Mix: Do(wner)-Fi


Wo ich mich gerade zwecks gnadenlos akkurater Listenerstellung durch alle meine diesjährigen Erwerbungen höre, ist mir doch glatt dieser Mix eingefallen, den ich irgendwann für den Eigenkonsum erstellt und nie verlinkt hatte. Eine Sammlung von Songs, die - meist mit beidgeschlechtlichem Gesang - einen ganz bestimmten, emotional verregneten Ton treffen, mit ihren kaputten Instrumenten zugleich in einem Zustand fragiler Schönheit hängen. Mit dabei in der knack(s)igen halben Stunde sind EMA, Sebadoh, Times New Viking, Circle Pit u.v.a.

Do(wner)-Fi

The Men Live

Was wäre man nur ohne WFMU. Letzte Woche eine Band, die nicht in meiner Nähe tourte, diese Woche eine Session einer Band, die im nächsten Jahr nur andere Ecken Deutschlands besuchen wird. Nach anfänglicher Nichtbeachtung scheint das großartige Sacred-Bones-Debüt Leave Home von The Men nach und nach eine Hörerschaft gefunden zu haben und findet sich dieser Tage auch schon in einigen Listen wieder - zu Recht. Für die Radiosendung von Brian Turner spielten die New Yorker satte 7 Stücke, und die nicht gerade in Kurzfassungen.

The Men - Live at WFMU

Perfume - Laser Beam

Beim Beschreiben von Musik wird ja ganz gerne von Tiefe und Oberflächlichkeit gesprochen, meist jedoch eher in übertragenen Sinnen. Anders ist das bei Perfume, deren Popentwurf auf ihrem neuen Album JPN umso komplexer ist, je mehr man in die Tiefe und Breite hört. Ganz oben in Laser Beam beispielsweise sind erst mal wenig spektakuläre, dünn-helle Glitzerklänge und insbesondere im Zentrum der Stereoabmischung das Vokalistinnentrio, zu unmenschlichem Tweeroboterinnengesang durchprozessiert.

Nur ein bisschen tiefere Tonlagen bieten aber schon schrägere, immer wilder links und rechts titschende Knarz-, Quietsch- und Blubbersynkopen, dass das Ganze mit seinen multiplen verschränkten Melodieläufen schon fast ein Track von z.B. Rustie sein könnte, wäre es nicht vorwiegend im 4/4-Beat gehalten. Aber letztlich sind bei Perfume nicht "zeitgemäße" Beatmacherei oder feuilletonfreundliche Effekthascherei das Ziel, sondern die Maximierung ihrer Pop-Glückseligkeit, was JPN für mich zu einem kreativ anspruchsvolleren und - weil eben dies darauf gelungen ist - erfolgreicheren Album macht.

[Video] Perfume - Laser Beam

Ariel Pink's Haunted Graffiti - Witchhunt Suite for WWIII

Als Ariel Pink letztes Jahr mit Before Today samt Band den Schritt ins Tonstudio machte, schienen das einige als Bruch mit der Vergangenheit zu begrüßen. Schluss mit Lo-Fi, Schluss mit Schrägheit, Schluss mit der Unsicherheit, ob der Kerl es wirklich ernst meint und ob seine Songs auch in konventionellerem Format funktionieren würden. Nun ja, wenn die grenzchaotischen Liveshows nicht genügt haben sollten, zeigt sich Pink auf seiner diesjährigen Single wieder erfreulich widerborstig: Ein einziger 16-minütiger Patchwork-Song hookreichen, proppigen Blubber-Pops mit ebenso Dada-politischem Text wie einem Video, das die Weltberichterstattung des US-TVs mit absurden Collagen parodiert. Weil "Keep it real" für Pink gleichbedeutend ist mit "Keep it weird".

[Video] Ariel Pink's Haunted Graffiti - Witchhunt Suite for WWIII