Listen up

Prudence Rees-Lee - Court Music From The Planet Of Love

Ich würde mich ja gerne etwas mehr mit aktueller Gitarrenmusik von Savages, Deerhunter oder Mikal Cronin beschäftigen, aber momentan hält mich Prudence Rees-Lee partout davon ab. Irgendwo gibt's auf ihrem Album auch mal ne GItarre zu hören, jedoch bedeutend weniger als das Cembalo, das ihrem Folk-Pop den besonders barocken Touch verleiht. Mit gelegentlich angeproggtem Schlagzeug und moderner polierten Synthesizern kommt Court Music From The Planet Of Love weniger 60s-verhaftet als wie pure Märchenwaldmusik daher, Rees-Lees verhauchter Gesang komplementiert bestens die etwas dicker aufgetragenen, aber bemessen produzierten Arrangements zu Melodien, die schnurstracks ins Traumland tragen.

[Stream] Prudence Rees-Lee - Court Music From The Planet Of Love

Secret Circuit - Tactile Galactics

Immer lustig, wenn auch als Koinzidenz relativ nichtssagend, wie einem ein musikalischer Mikrokosmos auf einmal in mehreren Facetten mehrfach begegnen kann. Unlängst verkündete die Shoegaze-Band Medicine noch ihre Reunion, als mir beim Discogs-durchgucken auffiel, dass der Produzent des Paramore-Albums ehemaliger Bassist der Band ist. Ein anderer Ex-Medicine-ler ist wiederum Eddie Ruscha und als Secret Circuit mittlerweile in anderen Gefilden unterwegs, sein Freitag erscheinendes Tactile Galactics ist spaciger Balearic mit ein wenig mehr House-Tiefe als geheimhin üblich, zugleich aber auch einem feinen Gespür für traumhafte Schimmermelodien.

[Stream] Secret Circuit - Tactile Galactics

Young Galaxy - Ultramarine

Nachdem es in Interviews zu Shapeshifting durchklang, als habe es bei der Entstehung gewisse Konflikte gegeben, hatte ich schon Sorge, Young Galaxy könnten ihre Kollaboration mit Dan Lissvik beenden. Doch im Gegenteil scheint die Symbiose mit dem am 03.05. erscheinenden Ultramarine noch intensiviert worden zu sein, scheint vor allem das Kanada-Kontingent besser zu wissen, womit der Studio-Schwede Wunder wirken kann und was man besser nicht über den Atlantik schickt. Wenn das subtile Sommer-Goldstück beim Hören noch weiter wächst, würde ich sogar sagen, dass es sich hierbei um die beste Post-West Coast-Veröffentlichung überhaupt handeln könnte.

[Stream] Young Galaxy - Ultramarine
[Spotify] Young Galaxy - Ultramarine
[Deezer] Young Galaxy - Ultramarine

Cülo - My Life Sucks And I Could Care Less

Cülo machen die Art von Hardcore, die man auch Punk nennen kann ohne gleich kennermäßig einen übergezogen zu bekommen. Nicht aus metallenem Gebretter oder aufgedunsener Produktion, sondern aus dem Volumen eines Gitarrenduos und eines ruckvollen Schlagzeugers zieht das Quartett seine Dynamik, in die es mühelos mehr als ein Dutzend heftige, eingängige und obendrein noch abwechslungsreiche Songs zu betten schafft. Immer dann, wenn ich glaube, kein derartiges Album mehr zu finden das mich haltlos mitreißt, kommt eins wie dieses ...

[Stream] Cülo - My Life Sucks And I Could Care Less

Solar Bears - Supermigration

Während ich grundsätzlich eher skeptisch bin, wann immer die Menschen hinter bislang instrumentaler Musik auf einmal zu singen gedenken, ist ein Upgrade von Samples oder wie im Falle von Solar Bears robotisierten Vocoder-Vocals auf bereits anderswo etablierte SängerInnen meist zu begrüßen. Doch nachdem schon ihr Debütalbum so abwechslungsreich war, scheint sich das mit Supermigration ähnlich zu verhalten, so wird dies denn auch kaum das Hauptmerkmal des nächste Woche erscheinenden Zweitwerks des krautig-psychedelischen Duos sein.

[Stream] Solar Bears - Supermigration

Stream: Merchandise - Totale Nite

Mal wieder so eine LP, wo man ja beim Befragen von Band und Label unterschiedliche Antworten bekommt, ob dies nun ein Album oder eine EP ist. Doch Totale Nite taugt irgendwie zu beidem, von tatsächlicher wie gefühlter Länge her erstrecken sich Merchandises fünf neue Stücke auch deswegen so signifikant, weil sie einen immer mal wieder eine Zeit im Unklaren hängen lassen, bis sich dann auf einmal eine große Melodie um die Ecke schleicht.

[Stream] Merchandise - Totale Nite

Stream: Paramore - Paramore

Ein modernes Rock-Album mit dem Produzenten der letzten M83, das an unterschiedlichen Stellen nach Los Campesinos!, Thursday oder Blood Red Shoes, Foals, Michael Jackson und Yeah Yeahs Yeahs klingt und von Ukulele-Zwischenspielen segmentiert wird - das liest sich wie ein Desaster und hätte höchstwahrscheinlich auch eines werden können. Doch irgendwie ist das Paramore mit ihrem ersten Album nach dem großen Bandumwurf nicht passiert, vor allem dank Songs, die auf ihre exzellenten Melodien zugeschnitten sind, ohne sie über Schnickschnack aus den Augen zu verlieren.

[Stream] Paramore - Paramore
[Spotiy] Paramore - Paramore
[Deezer] Paramore - Paramore

Stream: The Knife - Shaking The Habitual

Eigentlich sollte man dieses Album erst einmal hören, bevor man irgendwas drüber liest. Und es so einige Male anhören, bevor man anfängt, sich eine eigene Meinung zu bilden. Denn der Titel ist programmatisch: Shaking The Habitual will Hörgewohnheiten ins Wanken bringen, vor den Kopf stoßen, wenn ein 20-minütiger Drone auf eine Krach-Miniatur folgt, der ein industrial-durchpfechter, romantischer Popsong vorhergeht. Überhaupt ist das Album derart facettenreich, dass man locker ein Dutzend Rezensionen drüber schreiben könnte, die alle völlig unterschiedliche Sichtweisen dazu einnehmen und es auf verschiedenen Ebenen behandeln. Leichter zu hören macht es das gewiss nicht, aber ich glaube, das Annehmen dieser Herausforderung wird sich am Ende für mich zumindest gelohnt haben.

[Stream] The Knife - Shaking The Habitual

Stream: Milk Music - Cruise Your Illusion

Was für ein Unterschied von einer Platte zur nächsten: Beyond Living brachten Milk Music vor zwei Jahren auf dem kleinen Label Perennial heraus, so dass es nur als Import erhältlich war - das machte es umso schwieriger, an ein Exemplar zu gelangen, sobald sich herumsprach, wie außerordentlich gut die Debüt-EP der SST-Verehrer war. Ihr erstes "richtiges" Album erscheint nun beim altehrwürdigen, nicht gerade kleinen Label Fat Possum und ... ist erneut nur via Import zu bekommen, weil sich dafür wohl kein Vertrieb hierzulande gefunden hat. Immerhin reinhören kann man schon mal etwas leichter.

[Stream] Milk Music - Cruise Your Illusion

Stream: Vondelpark - Seabed

Dieses Album mag verschiedenen Leuten unterschiedliche Attraktoren bieten. Ein zeitgemäßes Klanggebilde ist es wohl, mit bedachtvoll konstruierten Perkussion-Melodie-Dynamiken, voluminös maßvollen, weichen Soundkompressionen und ultraschlaffen, entrückten Vocals, die irgendwie vage irgendwas seufzen. Vor allem aber eben - für mich - ist Vondelparks Debüt herrlich leichtfüßiger, entspulter Softrock-Chillout oder zumindest etwas, das diese Vibe verströmt und zur gänzlich arbeitsfreien Fahrt auf einem futuristischen Rollband einer sonnenbestrahlten Küste entlang einlädt.

[Stream] Vondelpark - Seabed