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Stream: British Sea Power - Machineries Of Joy

British Sea Power sind gewiss nicht die einzige Band, die sich zuletzt der häufigen Veröffentlichung verschrieb, doch anders als z.B. Parenthetical Girls und Los Campesinos! schafften sie es, bequem sechs EPs in weniger als einem Jahr rauszubringen. Wer nicht hardcore Fan ist, kam da nur schwer mit, doch dienten die zweieinhalb Stunden Musik unter anderem eben auch als Rohmaterial fürs neue Album Machineries Of Joy, das mit 43 Minuten Spiellänge nicht nur für angesichts dieser ursprünglichen Songmasse, sondern auch für BSPs Verhältnisse überraschend kompakt ausgefallen ist.

[Stream] British Sea Power - Machineries Of Joy

Stream: Dick Diver - Calendar Days / Camperdown & Out - Couldn't Be Better

Es ist eigentlich ganz einfach: Wenn darin über schlechtes Wetter gesungen wird, ist es gute australische Musik. Melbournes Dick Diver (Hauptband von Boomgates' Steph Hughes und produziert von Mikey Young, quelle surprise) treiben das in ihrem zweiten Album grenzparodistisch auf die Spitze, indem sie sogar Regenfall sampeln - an der Schönheit ihres Downer-Jangles ändert das aber nichts. Durchgängig ein Stück flotter halten Camperdown & Out, wenn auch nicht so furios wie die Band ihres Bassisten Royal Headache oder so versägt wie deren anderes Nebenprojekt Bed Wettin' Bad Boys - bloß leichtfüßiger Jangle-Pop in grenzperfekt imperfektem Sound, in dem mir allerdings noch kein Schlechtwetter aufgefallen ist.

[Spotify] Dick Diver - Calendar Days
[Stream] Camperdown & Out - Down & Out

Stream: The Suicide Of Western Culture - Hope Only Brings Pain

Ein wenig Befangenheit werde ich bei diesem Album nicht abstreifen können. Zu unauslöschlich ist mir das Bild eingebrannt, das sich bot, als The Suicide Of Western Culture live in einer simultanen Noisepop- und Kunstnebel-Attacke mehrere Unvorbereitete im Publikum die Flucht ergreifen ließen und mit ihren überzogenen Kapuzen wie sonische Terroristen wirkten. Wer das zweite Album von Fuck Buttons als poppig empfinden konnte, wird aber von Hope Only Brings Pain kaum terrorisiert werden, dessen Stücke nicht selten wie knappere Versionen davon mit einer Prise M83 wirken.

[Stream] The Suicide Of Western Culture - Hope Only Brings Pain

Stream: And So I Watch You From Afar - All Hail Bright Futures

Lustig, wie unterschiedliche Vorabeindrücke die Meinung in einen anderen Rahmen versetzen. And So I Watch You From Afar hatte ich bislang in Richtung überdurchschnittlich eklektischeren "Postrock"s (i.S.v. cineastisch getragener Instrumentalrock) verortet - umso erfreulicher die Überraschung, als sich ihr Freitag erscheinendes All Hail Bright Futures als catchig-kunterbuntes Powergegniedel à la Marnie Stern oder Dananananaykroyd entpuppte. Wohingegen ich nun schon mehr als eine Rezension gelesen habe, die über die Hinwendung zu so plumpem Effektgeboller enttäuscht war - gutmöglich, dass dies die Art Platte ist, mit der man Alt-Fans vergrault, aber da ich mich keineswegs dazu zählen kann soll's mein Schaden nicht sein.

[Stream] And So I Watch You From Afar - All Hail Bright Futures

Stream: Bilal - A Love Surreal

Irgendwie passiert's nur noch selten, dass ich nicht schon früh sagen kann, ob mir ein Album gefallen könnte. Meistens weiß ich's sofort oder kann's anhand der Art der Musik, vielleicht auch nur anhand eines einzelnen Stückes erahnen, doch bei A Love Surreal war es wirklich eine Weile schwer. Wahrscheinlich deswegen, weil es anfangs konventioneller wirkt als es ist, schräger wird, je weiter man ins Innere vordringt, doch auch hier Eigenheit nicht auf eine plump demonstrative Art raushängen lässt. Und dann wiederum kam ich auch allmählich dazu, die Stücke an Anfang und Ende nachfühlen zu können - doch sagen, warum mich das Album nicht nur fasziniert, sondern mir so gefällt? Immer noch schwer.

[Deezer] Bilal - A Love Surreal
[Spotify] Bilal - A Love Surreal

Stream: Parenthetical Girls - Privilege

Safe As Houses ist so eines dieser Alben, die ich sofort als ungewürdigte Meisterwerke des letzten Jahrzehnts anführe. Das legt natürlich die Erwartungen hoch an alles, was Parenthetical Girls danach folgen ließen, doch was ich bislang von den fünf Privilege-EPs gehört hab, machte einiges an Hoffnung, dass das nächste Woche erscheinende Album mit den Highlights davon wieder richtig was werden könnte.

[Stream] Parenthetical Girls - Privilege

Stream: Marnie Stern - The Chronicles Of Marnia

Zuletzt war es eher die Gewichtung der Trommelwirbel in Richtung HipHop (und damit wohl ein Vorspiel für Zach Hills Übergang zu Death Grips), die einen merklichen Unterschied bewirkte, Marnie Stern selbst schien mit ihrer bisherigen Schiene an einem Punkt angelangt, wo sie sich in Zukunft noch hätte wiederholen können. Erfreulicherweise ist so ein neuer Drummer nicht die größte Veränderung auf dem nächste Woche erscheinenden The Chronicles Of Marnia, Sterns ganze Herangehensweise wirkt instrospektiver und stärker auf Texturen statt Leadriffs ausgerichtet, erinnert in ihrer Komposition und Struktur oft sogar ein Stück an Zappelbeat-Elektronik der Gegenwart - ob sich da wohl mal wer an ein Cover wagt?

[Stream] Marnie Stern - The Chronicles Of Marnia

Stream: The Mary Onettes - Hit The Waves

Die Zeiten, da man sich ziemlich genau den Sound einer Labrador-Veröffentlichung im Voraus ausmalen konnte, sind vorbei. Dabei hat das schwedische Indiepop-Label nicht mal so sehr seine Bands umgestellt, als dass jene sich teilweise vom typischen Labrador-Sound wegbewegt haben. Bislang wohl keine so sehr wie The Mary Onettes, die nach Jahren des C86-Typismus keinen Geringeren als Dan Lissvik für die Sound-Remodellierung verpflichteten. Ob das Ergebnis ähnlich radikal (und erfolgreich) wie bei den kanadischen Young Galaxy ausgefallen ist, wird das nächste Woche erscheinende Hit The Waves zeigen.

[Stream] The Mary Onettes - Hit The Waves

Stream: Rhye - Woman

Balearic, The xx, Kaputt, Sade-Referenzen allerortens, Jessie Ware ... Ein wenig fühlt es sich an, als wären die letzten Jahre ein einziges Vorspiel für genau dieses Album gewesen. Aus Händen von Quadron-Produzent Robin Hannibal wohlgeformt, gefällt sich Woman zwischen Ultrasoft(rock)-Disco und Quiet-Storm-seidenglattem R&B, in seiner Dezentheit wohl für manche ebenso geschmackvoll wie für andere in seinen Soundreferenzen geschmacklos. Ich bin irgendwie an einem Punkt, wo ich weder das eine noch das andere Adjektiv nachvollziehen kann, doch was ich völlig mitfühle, ist das wahnsinnig konsistenz gute Songwriting dieses Albums in Gesang wie Komposition, zwischen denen Fühlraum gelassen wird, ohne dass dabei eine emotionale Distanzwirkung eintritt. Auch nach dem zehnten Hören wird's mit jedem Mal besser.

[Spotify] Rhye - Woman
[Deezer] Rhye - Woman

Stream: Doldrums - Lesser Evil / Blue Hawaii - Untogether

Montrealer Doppel: Während Doldrums mit Lesser Evils Noise-Pop zwischen Fuck Buttons und Animal Collective lieber auf zuviel als zuwenig setzt, üben sich seine Nachbarn Blue Hawaii eher in europäisch-techno-angehauchter Klarheit mit Stimm-Instrumentalisierung à la Julianna Barwick (oder dem, was die Sängerin bei ihrer Zweitband Braids macht). In beiden Fällen gelingt der Pop-Entwurf sehr eigen, wobei mir bei letzteren bislang noch nicht ganz klar ist, ob sie ebenso konsistent gute Songs haben.

[Stream] Doldrums - Lesser Evil
[Stream] Blue Hawaii - Untogether