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Chauchat - Trails

Dieses Internet! Da fragte ich mich letztens "Was macht eigentlich Chauchat, diese unergründlich sonderartige Band, deren Appeal zu vermitteln mir immer eine halbe Hand voll Finger verkrampft hat?", wie es etwa alle dreiviertel Jahre mal passiert. Eine Antwort darauf hatte ich zuletzt keine mehr gefunden, es schien so, als würde sie eben nichts mehr machen, de fakto stillgelegt sein. Doch diesmal war gerade ein Facebook-Post ihres Labels online gegangen, der den Aufbau eines Bandcamp-Profils ankündigte. Und siehe da, einige Einträge vorher ließen sich auch noch vage Andeutungen in Richtung Chauchat finden. Und siehe da, nachdem ich das Bandcamp per Knopfdruck - sicherlich das größte Musik-Feature des Jahres - unter automatische Beobachtung gestellt hatte, trudelte denn auch just die Benachrichtigung über ein neues Chauchat-Album in meine Mailbox.

Und, wie ist es nun? Gut? Ich weiß es nicht, wie eigentlich immer bei Chauchat. Und, wie eigentlich immer bei Chauchat, ist die Antwort auf diese Frage nicht so wichtig wie bei einer normalen Band. Wichtig ist, dass man dieser Musik lauschen kann.

[Stream] Chauchat - Trails

Jagwar Ma - Howlin

Vielleicht wegen der wolkigen Vocals kommt es mir mitunter so vor, als würden sich Jagwar Ma und die Chemical Brothers einem ähnlichen Klangeffekt aus unterschiedlichen Richtungen und mit unterschiedlichen Mitteln nähern. Die Australier mögen rockinstrument-basiert sein, mit einer (Gott sei Dank nicht 08/15-Indietronic-)elektronisch scharfen Produktion und Detailarbeit hat ihre Herangehensweise aber auch etwas ausgesprochen softes und rundes, das ihr Debütalbum sowohl in poppigeren Strukturen als auch deren freilaufender Auflösung auf angenehm unbärtige Art psych-vibend gestaltet.

[Stream] Jagwar Ma - Howlin

Quadron - Avalanche

Es riecht schwer nach Label-Intervention, wenn in Better Off plötzlich Kendrick Lamar auftaucht, doch bleibt dessen angemessen dezenter Rap das einzige Indiz dafür, dass Quadron mit ihrem zweiten Album zum Major aufgestiegen sind. Naja, vielleicht noch der Umstand, dass Avalanche seit heute zum Download erhältlich ist, eine CD/LP-Verfügbarkeit hierzulande aber noch in den Sternen steht. Die herrlich sanftpolierte Produktion ist aber so unangetastet geblieben wie Coco O.s Vocals, beide zeigen sich ein wenig belebter und freiluftiger als Robin Hannibals anderes beseeltes Projekt Rhye, das diesem eigentlich etwas besseren Duo vielleicht nun auch etwas mehr Aufmerksamkeit widerfahren lässt.

[Stream] Quadron - Avalanche
[Spotify] Quadron - Avalanche

Vampire Weekend - Modern Vampires Of The City

Im Prinzip ist das ja kein Problem, wenn eine Band ihr Album erst selbst streamt und dann eine Weile von Spotify fernhält, nur war dummerweise die ohnehin etwas umständliche iTunes-Aktion nicht von Deutschland aus zugänglich (und bis jetzt afaik alternativlos, zumindest auf legaler Seite). Doch Vampire Weekend sind mit Modern Vampires Of The City wohl eine der wenigen Bands geworden, denen ich auch ungehört vertrauen kann: Wenn sie die schlanken Gitarren fallenlassen und deren Verzerrung ebenso wie die Drum-Kompression ordentlich hochfahren, kommt das nicht nur ihrem einmal mehr überragenden Songwriting zugute, sondern reizt auch millimeterpräzise den Raum der erträglichen Lautheit aus. Selbst was beim ersten Hören ein potentielles Desaster suggeriert, wie das Chipmunk-Trällern in Ya Hey oder eine twistige Rock'n'Roll-Nummer (Diane Young) inklusive "Baby, Baby", beweist auf die Dauer nicht nur beständige, sondern wie schon der Ultragrower Contra wachsende Qualitäten.

[Spotify] Vampire Weekend - Modern Vampires Of The City

Deafheaven - Sunbather

Die etwas selteneren EInträge hier rühren jetzt nicht daher,, dass mir mir die Lust am Schreiben verginge. Vielmehr gibt's in letzter Zeit sehr häufig Sachen, die erst mit einiger Verzögerung (oder nur zu kurz) online hörbar werden - und das Privileg der Nachvollziehbarkeit möchte ich mir doch für diese kleine Seite beibehalten, reinen Text mache ich ja schon anderswo genug. Hier bin ich mir aber schon von den zwei vorab hörbaren Songs sicher, dass mir dieses Album enorm gefallen wird: Wie die blackmetallisch-schrottig gesangsabgemischte Ausgabe von Envy kommt das am 21.06. erscheinende (aber nur für eine Woche streambare) neue Album von Deafheaven daher, ein glorreiches Power-Metalgaze-Panorama in Songlänge wie auch Soundbreite.

[Stream] Deafheaven - Sunbather

Paisley Parks - Бh○§†

Wenn das frustrierend zerfahrene neue Werk von Young Smoke kein Gegenbeispiel abgäbe, hätte ich bald glauben können, dass Footwork-Alben ab mehr als 20 Tracks automatisch großartig werden. Eine Weile braucht es sicher, bis man trotz ihrer Kürze die 25 Stücke der Japaner (oder nur dort lebenden?) Paisley Parks alle absorbiert hat, doch wie bei Rashads letztjährigem Meisterstück will sich hier über eine Stunde partout kein Qualitätsabfall einstellen. Vor allem die Dichte und Intensität von Бh○§† beeindruckt, das sich schon deutlich von seinen amerikanischen Verwandten absetzt, ohne eine verwässerte oder bro-freundlichere Versimpelung zu sein. Nahezu jedes Stück nimmt mindestens eine anfangs unvorhersehbare Wendung und Verkomplexierung und wird dadurch so langanhaltend fesselnd, dass ich für den Download gerne so viel hingeblättert habe wie sonst nur für physische Alben.

[Stream] Paisley Parks - Бh○§†

Banque Allemande - Willst Du Chinese Sein Musst Du Die Ekligen Sachen Essen

Darauf sollte noch hingewiesen werden: Immer noch eins meiner Lieblingsalben des Jahres, unter allen deutschsprachigen sowieso aber auch überhaupt, ist mittlerweile über punkig gutsortierte Mailorder hierzulande zu bekommen. Und auch komplett vorab online zu hören, was gerade bei einem derart durch seine Langstreckenqualitäten brillierenden Werk nur empfohlen werden kann.

[Stream] Banque Allemande - Willst Du Chinese Sein Musst Du Die Ekligen Sachen Essen

RP Boo - Legacy

Gleich mehrere Ausnahme-Footworker schicken sich an, erstmals hochoffizielle Alben jenseits von Mixtapes und Bandcamp-Geheimtipps in die Welt zu setzen. Vielleicht sogar die größte Überraschung ist dabei der in letzter Zeit vergleichsweise stille RP Boo, der als Begründer des Genres nun vielleicht umso mehr Ohren auf sich ziehen wird. Ob Legacy als Ganzes so gut funktioniert wie die Großtaten des letzten Jahres, weiß ich noch nicht, eine Komplexitätslasse für sich sind die bemerkenswert kunstvollen Tracks aber allemal.

[Stream] RP Boo - Legacy

Eluvium - Nightmare Ending

Doppelalben sind im Feld der Ambient/Drone/Modern Classic keine Seltenheit, schon eher aber, wenn sie nicht bloß ein halbes Dutzend schweinisch lange Stücke beinhalten. Eluvium geht auf dem nächste Woche erscheinenden Nightmare Ending in die Vollen, und das mit dem erhabenen Ambient, der ihm am besten liegt. Ignoriert man die (auch formidable) Rauschorgie Static Nocturne und das weniger gelungene songhafte Similes, liegt Matthew Robert Coopers letztes "typisches" Eluvium-Album locker 6 Jahre zurück - umso wichtiger, dass man sich an Nightmare Ending nicht so schnell satthören können wird.

[Stream] Eluvium - Nightmare Ending

Classixx - Hanging Gardens

Jetzt weiß ich wieder, warum ich mich hier nur noch auf einzelne Songs oder Alben fokussiere. Da hat man einmal eine Band mit so vielen guten Songs, dass man sie sich rauspickt, schon gibt's ein paar Tage später deren gesamtes Album zu hören und man darf sich überlegen, was man nun Neues dazu schreiben soll. Im Falle von Classixx ist das aber kein Problem, denn Hanging Gardens mag sich komfortabel als Disco-/Synthpop etikettieren lassen, ist aber in seiner Herangehensweise derart facettenreich, dass ich immer wieder an unterschiedliche Songs und Sounds der letzten 15 Jahre erinnert werde, ohne dass die Musik diesen tatsächlich nachempfunden wäre. Einfach ein sagenhaft treffsicheres Sommerpop-Album.

[Stream] Classixx - Hanging Gardens