Neues Von Jamie Woon, Matthew Friedberger

Beinahe 4 Jahre sind seit der ersten Single Jamie Woons vergangen, doch sonderlich viel ist seitdem nicht von dem mittlerweile nicht mehr so jungen Mann mit der eindringlichen Stimme gekommen. Seine (wenn ich das richtig sehe) gerade erst zweite eigene Single ist gerade erschienen, doch wenn dadurch jedes Mal eine derart gänsehauterzeugende Nachtpop-Nummer wie Night Air herauskommt ist so eine Wartezeit fast schon in Kauf zu nehmen.

[Stream] Jamie Woon - Night Air
[Stream] Jamie Woon - Spiral

Das Gegenteil eines sparsam dosierten Outputs hat Matthew Friedberger, erst recht wenn man die Dutzenden Albumkonzepte mitzählt, die die nicht unbedingt dabei ernst zu nehmenden Fiery Furnaces immer wieder ankündigen. Im kommenden Jahr setzt es aber wirklich ganze acht Vinyl-Soloalben, die bei Thrilljockey bereits im Abo vorbestellbar sind (und angeblich regen Absatz finden, ich sollte also vielleicht nicht zu lange warten). Ausgehend von seinem erstem Solo(doppel)album dürfte dann auch mindestens die Hälfte des Materials, auf welche Weise verteilt auch immer, den Blindkauf voll und ganz wert sein, vom ersten Werk Napoleonette gibt es schon mal Shirley, auf dem Matt zu Solopiano - das Instrument soll von Platte zu Platte wechseln - durch zartere Intonierung soviel mehr als ohnehin schon wie seine Schwester klingt dass es stellenweise fast runtergepitcht anmutet.

[MP3] Matthew Friedberger - Shirley

Titus Andronicus For No One



Tja also, The Monitor.. Album des Jahres, wahrscheinlich, oder? Wie dort Patrick Stickles die Geschichte seines versuchten Ausbruchs aus dem großenen amerikanischen Albtraum darlegt, persönliche Debakel und Gesellschaftsmalaise mit den spätnachts im Fernsehdelirium absorbierten US-Bürgerkriegsdokus zu einer wahrhaft epischen Geschichte hochstilisiert. Wie Titus Andronicus hier in The Battle Of Hampton Roads die letzte Schlacht fechten, textlich und musikalisch, unser Erzähler sich in der Katharsis des Punks seinen ganzen Abscheu aus der Seele kotzt und am Ende doch als bettelnder Verlierer zurückbleibt, "And I'd be nothing without you darling" in einem dieser weiten alles-auf-einmal-Würfe aus schnellen Drums, Gitarren und Stakkatopiano, gefolgt von "Please don't ever leave". Doch dann Bläser, Streicher die sich nicht unterkriegen lassen. Und gottverdammt ja, dieser Dudelsack (Dudelsack!(!!)), und alles schwingt sich auf, reißt Faust und Mittelfinger zum großen Finale empor das natürlich in einem schamlos jaulenden Gniedelsolo endet. Wohlwissend um die Konventionen des Rock und wie unmodern das alles ist, sich aber nicht mit dem postmodernen Trotzdem-1-2-3-4 begnügend, sondern Überlebensgroßes damit entfachend. Also ja... das hat schon was für sich, irgendwo.

The Hundred In The Hands, Les Savy Fav & Sky Larkin, Wild Nothing Kommen

Eine großartige Konzertwoche steht an. Keine Seltenheit zu dieser Zeit, aber anders als sonst, wenn sich im November die Termine nur so ballen, sind die Highlights der kommenden Tage zumindest in Köln schön gleichmäßig verteilt. Fangen wir hinten an: Das Wochenende läuten The Hundred In The Hands ein, deren Debüt sich zu einem meiner großen Favoriten des Jahres gemausert hat und die hoffentlich auch vor Ort so belebt wie stimmungsvoll sein werden:

17.11.2010 Berghain , Berlin
18.11.2010 Sinkkasten Arts Club, Frankfurt
19.11.2010 Papierfabrik, Köln
20.11.2010 Café Keese, Hamburg

Ein formidables Doppel belegt die Wochenmitte. Die Konzerte von Sky Larkin vor ein paar Wochen fielen leider, wie so viele in letzter Zeit (ernsthaft: irgendwas ist da faul in Köln), kurzfristig aus, nichts geändert hat sich aber zum Glück an ihrer Tour mit den großen Les Savy Fav, die nach vielen, viiiieeeelen Jahren endlich mal in die Domstadt kommen.

17.11.2010 Gebäude 9, Köln
18.11.2010 Festsaal Kreuzberg, Berlin

Recht unspektakulär geht's heute los mit Wild Nothing, was auch gar nicht schlecht ist, ein gemütlicher Indiepop-Abend mit Sitzgelegenheit sollte für einen angenehmen Wochenstart sorgen.

15.11.2010 King Georg, Köln
16.11.2010 Café Keese, Hamburg
17.11.2010 Marie-Antoinette, Berlin
18.11.2010 Ponyhof, Frankfurt
19.11.2010 Atomic Café, München

Umberto



Keine Frage, Umberto alias Matt Hill ist ein Fan von 70er-Horror und Italo-Exploitation. Das spiegelt sich nicht nur in seinem Namen wider, auch erinnern seine unheilvoll brodelnden, aber herrlich melodischen Schauerstücke dermaßen an frühe Carpenter-Werke oder Goblins synthlastigere Argento-Soundtracks wie Tenebrae oder Phenomena, dass ich mir zunächst nicht ganz sicher war, ob es sich bei seinem hervorragenden Zweitwerk Prophecy Of The Black Widow um ein Coveralbum handelte.

Für dessen Qualitäten bürgt wohl auch, dass die dreistellige Vinylauflage beim Label Not Not Fun bereits vergriffen und nur noch bei vereinzelten Mailordern auf Lager ist (nächste Woche dürfte nochmal ein Schub in Europa ankommen). Ohne stilvolle Aufmachung gibt es das Album sonst nur als Download, bis auf zwei Stücke können alle auf Umbertos Myspace angehört werden:

[Stream] Umberto - Temple Room / Night Stalking / Black Candles / Red Dawn / Everything Is Going To Be Okay / The Psychic

Neues Von Deerhoof

Ich hab gewiss nicht geplant, zu jedem neuen Deerhoof-Song was zu schreiben, aber der dritte Vorabeindruck von Deerhoof Vs. Evil ist das beste was ich diese Woche gehört habe und auch meine Lieblings-Deerhoofnummer seit Längerem, und verdient somit gewiss Erwähnung. Eigentlich schon direkt fällt hier auf wie dynamisch ausgeweitet, wie gerundet Greg Sauniers zuletzt so spröde-trockener Schlagzeugsound auf einmal geworden ist, spätestens aber wenn einem nach einer Minute warmem, sonnige Küstenfahrten illustrierenden Gitarrenspiels die wuchtige Bass- und klatschende Beatexplosion nur so um die Ohren fliegt. Ein lustvoller Bruch, doch funktionieren beide Teile für sich als auch miteinander, was sich schön im finalen, irgendwo zwischen beiden angesiedelten Melodieritt widerspiegelt.

[Stream] Deerhoof - Behold A Marvel In The Darkness