Musiiik

Gang Gang Dance Live

Im Gegensatz zu Animal Collective, die auch nach dessen Veröffentlichung außergewöhnlich lange mit keinem neuerem Material als dem von Merriweather Post Pavilion tourten, haben sich Gang Gang Dance live nie von einem Status Quo einholen lassen. Immer mutieren sie Altes neu, immer haben sie etwas Neues im Gepäck und irgendwie scheint es, als würde selbst das Neue von Mal zu Mal variieren. So kommt es mir bei ihrem Set von vor (exakt) zwei Wochen, das es in exzellenter Qualität bei NPR zum Download gibt, einmal mehr vor, als würde sich darin (unter anderem mit einem ewig lang ausgedehnten & variierten Finalteil von Chinese High) eine komplett neue Hörwelt aufspannen.

Gang Gang Dance live in New York 18.07.2012

The Field - Comenius Garden

Jegliche Blackouts ausgeschlossen kann ich mich nicht entsinnen, je im Berliner Comenius-Garten gewesen zu sein - ist vielleicht auch ganz gut so, denn The Fields gleichnamige neue Single lässt die Grünanlage nicht gerade einladend wirken. Hatte Axel Willners erste Neukölln-Widmung ... ähm ... Neukölln schon einen sinistren Anklang, wird auf Comenius Garden der Unterton overt, wenn die verlorenen Stimmfetzen immer wieder vor der verhangenen Dichte des Stücks flüchten, über die sich gen Ende zu anziehender Beat-Intensität auch ein beunruhigend heller Monoton hängt.

[Stream] The Field - Comenius Garden

Miguel - Kaleidoscope Dream: Water Preview

Miguel mag seine Tripel. Die erste von zwei digitalen EPs mit Songs aus seinem Anfang Oktober erscheinenden Album Kaleidoscope Dream gibt zunächst die Bestätigung, dass darauf auch Art Dealer Chic-Highlights vertreten sein werden - hier Adorn in einer höchst willkommen verlängerten Single-Version. Während Don't Look Back mit unerwartetem Endumschwung wohl eher zum proggigen Mittelstück taugt, ist Use Me nicht von minder immenser sonischer Dichte, aber geradlinige, mitreißende Plattform für Miguels schwindelerregende Stimmschwünge.

[Stream] Miguel - Kaleidoscope Dream: Water Preview

JoJo - Demonstrate

Dass JoJo Drakes Songs besser bringen kann als Drake, hat sie schon mit ihrem Marvin's Room demonstriert. Nur schlüssig, dass sich Drake-Produzent Noah '40' Shebib nun auf ihre Seite geschlagen hat und Demonstrate in ambiente Nachtschwaden hüllt, die in ihrer Weichheit nur noch stärker den voluminös-angeknarzten Beat kontrastieren. Rückwärtslauf-Effekt trift auf Gitarren-Abwärtsstreicheln, während JoJo gefestigt im Zentrum steht, ohne die Wirkung des Spannungsfelds um sie herum egozentrisch zu durchbrechen.

[Stream] JoJo - Demonstrate

Wye Oak - Spiral

Eigentlich sollte Dan Lissvik ja erneut an einem Album mit den kanadischen Young Galaxy arbeiten, aber man könnte fast meinen, er habe nun auch bei Wye Oak Hand angelegt. In deren neuem Song (den es hier nach nervigem Autoplay auch zum Download gibt) zirkeln Gitarre und Hallgesang in typischer Studio-Schlankheit zu Marimbaphon-Perkussion über dezent bassbedubbten Beats, deren Schwummerigkeit lediglich in zwei Kraftausbrüchen kurz beiseite gewischt wird.

[Stream] Wye Oak - Spiral

Dawn Richard - Pretty Wicked Things

Auf der ersten Single von Goldenheart, dem für Oktober angepeilten ersten Teil ihrer Albumtrilogie, steckt Dawn Richard keineswegs an sonischer Ambition ein. Im Gegenteil. Titelgerecht kontrastiert Pretty Wicked Things schöne Glätten mit aufreibender Fiesheit, nur geschieht dies auf einer titanischen Skala, in der Richards Vocals in irreal überhöhten Harmoniegebilden auf Zitter-Knatter-Knister-Gewitter treffen, wenn der zuvor straighte Beat tosend vom Halfstep überwältigt wird.

[Stream] Dawn Richard - Pretty Wicked Things

2NE1 - I Love You / BEAST - Midnight

Der überschaubare koreanische Inhouse- und Freelance-Produzentenstammpool, der sowohl eigene als auch fremde Ideen bei Erfolg nur zu gerne reinterpretiert, führt zusammen mit der generellen Schnellebigkeit zu einer durchaus nachverfolgbaren Staffelung gewisser Trends. Während After School mit Dubstep-Breakdown und Knarrenvideo noch ein Nachhall vergangenen Monate sind, stellen 2NE1 und BEAST ganz die Stimme als Klangfarbe in den Vordergrund. Ohne große Kapriolen und instrumentale Melodieoffensiven, vielmehr so vokal schmiegsam und einander die Bälle zuspielend, dass sie Stücke mit langsam wachsender Wirkung sind.

[Video] 2NE1 - I Love You
[Stream] BEAST - Midnight

Bepu N'Gali - I Travel To You

Ich werd vielleicht nie zum Vinyl-Single-Käufer werden, aber die Veröffentlichungen von International Feel haben mich über die letzten zwei Jahre doch alle paar Monate schwer darüber nachdenken lassen. Zuletzt mit dem Debüt von Bepu N'Gali, für dessen Non-Fiktivität man einmal mehr aufs Wort des geheimniskrämerischen Labels vertrauen muss. Doch egal ob das aus dem Nichts aufgetauchte botswanische Tridectett nun wirklich "wirklich" ist, mit dieser sagenhaft guten Bläser-Trällerei reiht es sich nahtlos in die diverse Diskographie des Labels ein, der außer einem "irgendwie Disco bis Balearic"-Begriffsringen nur eine immense qualitative Konsistenz roter Faden zu sein scheint.

Und als es mich gerade diese Woche mal wieder in den Ohren juckte nach diesem Stück und ich schon ins Überlegen kam, mir das Ding vielleicht doch mal physisch zuzulegen - auch wenn's von keiner der remixenden B-Seiten getoppt wird - kam zeitpassend die gute Nachricht, dass es wie gut 90% der Labelhighlights Anfang Oktober auf der selbsterklärend betitelten International Feel - A Compilation vertreten sein wird. Theoretisch nicht die erste, denn angeblich ist schon mal eine allein in Japan rausgekommen, doch wie für manch anderes habe ich auch für deren Existenz bis heute keinen Beweis gefunden - und so wird es zumindest die erste, die man auch garantiert erwerben können wird.

[Stream] Bepu N'Gali - I Travel To You

Wynter Gordon - Doleo

Von allen Spielarten scheint sich momentan R&B doch am aktivsten in verschiedene Richtungen zu dehnen. Frank Oeans Stimme find ich immer noch recht langweilig, aber letzte Nacht hat ja auch Wynter Gordon die erste ihrer vier geplanten Human Condition-EPs zum freien Download gestellt. Was umso deftiger ist, weil schon allein Doleo acht Songs umfasst und nicht gerade auf einen Soundmodus festgelegt ist, von der verknarzten Eröffnung über ausgesparte Ruhepunkte bis zum Doppelfinale aus Stimela und dem Power-80er Waiting ergibt sich nicht so ein stimmiges Gesamtwerk wie etwa Dawn Richards, aber genug Highlights zum Rauspicken.

[Stream/Download] Wynter Gordon - Doleo

Hundred Visions - Where Do I Sign?

Der neue Song der Austiniten Hundred Visions erinnert mich an eine gefühlte Woche lang, die ich mit nichts als Devos Sloppy auf Dauerwiederholung durch die Großstadt steppte. Where Do I Sign? teilt dessen Fähigkeit zur elastischen Dynamik, dem Wecheln und Mixen zackiger Steifheit und von der Leine gelassenen, gitarrenkatalysierten Davonwetzens, theoretisch endlos reiterierbar, ohne dabei an Drive und Catchiness einzubüßen.

[Stream] Hundred Visions - Where Do I Sign?