Mix: ALT // SNTH

Nachdem ich es die beiden vorherigen Male ganz gut geschafft hatte, bin ich 2012 völlig daran gescheitert, meine Lieblingssongs abseits von Alben am Ende des Jahres zusammenzufassen. Zuviel war zwischen Soundcloud, Spotify, Youtube und anderen Audioströmen oft gerne gehört worden und dann nie wieder, auf später verschoben und dann vergessen worden oder verschwand einfach. Die Flüchtigkeit und Verstreutheit von Streams hat mich sogar wieder mehr in Richtung leichter nachzuhaltender Alben geschoben, vor allem in Sachen kurzweiliger Popsongs, über die ich vor lauter angeblicher neuer großer Dinger die letzten Monate völlig die Übersicht verloren habe.

Denn irgendwie, so schien es mir zumindest, klangen diese ganzen (trotz gewissen Indie/Alt-Appeals vorwiegend auf Major Labels) Post-Knife/Post-Lykke/Post-Chillwave-Electropopsachen doch ziemlich ähnlich, ob in ästhetischer Wirkung, konkreten Produktions-Aspekten, Vocal-Affekten oder der Verwendung bestimmter Sounds. Instagrammige Fotos und Cover-Designs halfen natürlich auch nicht groß dabei, MØ von Kate Boy von NONONO zu differenzieren, doch war das vielleicht nur eine allzu grobe Sicht der Dinge? Zur Probe und um mir denn auch mal eine handliche Übersicht zu verschaffen entstand denn dieser Mix, von dessen Songs ich ehrlich nichtmal die Hälfte kannte, bis ich ihn zum ersten Mal komplett hörte.

Die Musik trug ich meist allein anhand von Beschreibungen und in meinem Hinterkopf in dieser Richtung hängenden Namen zusammen, hörte zwei, drei Sekunden an Anfang und Ende der Songs und erstellte daraus die Trackreihenfolge. Für diese halb blinde Prozedur ist das Ergebnis, finde ich zumindest, verdammt gut ausgefallen. Aber das spricht natürlich auch für das Quellmaterial.

ALT // SNTH

Stream: When Nalda Became Punk - A Farewell To Youth

Indiepop kann so maches vergeben. Schludriges Spiel? Zur Sicherheit eine Extradecke Verzerrungshall drüber. Keinen Drummer und edle Synths zur Hand? Ach pff, Konservenbeats und Dudelkeyboard tun's auch, Hauptsache, man hat so ein begnadetes Händchen für unwiderstehlich schöne Melodie wie das spanische Duo When Nalda Became Punk, dessen wundervolles Debütalbum just auf Shelflife erschienen ist.

[Stream] When Nalda Became Punk - A Farewell To Youth

Yelle - L'Amour Parfait

Die runtergepitchten Vocals und Knarzsynths zu Beginn drohen damit, dass Yelle sich jetzt den Trap-Trendmantel übergeworfen hat, in seiner Synkopiertheit klatscht und schnalzt und ploppt der folgende Beat tatsächlich ein wenig Südstaaten-Rap-beeinflusst. Doch der große Moment in L'Amour Parfait erinnert unter langgezogenen statt wüst zerschnippelten Synths weniger an einen dick überdrehten EDM-Drop als an die ungleich softere, Höhepunktsbildung eines klassischen Italo-Tracks von Aeroplane, deren verbliebene Hälfte als Co-Produzent an dieser herrlichen Single beteiligt war.

[Stream] Yelle - L'Amour Parfait

Kingdoms Clubposite-Mix

Eine der faszinierendsten Arten, überwiegend beastbasierte Musik zu rezipieren, ist für mich die gelegentliche Rune Audiosurf. Das Spiel analysiert Tondateien auf einzeln herausstehende Elemente wie Lead-Melodie und Rhythmus, aber auch einen gesamtdynamischen Verlauf mit, um daraus eine futuristische Rennstrecke zu entwerfen, die man parallel zur Musikwiedergabe nach farbigen Blöcken abgrast. Je nach Dichte und Tempo der Musik kann die extrem unterschiedlich ausfallen, von ereignisarmer Gemütlichkeit bis zu einem Rustie- oder stolprigen Footwork-Track. Vor allem kann das Spiel bemerkenswert oft ein stärkeres oder sogar neues Gefühl für den Charakter eines Stückes verleihen, wenn man es derart virtuell-physisch manifestiert sieht

Gerade komplexe Footwork-Stücke waren in kleinen Dosen bislang für mich die ideale Struktur dafür, paarten sich ästhetisch wunderbar mit der futuristischen Optik und generierten extrem aufregende Strecken. Doch auch die Digi-Bassvisionen von Night Slugs und Fade To Mind passen oft formidabel dazu, dieser Mix von Kingdom ist sogar einer der seltenen, den das Programm trotz seiner Länge zu einer einzigen Strecken verarbeiten konnte.

Und die bietet dann auch eine der denkwürdigsten und schier neuen Musikerfahrungen seit Längerem, wenn am Ende eines Trips durch die perkussionslustigen Cyber-Wolken oben genannter Labels, vorwiegend mit überaus mainstreamigen R&B-Vocals infusioniert, nach einer Strecke voller Auf und Ab, anziehender und entspulter Energie (aber nie Aggro-Überdrehtheit, die sich in gelben und roten Farben statt einer blau-grün-violetten Palette äußern würde) - wenn man am Ende dieses Trips schon von Weitem das Ziel sehen kann und auf dem federleichten finalen Abschnitt dieses Mixes hindernisarm in ätherischer Leichtigkeit ins Ziel gleitet.

Kingdom - Clubposite (Achtung, Autostart - Soundcloud-Direktlink hier)