Von Uli am 28. November 2010, 12:35
Gibt es ein Garage-Revival? Jay Reatard, Times New Viking, Vivian Girls, No Age, Best Coast, Magic Kids, Blank Dogs, Yuck, Wavves, die Liste von Neuzugängen mit Kellerclub-Hintergrund auf gestandenen Indies wie Matador, Sub Pop und Fat Possum oder recht jungen Labels wie Captured Tracks, Woodsist oder Mexican Summer ließe sich nach Belieben fortführen, scheint sie doch seit geschätzten vier Jahren exponentiell angewachsen. Zumindest wenn man die Menge der Online-Berichterstattung betrachtet, sowohl in Blogs als auch der breiteren amerikanischen Musikpresse.
Vielleicht liegt das Phänomen ja darin begründet, dass sich die schrammeligen Spielarten nahezu ideal für die ständig im Fluss befindliche Berichterstattung im Netz eignen, die immer auf der Suche nach dem Neuen mit einem gewissen Grad an Vertrautheit ist. Ein catchiger Schrammelpopsong ist ohne größeren Studioaufwand recht schnell machbar, weswegen Bands mühelos mehrere Singles, EPs und Alben pro Jahr rauskloppen können, ist dabei publikumsaffiner als improvisatorisch-experimentelle Musik mit ähnlichem oder noch höherem Output (z.B. Noise) und zugleich unpopulistisch genug, um ein für eine gewisse Hörerschaft attraktives Mittelmaß an Bekanntheit nicht zu überschreiten.
Sicher mitverantwortlich sind die Entwicklung neuer Kooperationsstrukturen altverdienter, aber bis vor kurzem noch unverdient unbekannt geglaubter Labels wie In The Red und Slumberland mit PR-Agenturen, die das Ohr der richtigen Leute in der Online-Berichterstattung haben (man vergleiche nur mal den Output von
Forcefield mit den Bands über die Pitchfork, Stereogum und Gorilla Vs. Bear so schreiben) und einen stetigen Fluss an Promo-Mp3s in die Hype Machine entlassen, oder die großteils schwindende Scheu von Künstlern und Labels vor Sponsoring.
Jenes Sponsoring ermöglichte denn auch die Produktion einer reißerisch betitelten, aber ziemlich guten Dokumentation über viele der jüngeren und ein paar der älteren Protagonisten des Schrammel-Minibooms, die auch einige der letzten Aufnahmen Jay Reatards vor seinem Tod enthält:
New Garage Explosion!!