler Freudenspender sein - doch gibt es an diesem Punkt einen anderen, besseren Grund für Superchunk, Musik zu machen als Spaß an der Freud? Eben den scheint die Band schließlich seit ihrer Reaktivierung zu haben und vermittelt eben den bestens in This Summer, Mac McCaughans "Come on, waste this summer with me" mit herzerfülltem "Yeah!" pointierend.

[Stream] Superchunk - This Summer
[Spotify] Superchunk - Cruel Summer

Dinosaur Jr. - Watch The Corners

Neben dem Mobilisieren von Bieber-Fanmassen und halbgaren Politkommentaren erwies sich Twitter in den letzten Wochen vor allem dazu gut, einmal im Detail die Aufnahmen zu einem neuen Dinosaur Jr.-Album mitverfolgen zu können. So schrieb Lou Barlow z.B. am 23. Tag

J says the drums on my 3rd song need to be overhauled, he's -always- right about the drums,we redo it, 200x better
Dass eben jener J sich zu gerne im Recht wähnt, war auch so mein Problem mit dem letzten Album, das was zu verstoned herumhing und auch in der Hinsicht zuwenig Barlow zu haben schien, das es mir echt bassschwächer vorkam.

Doch dann taucht dieser erste Song vom am 14.09. erscheinenden I Bet On Sky auf. Nicht mit dem Feuer von Beyond, aber eine muntere, sehr schöne Midtempo-Nummer, in die alle Beteiligten investiert wirken. Etwas routiniert vielleicht strukturiert, das Solo nach dem zweiten Refrain ist genau so leicht abzusehen wie das Wiederaufnehmen von Letzterem über Mascis' Gegniedel. Dann setzt er zum Abschluss nochmal alleine an und ich gucke auf die Abspielzeit und - es sind erst 2/3 des Stückes rum? Oh ja. Und die ganze Band bäumt sich gewaltig auf und J Mascis gniedelt noch einmal, was das Zeug hält, fetter und fetter, ohne Pause, für eineinhalb Minuten, bis man ihn nicht mehr aufhalten, nur noch ausblenden kann. Whiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii

[Stream] Dinosaur Jr. - Watch The Corners

Wynter Gordon / Delilah

Seltsam. Letztes Jahr hatte ich mich mal ein bisschen mehr in Sachen R&B umgehört, um zu verstehen, warum ich nicht so recht mit The Weeknd/How To Dress Well klar kam und dabei nur vereinzelt richtig an Sachen Gefallen gefunden. Und jetzt vergeht kaum eine Woche, in der ich nicht auf irgendwas stoße, was mich begeistert. So wie dieser andersweltliche Song von Wynter Gordon, die nicht nur in dieser umschummert-betrommelten Produktion ein gutes Stück an Dawn Richard (und Bat For Lashes?) erinnert, sondern auch darin, dass sie in Zukunft vier Gratis-EPs in dieser Art freisetzen will.

[Stream/Download] Wynter Gordon - Stimela

Doch es ist nicht immer die gleiche Geschichte vom auf-eigene-Tour-machen, auch übers Majorsystem bringt Delilah im UK derzeit großartige Songs heraus. Sowohl das simultan trancige und holzperkussierte Go wie das basslastigere Breathe und das ebenfalls auf dem Ende Juli erscheinenden From The Roots Up enthaltene Inside My Love scheinen einer schlaflosen Unruhephase entsprungen, stimmlich wach doch vom ereignisarmen Dunkel der Nacht umzogen.

[Stream] Delilah - Go
[Stream] Delilah - Breathe
[Stream] Delilah - Inside My Love

Mungolian Jetset presents Jaga Jazzist vs. Knights Of Jumungus - Toccata

Dieses Monstrum von einem Titel kann nur eines bedeuten: Mungolian Jetset machen wieder mal das, was ihnen am besten steht, nämlich das Silber anderer zu Platingold aufzupolieren. Trotz echter Highlights überspannte ihr letztes Soloalbum die Nerven doch selbst bei mir etwas, das am 20. August erscheinende Mungodelics steht hingegen als kuriose Mischung aus Remixen, Kollaborationen und Nebenprojekten in der Tradition ihres Meisterwerks We Gave It All Away...Now We Are Taking It Back. Neben einigen bereits zuvor veröffentlichten Stücken wird auch Toccata mit von der Partie sein, das jegliche Cartoonstimmen außen vor lässt und wie ein eleganter, erhabener Nord-Disko-Gletscher dahinfließt.

[Stream/MP3] Mungolian Jetset presents Jaga Jazzist vs. Knights Of Jumungus - Toccata

Gary War - Superlifer

Gary War war schon immer der Erforscher im hypnagogen Kindergarten: Handfester als ein Ferraro, aber nicht so wie er und Ariel Pink auf irdische Pop-Klänge fixiert, suchte er erst sein Glück im Ozean und auf seinem nächsten Monat auf Spectrum Spools erscheinenden dritten Album anscheinend auch im Weltraum. Dass Jared's Lot lediglich acht Stücke umfasst, stimmt schon mal positiv, denn genau darüber hinaus erschienen mir seine ersten beiden einen Tick zu lang. Achtmal verpsychten Space-Rock wie Superlifer? Gern doch.

[Stream] Gary War - Superlifer

Jacob Mikesh Filburt - Philipp Dolphia

Jacob Mikesh Filburt firmieren wohl auch unter dem Kürzel J.M.F., nur was nützt diese Obskurierung, wenn die Namen des Trios doch prominent auf seiner Debütsingle prangern? Das morgen erscheinende Philipp Dolphia zeigt die Permanent-Vacation-Veteranen Good Guy Mikesh & Filburt wie auch Jacob Korn von ihrer softesten Seite: Gerade wenn man glaubt, das nebst runtergepitchten Vocals warm durchstreicherte Stück könne nicht noch funkelfreudiger werden, kommt eine tirilierende Melodie drübergeflötet.

[Stream] Jacob Mikesh Filburt - Philipp Dolphia

Shiina Ringo - Jiyuu E Michizure

Die Erde über Tokyo Jihens Grab hat sich noch nicht mal richtig gesetzt, da kommt Shiina Ringo schon solo zurück. Und wirkt damit fast, als hätte sie die letzten 9 Jahre einfach übersprungen, mit dem wüstesten Gethrashe, das sie seit langer Zeit hingebrezelt hat. Als Intromusik einer TV-Serie ist Jiyuu E Michizure sicherlich gewissen Konventionen unterworfen, so dass es nicht viel mehr als eine eingängig-flotte Rocknummer ist, doch immer noch zumindest mit einem Refrain, wie es ihn so markerschütternd von niemand sonst zu hören gibt.

[Video] Shiina Ringo - Jiyuu E Michizure

Neues Von Dirty Projectors, Grizzly Bear

Daniel Rossen mag Mitte des letzten Jahrzehnts mit Dave Longstreth unter einem Dach gewohnt haben, doch darüber hinaus kam mir bislang keine besondere Nähe der beiden in den Sinn - Letzterer ist schließlich der Kevin Bacon Brooklyns. Auf ihren beiden neuen Songs scheint es aber fast, als hätten sich irgendwo die Wege von Grizzly Bear und Dirty Projectors gekreuzt, so dass beide nun im vormaligen Terrain des anderen unterwegs sind. Sleeping Ute ist in seiner Kantigkeit sogar fast schon Deerhoofig, erinnert aber eben noch mehr an die Projectors, die selbst hingegen ihre technische Komplexität reduziert haben und im ersten Vorabsong des am 10.07. erscheinenden Swing Lo Magellan zwar R&B-ig, doch ganz ohne Gitarre stimmungsvoll verhaucht daherkommen - ein Hauch von Yellow House?

[Stream] Grizzly Bear - Sleeping Ute
[Stream] Dirty Projectors - Gun Has No Trigger

Destroy This Place​ /​ Hospital Garden

Selten geschicht es, dass mich mal außerhalb von Pop und Dance eine gesamte Single-Veröffentlichung so stark mitnimmt wie ein ganzes Album. Geschafft hat das aber die auf Forge Again erschienene Split der Detroiter Destroy This Place mit Hospital Garden aus Chicago. Beide Bands haben letztes Jahr schon gute Debütalben rausgebracht, aber diese Songs kommen meinem platonischen Ideal von (Indie-)Rock verdammt nahe: druckvoll und krachig aber nicht ermüdend überkomprimiert, eingängig aber ohne Furcht vor Dynamik-Variationen (die treibenden Drums zur zweiten Strophe von Magnified!), stimmlich (charakter-)voll, smart aber nicht steif und mit einer Prise Humor gewürzt.

[Stream] Destroy This Place​/​Hospital Garden - Split

Neues Von Delicate Steve

Afria Talks To You macht nahtlos dort weiter, wo Delicate Steves Wondervisions begannen. Quietschbunte Plastiksynths und -gitarrensounds verschmelzen zur Kaum-noch-Unterscheidbarkeit, miteinander funkel-gniedelnd über staksigem Rhythmusgeklapper, so viel eleganter, als man das glauben könnte. Der zweite Vorabsong vom am 06.07. erscheinenden Positive Force betritt Neuland. Nicht wegen seines ungewohnt stimmungsvollen, bedächtigen Klangrahmens - das auch, vor allem aber hört man hier erstmalig Steve Marions Stimme erklingen, verträumt in Grillenzirpen unterm Nachthimmel mündend.

[Stream] Delicate Steve - Afria Talks To You
[Stream/MP3] Delicate Steve - Two Lovers