Stream: Tim Hecker - Ravedeath, 1972

Nachdem er Ben Frosts 2009er By The Throat schon seine Bewunderung ausgesprochen und auch live mit ihm kollaboriert hatte, wählte Drone-Meister Tim Hecker den australischen Isländer nun für die Produktion seines neuen Albums aus, dessen Aufnahmen in einer Kirche stattfanden. Das Ergebnis, das in einer Woche erscheinende Ravedeath, 1972, ist denn auch nicht gerade arm an Hall und Klangweite wie nun schon mal vorab zu hören ist:

[Stream] Tim Hecker - Ravedeath, 1972

Ab Heute: Das Route Du Rock Festival Auf ARTE Live Web

Zweimal jedes Jahr findet im bretonischen Saint-Malo das Route Du Rock-Festival statt, die 2011er Winterausgabe, die sich diesmal sogar bis Montag erstreckt, beginnt heute Abend und wird erneut in großen Teilen auch online mitzuverfolgen sein. Mit dabei sind diesmal u.a. der galaktische Dean Wareham, The Pains Of Being Pure At Heart, Tu Fawning, Esben & The Witch und, worauf ich mich besonders freue weil ihre Europatour leider nicht in Kölner Reichweite führte, die krautigen Disappears mit Steve Shelley am Kloppzeug.

La Route Du Rock auf ARTE Live Web

Video: Von Spar - Scotch & Chablis / Kreidler - Kremlin Rules



Kurios, dass diese Gruppen innerhalb einer Woche beide ein neues Video rausgebracht haben. Nicht nur, weil das von Kreidler zu ihrem in drei Wochen erscheinendem Album und Von Spars Scotch & Chablis das Eröffnungsstück ihres bald ein Jahr alten Foreigner ist. Für mich vor allem auch, weil ich dadurch wieder an den Auftritt der beiden vor exakt anderthalb Jahren erinnert werde, bei dem die Kölner klar die Nase vorn hatten was sich auch auf den folgenden Alben der beiden bestätigte, Von Spars warmer Kosmiktrip so mühelos kunstvoll gegenüber Kreidlers - ja, weiß gar nicht mehr so genau, zu kühl-mechanischer Präzision auf Mosaik 2014 bei der mir irgendwo die Hörbindung fehlte. Umso mehr fühle ich mich dafür dem neuen Stück Kremlin Rules hingezogen, nicht nur wegen dieses sofort vertraut wirkenden Eröffnungsmotivs und der Goblin-haftigkeit, die es zu einem Cousin des letztjährigen Umberto-Albums macht, es ist vor allem der volle, organische Sound der mich gespannt werden lässt, was Tank wohl zu bieten hat.

[Video] Von Spar - Scotch & Chablis
[Video] Kreidler - Kremlin Rules

tUnE-YarDs / Extra Life

Auch wenn sie ungünstigerweise zur gleichen Zeit wie die ähnlich experimentierfreudige Ukulelistin Micachu und das eingängigste Werk der Dirty Projectors auf den Plan trat, wartete das Debüt von Merrill Garbus alias tUnE-YarDs durchaus mit einer eigenen Art von verquerem Pop auf. Mein Problem damit war aber vor allem, dass die Lo-Fi-Produktion der Musik schwer die Hörfreude nahm, auf dem am 15.04. erscheinenden Nachfolger w h o k i l l hat sich das aber zum Glück geändert: Das erste Vorabstück Bizness glänzt in all seiner komplexen Herzlichkeit, von dem auf mehrere Stimmen verteilten Vocal-Hook über die belebten Bläser und nervösen Percussions bis zu Garbus' kraftvollem Gesang im Vordergrund.

[MP3] tUnE-YarDs - Bizness

Wenn Charlie Looker, Chef und Stimme von Extra Life, seine Wortendungen so nasal lang zieht erinnert mich das immer schwer an Kermit den Frosch. Doch auch wenn er von einer gewissen Theatralik beseelt ist, schwingt sich Ripped Heart von der gleichnamigen, Anfang April erscheinenden EP fernab von Marionetten-Varieté schönmelodisch in die Höhe, was von den dissonant mitlaufenden Saiteninstrumenten ebenso schön wieder untergraben wird und sich zum Ende in krachige Xiu-Xiu-Beklemmung verdichtet.

[Stream] Extra Life - Ripped Heart

Stream: Yuck - Yuck

So richtig begeistert war ich bis jetzt von Yuck noch nicht, obwohl die Band wie für mich gemacht scheint. Seit über einem Jahr setzt das britische Quartett immer wieder Songs mit einem Sound in die Welt, der schamlos vom schönsten Schrammelrock der 90er abgepaust ist, ein wenig von frühen Built To Spill, Dinosaur Jr. und Slanted-Pavement, mit seinem Gesang aber mehr noch von Yo La Tengo und geschätzten zwei Dutzend Slumberland-Bands - zusammen mit tollem, eingängigem Songwriting eigentlich beste Vorraussetzungen soweit. Nur wirkte das stellenweise etwas steif und in seiner übermäßig bemühten Lo-Fi-Produktion ohne die Artschool-Cleverness bzw. Fuckit-Attitüde einer Times New Viking oder Eat Skull zu konstruiert. Naja, hierzulande scheint das in den USA auf Fat Possum und im UK beim Major Mercury erscheinde Album sowieso vorerst nicht vertrieben zu werden, mal hören wie sich Yuck am Stück so schlägt.

[Stream] Yuck - Yuck