Video: My Chemical Romance - Sing



Ich würde ja mal gerne ein Venn-Diagramm aus Comicfans und Leuten, denen die neue My Chemical Romance gefällt sehen, denn ich vermute dort eine ziemlich große Überschneidung. Und bin auch sicher nicht der erste, den das rastlos vergnügliche Feuerwerk von Danger Days an Warren Ellis' Phrase der "Mad, Beautiful Ideas" erinnert, ein buntes Popspektakel im Breitbildformat das auch in Videos wie dem cyberpunkigen zu Sing approximiert wird. Erneut passenderweise mit Ideenkönig Grant Morrison in der Schurkenrolle, wobei das Album gewiss nicht an die formalistische Innovation oder thematische Tiefe seiner Werke heran kommt, aber zumindest einen formidablen Soundtrack dazu abgeben würde.

[Video] My Chemical Romance - Sing

Stream: Eluvium - Static Nocturne

Es ging einfach zu schnell. Gerade erst hatte Ambient-Traumtänzer Eluvium angekündigt, dass er in Kleinauflage sein bereits zweites Album in diesem Jahr selbst veröffentlichen würde, schon war Static Nocturne vergriffen. Doch erfreulicherweise bietet Matthew Cooper das Werk, das aus einem einzigen, dauerverrauschten Stück mit ein- und ausdriftenden Melodien besteht und so ein wenig an Belong erinnert, mittlerweile als Download bei Bandcamp an wo man es auch komplett hören kann:

[Stream] Eluvium - Static Nocturne

Video: Vampire Weekend - Giving Up The Gun



Kein anderes Album hat dieses Jahr - zumindest zum Positiven hin - so eine 180°-Drehung bei mir bewirkt wie Contra. Ich weiß noch, wie enttäuscht ich nach dem ersten Hören war und die Platte beim zweiten Durchlauf fast schon abgeschrieben hatte, wäre sie nicht von Giving Up The Gun gerettet worden. Dass der Song wie fast immer bei Vampire Weekend die Kunst beherrscht, sich mit wiederholten Hören von "ganz nett" bis "sehr nett" zu steigern, diesen Appeal dann aber auch nach dem hundertsten Mal zu behalten, war da noch nicht klar.

Sehr wohl aber der fabelhafte Kontrast (und das Zusammenspiel) zwischen mit Schmackes schnappenden, maßvoll komprimierten Drums und der leichten Süße von Ezra Koenigs Vocals und jenen imn Hintergrund, die das vielleicht erwartete Finale genüsslich herauszögern als die empfohlene Radioformat-Längenmarke gerade überschritten ist. Die nicht-Rhythmus-Instrumente treten in den Hintergrund oder verschwinden ganz, Koenig wird von einem überfliegenden Engelschor überdeckt, für ein paar Sekunden schwebt das Stück ohne Sicherungsseil - und dann donnert umso imposanter ein letztes Mal der Refrain ein.

[Video] Vampire Weekend - Giving Up The Gun

Stream: Plug - Plug

Wie gut dass es die Niederländer vom Luisterpaal gibt, sonst wär mir ziemlich sicher das letzten Freitag erschienene Debütalbum von Plug völlig entgangen - so werd ich's mir nun bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit zulegen. Die beiden Londonerinnen halten auf Plug unter nie zu aufgekratztem Geshoute genau die richtige Balance aus Grooveklöppeleien und Lo-Fi-Hooks, erinnern dabei an frühe Postpunks, minimalistische Elastica oder eine weniger noisige Micachu.

Nachtrag: Der Luisterpaal-Stream ist zwar mittlerweile beendet, da aber die letzten Tage verstärkt Interesse daran besteht hab ich mal den Stream auf We7 verlinkt, der lediglich eine kurze kostenlose Anmeldung benötigt.

[Stream] Plug - Plug

Munch Munch, The Indelicates, Frankie Rose & The Outs, Sky Larkin, Best Coast Kommen

Jetzt geht wieder alles auf einmal los, Konzerte an allen Ecken und Enden. Mit ihrem ersten Album Double Visions ist dieser Tage die Rasselbande Munch Munch unterwegs, ihr zweiter Auftritt im Tsunami wird dabei sicher nicht weniger munter ausfallen als der erste.

29.11.2010 Astrastube, Hamburg
30.11.2010 Marie Antoinette, Berlin
03.12.2010 B72 , Wien
06.12.2010 Carambolage, Karlsruhe
07.12.2010 K4, Nürnberg
08.12.2010 Stall 6, Zürich
10.12.2010 Tsunami, Köln

Auch darauf, die letzten großen Ätzer des Pop erneut live zu erleben freu ich mich, jetzt da am 10.12. endlich ihr zweites Album auch hierzulande erscheint bringen The Indelicates ihre Songs For Swinging Lovers kreuz und quer durchs Land:

01.12.2010 Haus III & 70, Hamburg
02.12.2010 Sonic Ballroom, Köln
03.12.2010 AMP, Münster
04.12.2010 Bang Bang Club, Berlin
05.12.2010 Kulturfabrik, Oberhausen
07.12.2010 Kult 41, Bonn
08.12.2010 Kulturfabrik, Krefeld
09.12.2010 Kleine Freiheit, Osnabrück
10.12.2010 Sparte 4, Saarbrücken
11.12.2010 Café Central, Weilheim
12.12.2010 Laab, München
14.12.2010 Zwölfzehn, Stuttgart
15.12.2010 Alter Schlachthof, Wiesbaden
16.12.2010 Ostpol, Dresden
17.12.2010 Hotel Seeblick, Leipzig
18.12.2010 Projekt 7, Magdeburg

An verschrammeltem Indiepop herrscht um den Monatsanfang rum gewiss keine Knappheit, wem The Pains Of Being Pure At Heart zu teuer oder weit entfernt waren hat sowohl die Gelegenheit, sich die Spectorismen von Frankie Rose & The Outs zu geben

03.12.2010 Bikini Test, La Chaux-de-Fonds
04.12.2010 King Georg, Köln
05.12.2010 White Trash, Berlin
06.12.2010 Cafe Keese, Hamburg

als auch das nonchalante Küstenkurzweil von Best Coast, deren Konzert mit der Hinzunahme von Sky Larkin als Vorband glatt doppelt an Qualität zugenommen hat.

04.12.2010 Mascotte, Zürich
05.12.2010 Atomic Café, München
07.12.2010 MTC, Köln
13.12.2010 Beatlemania, Hamburg
14.12.2010 Magnet, Berlin

Nachtrag: Scheibenkleister, glatt das beste von allem vergessen: The Jon Spencer Blues Explosion sind ab Ende der Woche unterwegs.

03.12.2010 Gebäude 9, Köln
04.12.2010 Knust, Hamburg
05.12.2010 Volksbühne, Berlin
06.12.2010 Mousonturm, Frankfurt

Schrammelige Dokumentation: New Garage Explosion

Gibt es ein Garage-Revival? Jay Reatard, Times New Viking, Vivian Girls, No Age, Best Coast, Magic Kids, Blank Dogs, Yuck, Wavves, die Liste von Neuzugängen mit Kellerclub-Hintergrund auf gestandenen Indies wie Matador, Sub Pop und Fat Possum oder recht jungen Labels wie Captured Tracks, Woodsist oder Mexican Summer ließe sich nach Belieben fortführen, scheint sie doch seit geschätzten vier Jahren exponentiell angewachsen. Zumindest wenn man die Menge der Online-Berichterstattung betrachtet, sowohl in Blogs als auch der breiteren amerikanischen Musikpresse.

Vielleicht liegt das Phänomen ja darin begründet, dass sich die schrammeligen Spielarten nahezu ideal für die ständig im Fluss befindliche Berichterstattung im Netz eignen, die immer auf der Suche nach dem Neuen mit einem gewissen Grad an Vertrautheit ist. Ein catchiger Schrammelpopsong ist ohne größeren Studioaufwand recht schnell machbar, weswegen Bands mühelos mehrere Singles, EPs und Alben pro Jahr rauskloppen können, ist dabei publikumsaffiner als improvisatorisch-experimentelle Musik mit ähnlichem oder noch höherem Output (z.B. Noise) und zugleich unpopulistisch genug, um ein für eine gewisse Hörerschaft attraktives Mittelmaß an Bekanntheit nicht zu überschreiten.

Sicher mitverantwortlich sind die Entwicklung neuer Kooperationsstrukturen altverdienter, aber bis vor kurzem noch unverdient unbekannt geglaubter Labels wie In The Red und Slumberland mit PR-Agenturen, die das Ohr der richtigen Leute in der Online-Berichterstattung haben (man vergleiche nur mal den Output von Forcefield mit den Bands über die Pitchfork, Stereogum und Gorilla Vs. Bear so schreiben) und einen stetigen Fluss an Promo-Mp3s in die Hype Machine entlassen, oder die großteils schwindende Scheu von Künstlern und Labels vor Sponsoring.

Jenes Sponsoring ermöglichte denn auch die Produktion einer reißerisch betitelten, aber ziemlich guten Dokumentation über viele der jüngeren und ein paar der älteren Protagonisten des Schrammel-Minibooms, die auch einige der letzten Aufnahmen Jay Reatards vor seinem Tod enthält:

New Garage Explosion!!