Odisea



Es will einfach noch kein Ende nehmen mit Chile. Und es scheint dort echt eine kleine, feine Pop-Szene zu geben, denn Alex Anwandter, der Regisseur von Javiera Menas Video ist wohl erheblich mehr für seine musikalischen Aktivitäten bekannt und hat als Odisea letztens sein, wohl echt typisch für dort, detaillieb produziertes erstes Soloalbum herausgebracht.

Der pianohousige Disco-Pop des Mannes mit einer Stimme, die stellenweise an Michael Jackson erinnert, hat schon was von leicht verlangsamten Hercules & Love Affair, ist aber wenn ich das richtig verstehe textlich erheblich düsterer beseelt und wird besonders in seinen langen, wenig radiofreundlichen Stücken richtig interessant. Die Hälfte des Albums Odisea kann man auf seiner Homepage anhören, soweit ich sehe scheint es als Download nur auf dieser chilenischen Seite erhältlich zu sein - werd ich mich wohl mal mit Google Translate durchwühlen müssen wenn sich nun auch diese Klänge bei mir festsetzen sollte.

[Stream] Odisea - Casa Latina
[Stream] Odisea - Cabros

Eat Skull Kommen

Die großartigen Eat Skull haben mit ihren beiden Alben gleichermaßen Rücksichtlosigkeit auf Lautstärkepegel und Feingefühl für eingängige Melodien inmitten ihres Garage- bis Psychgeschrammels bewiesen. Umso enttäuschender dass ihre Europatour zunächst ziemlich schmal ausfiel, doch sind die letzten Wochen und auch noch Tage immer mehr Termine irgendwo im Internet aufgetaucht - allerdings ohne zentrale Übersichtsstelle, ohne einen Blick auf die Homepage des King Georg hätte ich z.B. nicht vom Köln-Besuch dieses Wochenende erfahren.

08.12.2010 Absturz, Leipzig
09.12.2010 Magnet Club, Berlin
10.12.2010 Tsunami, Köln
16.12.2010 Grüner Jäger, Hamburg

Nachtrag: Hätt ich mal besser nix gesagt, jetzt fällt das Köln-Konzert aus.

Nachtrag 2: Und nun hat die Angelegenheit ein chaotisches, aber umso besseres Ende genommen: Eat Skull spielen nun im Tsunami zusammen mit Munch Munch. Hurra!

Stream: Teeth Of The Sea - Your Mercury

Fst schon ein Addendum zum Sonntag ist das zweite Album von Teeth of The Sea, deren Erstwerk ich letztes Jahr schon stellenweise groß fand, es aber irgendwo dann doch aus den Ohren verloren hab. Wobei die Spielwiese der Briten wohl breiter ist als die aller anderen im Mix vertretenen, auf dem diese Woche erscheinenden Your Mercury gesellen sich zu Analogsynth-Eskapaden schwere Drones, verquarzte Spacerock-Trips, Noise-Gefrickel und sanfte Ambient-Trips von denen ich mir auch beim 5. Hören nicht sicher bin ob sie alle so recht zusammen passen - doch dass ich das Album so oft höre sagt sicher auch was über seine Qualität aus.

[Stream] Teeth Of The Sea - Your Mercury

2010 im Mix: Sternenstaub



Wenn ich zwischen den Alben, die mir dieses Jahr gefallen haben die üblichen roten Fäden ziehe, dann bildet sich einer dieser Fäden außergewöhnlich dick aus. Musikalische Entwicklungen anhand der paar hundert Alben, die man in einem Jahr hört, festmachen zu wollen ist natürlich nie eine sonderlich glaubwürdige Sache, aber wenn ich große gemeinsame Nenner zwischen einer Kölner Experimentalband, dem amerikanischen Synth-Drone-Nachwuchs, den neuen Werken weltbekannter Elektronik-Größen oder Wohnzimmerkomponisten aus Griechenland und Irland höre, bin ich einfach versucht meinen Finger an irgendeinen Puls zu legen.

Steile Thesenverfasser würden hier jetzt wohl was von Krautrock-Revival oder Hypnagogie darlegen, aber mir reicht es, ganz unakademisch das kosmisch-kreisende Taumelgefühl in der Musik von Emeralds, The Chemical Brothers, Von Spar, Atlas Sound, Oneohtrix Point Never, Solar Bears und vielen anderen, das dieses Musikjahr mehr als alles andere für mich geprägt hat, in diesem Mix zu versammeln:

Sternenstaub

Stream: Dënver - Música, Gramática, Gimnasia

Werden im chilenischen Pop eigentlich schon lange so tolle Alben wie Mena und Música, Gramática, Gimnasia produziert? Ich hoffe es ja eigentlich nicht, ansonsten will ich mir gar nicht ausmalen was ich da die letzten Jahre alles verpasst habe. Anders als Javiera Menas Zweitling ist der von Dënver stilistisch etwas breiter gefächert, zu Electropop, der im jubilierenden Eröffnungsstück Mi Primer Oro auch mal gen Disco tendiert, gesellen sich gitarrenorientierte Nummern die aber nicht minder fein ausstaffiert sind (und im Falle von Lo Que Quieras auch mal in überraschend größenwahnsinniger Ozulenz enden) und mich so besonders an leichtfüßigen Schwedenpop à la Pacific! erinnern. Hängt sicher damit zusammen, dass Produzent Christian Heyne bei beiden Alben für die Feinabstimmung zuständig war, das könnte dann auch die Anfangsfrage klären.

[Stream] Dënver - Música, Gramática, Gimnasia