Interessantes

Neues Los Campesinos!-Album im Oktober!

Als sähe der Herbst noch nicht gut genug aus nun diese völlig überraschende Nachricht: Los Campesinos! bringen mit We Are Beautiful, We Are Doomed im Oktober bereits ihr zweites Album in diesem Jahr (und ihr zweites überhaupt) heraus. 10 völlig neue und ungehörte Songs mit Titeln wie Documented Minor Emotional Breakdown # 1, It's Never That Easy Though, Is It? (Song For The Other Kurt) oder All Your Kayfabe Friends, aufgenommen vor gerade einmal einem Monat und in etwas mehr als zwei Monaten dann erhältlich. Los Awesomos!

Deerhoof's Leak Is Better Than Your Leak


DEERHOOF experiments with sheet music

Normalerweise verdrehe ich innerlich etwas die Augen wenn jemand Deerhoof als "experimentell" bezeichnet, aber in diesem Fall ist es sicherlich zutreffend. Seine neue Single Fresh Born hat das Quartett nämlich in Form eines Notenblatts online gestellt und ruft alle die Lust haben zu Eigeninterpretationen auf. Im obigen Video kann man schon ein paar Ansätze hören, wer selber künstlerisch aktiv werden will kann sich auf Deerhoofs Cashmusic-Seite die Noten als Pdf runterladen und das Resultat anschließend unter Creative Commons-Lizenz an Deerhoof schicken.

Bang Your Drum

Scheint die Woche der großartigen Drummer bei Gothamist zu sein, nachdem dort gestern Greg Saunier von Deerhoof interviewt wurde findet sich auf der Seite heute Janet Weiss von Quasi, neuerdings Stephen Malkmus & The Jicks und ehemals Sleater-Kinney im Gespräch. Ersterer plaudert dabei ein bisschen über das für den Herbst angepeilte Offend Maggie und erklärt warum es live immer so aussieht als würde er an einem Kinderschlagzeug sitzen:

I’m actually twelve feet tall. I suppose my drum set is kind of small because it doesn’t have very many parts in it. You mentioned The Roots earlier and that choice was largely an inspiration from ?uestlove again, from when Satomi and I went to see The Roots maybe ten years ago. I saw the drummer back there playing a pretty stripped down drum set and yet it seemed like he was sort of the star of the show, even at that time. Of course since then he’s a legend everybody knows. But he and I have joked around a little bit since then because his drum set has gotten bigger over the years as he’s become more famous. But right around that time I was thinking to myself that I wanted to take pieces away from my own drums and try to make it smaller, so when I saw him playing such a small set that it made me feel okay with it.

Und weil Alex Kapranos gerade da war spielte er noch zwei Stücke ein...

Haha, wenn man sich diese Interviews so zusammenlegt liest es sich als wäre das Xenomania-Hauptquartier das Popstar-Äquivalent eines Jugendzentrum-Proberaumkellers. Während Annie ihr Album aufnimmt hängen da im Studio nebenan Girls Aloud oder Franz Ferdinand rum und schauen mal kurz vorbei um spontan ein paar Backing Vocals oder Gitarrenparts einzuspielen. Manchmal ist die Welt halt ganz klein und simpel, bis sie dann wieder komplizierter wird.

Sequestered In The Studio

Eben gefunden auf der Suche nach Infos zur neuen The Hold Steady-CD: Produzent John Agnellos Studioblog in 1 2 3 4 Teilen, wieder einmal interessant und unterhaltsam einen Einblick in solche Entstehungsprozesse zu kriegen.

Stay Positive, immer noch komplett auf Imeem streambar, erscheint nun übermorgen auf CD und LP nachdem es schon vorab auf iTunes verfügbar war. Nicht auf iTunes geben soll es hingegen die Bonustracks, während sich auf Vinyl Ask Her For Some Adderall findet enthält die - wenn ich Amazon glauben darf - auch in Deutschland erhältliche limitierte Auflage der CD außerdem noch Cheyenne Sunrise und Two Handed Handshake.

Update: Oh ja, die Bonussongs (alle in einen einzigen Track gepackt) lohnen sich auf jeden Fall, gefallen mir sogar beim ersten Hören besser als manch regulärer Track auf dem Album. Auf der Packung steht allerdings nicht dass es die Version mit dem Bonustrack ist daher vermute ich mal dass die auf allen CDs mit drauf sind, mal so als Hinweis damit keiner ewig und drei Tage alle Läden nach einer speziell ausgezeichneten Special Edition absucht.
Oh, und Stay Positive (der Song) ist so was von meine neue Sommerhymne.

Es ist Sub Pop-Woche

auf Pitchfork. Gestern gab's ein hervorragendes Interview mit den Gründern Poneman und Pavitt das zu viele Highlights hat um eines hervorzuheben, heute gibt Marc Masters angesichts der baldigen (zweiten) Wiederbelebung eine kleine Geschichte des Sub Pop Singles Clubs. Mal sehen was die nächsten Tage noch an Artikeln bringen.

Zur Abwechslung mal Leute die nachdenken

Ich kann mich einfach des Eindrucks nicht erwehren dass fanatische Pitchfork-Hasser nur einen Teil der Seite lesen (i.e. die News und die Zahlen über den Reviews), längere Texte wie Tim Finneys Gedanken zu "Balearic", das letztjährige Interview mit P.J. Harvey oder die Kolumne von Tom Ewing gehören regelmäßig zu den interessantesten und lesenswertesten Musiksachen die es online gibt. So auch Ewings Poptimist 16 vom letzten Freitag über eine kreative Industrie die, ähnlich wie heute viele andere, vor ein paar Jahren schon totgesprochen wurde und sich dennoch weiterhin auf den Beinen hält.

"Just as the music business, desperate to shore up its remaining purchasers, gives deluxe reissue treatment to records barely a decade old, so the comics industry turns to continuity cannibalism, strip-mining the past to excite jaded loyalists. DC brings the Flash back from his 1985 death, Marvel decides Spider-Man's 1987 marriage never happened: fans cheer or recoil, and the slow sales decline is interrupted for a while."
Und wo wir gerade bei lesenswert sind, hier ist Eric Harvey über zwei typisch Wired-mäßige Web 2.0-Technologie-Bullshit-Artikel.

"Ach, die verdienen doch eh total viel mit Touren"

Das ist immer eine dieser schönen Ideen die man im Zusammenhang mit sinkenden Musikkäufen hört, dass Musikaufnahmen (wodurch finanziert?) doch eh nur Werbung für die Liveauftritte einer Band seien und daher doch gleich verschenkt werden könnten. Ohne Belege für diese Behauptung bin ich dem gegenüber immer sehr skeptisch gewesen, als regelmäßiger Konzertbesucher stehe ich zu oft in weniger als halb gefüllten Säälen um glauben zu können dass abgesehen von den großen der Branche viele Bands mit Touren gut über die Runde kommen.

Und jetzt kommen auch noch steigende Tourkosten dazu, in den letzten Tagen haben gleich mehrere Seiten über die zunehmenden Probleme kleinerer (und besonders auch neuer) Bands berichtet für die größere Touren aufgrund der hohen Benzinpreise einfach nicht mehr finanzierbar geworden sind:

"When the rise of file-sharing culture in 2000 looked to cut deeply into CD sales, musicians could take comfort knowing that they made most of their money on the road. Langford, who joined the Gourds in 1998, figures the band is on the road about six months out of the year. A solid two-week tour here, a weekender there, all add up to playing 100 to 150 shows a year, closer to the latter in the past four or five years.

But as gas prices hover near $4 per gallon and show no signs of decreasing, many bands are taking losses on touring and soon might not be able to afford to tour at all."

Klar wird da mancherorts sarkastisch kommentiert dass das doch positiv sei, so könnten sich nur noch die "guten" Bands das Touren leisten. Aber erstens muss jede Band die nicht sofort in den Himmel gehypt wird (und selbst wenn noch oft genug) mal klein anfangen, und zweitens geht das von der naiven Annahme aus dass die "Qualität" der Musik immer mit den Besucherzahlen übereinstimmt (und noch schlimmer dass nur Musik die ein großes Publikum hat es wert wäre so gehört zu werden). Wer das ernsthaft glaubt schalte mal die nächste Ausgabe von "The Dome" ein, da gibt es die Künstler zu sehen denen die Benzinpreise egal sein können.

I FUCKING HATE KULA SHAKER!


Also ja, habe gerade nachdem es fast exakt ein Jahr in meinem Regal stand endlich Kieron Gillen und Jamie McKelvies Phonogram: Rue Britannia gelesen, dazu Kenickie, Elastica, Pulp, Long Blondes und Pipettes gehört und kann nur sagen: wow. Das beste Leseerlebnis das ich seit sehr langer Zeit hatte (noch besser als Scott Pilgrim 4), eine Geschichte über Musik, wie sie uns verändert, emotional, historisch und charakterlich, aber auch wie wir sie verändern. Über Jugend, Jugendbewegung, Idolisierung, Mythifizierung, Oberflächlichkeit, Nostalgie, Retro, Indie, Pop, Großbritannien und einen John Constantine ähnlichen Bastard von einem Protagonisten der auf der Suche nach der sterbenden Göttin seiner identitätsstiftenden Jugendmusik sich selbst erkennen muss. Sehr einladend und sauber in Szene gesetzt von McKelvie und in dieser Form wohl auch nur in diesem Medium machbar, dabei natürlich voller Musikreferenzen die man zur Not hinten im Glossar nachschlagen kann und mit einem Vorwort von Luke Haines.

Phonogram Preview & Podcast

Und wie ich gerade sehe ist der zweite Teil bereits in Arbeit, musikalisch geht's aber klar in die Gegenwart und (irgendwie überrascht mich das kaum) genau zu den Bands die ich gerade eben beim Lesen gehört habe.

Sub Pops Erste Schritte

In den 20 Jahren seitdem Jonathan Poneman und Bruce Pavitt ihren ersten Büroraum bezogen ist Sub Pop von einem Fanzine zu einem der größten (51%-)Independent-Labels angewachsen das allein mit The Shins und Iron & Wine in den letzten Jahren 6 der erfolgreichsten Veröffentlichungen seiner Geschichte hatte. Und auch wenn Klickgalerien nach "Top 10 irgendwas"-Listen gegenwärtig das billigste und ekligste Mittel sind um möglichst hohe Besucherzahlen zu erreichen kann man bei dieser mal eine Ausnahme machen, dort werden Poster, Fotos und andere Dokumente aus den ersten 5 Jahren des Labels versammelt, u.a. auch Artwork von Charles Burns, Peter Bagge und Dan Clowes.