Stream: Julianna Barwick - The Magic Place

Nachdem sie ihre himmlische Florine-EP noch in Eigenregie veröffentlichte und damit bei weitem nicht die gebührende Beachtung für eine der besten Platten 2009 fand, sollte das mit dem zweiten Album von Julianna Barwick ein wenig anders laufen. The Magic Place, auf dem sie ihre helle Stimme mit wenig instrumentaler Begleitung zu hallenden Dronegemälden samplet, loopt und schichtet erscheint am 01.04. auf Asthmatic Kitty, dem Labelheim von Sufjan Stevens, und kann jetzt schon mal angehört werden:

[Stream] Julianna Barwick - The Magic Place

Video: Glasser - Mirrorage



Selten weiß ein Auftritt auf so vielen Ebenen zu faszinieren wie der gestrige von Glasser im Blue Shell. Die herrlich einnehmenden Kompositionen ihres Debütalbums Ring brachte Cameron Mesirow mit Unterstützung dreier Mitspieler größtenteils ohne Computerplayback auf die wenig von Boden und Publikum distanzierte Bühne - was bei der schieren Menge und Vielfalt an verwendeten Instrumenten fast so verwundern mag wie die Tatsache, dass eins der ständig präsenten Instrumente eine Gitarre war, die nun wirklich keine bedeutende Rolle in Glassers futuristisch klarer Klangwelt spielt.

Doch die Verwunderung darüber sollte sich gelegt haben, als die ersten Holzbläser- oder Synthmelodien zu hören waren, die genau den Fingerläufen des Gitarristen folgten. Über ein MIDI-Pickup wurden die von ihm gespielten Noten in immer wieder überraschende Klänge umgewandelt die teils traditionellen Instrumenten jeglicher Couleur entsprachen, aber auch elektronische Pieper oder menschliche Mundgeräusche sein konnten. Selbst mit genauem Hinsehen war es mitunter unmöglich genau festzustellen, von welchem der Spielenden ein Ton nun kam; An einer Stelle spielte z.B. die Gitarre ein perkussives Klackern, wechselte daraufhin aber das "Instrument" und beim nächsten Mal kam das Klackern vom elektronischen E-Schlagzeug (von dem ich mir auch sicher bin, dass es irgendwann mal als "melodisches" Instrument fungierte).

Wie um von diesem faszinierenden Blick hinter die so auch live in aller Pracht erklingenden Musik abzulenken, war aber Mesirow das Zentrum des Geschehens. In einem scheinbar so einschränkend eng anliegenden wie mit einem steifen, weit abstehenden Kleid leicht aneckenden Kostüm wand, drehte und verbog sie sich fast schon balletthaft, bewegte den Kopf sich mit jedem hallenden Schrei in Tremel ein Stück weiter oder zuckte und sprang so belebt zum rhythmusdurchzogenen Home, wie das in so hohen wie klobigen Schuhen nur möglich ist. Beeindruckend war aber mehr als alles ihre kraftvolle Stimme, so kontrolliert, präzise und adaptiv wie das komplexe Klanguniversum um sie herum. Erfreulicherweise herrschte dann auch in dem Raum, in dem jedes Geräusch so laut gewirkt hätte als wäre es direkt neben einem entstanden, absolute Stille als sie das auf Ring ohnehin schon spärlich instrumentierte T nahezu a capella sang, allein vom Hauch einer Melodie begleitet. Auch hier ganz die Showwoman, hielt sie die Augen die ersten Verse lang geschlossen um sie erst bei der Intonation von "Let me see you through your eyes" geradewegs ins Publikum zu richten.

Das Highlight war aber das finale Mirrorage, nicht minder eindrucksvoll als in seiner Studiofassung. Hier mal eindeutig aus dem Laptop kommend, hing ein Stimmenchor über dem stetig dichter mit Trommelfeuer, Gesang, Basspuls und glasklaren Perkussionsmelodien angefüllten Raum. Auch wenn die Töne nur von vorne kamen, am Ende fühlte man sie auch dann noch um sich herum, als man ihn schon durch einen blauen Vorhang verlassen hatte.

[Video] Glasser - Mirrorage

Liturgy / Delicate Steve



Es gibt so Punkte, wo Musik ihr designiertes Genre oder auch nur stilistische Charakteristika so nebensächlich erscheinen lässt, dass sie einen größeren, breiteren Appeal erhält. So könnte der neue Song von Liturgy auch dann gefallen, wenn man sonst nichts mit Black Metal (die vier sehen ohnehin mehr wie Stoner-Rocker aus) oder mathigem Hickhack am Hut hat, denn in hohen Tonlagen, die ein wenig an die mitreißenden frühen Trail Of Dead erinnern, ergießt sich ein gleißend melodischer Strom der dann auch verständlich macht, warum ihr zweites Album Aesthetica im Mai auf Thrill Jockey erscheinen wird.

[Stream] Liturgy - Returner



Nahezu gesangloses Gitarrenspiel trifft eher selten meinen Geschmack, hinter dem trügerischen Namen Delicate Steve verbirgt sich aber die ungemein belebte, gutgelaunte Musik einer Band, die mit ihren Afro-Pop-Einflüssen sicher Vergleiche mit den Sonnenmomenten der Dirty Projectors rechtfertigt, aber in ihrer Dichtheit und spaßigen Rhythmik auch an (den offenbar doch nicht aufgelösten) Ponytail oder Micachu erinnert. Das Debütalbum Wondervisions erscheint am 18.03., bei Luaka Bop kann man es schon komplett anhören.

[MP3] Delicate Steve - Butterfly
[Video] Delicate Steve - Wondervisions

Neues Von Belong, Boris

Manche musikalische Entwicklung lässt sich zwar vorherahnen, ist dann aber doch etwas überraschend wenn sie geschieht. Beim New Orleanser Drone-Duo Belong hatte sich zum Beispiel nach dessen großartigem Debüt eine Pop-Affinität angedeutet, die in der Colorloss Record-EP nur allzu deutlich wurde, jedoch in ambienter Entrücktheit verweilte. Für das am 25.03. erscheinende Common Era scheint das Duo nun in klassische und klare Songstrukturen zu kippen, inklusive peitschender Drumbeats und Gesang die nur noch leicht von Dronewolken runtergedrückt werden.

[Stream] Belong - Perfect Life

Noch weniger sollte man eigentlich davon überrascht sein, dass Boris auf ihrem neuen Song mal wieder eine neue Facette ihres umfangreichen Schaffens offenbaren, haben sie in diesem Jahrzehnt doch von Doom über Psych, Thrash, Grindcore bis zu straightem Hardrock schon eine bemerkenswerte Vielfalt an Gitarrenmusik produziert. Doch dass ausgerechnet ihre 2009er Split mit den japanischen Disco-Softrockern 9dw tatsächlich als Indiz aufs für März angekündigte werweißwievielte Album des Trios aufzufassen gewesen sein könnte, darauf hätte dann doch niemand so schnell gewettet.

[Stream] Boris - Party Boy