Stream: Future Of The Left - Polymers Are Forever

Großer Personalwechsel bei Future Of The Left - das gibt Anlass zur Sorge. Was, wenn der Weggang von Bassist Mathias Kelson nun weniger unterhaltsame Publikums- und Innerband-Kabbeleien der verbalen Art bedeutet? Na gut, vielleicht hat sich auch musikalisch was geändert wo die Band nun zum festen Quartett angewachsen ist. Zumindest erwies sich die Konstellation aber gleich als so kreativ fruchtbar, dass neben dem nächstjährigen Album noch genug Material für eine umfangreiche und am 09.12. unter dem Titel Polymers Are Forever erscheinende Vorab-EP über blieb.

[Stream] Future Of The Left - Polymers Are Forever

Deaf Wish Live

Wie schon letztens erwähnt, war Ende 2010 das dritte Album von Deaf Wish eine ziemlich feine krachige Angelegenheit. Vor ein paar Monaten tourten sie zwar durch Europa, allerdings nirgends wo es für mich erreichbar gewesen wäre. Nun aber, da sie letzten Monat die USA besuchten, gibt es immerhin eine Aufzeichnung ihrer WFMU-Session, wo sie ihren sonic-youthigen Punk in flotten 20 Minuten kredenzten.

Deaf Wish: Live at WFMU on Beastin' the Airwaves with Keili October 1, 2011

Wonder Girls - Be My Baby

Wonder World ist das beste südkoreanische - naja, sicher auch ganzkoreanische - Popalbum des Jahres. Das ist jetzt nicht die größte Leistung, waren die meisten Songhighlights 2011 doch entweder auf kürzeren EPs präsent oder Alben, die nicht mehr als eine EP voll Material zu bieten hatten. Aber nachdem anfangs auch hier nur die superben Stop!, Nu Shoes und G.N.O. Wiederholungswert zu haben schienen, stellt sich doch der Rest als solide bis interessant heraus - wie im technoiden SuperB, dem discoiden Sweet Dreams und der fein freakigen Rap-Plattform Act Cool.

Denn während im deutschen Feuilleton kenntnisarm über Retromania und ernsthaft noch/wieder über Authentizität im Pop gedödelt wird, zeigt sich der transparent durchgeplante und hochartifizielle K-Pop dafür gänzlich ignorant und stibitzt sich im Namen der Glückseligmachung durch ein halbes Jahrhundert Musik. Hier ist allen Beteiligten auf Produktions- und Rezeptionsseite klar, dass Be My Baby nicht in irgendeiner hochheiligen Soul- oder Spector-Tradition steht, und so watzen einem maximalistische Synthspeere und Konserven-Fingerschnippsen genauso um die Ohren wie durchaus 60er- oder auch 90er-klassisch anmutende Diva-Harmonien, Engrish-Holprigkeit vermeidende Sprachvermischung und der unvermeidliche Rap-Part, der eigentlich als einziges den furiosen Beginn wiederaufgreift, sich mit der Zeit aber als monoton-rasant bestechendes I-Tüpfelchen eines freudespendenden Popsongs entpuppt.

[Video] Wonder Girls - Be My Baby

Joanna Gruesome / Carolee

Gerade Musik, die von ihrer intensiven Kurzlebigkeit lebt, macht sich oft besser im EP-Format wo sie sich nicht überstrecken muss. Und so hat's mich dann wenig überrascht, dass es zwei meiner liebsten Entdeckungen der jüngsten Zeit lieber kurz und knapp halten. Da sind zum Einen die BritInnen Joanna Gruesome, die trotz der Angabe auf Bandcamp die meisten der Stücke dort erst kürzlich hochgeladen haben. Ist letztendlich aber fast egal, zeigen die bisherigen sechs Stücke doch bei aller Arschtret-Energie das zeitlos großartigste Indiepop-Melodiengespür, seit das der Pains Of Being Pure At Heart zu schwächeln begann.

[Stream] Joanna Gruesome - e.p

Carolees (Eine-Frau-?)Indierock imponiert zunächst durch seine saftig runde (statt modisch schlaffe) Schrammelverzerrung, doch sehr schnell auch damit, wie sie ihre Kompositionen mit schiefen oder schönen Toneinstreuungen immer ein Stück abseits des Vorhersehbaren hält. Und ehe man sich das recht überlegt hat, bemerkt man, wie ökonomisch knapp sie ihre Ideen ballt und dass man beim nächsten Abspielen so viele neue Aspekte entdeckt, dass man statt zweimal demselben Extended- genausogut einen Longplayer gehört haben könnte.

[Stream] Carolee - EP 1