Southern Shores

Während im Norden noch ein paar rumheulen, herrscht in hiesigen Breitengraden endlich mal wolkenfreie Hitze. Ideale Ausgangslage für die beiden Berliner-via-Kanada Southern Shores, die sich mit ihrer Samplefreudigkeit (u.a. Alane auf dem letzten Track!) zu vertrauter Palette luftiger Electroklänger zwar noch eine Weile den Vorwurf des Air-France-Trittbrettfahrens gefallen lassen müssen, denn nach ein paar feinen Vorabsongs erinnert nun auch ihre Debüt-EP Atlantic nicht wenig ans schwedische Duo. Bis das aber mal in die kreativen Gänge kommt - soll ja angeblich dieses Jahr mal wirklich so sein - dürfte die nächste Woche auf Cascine erscheinende Sommerkollektion aber mindestens gefälliger Ersatz sein:

[Stream] Southern Shores - Atlantic EP

Stream: Eleanor Friedberger - Last Summer

Nachdem Eleanor Friedberger lange Zeit zwar als Stimme der Fiery Furnaces agierte, ihre wortreichen Texte aber überwiegend von ihrem Bruder zugeschrieben bekam, wuchsen ihre Credits über die letzten beiden Alben bis sich auf I'm Going Away schließlich nur noch ein gleichberechtigtes "Friedberger & Friedberger" fand. Während Matt mit seinem 8-Album-Projekt alle fünf Hände voll hat, bringt Eleanor nun nächste Woche auf Merge ihr erstes ganz eigenes Werk heraus, Last Summer vermittelt nicht nur im Titel zugleich Leichtigkeit und Blick nach hinten und ist seit heute bei NPR zu hören.

[Stream] Eleanor Friedberger - Last Summer

Ich, Anderswo (VII)

Ich habe ein einfaches Rezept entdeckt, um es so aussehen zu lassen als würde ich viel mehr schreiben: Kürzere Texte schreiben! An Worten dürfte insgesamt die letzten drei Monate kaum mehr zusammengekommen sein als in anderen Quartalen, aber dank des neuen Kurzrezensionsformats ist diese Liste doch trügerisch umfangreich geworden.

Einzige Ausnahme ist dabei der Text über New Age, sicherlich der längste den ich je geschrieben habe - und dann über so ein Thema. Aber egal wie uncool es auch sein mag, ich kann's nicht leugnen, ich entdecke immer wieder schöne Sachen in dieser Ecke, zuletzt diese tolle Dream Machine-Compilation von Klaus Schulzes Label Innovative Communication - da sieht man mal, wo sich Ford & Lopatin und Not Not Fun ihre Ideen herholen. Das Interessante am Schreiben war vor allem, dass es keine anderen Artikel zu dem Thema zu geben schien und ich so bis heute nicht einschätzen konnte, wie richtig oder falsch ich mit meinen Eindrücken lag. Nun aber gibt's auch einen englischsprachigen Text zum Thema, und das gleich vom überaus fachkundigen Andy Beta in der L.A. Times, der (natürlich aus einem recht wertungsneutralenden Winkel, den ich absichtlich vermieden habe) ziemlich in die gleiche Schneise schlägt. Bin ich also nicht völlig verrückt ...

Jenseits allen guten Geschmacks: New New Age

Don’t believe the(m): Hype Williams live in Köln
Gang Gang Dance in Berlin: Space Jam

Liturgy – Aesthetica
Times New Viking – Dancer Equired
Gold-Bears – Are You Falling In Love?
EMA – Past Life Martyred Saints
John Maus – We Must Become The Pitiless Censors Of Ourselves

Tanzen Optional: Katy B, Architecture In Helsinki, Holy Ghost!, Wolfram
Bass Drum Of Death - Bass Drum Of Death
No Joy - No Joy
Herpes - Symptome Und Beschwerden
Barbara Panther - Barbara Panther
Cults - Cults
Battles - Gloss Drop
WU LYF – Go Tell Fire To The Mountain / Psychedelic Horseshit – Laced

Augenblick verweile: Deaf Wish
Die Welt ist eine Ellipse: Bam Bam
Zerbrechliche Härte: The Men

Video: Architecture In Helsinki - Escapee



Ob's wohl bloß an falsch Erwartungen liegt, dass das neue Architecture In Helsinki-Album nicht vielen Leuten so gut zu gefallen scheint wie es mir derzeit den Sommer erhellt? Klar, dass auf der einen Seite geschmackliche Schmalspurler (nicht dass dagegen etwas einzuwenden wäre), die sich mehr gewohnten Indie-Schmindie erhoffen, zu reaktionären ... öhm ... Reaktionen wie dieser kommen, aber Fans eingängiger Electro-Eleganz müssten doch ähnlich hierauf abfahren wie auch auf die sonstigen Modular-Sachen. Vielleicht haben die gar nicht erst hingehört und AIH mental ganz woanders abgelegt? Naja, ist wie gesagt eines meiner diesjährigen Sommeralben schlechthin mit seinen Traummelodien und dem bei genauerem Hinhören mit subtilen Seltsamkeiten aufwartenden Sounddesign, die ja dann eben doch absolut AIH-typisch sind.

[Video] Architecture In Helsinki - Escapee

Iceage Live

Dass das Internet nicht der allmächtige Kulturdemokratisierer ist, für das es von manchen gehalten wird, lässt sich ganz gut an Iceage ablesen. Während jede Mittelmäßigkeit z.B. im Medienkonzentrationsraum Brooklyn schnell verbreitete Aufmerksamkeit findet, schrieb außerhalb ihrer Heimat kaum jemand über das großartige Debüt der Dänen. Und dabei wäre es wohl auch geblieben, die Veröffentlichung bei einem New Yorker Kleinstlabel erregte wenige Erwähnungen, doch erst die Zweitveröffentlichung drei Monate später auf einem Label mit PR-Agentur im Rücken und begleitet von einer Tour führte auch zu Rezensionen.

Ähnlich wird New Brigade wohl auch hierzulande ein Geheimtipp bleiben, so lange es nicht mal vielleicht über etablierte Vertriebs- und PR-Wege ins Sichtfeld der Medien gerät. Schade wegen solch altmodisch lokalmarktorientierter Produktbewertungs-Attitüden, aber zumindest hat die Band über diese Distanz Zeit gehabt, an ihrer Livedarbietung zu arbeiten, die klingt nämlich in dieser WFMU-Session schon weitaus weniger zerfahren als mitunter zu Jahresanfang.

Iceage live on WFMU