Video: Javiera Mena - Hasta La Verdad



Dass die erste Single von Mena nicht der beste Song darauf ist, liegt vor allem daran was für ein durchweg zauberhaftes Album Javiera Menas Zweitwerk ist. So mag Hasta La Verdad nicht an die schier phänomenale Sequenz aus Luz De Piedra De Luna, Sufrir und Acá Entera heranreichen, das schafft aber dieses Jahr wahrscheinlich eh niemand, und so bleibt immer noch eine herrlich reichhaltige Discopop-Nummer, an allen Ecken und Enden akzentuiert dass es eine Wonne ist: Kelley Polars sanft einfliegende Streicher, die wippende Saite und belebenden Handtrommeln, alle im Dienste von Menas gedoppelter, warm-süßer Stimme.

[Video] Javiera Mena - Hasta La Verdad

Stream: Lucky Soul - A Coming Of Age

Jetzt kommt sie wieder, die Zeit, in der man Augen und Ohren offen halten muss. Weil sich die Musikpresse vollends in den Winterschlaf verabschiedet, muss man nun selbst aufpassen, dass man die kleinen feinen Platten nicht verpasst, die sich noch gegen Ende des Jahres in den Veröffentlichungskalender einschleichen. So ist am vergangenen Freitag zum Beispiel das zweite Album von Lucky Soul, gerade als ich schon gar nicht mehr damit gerechnet hatte, endlich auch hierzulande erschienen. Wie lange das gedauert hat belegt auch der bereits seit April verfügbare Onlinestream, doch da das Debüt der Briten locker zu den Indiepop-Alben des Jahrzehnts zählte, könnte der Nachfolger die Wartezeit wert gewesen sein.

[Stream] Lucky Soul - A Coming Of Age

Stream: My Chemical Romance - Danger Days: The True Lives of the Fabulous Killjoys

Selbst wenn ich nicht schon zuvor mal ein paar Songs von My Chemical Romance gemocht hätte, spätestens durch die Involvierung Grant Morrisons wäre ich doch höchst neugierig auf das vierte Werk der pathetischen Pop-Punker geworden. Und beim dritten Anhören scheint es mir jetzt, als würde das glammig-garagige Danger Days: The True Lives of the Fabulous Killjoys auch endlich mal auf Albumlänge richtig gut funktionieren, das comicbunte Gesamtkonzept das unter anderem auch diesen Videostream der kompletten Albums umfasst ist natürlich nur ein umso willkommenerer Bonus für den Fünfzehnjährigen in mir, der diese wahrscheinlich für die beste Platte aller Zeiten befunden hätte.

[Stream] My Chemical Romance - Danger Days: The True Lives of the Fabulous Killjoys

Video: Klaxons - Twin Flames



Fast noch mehr als vom immerhin mit ein paar guten Ideen aufwartenden, aber unanhörbar produzierten neuen Klaxons-Album war ich von SAAMs erstem Video dazu enttäuscht. Nach den nicht immer originellen, aber immer höchst sehenswerten Fremdwelten, die er für diese Band wie auch für Late Of The Pier herbeizauberte, erinnerte das überlange Echoes-Wüstenmäandern vor allem an alte Bon-Jovi-Posereien. Twin Flames aber macht alles wieder mehr als wett, mit so viel nackter Haut und Softcore-Körperkontakt auf dass zumindest eine Inkarnation davon von Youtube verbannt wurde, was aber nicht der Grund ist warum es gewiss nicht für alle geeignet ist (Also, Kids: Finger weg!). Sich ziemlich eindeutig am Finale von Brian Yuznas Society orientierend, kommt es bei der zunehmend schleimigen Orgie in Windeseile zu herrlich bizarren Körperverschmelzungen - im wahrsten Sinne des Wortes.

[Video] Klaxons - Twin Flames

Konzert: Les Savy Fav

Bei allem Optimismus, ich glaube nicht dass diesen gestrigen Abend dieses Jahr noch irgendwer toppen wird. Er beginnt mit den live ähnlich kurzweilig wie auf Platte, nur ein bisschen lauteren Cloud Nothings, gefolgt von den mal wieder tollen Sky Larkin, die an einem anderen Tag durchaus die Hauptattraktion an dieser Stelle abgegeben hätten (was sie ja auch bereits haben). Doch nicht zu vergleichen sind mit dem was kommt.

Denn das sind Les Savy Fav und damit auch ihr rundlich-vollbärtiger Sänger Tim Harrington. Der streng genommen ein absolut miserabler Sänger ist: Er hält sich oft weder an Melodie noch Takt, ist ohnehin so heiser dass man ihn kaum versteht, wenn er nicht ohnehin schon die Nähe zum Mikrophon meidet. Vorbildlich dagegen die hinter ihm agierende Band, die die vertrackten Post-Hardcore-Dynamiken live mühelos poppig erscheinen lässt.

Nein, was Harrington ist, ist ein unglaublich mitreißender und unterhaltsamer Frontmann. Von der Sekunde an, in der er die Bühne betritt, wird die Grenze der Normalität ein gehöriges Stück in Richtung Wahnsinn verschoben, mit nimmermüder, manischer Energie wartet er mit stets neuen Ein- und Ausfällen auf, dass man irgendwann selbst die absurdesten Eskapaden als selbstverständlich empfindet.

Daher an dieser Stelle eine unchronologische, unvollständige Auflistung der normalsten Dinge, die Tim Harrington gestern gemacht hat:
  • Nachdem er sein Kostüm als noch verstörendere Version des fleischgewordenen Burger Kings größtenteils abgelegt und seine senkrecht in die Luft beförderte Spucke wieder aufgefangen hat, begibt er sich zum ersten von vielen Malen ins Publikum um, auf der anderen Seite des Gebäude 9 angekommen, über dem Ausgang herumzuturnen
  • Er bindet sich einen Schlips um die Augen und kippt blind vom Bühnenrand zu um sich dort auffangen zu lassen. Von dem einzigen Zuschauer, der dort steht. Der etwa halb soviel wiegt wie er.
  • Sorglos übergibt er (und dies mehr als einmal) das Mikro an ein Publikumsmitglied, das songfremde Wüstheiten improvisiert während er sich in aller Ruhe schwarzes Klebeband um Bauch und Schritt und auf die Augenbrauen klebt
  • Wie ein begeistertes Spielkind stellt er zwei Monitore hochkant, hievt Bassist Syd Butler auf den einen, sich selbst auf den anderen um bedenklich darauf herumzuwanken
  • Nach etwas Rütteln öffnet er den Fluchtausgang und haut aus dem Raum ab. Zweimal.
  • Waghalsig klettert er auf einem weniger als fußbreiten Fenstervorprung entlang, versucht auf den Schultern der Zuschauer zu laufen nur um bereits beim zweiten Schritt aus Schulterhöhe gen Beton zu fallen
  • Zur ausgiebigen Zugabe betritt er die Bühne in einem fleischfarbenen Ganzkörperkostüm, das mit einem losen Verständnis der inneren menschlichen Anatomie illustriert ist
  • In das er ein Dutzend Bierflaschen stopft, die von Sekunde zu Sekunde weiter in Richtung seines Beines rutschen
  • Wo er sich an einer der Flaschen schneidet, das Blut ableckt und sich auf Stirn und Zunge schmiert
  • Irgendwie schafft Tim Harrington es, auch diesen Abend ohne Hals- und Beinbruch zu überleben

Stream: Munch Munch - Double Visions

Saiteninstrumente? Braucht kein Mensch, dachten sich zumindest Munch Munch und gründeten eine Band der etwas anderen Art. Seit längerem schon produziert das Quartett mit buntem Keyboard und jauchzendem Gesang euphorischen Artpop, der vor Schlaginstrumenten nur so strotzt. Spätestens seit ich sie mal live in Aktion erleben konnte hab ich mich auf das Debütalbum der munteren vier gefreut, den bisherigen Singles nach sollte das am 26.11. erscheinende Double Visions diese Qualitäten auch bestens widerspiegeln können.

[Stream] Munch Munch - Double Visions

!!! Kommen

Eigentlich wollte ich dieses Ereignis ja so lange wie möglich ausblenden. Schließlich wurden die letzten - ich weiß schon gar nicht mehr, waren's 2 oder 3 - Konzerte von !!! zielgenau dann abgesagt, als ich mich gerade immens auf sie freute. Es folgten Weinen, Fluchen, Kopf gegen die Tür rammen.. die üblichen fünf Phasen halt. Da es für Nic Offer & Co. aber bereits heute mit dem Touren los geht ist es wohl unumgänglich, mal langsam mit dem Hoffen zu beginnen dass ihr Auftritt nächste Woche ähnlich weltklasse wird wie der letzte im Gebäude 9 - nur diesmal eben nicht mit 200 Leuten zuviel auf der Gästeliste, so dass man sich auch bewegen kann.

17.11.2010 Les Docks, Lausanne
18.11.2010 Muffathalle, München
19.11.2010 Festsaal Kreuzberg, Berlin
26.11.2010 Gebäude 9, Köln
27.11.2010 Uebel & Gefährlich, Hamburg