Interessantes

Digital Ist Profitabler

Nicht für mich, aber für manches Independent-Label. Auf Stylus gibt's den hochinteressanten Artikel Brave New World: The Indies Go Digital der davon berichtet wie sich viele Indielabels auf das Onlinezeitalter umgestellt haben, da seit diesem Jahr selbst so eigenwillige Institutionen wie Constellation und Touch & Go mit dabei sind dürfte das Eis endgültig gebrochen sein, und dafür war es wohl auch höchste Zeit.

“Right now, I feel safe in saying that the checks coming in from digital distribution each month are equaling if not surpassing our physical sales,” Kentner said. “Without digital distribution, I’m not sure releasing music would be feasible.”
Hervorgehoben wird deswegen in dem Artikel die nun präsente Vielfalt an Vertriebsmöglichkeiten, vom Marktführer iTunes über den Indieriesen eMusic bis hin zum labeleigenen Onlineshop. So hab ich hier auch zum ersten Mal von Fina gehört der von Thrill Jockey ins Leben gerufen wurde aber mittlerweile zahlreiche andere Labels aus der ganzen Welt mit an Bord hat, u.a. Fat Cat, Ba Da Bing, Tigerbeat6, Rune Grammofon und eben Constellation. Erfreulich finde ich vor allem die Aufgeschlossenheit gegenüber DRM-freien Mp3s in sehr guter Qualität und kompletten Albumstreams, denn egal wie attraktiv man den Erwerb von Musik macht sind beides wichtige Gründe für viele Downloads jenseits der Legalität.

Thrill Jockey’s web site also offers on-demand streaming of entire albums, another progressive approach that has served to proselytize fellow independent labels. “Thirty seconds of a song isn’t enough,” said Rian Murphy, sales manager at the Chicago-based Drag City. “You definitely need more of the song to get a feel of what it’s like. You’re acting as a preview service, much like services such as Rhapsody. So streaming the entire song—that’s something other labels definitely need to look at.”

Mercury Of The Near Future

Klaxons are off their collective face. They just gave a press conference that was hilarious, where a stumbling Jamie Reynolds - the one with the cast on his leg - promised, "Next year: Newer rave."
Allein deswegen schon bin ich amüsiert dass zum ersten Mal seit ich die Verleihung des Mercury Prize vage verfolge meine Favoriten gewonnen haben.

My Bloody Reunion?

Klar, "My Bloody Valentine kommen zurück" ist in der Musikwelt mittlerweile so ein großer Running Gag wie "Duke Nukem Forever erscheint bald" unter Spieleinteressierten. Aber nachdem es seit Anfang des Monats eine offizielle Myspaceseite gibt sollen sich nun die Gerüchte verdichten dass die Shoegötter anlässlich des nächsten Coachella-Festivals wieder auf die Bühnen der Welt zurückkehren könnten, mehr dazu auf The Daily Swarm. Ob man in diesem Fall auch neues Material, von dem auch in den letzten (15) Jahren immer wieder gemunkelt wurde, erwarten kann ist fraglich.

Ziemlich sicher ist hingegen dass die Americana-Postrocker Japancakes noch in diesem Jahr eine Coverversion von Loveless (ja, vom ganzen Album) veröffentlichen werden. Dabei soll auf keinerlei elektrische Verzerrer zurückgefriffen werden, und das was man vorab von Only Shallow hören kann klingt sehr angenehm, sogar der Gesang wird umgesetzt.

[MP3] Japancakes - Only Shallow (Auszug)

Stars Im Kulturkrampf?

Eigentlich wollte ich gestern noch was zur Kulturkampf-Webseite der Visions schreiben, hatte aber keine Zeit mehr und jetzt hab ich alles vergessen. Blame alcohol! Jedenfalls ist der dazu gehörige Artikel über die Umwälzungen in der Musikkultur auch wenn man schon x andere Berichte zu den einzelnen Themen kennt trotz des eines NME würdigen reißerischen Titels erstaunlich lesenswert weil dort nicht nur die üblichen PR-Wischiwaschis zu Wort kommen sondern Leute wie Christof Ellinghaus von City Slang, von dem man u.a. ganz offen erfährt dass der Ausfall der Arcade Fire-Tour Anfang in diesem Jahr ein gewaltiger finanzieller Schlag für das Label war und dass das Downloadangebot des Stars-Albums zunächst auf nahezu keine Resonanz traf.

Bei letzterem hoffe ich dass sich das wirklich nur auf den ersten Tag bezieht, da die News zuerst vom amerikanischen Label der Stars kam hatten die ersten die davon berichteten auch nur Links zu deren Shop gesetzt. Wenn sich das Album in Deutschland bis jetzt wirklich schlecht verkaufen sollte wäre das eine interessante Einsicht in transatlantisch verschiedene Mentalitäten, in den USA soll das Experiment nämlich ziemlich gut laufen.

Hyperproductive Soundsystem

Da hatte ich offenbar letzte Woche nur die Spitze des Eisbergs angekratzt was kommende LCD Soundsystem-Veröffentlichungen angeht. Pitchfork hat eine detaillierte Auflistung von dem was noch alles so auf James Murphys Programm steht, als da wären neben der Bonustracks umfassenden Veröffentlichung von 45:33 eine bunt gefüllte A Bunch of Stuff EP, eine Split-7'' mit Arcade Fire, eine Singleveröffentlichung von Someone Great und die 36. Ausgabe der Mixserie Fabric Live zusammen mit Pat Mahoney. Wufftata.

Mann des Films, Mann der Musik

The music was both beginning and end. He saw in music's most lenient moment a sort of gateway to other realities, different from those that we can immediately perceive with our senses. Perhaps it was in music that that bridge to other realities, which most of us search for, could be found.
Henning Mankell über die Rolle von Musik in Ingmar Bergmans Leben.

Was lange währt...

...wird endlich veröffentlicht - ein paar Platten über die man schon im letzten Jahr einiges lesen konnte, die es aber erst dieses Jahr über den Atlantik schaffen:
  • Beach House - Beach House
    Ich könnte schwören das Album schon vor Monaten in mehreren Plattenläden gesehen zu haben, aber offiziell erscheint das verträumte Debüt des Duos aus Baltimore diesen Freitag in Deutschland. Eine Gelegenheit für alle die bisher noch nicht dem Importdrang nachgegeben haben eins der schönsten Alben 2006 zu entdecken, ich hatte dem Album bereits hier Textplatz eingeräumt.
  • Girl Talk - Night Ripper
    Praktisch unbemerkt hat sich auch Gregg Gillis in die europäischen Plattenregale geschlichen, das Wagnis sein wegen zahlloser darauf benutzter Samples in den USA in einer gewissen Grauzone pendelnde Nonstop-Sampleverwurstung-Partyalbum nach Europa zu bringen hat ausgerechnet Herbert Grönemeyers ziemlich geschmackssicheres (Neu!, The Earlies, Fujiya & Miyagi, Emily Haines...) Label Grönland Records auf sich genommen. Grönemeyer präsentiert Girl Talk, darüber komm ich einfach nicht hinweg, hihi.
  • LCD Soundsystem - 45:33
    Noch nicht ganz offiziell angekündigt aber bereits am Horizont zu erkennen ist die lang erwartete CD-Veröffentlichung von James Murphys letztjährigem Joggingprojekt. Wenn ich mich recht entsinne war das exklusiv für Nike produzierte Mammutstück nicht mal im deutschen iTunes erhältlich geschweige denn auf Tonträger, mittlerweile scheint aber die Lizenz abgelaufen zu sein so dass DFA Records die Veröffentlichungsrechte übernimmt. Ehrlich gesagt weiß ich fast gar nicht wie sich 45:33 anhört, lediglich dass ein Teil davon wohl eine Instrumentalversion von Someone Great ist, da letzterer aber einer der besten Songs dieses Jahres ist habe ich einen verdammt guten ersten Eindruck von 45:33.
  • The Hold Steady - Almost Killed Me & Separation Sunday
    Tja, was soll ich zu dieser Band denn noch sagen? World's best Kneipenband, Texte für die man sich unbedingt ein Booklet kaufen will, tolle Shows, tolle Musik, tolle Platten, und im ersten Jahr in dem sie keine neue rausbringen sind die ersten beiden nun auch in Deutschland erhältlich. Also ab jetzt sind auch keine Ausreden mehr möglich, beim nächsten Konzert will ich alle Bier- und Whiskyflaschen umklammernden Fäuste erhoben sehen!

Ask Albini Again

Jawohl, das Forumsinterview mit Steve Albini läuft immer noch und erstreckt sich mittlerweile über 60 Seiten. Dass so eine Endlosfragerei niemandes nerven auf Dauer gut bekommt habe ich schon des öfteren bei ähnlichen Aktionen beobachtet, aber im Gegensatz zu anderen wirft Albini bei wiederholten oder dämlichen Fragen nicht (nur) mit Obszönitäten um sich sondern ist mittlerweile dazu übergegangen seine Antworten in Haiku-Form zu kleiden:

I was talking to the band Yourcodenameis:milo recently about their "All Roads To Fault" album that you produced and they told me that you were "very confused" by their sound!
No British band is
capable of confusing
anyone on earth

Große Entdeckung durch diesen Thread: Das Tourtagebuch der letzten Auftritte von Big Black, mit Besuchen der Reeperbahn und Prügeleien mit holländischen Glatzköpfen. Das Deerhunter-Tourblog wirkte dagegen wie ein Kinderbuch.

Von der schnellen Truppe

Subtle peilen den Herbst an für die Veröffentlichung von Yell & Ice. Ordentlich flott da For Hero: For Fool erst letzten Oktober erschienen ist. Das kann doch nicht ebenso gut werden, oooder etwa doch?!?

Auch Patrick Wolf scheint diesmal Gas zu geben, das dürfte schon locker ein halbes neues Album machen. Dessen Thema aufgrund der Titel ja wohl offensichtlich ist.

The Fiery Furnaces Go Oldschool



Nun sind also die meisten Details zu Widow City bekannt, total verknallt bin ich dabei zunächst aber mal in das Cover. Sehr elegant, sieht nach einem alten Vinyl-Cover aus wie es einem von den Wänden eines Second-Hand-Musikladens oft entgegenblickt. Die Songtitel strotzen wieder nur so von Ortsreferenzen und ich stell mir schon als fortlaufenden erzählerischen Handlungsstrang eine abenteuerliche viktorianische Weltreiseerzählung vor, Cabaret Of The Seven Devils, The Philadelphia Grand Jury und Duplexes Of The Dead sind meine Lieblingstitel davon. Aber auch ganz toll ist der halbernste Text auf der Thrilljockey-Seite dazu, höchstvermutlich von M. Friedberger selbst verfasst, der u.a. den angeblich von Magie beeinflussten Schöpfungsprozess beschreibt und die zahlreichen Einflüsse von Tina und Ike Turner über Van Morrison bis zu Gentle Giant ausmacht.