Stream: Handsome Furs - Sound Kapital

Hurra, Wolf Parade haben sich getrennt. Das bedeutet nämlich neues Material von Handsome Furs, die am 08.07. ihre dritte Platte Sound Kapital herausbringen. Die scheint stärker denn zuvor die Einflüsse ihrer Weltreisen zu zeigen, so gar nicht minimale Osteurobeats und -elektroniksounds zeugen davon ebenso wie die Texte des Duos. Ich werd aber einen Teufel tun, darüber ein erstes Urteil zu sagen, zu sehr erwiesen sich beide bisherige Alben nach anfänglicher Unterschätzung als wochenlange Grower und auch immer wieder beim Anhören als besser, als ich sie zu dem Moment in Erinnerung gehabt hatte.

[Stream] Handsome Furs - Sound Kapital

Neues Von Moonface

Hurra, Wolf Parade haben sich getrennt. Das bedeutet nämlich neues Material von Spencer Krug, genauer von seinem Soloprojekt Moonface, das letztes Jahr schon eine brillante EP hervorbrachte. Ganz auf sich gestellt ist Krug beim ersten Vorabstück des am 05.08. erscheinenden Organ Music Not Vibraphone Like I'd Hoped aber nicht, über voranwavender Drum Machine und genüsslichem Georgel sorgt neben Krugscher Sehnsuchtslyrik auch die Stimme von Sunset Rubdowns Camilla Wynne Ingr für Wohlvertrautheit.

[MP3] Moonface - Fast Peter

Nachtrag: Ach, hätt ich mal noch ein wenig länger gewartet: Im Laufe des Tages ist auf der Moonface-Traumseite neben den bis dato fehlenden Albuminformationen ein weiterer Song online gestellt worden, allerdings wird The Way You Wish You Could Live in the Storm nicht auf der Platte vertreten sein - eine Seltenheit, dass Krug, dessen Bands ohnehin fast nie Singles produzieren, mal einen Nicht-Albumtrack veröffentlicht.

Beautiful Swimmers

Besser hätten sie's kaum timen können: Pünktlich zum kurzfristigen Hitzeschub gibt es über ein Jahr nach ihrer letzten Strandgroßtat Big Coast neues Material von Beautiful Swimmers - und das gleich im Doppelpack. Während die neue Single Open Shadow im breiten Variations- und Referenzfeld des Washingtoner Duos schon ein paar Stunden in der Gemütlichkeitsecke gesonnt hat und herrlich träge herumsoult, geht Excited Track im verschwitzten Italo-Keller ans Eingemachte. Der demnächst wohl bei jedermenschs Lieblingsmünchnern Permanent Vacation erscheinende Track ist aber nicht minder klasse und ebenso wie die meisten bisherigen Singles und deutsche DJ-Termine im nächsten Monat auf Beautifuls Swimmers' Soundcloud zu finden.

[Stream] Beautiful Swimmers - Open Shadow featuring John Davis
[Stream] Beautiful Swimmers - Excited Track

c/o pop 2011 Tag 4: Chic Belgique, Rochus Aust

Eines der hohlsten Klischees in Festivalberichten ist ja die Hervorhebung des Wetters. Entweder heißt es nämlich immer "Fans feierten trotz strömenden Regens" oder "Fans feierten bei strahlendem Sonnenschein", die Präsenz des Publikums, das schließlich auch gutes Programm für sein gutes Geld sehen will, vermögen die Klimaverhältnisse eh nicht zu beinflussen. Wäre der Wolkenbruch der Tagesmitte nicht in gelegentliches, minimalstes Nieseln umgeschwungen, dürfte das beim Chic Belgique anders ausgesehen haben.

Die besteht nämlich vor allem aus unverbindlichem Rumhängen in den Straßen des Belgischen Viertels, bekanntermaßen so benannt weil einst Adi Äädäppel, der Erfinder der belgischen Fritten, irgendwo hier geboren wurde bevor er Jahre später gen West umzog. Zwar gibt es einen gut geordneten Zeitplan, nach dem die Gratiskonzerte vor allem lokaler KünstlerInnen über ein Dutzend Klamottengeschäfte verteilt stattfinden werden, aber wie die zwischen Zeit- und Ortsplan navigierenden Auswärtigen schnell merken kann man ersteren in die Tonne kicken. In typischer Kölscher Gemütlichkeit machen Verspätungen von bis zu einer halben Stunde den gezielten Besuch unmöglich, sinnvoller ist es, einfach gemütlich durch die Straßen zu schlendern und zu horchen, wann neue Töne von irgendwo erklingen.

So bin ich mir letztendlich auch gar nichtmal sicher, wen ich dort eigentlich sehe oder höre, als so interessant wie es manche Soundcloud-Auszüge andeuteten entpuppt sich jedenfalls nichts. Dafür kann ich eigentlich dankbar sein, dass keine Hochsommer-Temperaturen herrschen. Schon so ist es ordentlich warm in den meisten Lokalitäten, wo Menschenmengen die Lücken zwischen Kleiderregalen, bunt behangenen Bügelstangen und Spiegeln füllen. Gerade letztere sorgen für amüsante Anblicke, wenn manche frontal mit ihrem eigenen Spiegelbild tanzen und andere krampfhaft versuchen, sich nicht von ihrer Reflektion irritieren zu lassen. An anderer Stelle ist die Bühne zur Straße hin positioniert, neben der Hauptattraktion wird so auch das Publikum selbst zur von außen begafften Schaufenster-Attraktion.

Nach diesem ständig schicken Mode- und Menschen-Angucken und angeguckt werden verspricht ein Konzert in völliger Finsternis willkommene Konzentration aufs Wesentliche. Da ich ja jetzt weiß, wo der Kunstverein zu finden ist finde ich mich auch stressfrei rechtzeitig zu Beginn auf einem Klapphocker. Absolut finster ist es nicht, nach einer Weile können die angepassten Glubscher zumindest Schemen ausmachen, für die volle Erfahrung richte ich darum meinen Blick auf den Boden oder schließe die Augen.

Und es ist ein intensives Erlebnis, zu gluckernder Ambient-Elektronik erzeugen der Kölner Trompeter Rochus Aust und mindestens ein weiterer Blechblas-Spieler um die knapp 15 Leute herum zunächst nur Mundlaute und Mechanikklackern. Ohne visuelle Andeutung hängt man sekundenlang im Nichts, bis auf einmal ein scharfer Ton aus ein, zwei Metern Abstand die Luft durchschneidet, nach einer Weile merke ich sogar, dass diese Ungewissheiten was wohl wann von wo kommen mag meinen Puls höher schlagen lassen. Genauso passiert es aber auch, dass ich mich in mir selbst versunken finde, die Musik gar nicht mehr bewusst wahrnehmend und wieder zurück im Hier und Jetzt überrascht bin, dass sie ihren Weg in warme Harmonie gefunden hat.

Überraschenderweise bewirkt aber die Reduzierung der Sinneswahrnehmungen auch, dass die Zeit wie im Fluge vergeht, was zunächst wie eine weitere Atempause in der geschätzten Mitte der 40 Minuten erscheint, ist schon das Ende. Was - und das ist eine Sache von mehreren hier, über die man ja sonst nicht nachdenkt - ohne Sicht auf die Musiker auch gar nicht erkennbar ist. So dauert es gut eine Minute, bis Applaus einsetzt, der Raum bleibt aber dunkel. Nachdem Finsternis die Ohren geöffnet hat, wird es nun wieder Zeit, die Augen zu öffnen und den Weg ins Licht anzutreten.

c/o pop 2011 Tag 3: A Comedy Of Errors

Allmählich stellt sich das Festivalsyndrom ein, eine geistige und auch teilweise körperliche Trägheit, die vielleicht das leichte Desaster des dritten Tages begründet. Er ist ohnehin konzertmäßig der am wenigsten interessante, lauter deutsche Gitarrenpopbands die man auch wann anders im Jahr nicht sehen will und irgendwo auch noch die Tumblr-Effekthascher Wu Lyf, überschattend liegt über allem die spätere große Clubnacht mit nicht nur der Kompakt-Party.

Doch ein paar Sachen abseits davon sind schon reizvoll, so ist das erste angesteuerte Ziel auch ein Dunkelkonzert von Rochus Aust, das in völliger Finsternis stattfinden soll. Am vermeintlichen Veranstaltungsort weiß man allerdings nichts davon, im Kölnischen Kunstverein gibt es heute nur eine Kinovorführung. Komisch, das scheint doch der richtige Veranstaltungsort zu sein, oder gibt es etwa noch einen Kölner Kunstverein in der Nähe des Rudolfplatzes?

Wie sich später herausstellt, gibt es den in der Tat - 800 Meter weiter die Straße runter liegt der Kunstverein Kölnberg. Na toll. Der Ärger über diese Verwechslung verfliegt aber schnell in der Idylle des Aachener Weihers, über den erschallen passend zum goldigen Sonnenuntergang balearische Discoklänge von der Playground Love im Kulturdeck am Aachener - einer dermaßen schönen Sommerlocation, dass sie im (wie gerade gesehen nur allzu) kulturreichen Köln vermutlich bis Ende des Jahres an irgend einen Ballermann-Party-Betreiber umvermietet wird.

Dann geht es auf zum Stadtgarten, durchs belgische Viertel, das ja demnächst aufgrund der absurden Häufung dieser Gastronomien dort in Sushi-Viertel umbenannt werden soll (besorgniserregend: der Kotzhaufen neben einem "All you can eat"-Sushietablissmenet), über den Casus Belli Brüsseler Platz und schon bin ich beim Italic-Abend - der, anders als in den letzten beiden Jahren, in der bisher größten Halle völlig überraschend ausverkauft ist. Na toll. Aber keine Sorge, um dennoch den journalistischen Informationsauftrag dieses Blogs zu erfüllen folgt nun ein Livebericht ohne live dabeigewesen zu sein. So schwer kann das ja wohl nicht sein.

Zunächst betreten Stabil Elite die Bühne, der Band, wegen der ich eigentlich auch vor allem hier bin. Gut, dass ich schon im Vorfeld Tickets besorgt habe! Wie schon Lucas Croon bei seinem a href="http://uliuli.twoday.net/stories/6397180/">letztjährigen Soloauftritt bewegt sich das wohlgekleidete Trio in synthetischen Kosmik-Welten, zieht aber auch mal wie in Gold ein rigides Krautpop-Gewand an oder kombiniert beides im epischen Krautkamerad. Ein hypnotischer Sog entfaltet sich, der auch das verlässlich aufgeschlossene Publikum in Bewegung bringt und daran erinnert, dass Elektronik nicht nur minimal tanzbar sein kann.

Während umgebaut wird, begebe ich mich in den Restaurant-Teil des Stadtgartens, wo es ein Wiedersehen mit Maylee Todd gibt. Nach ihrem Support für Janelle Monáe steht sie im Glitterkleid auf der erheblich kleineren, meist von Jazzbands bespielten Bühne, was der ehemaligen Sängerin einer Punkband aber sicher nicht allzu ungewohnt erscheint. Nach diesem kanadischen Zwischenspiel zurück im Saal geht das Gerücht um, Kreidler seien leider verhindert und mussten kurzfristig absagen - leider, so würde man meinen. Doch unter so ungläubigem wie tosendem Applaus betreten auf einmal leicht verschlafen ... Radiohead die Bühne. Zum Glastonbury-Festival, wo sie heute scheinbar einen Überraschungsauftritt hatten, haben sie äußerlich täuschend echte Imitatoren geschickt erklärt Thom Yorke, der heute nicht nur Melone, sondern auch einen Schirm trägt.

Doch ebenso rapide, wie er begann ist der Auftritt nach einem 20minütigen Hit-Medley inklusive Stan Bush-Cover und einem Konfettiregen zum Finale, bei dem Yorke im Kopfstand von der Bühne uriniert (deswegen also der Regenschirm!), auch schon vorbei. Schließlich will die Band noch im Gloria das Kölner Experimentalkollektiv Beat! Beat! Beat! ansehen, welches ja bekanntermaßen The King Of Limbs schwer beeinflusst hat. Doch Radiohead wären nicht Radiohead, wenn sie den Weg dorthin nicht auf die umweltfreundliche Weise zurücklegen würden, und so radeln sie frohen Mutes auf einem Fünffach-Tandemfahrrad in die Nacht davon.