Interessantes

R.I.P. Stylus

Yes, it’s true. Stylus will no longer be publishing after October 31.
Ah shit, doch noch ein Gerücht das sich diese Woche als wahr erwiesen hat. Stylus Magazine, nicht nur der Rezensionen (zuletzt Höchstnoten für die Furnaces und Sunset Rubdown, whoop whoop) sondern vor allem der vielen umfangreichen Artikel die den Autoren Platz zum Entfalten ihrer Gedanken geben wegen in letzter Zeit meine liebste Musikpublikation, macht dicht.

Viele der Autoren haben bereits in den letzten Wochen ihre Aktivitäten auf andere Seiten verlegt, ob die aber nun auf einmal bereit sind in diesem Umfang Texte zu veröffentlichen die nicht nur oberflächlich auf die neuesten Szenen und Hypes schielen wie die über Humor im Indierock, Hintergründe zur und Kritik der Überkomprimierung, Die Geschichte der Flexidisc oder Reviews der ersten 50 Sarah- und Creation-Singles? Selbst wenn, einer der verhältnismäßig wenigen Orte an dem die Musik (im Gegensatz zum Business-Aspekt) im Vordergrund interessanter Diskussionen, Analysen und Essays stand wird nun höchstens noch als Archiv erhalten bleiben. Ein schwarzer Samstag.

Radiohead vs. Bittorrent: 2:1

Wenn Radiohead mit ihrem Experiment nun zeigen wollten dass man Musik auch direkt an den Mann bringen kann solange man den Mann den Preis selber bestimmen lässt, so ist das Experiment nach diesem Artikel nicht ganz gelungen. Danach wurde In Rainbows in den ersten paar Tagen allein über Bittorrent fast halb so oft heruntergeladen wie Radiohead es über ihre eigene Webseite absetzen konnten.
Nun ist Bittorrent zwar das meistgenutzte P2P-Netzwerk aber bei weitem nicht das einzige, außerdem sind noch so einige Zehn- oder wahrscheinlich Hunderttausend Kopien über Filehoster wie Rapidshare rundgekommen (allein in den ersten paar Stunden nach dem Albumrelease hatte ich gut zwei Dutzend solcher Links in Googles Blogsuche ausgemacht), weswegen die tatsächliche Zahl von Downloads abseits der offiziellen Quelle noch weitaus höher ist. Dürfte interessant werden die Entwicklung über die nächsten Wochen zu beobachten, auch stehen ja noch die Veröffentlichung des "Fanpakets" und der Ladenversion an.

Wie bringt man meine Synapsen zum Durchbrennen?

So:

Pitchfork: If you could pick one songwriter you could collaborate with that you haven't already, who would it be?

SK: Oh, I dunno. Crazy question. I don't want to just yell something off the top of my head...

Pitchfork: Well, in the attainable world, someone you might cross paths with.

SK: You know, I don't even know his name, and I don't even know if he's still doing stuff, but the band Neutral Milk Hotel?

Außerdem erzählt Spencer Krug im Pitchfork-Interview u.a. dass Anfang des nächsten Jahres ein zweites Swan-Lake in Arbeit steht. Verständlich, abgesehen davon dass diesen Freitag das neue von Sunset Rubdown und hoffentlich bald auch das zweite von Wolf Parade erscheint und vom Touren mit beiden Bands hat der Mann ja üüüüberhaupt nichts zu tun!

Blueberry Book

Ja was ist denn hier los, steigen jetzt alle ins Buchgeschäft ein? Erst das kanadische Kollektiv, nun das geniale Geschwisterpaar: Auf ihrer neuen Webseite kündigen The Fiery Furnaces eine illustrierte Buchausgabe ihres wohl bekanntesten Albums an:

The Fiery Furnaces have a new pamphlet or book nearly ready. It is a version of their album Blueberry Boat and features the lyrics, much improved and translated into many ‘languages’. More importantly, it has, instead of the ‘music’, illustrations by Mike Reddy. A biography of Mike Reddy is forthcoming for this site. The band will be selling a version of the book at shows starting on the 9th of October. It will be available for purchase via the internet very soon after. Details (also) forthcoming.
Super, damit dürfte das auch rechtzeitig für die Novembertour fertig sein. Auf der inoffiziellen Furnaces-Fanseite gibt es unterdessen jeden Tag bis zur Albumveröffentlichung (in den USA morgen) ein sehr schönes Livevideo zu sehen, und auch wenn man etwas Geduld haben muss bis die lahmen Imeem-Videos fertig geladen haben lohnt sich das Warten allein schon für die fetzigen Basssoli von Jason Loewenstein. Bisher sind Restorative Beer, Ex-Guru und Evergreen online, heute Abend kommt dann das vierte - und morgen die 9.3?

Hype(r)d(ub)



Auf dem Hyperdub-Blog gibt es nun so ziemlich alles was man braucht um massiv aufs zweite Album von Burial gespannt zu sein. Das obige Cover, eine Trackliste mit Titeln wie In McDonalds und Raver (Stairwell, von dessen perkussivem Wahnsinn man schon vorab Fragmente im Netz finden konnte, überraschte zunächst durch Abwesenheit und wird wie sich nun herausstellt nächstes Jahr separat veröffentlicht) die schon so hätten vermuten lassen dass dies kein Wiederaufguss des letztjährigen Großwerks wird, und ein längeres Interview mit Hyperdub-Chef und D-Theoretiker Kode9. Einen Sequencer hat Burial demnach wieder nicht benutzt, dafür mehr Vocals, er bleibt weiterhin anonym und unabgelichtet und meint zum Klang von Untrue:

This one is a bit more buzzin', glowy. It's a bit more uplifting. It doesn't hang around. It's a bit more up. The tunes were made quite fast in the middle of the night and they had to fight for their right to exist. but they came out of nowhere. Its a bit like an unwanted pregnancy, i wasn't always in a good place, but most of the tunes had to be faith restoring somehow to me, but they still take a while to get into.

Just Another Victim Of The Loudness War

Wow, nachdem dort mit den Alben von Electrelane und 65daysofstatic bereits zwei der bestklingenden Alben dieses Jahr groß gelobt wurden hatte ich ja schon den Verdacht dass bei Stylus auch Wert auf gute Produktion/Mastering gelegt wird. Und nun hat das Album von iLIKETRAINS auch eine explizite Abwertung bekommen für die dort unangemessene Überkomprimierung. Sogar mit einem Screenshot eines Audioprogramms das einen Auszug graphisch darstellt, finde ich einen lustigen Zufall da ich dieselbe Thematik noch vor Kurzem selber mit viel Gefuchtel zu erklären versuchte. Wer nicht weiß worum es geht und warum Platten die dem Hörer die Wahl zwischen Laut und Leise hören unmöglich machen oft ziemlich scheiße sind dem empfehle ich den ebenfalls auf Stylus zu findenden exzellenten Artikel Imperfect Sound Forever, oder eine ganz einfache Demonstration des Problems:

Form A Band! You Form A Band!

Bei last.fm hat man offenbar noch nicht genug neue Titel in der ewig wachsenden Datenbank katalogisiert und nun eine Kampagne gestartet die Ermutigung und Tipps zur Bandgründung geben sollen. Ohne große Überraschung auch mit einem Manifest, aber die konkreteren Einträge auf dem Blog sehen überaus vernünftig aus, insbesondere Go DIY für den Lucky Soul mal zeigen wie weit man mit eigenem Einsatz kommen kann (und auch wo es sinnvoll ist anderen die Arbeit zu überlassen, wie Clap Your Hands Say Yeah haben sie für PR auf Profis zurückgegriffen).

Broken Social Book

Na das dürfte ein Muss für jeden Freund kanadischer Musik werden:

This Book is Broken, to be published next fall by Anansi Press, will be penned by Kevin Drew, Jason Collett, Brendan Canning and other members of Broken Social Scene, along with Eye magazine senior editor Stuart Berman. The sprawling story of the band's history will include Feist, Amy Millan, Metric, DFA 1979, Peaches, Gonzales, Do Make Say Think and other side projects and offshoots.
Ich freue mich auch schon mal auf die Sequels This Book Is Godspeed, This Book Is Pornographer und This Book Is Parade.

Fallstep

Uuh der Herbst sieht ja vielversprechend aus, gleich 4 heiß erwartete Dubstepalben schicken sich nun an den Sommer zu begraben. Da wäre zunächst mal das immer wieder verschobene Beg To Differ von Plastician das nun hoffentlich im Oktober endlich erscheint, aber wir werden's wohl erst dann ganz sicher wissen wenn es in den Läden auftaucht.

Weitaus sicherer ist das Erscheinen von Boxcutters Zweitwerk Glyphic am 08.10., die Samples auf der Planet µ-Seite versprechen da viel Variation von Aphex-Twin-Metallkratzen bis zu süßen Melodien. Einseitig dürfte auch Pinchs Debütalbum kaum werden, wie man im (gerade wieder mal von seiner Popularität in die Knie gezwungenen) Dubstepforum lesen konnte wird Underwater Dancehall am 02.11. als Doppel-CD erscheinen wobei die zweite CD eine Instrumentalversion des Albums enthält.

Aber damit noch nicht genug, denn die Nachricht die vermutlich das Dubstepforum gesprengt hat ist raus: Burials zweite wird noch dieses Jahr erscheinen, im UK zumindest am 9. November und hier sicher nicht lange danach. Alles was man vorab an irren Beats und Rhythmen angeteasert hörte versprach Sensationelles und die Position für mein höchsterwartetes Album in diesem Jahr muss ich wohl nun mit Untrue neu besetzen.

Samstagmorgenkaffeelektüre

Während bei der c/o pop angenehmerweise die Musikveranstaltungen im Vordergrund standen finden auf der Popkomm wenn man sich das Medienecho so anschaut massig Geschäftemachereien und Diskussionen statt, die Zeit hat zur Zeit einiges an Berichten dazu. Unter anderem diesen über die deutsche Musikpresse der mir sofort wieder klar macht warum ich kaum die deutsche Musikpresse mitverfolge:

Den Online-Journalismus betrachtet er als „Häppchenkultur“. „Die Leute wollen von einem Monatstitel satt werden, daher muss man im Print anders – detaillierter – schreiben als online.“
Die Taz hat ein "Manifest eines Rappers" (Textor von Kinderzimmer Productions) der die Finanzsituation der Musikschaffenden mal sehr unrosig betrachtet (und meinen Eindruck untermauert dass auch Konzerte kaum einem in Zukunft das nächste Album allein finanzieren werden):

Das Live-Spielen bringt nur dann Geld, wenn man bekannt genug ist, um mehr als 200 Leute am Abend zu ziehen. Dafür muss man Promotion machen, die kostet Geld - wo soll das herkommen? Und die Gagen für unbekanntere Bands sind in den letzten Jahren schlechter geworden, nicht besser. Man ist als Musiker entweder arm oder reich, das Dazwischen ist viel seltener als noch vor zehn Jahren.
Mal was ganz anderes: Auf Stylus beschäftigt sich Matthew Ingram aka Woebot mit Bandlogos von ABBA bis Young Gods, und der A.V. Club blickt fast 10 Jahre in die Vergangenheit auf ein goldenes Zeitalter für aufregende Hardcorealben:

Between 1998 and 1999, a torrent of utterly rad records started pouring into the local record shop and into my heart. The Shape Of Punk To Come by Refused. Jerusalem by Sleep. Calculating Infinity by Dillinger Escape Plan. The Fine Art Of Original Sin by Ink & Dagger. The Opposite Of December by Poison The Well. American Nervoso by Botch. Choke by Kiss It Goodbye. The first two Isis EPs, Mosquito Control and The Red Sea. Self-titled debuts by The Locust and Queens Of The Stone Age. The list goes on and on.