Musiiik

Matthew Dear - Her Fantasy

Einer der Vorsätze, die aus meinem kleinen Rückschauprojekt erwachsen sind, war, dass ich mich nochmal mit Matthew Dear befassen wollte, nachdem das früher nicht so recht funktionieren wollte. Und wie es sich erstaunlich oft ergibt, ist das ein völlig aktuelles Thema, denn just hat der Mann das Eröffnungsstück seines kommenden Albums Beams online gestellt.

Die gelayerte Kompositstimme aus Brummen und Klarkehligem ist so das einzige, was mich nicht sofort mitnimmt, doch alles andere ist fraglos großartig: Die belebte Tropenaction und das gemischtgeschlechtliche Vocal-Schnipsel-Duo im Untergrund, das dicke Sirren und Brummen und die discoiden Synths darüber und überhaupt die immense Dichte, in der hier Klänge versammelt sind, trotz ihrer voluminösen Gesamtform nicht bedrückend wirkend.

[Stream] Matthew Dear - Her Fantasy

Ach, gerade gesehen: Auch das verschniefte Headcage wird auf dem Album mit drauf sein.

[Stream] Matthew Dear - Headcage

Jhene Aiko - Sailing Soul(s)

Und auch wenn die Vocals nicht immer egal sind, kann es nicht schaden, wenn man mal genauer auf die Namen der Produzenten achtet. In den Credits von Miguels Art Dealer Chic und seinem Debütalbums sticht da besonders das Duo Fisticuffs hervor, dessen Diskographie ansonsten vor allem in einer weiteren Mixtape-Kollaboration zu bestehen scheint. So kam ich auf Jhene Aikos Sailing Soul(s), und tatsächlich, erneut trifft hier die innen raue, weich umrandete Dämmerungs-Ästhetik der beiden ein formidables Songwriting- und Stimmpendant, dem auch ein gelegentlicher Drake oder Kanye nicht zu schaden weiß.

[Stream/Download] Jhene Aiko - Sailing Soul(s)

Cloud Rap without Rap

Schön, wie derzeit in Sachen Beats mit Sprechgesang eine Unmenge an jungen und originellen Produzenten hervorsprießt. Blöd nur, wenn die Qualität und Originalität der MCs oft nicht mit der ihrer Instrumentals mithalten kann (wobei es natürlich Ausnahmen wie Le1fs Dark York gibt). Die simple Lösung: Die Produzenten stellen ihre Werke bar jeder Vocals zur Schau. Clams Casino hat's vorgemacht, ganz wunderbar folgen dem Beispiel die Mixtapes von Skywlkr und dem Duo Friendzone. Beide voller luftig-wolkiger Sphärensynths, doch während letztere darin samten-futuristisch umherzucken gibt sich Skywlkr zwar verraucht, verliert jedoch trotz seines Namens nie die Bodenhaftung im Halbdunkel der Großstadt.

[Stream/Download] Friendzone - Collection 1
[Stream/Download] Skywlkr - Impressions

Jessie Ware - 110%

110% geben, das klingt nach hohlen Motivierungsphrasen, einer Unmöglichkeit, die das Leistungsdenken des Neoliberalen, dass immer noch irgendwo ein Stück mehr rauszuholen ins, ins Absurde steigert. Im Refrain von Jessie Wares herrlich freiräumigem Song scheint das auf einmal aber doch möglich: Von beiden Seiten raunt dort ihre Stimme, nah an den Ohren. Rechts und Links sind sich zu ähnlich, um wie zwei verschiedene Personen zu wirken, doch zugleich sorgen die feinen Unterschiede zwischen beiden - miniskule Verzögerungen, unterschiedlich stark ausgeformte Aussprachen und Timbrevariationen - dafür, dass man eben mit etwas mehr als nur 100% beschallt wird.

[Stream] Jessie Ware - 110%

Neues Von Holograms

Falls das aus der Andeutung noch nicht klar hervorging: Ja, der Gesang auf der ersten Holograms-Single erinnerte in seiner Strenge doch ein gutes Stück an Iceage. Aber entweder haben die Schweden nur einen sehr wandelbaren oder noch einen zweiten Vokalisten, der Chasing My Mind unter einer munteren Melodiewelle emotionale Angriffsfläche bietet, was fürs am 13.07. erscheinende Debütalbum Abwechslung verheißt.

[Stream/MP3] Holograms - Chasing My Mind

Lindbergh Palace - Days Don't Fade (Johan Agebjörn & Le Prix Remix)

So durchgängig hochwertig sein Output ist, richtig hellhörig werde ich bei Johan Agebjörn, wenn er nicht als einziger an einem Stück beteiligt ist. Ob er wie letztes Jahr von Skatebård remixt wird, wen anders remixt oder in Kollaborationen mit Sally Shapiro oder Le Prix, mit dem zusammen er die Vocals einer ganz guten Synthpop-Nummer in den Arpeggiohimmel hievt.

[Stream] Lindbergh Palace - Days Don't Fade (Johan Agebjörn & Le Prix Remix)

Criminal Code

Es ist ja fast, als gäbe es in den USA einen Wettbewerb, wer Hüsker Dü den blechern-noisigst produzierten Punkaltar errichten kann. Energetisch mit zimmern Criminal Code aus Tacoma, Washington mit ihrem Debüt Cold Thought auf dem Inimical-Label, das seit dem tollen Arctic Flowers-Album letztes Jahr meine volle Aufmerksamkeit hat.

Oder eher halbe, denn hier wär ich beinahe mal wieder zu spät gewesen, aber zum Glück gibt's noch genügend Distributionen zu googeln, die ein Exemplar dieser herrlich riffigen und furios betrommelten Songsammlung auf Lager haben. Zur Not gibt's die Stücke aber auch alle zum Download auf Soundcloud, wobei man hier mal wirklich nichts davon haben wird, dass die Dateien in CD-Qualität sind. Bin mal gespannt, ob die LP auch klingen wird als wären die Gitarren von nem ollen Fernseherlautsprecher gebootleggt worden.

[Stream] Criminal Code - Capsules
[Stream] Criminal Code - Wasteland

Veronica Falls - My Heart Beats

Und wo ich gestern die Slumberland-Homepage durchcruiste fiel mir da noch auf, dass ich die neue Single von Veronica Falls bislang gar nicht gehört hatte. Irgendwo hab ich das mit dem Leben in der Streamwelt noch nicht effektiv organisiert; den Soundcloud-Link zum locker rumharmonisierenden My Heart Beats hatte ich im Februar gewiss gesehen, aber dann wohl den Browsertab damit geschlossen und prompt war es schon wieder aus dem Sinn. Dafür ist, nun da die Single erschienen ist, auf Spotify auch gleich die B-Seite zu begutachten die mit prominentem Georgel stimmungsvoll-eindringlicher und nicht minder hörenswert ist.

[Stream] Veronica Falls - My Heart Beats
[Spotify] Veronica Falls - Killing Time

Animal Collective - Honeycomb / Gotham

Kaum zum Quartett wiedervereinigt, scheinen Animal Collective seit Merriweather Post Pavilion eher bestrebt, ihre stark unterschiedlichen Einzelpersönlichkeiten hervorzuheben. Auf ODDSAC teilten sie sich nicht nur zum Teil die Stücke untereinander auf, sondern traten im Film auch physisch ohne viel Interaktion segmentiert auf. Ihre Schuh-EP bestand aus Solostücken und bei Transverse Temporal Gyrus darf man sogar mitansehen und selbst Hand anlegen, wie die seltsame Alchemie aus vier Einzelinputs gemischt wird.

So scheint es eine gefühlte Ewigkeit seit dem letzten Mal, wenn in Honeycomb die Vocals von Lennox und Tare nun wieder vereint erklingen. Zwar steht letzterer sowohl dort wie auch auf der B-Seite der neuen Single, Gotham, stimmlich im Vordergrund, aber der holprigen Perkussionsdynamik und dem darin eingebetteten verquarzten Soundgebilde entspringt noch stärker der Eindruck einer Gruppe, die wieder Spaß am kollektiven Verschmelzen gefunden hat.

[Stream] Animal Collective - Honeycomb
[Stream] Animal Collective - Gotham

Stream: Guillemots - Hello Land!

In ihrer frühen Schaffenszeit verströmten Guillemots den Eindruck einer endlosen Kreationslust, als wäre der Akt der Aufnahme, Produktion und Veröffentlichung das einzige, was sie davon abhielte, ohne Unterlass neue Werke zwischen Pop und Experiment in die Welt zu setzen. Offenbar lassen sie nun eben jener Lust freien Lauf und planen, dieses Jahr vier komplette Alben zu veröffentlichen - eines pro Jahreszeit. Seit Montag ist das erste davon erhältlich, vorher reingehört werden kann in Hello Land! nun auch:

[Stream] Guillemots - Hello Land!