Camperdown & Out / Bed Wettin' Bad Boys

Es ist ja nun nicht so, als wären wirklich alle guten australischen Bands aus Mitgliedern anderer guter australischer Bands zusammengesetzt. Nehmen wir zum Beispiel die Sydneyer Camperdown & Out: unbeschriebene Blätter allesamt, abgesehen vielleicht von dem einen aus Royal Headache ... und dem einen von Dead Farmers ... und dem von Raw Prawn und - OK, schlechtes Beispiel. Aber so hat man eben auch einen guten Wegweiser, um über dieses Netz, das exponentiell hochgradiger verknotet ist als die Kanada-Indieszene vor 10 Jahren, auf hörenswerte neue Bands zu stoßen. Die ersten beiden Singles sind jedenfalls schon mal nettes Jangle-Vorfutter auf das im März erscheinende Debüt.

[Stream] Camperdown & Out - Down & Out
[Stream] Camperdown & Out - Manly

Ein grandioses Debüt draußen hat die (oder wahrscheinlich eine) andere Royal-Headache-Zweitband bereits seit knapp einem Monat, ungleich rauer und Kopfschmerz-naher geht es bei Bed Wettin' Bad Boys zu. Deren Ready For Boredom ist zum Glück unendlich viel besser, als es der Bandname je erahnen ließe und demonstriert mit Hooks im Dutzendpack einmal mehr, dass das mit der Gitarrenmusik derzeit Down Under einfach konkurrenzlos gut läuft. Wie immer: Auf Spotify und iTunes findet das hierzulande nicht statt, da heißt es die kommenden Wochen, nach einem Platten-Import die Augen offenzuhalten.

[Stream] Bed Wettin' Bad Boys - Any Day Now
[Stream] Bed Wettin' Bad Boys - Bite My Tongue

Stream: My Bloody Valentine - m b v

Eine Weile hat's ja gedauert, bis ich das neue Album absorbiert hatte, aber Eile wäre bei My Bloody Valentine und wahrlich nicht angebracht. Hatte die Ankündigung neuer Musik sich doch schon so lange und so oft als resultatlos erwiesen, dass sie über die Jahrzehnte schon zum Running Gag verkommen war. Und wären Zweifel über die tatsächliche Existenz von m b v ohne das Internet sogar noch immer angebracht, denn die nur über die Band beziehbare CD und LP werden erst in anderthalb Wochen verschickt und wahrscheinlich erst im März hierzulande eintreffen.

Doch ja, das neue Album ist fantastisch geworden - nicht, weil es eine nahezu nahtlose Fortsetzung von Loveless ist, eher schon trotzdem. Mit dem Anfang hab ich mich immer noch nicht so ganz angefreundet, wo mich zu viele Momente an sehr ähnliche dieser Band erinnern, doch spätestens bei If I Am in der Mitte stellt sich dieses große Ah-Gefühl ein, das sich dann in zunehmend abenteuerlichere Klangzonen entwickelt und mir sogar am besten gefällt, wenn ganz am Ende 90er-Breakbeats unter einer Düsenjägerturbine umherflitzen.

[Stream] My Bloody Valentine - m b v

Charli XCX - You (Ha Ha Ha) (Lindstrøm Remix)

Der versuch, mich am Sonntagmorgen durch alle (soweit ich sehen konnte) Remixe von Lindstrøm seit 2008 zu hören, offenbarte vor allem, wie schwer manche davon zu finden sind. Von zweien war glaub ich nicht einmal auszumachen, dass sie je kommerziell veröffentlicht worden waren und musste so auf Promo-MP3s oder Soundcloud hoffen. Das scheint auch mit seinem neuesten der Fall zu sein, denn folgt man dem iTunes-Link auf Soundcloud, kommt man zwar zur EP von Charli XCX inklusive mehrerer Remixe, doch ist eben Lindstrøms Disco-Renovation keiner davon. Da muss man wohl hoffen, dass dieser Soundcloud-Stream nie wieder online gehen wird.

[Stream] Charli XCX - You (Ha Ha Ha) (Lindstrøm Remix)

Stream: Iceage - You're Nothing

Fast genau vor zwei Jahren trudelte mein Dänemark-Import des Debütalbums von Iceage ein, bei Album Nummer zwei wird das etwas weniger aufwändig - das dürfte bis Freitag direkt in so einigen hiesigen Plattenläden landen. Dass die damals noch so gerade nicht kollabierenden Dänen seitdem einiges an Erfahrung gesammelt haben, drückt sich zwar in deutlich gefassterem Spiel auf, aber zum Glück nicht in einem Verlust an Spielenergie. Wenn überhaupt, so ist You're Nothing stellenweise noch druckvoller, an anderer Stelle aber auch auf überraschend sanfte Art romantisch. Die Mischung macht's.

[Stream] Iceage - You're Nothing