Interessantes

Paperthinwalls.com wird von Modest Mouse verklagt, macht dicht

Der erste Teil der Überschrift ist natürlich frei erfunden, der zweite ist leider wahr. Paper Thin Walls, die Seite mit den besten, trockenhumorigsten Newsüberschriften und vielen schönen Trackbesprechungen (samt Mp3! Wo gibt's das sonst in dem Umfang?) ist am Ende. Und das fast ein Jahr nachdem Stylus das gleiche Schicksal ereilte, es trifft wohl immer die Seiten bei denen das Lesen am meisten Spaß macht. RIP PTW.

Fuck You, Cherrypickers!

"The album has three very long tracks - the longest is half an hour long. The tracks are really slow, building up and down, and there’s no pauses between the tracks; each song flows into the next one. I wanted to make this as an album, not just a collection of tracks, or a collection of singles. I think it’s important to do that now, when because of downloads and so on, everyone’s skipping tracks, and not many people are listening to albums all the way through anymore. It’s like there’s music overload now. With the new album, all the tracks are so long that on iTunes you’ll have to buy the whole album, rather than the individual tracks. You’re going to have to own the whole thing!"
Lindstrøm im Interview über seinen (großartigen) Cosmic-Trip Where You Go I Go Too. Sehr amüsant die Vorstellung dass jemand gezielt lange Musikstücke machen könnte um die Gesamtintegrität seines Albums auch im Digitalvertrieb zu erhalten.

Der weniger inspirierte Weg ist natürlich die strikte Weigerung einzelne Songs anzubieten, wobei es laut diesem Artikel eher finanzielle als künstlerische Gründe hat: iTunes wird von Musikern zunehmend gemieden. Sensationell natürlich der dafür herangezogene Professor der das bisher unerforschte Phänomen des "Füllmaterials" entdeckt hat. Hoffentlich ist sich der Fachmann auch darüber im Klaren dass es überflüssiges Füllmaterial und wichtiges Füllmaterial gibt, letzteres sorgt zum Beispiel dafür dass die Alben der New Pornographers oder die neue Cut Copy mehr sind als die Summe der einzelnen Hitsingles.

Der Zorn des Gerechten

ist in Barthel gefahren:

Hey, all you people on the internet not trying to make a living off music! This thing that has gotten you worked up is exactly the kind of thing that’s necessary if people are going to continue to make pop music without it being government funded or a charity case. You can say that the Wrigley’s thing is a clumsy form of marketing, but this deal is an example of what you’d think anti-major-label people would be overjoyed about, since it involves a third party absorbing some of the costs of production. It allows musicians to make music without the restraints of a label. But no, musicians shouldn’t turn to big bad corporations for money—they should rely on the people! You know, the ones who download their albums for free and don’t listen to the radio.
Mir wird zwar selbst immer etwas übel wenn ich das neueste "MARKE X präsentiert Band Y"-Plakat sehe oder wenn es ein toller Song wie Paper Planes nur dann in die Charts schafft wenn er im Trailer eines Mittelmaß-Kifferstreifens zu hören ist, aber angesichts der All-You-Can-Download-Kultur und wie gewaltig überschätzt die Zukunft das Tourgeschäfts ist kann ich es kaum noch jemandem verübeln wenn er nicht am Hungertuch nagen will und sich sein Musikschaffen so finanziert. Interessant zu dem Thema ist übrigens auch die Artikelreihe Hier kommt die Markenwelt die zu verlinken ich bislang versäumt hatte.

Sonic Youth sind wieder Indie

Nach beinahe 20 Jahren Geffen werden Sonic Youth ihr nächstes Album auf einem Indie-Label herausbringen. Klar, das meiste Material der Band (wie das aktuelle Andre Sider Af Sonic Youth) und all ihrer Seitenaktivitäten wurde schon ewig von anderen Labels oder selbst veröffentlicht, aber die "großen", die populären Alben waren dem Major vorbehalten.
Nun darf man erst mal wild spekulieren auf welches der großen Indies die Wahl gefallen ist, ich halte dabei Matador und Merge für etwas wahrscheinlicher als Sub Pop oder XL. In jedem Fall dürfte sich die Band einen Vertrag zurechtgelegt haben der ihr größere Freiheiten als bisher gibt, von daher darf man vielleicht noch ein Stück gespannter auf SYs nächste sein als sonst.

The Long Blondes sind wieder "Singles"

The Long Blondes müssen derzeit leider krankheitsbedingt pausieren, allerdings nicht veröffentlichungstechnisch. Im Oktober machen sie was Voxtrot schon längst hätten machen sollen und bringen ihre gesammelten ersten Veröffentlichungen unter dem Titel "Singles" heraus (clevere Titelanlehnung). Darunter befinden sich nur 3 Songs die es es in anderen Versionen auch auf ihr erstes Album schafften, mehr aber freu ich mich auf die garagigen Klassiker wie Autonomy Boy und My Heart Is Out Of Bounds.

Auf Dublab kann man sich zudem eine Session mit aktuellerem Material herunterladen die anscheinend bei einem Soundcheck aufgezeichnet wurde. Die ersten Takte sind daher auch etwas holprig, schnell gewinnt die Aufnahme mit Century aber an Fahrt und zeigt wie die Blondes dieses und andere Stücke von "Couples" live umsetzen.

Covern, Remixen und Kreativität

Jeffrey Lewis fragt sich in der New York Times wieviel Musik wirklich aus einer "reinen" Kreativität entsteht, wieviel in Wirklichkeit von anderen Werken inspiriert ist und wie man es angesichts dessen einem Künstler ankreiden kann wenn er direkt den Weg des Covers wählt.

"Going through my music collection seeking songs for the mix tape I kept discovering examples I hadn’t considered; I was taken aback by just how much of a rip-off artist I really was. But there they were, plain as day, song after song I had copied in one way or another. Perhaps I wasn’t an original songwriter after all but a lousy cover act, hoping my Frankenstein’s Monster reassembled cover versions would not be noticeable."

Paul Wolinski von 65daysofstatic, die gerade von The Cure dazu eingeladen wurden deren neue Singles zu remixen, sinniert auf The Quietus darüber was einen guten Remix ausmacht, warum es so viele schlechte Remixes gibt und wie ein Remix kreativ gesehen im Verhältnis zu einem Bootleg/Mashup steht.

As a remixer, you get to reward the listener by taking the familiar, hiding it from them, and then throwing it back at them when they least expect it. Or taking the best, loudest hook and playing it over and over and building melody after melody on top of it and beats on top of beats and taking the whole thing louder and louder until the thing you always wished would explode on the original actually does!

Auf der gleichen EP wie die 65daysofstatic-Remixes werden sich übrigens noch andere Herren als Remixer versuchen, was zu dieser Artikelüberschrift führte bei der ich mich gestern Abend irgendwie vor Lachen verschluckte: Emo All Stars Remix the Cure on Charity EP. Emo und The Cure? Eh, das übertrifft doch eh keiner.

88 Boadrum

Boredoms haben es wieder getan. Nach dem letztjährigen 77 Boadrum gab es gestern die doppelte Ladung Trommelfeuerwerk, am 08.08.08 um 08:08 Uhr Abends fanden sich jeweils in New York und Los Angeles 88 Drummer ein um eine neue 88-minütige Bore-/V∞redomsche Komposition aufzuführen. Das erste verheißungsvolle Video hat es bereits auf Youtube geschafft, da es vom letzten Event immer noch keine DVD gibt hat man mit dem Internet wohl auch für die 88er-Variante vorerst die besten Nachhol-Chancen.

Paul Westerbergs Album verschwunden, dafür neuer Song

Mysteriöse Geschehnisse um Paul Westerberg über dessen 33-Cent-Album ich bereits geschrieben hatte. Jenes Album, 49:00, wurde in den vergangenen Tagen ohne Erklärung von den Seiten entfernt die es bis dahin zum Download angeboten hatten. Möglicherweise geschah das aufgrund von Copyright-Beschwerden, denn der lange Track enthält neben viele Westerberg-Originalen auch eine Sektion mit Coversongs (u.a. der Beatles, Paul Simon und Elton John) die allerdings alle nur für wenige Sekunden angespielt werden.

Dass da einer der Rechteinhaber Druck gemacht hat lässt auch ein neuer Song vermuten den Westerberg seitdem auf die selbe Weise veröffentlicht hat, der Refrain des sowohl 5:05 langen als auch betitelten Stücks geht nämlich "If they wanna sue me / Can’t see through me / Bring on a lawsuit / I’ll bring the swimsuit." Man kann 5:05 sowohl für 99 Cent als auch für 5.05 Dollar erwerben, ich hab mich für letzteres entschieden weil 49:00 so gut ist dass ich dafür auch gerne mehr als den Originalpreis berappen würde.

Übrigens war 49:00 (das man vorerst nur auf halblegalen Wegen finden dürfte) nur 43 Minuten und 55 Sekunden lang, so kommt man erst zusammen mit dem neuen Song auf die exakte Spiellänge von - Mathematik-Genies werden's erfasst haben - 49 Minuten.

Fight Of The Year

Rampage-Griffin? Vazquez-Marquez? Federer-Nadal? Alles zweite Liga, das Duell des Jahres wird sich am 7. September ereignen. Und wer immer auch gewinnt: wir verlieren.

...Musiker sein dagegen sehr

Dass es mit dem Tourgeschäft in den USA derzeit nicht unbedingt bombig aussieht wurde ja schon vielerorts beschrieben. Einen der ambitionierteren Versuche ohne Sponsoring, Konzertagentur o.Ä. dennoch eine nationale Tour nach dem DIY-Prinzip aufzuziehen stellte die Fuck Yeah-Tour dar bei der sich mehrere Bands (u.a. Matt & Kim), Comedians und andere Künstler in einen Öko-freundlichen Reisebus quetschten der sie 27 Tage lang quer durch die USA brachte. Videothing dokumentierte den Trip audiovisuell, ein Artikel in der New York Times beschreibt das Auf und Ab der Reise:

And coordinating both the tour and the festival quickly proved too much; Mr. Carlson was juggling dozens of bands, tens of thousands of dollars in budgets and very little sleep. “Worked all day. Forgot to eat,” he wrote in his journal on July 10. “Now a terrible headache. I hate stress.”