Surfer Bloods Daytrotter-Session

Ein bisschen später als zunächst erwartet, aber irgendwann hat mich das Debütalbum von Surfer Blood dann doch abgeholt. Guter, schrammelig-verspielter Indierock, das war eigentlich schon von Anfang an klar, nur blieb bis auf die ersten bereits vertrauten Sachen zunächst nichts ebenso effektiv hängen. Als sich aber an einem Punkt vereinzelte Hooks aus gut der Hälfte der Stücke auf Astro Coast im Kopf angesammelt hatten, musste ich mich dann doch den kleinen Raffinessen dieser Platte geschlagen geben, ein bisschen Sommerschein hat sie zum Glück auch noch abbekommen.

Ohne die Sauberkeit der, ähnlich wie schon bei Vampire Weekends Debüt, bereits vor Abschluss des ersten Plattenvertrags fertig gestellten Campusheimaufnahmen kommt das floridianische Quintett bei seiner Daytrotter-Session daher, nimmt sich dafür aber auch ein paar spielerische Freiheiten heraus.

Surfer Blood: Daytrotter Session recorded Aug 30, 2010

77 BOA DRUM Kommt!



Vor etwas mehr als drei Jahren luden die göttlichen Sonnenanbeter Boredoms zu einer, selbst für ihre Verhältnisse, außergewöhnlichen Darbietung in New York. Insgesamt 77 Drummer spielten unter der Führung von Eye, der dazu ein übergroßes Kontrukt aus Gitarrenhälsen mit einem Dreizack(!) bearbeitete, eine Sequenz rhythmischer Muster die sich mal von der Mitte der spiralförmig angeordneten Mitspielenden ausbreitete, mal mit allen 184 Armen in Vereinigung herausgewuchtet wurde.

Viele schwärmerische Augenzeugenberichte gibt es von dem Konzert, auch einige Videoclips, doch nächsten Freitag erscheint mit 77 BOA DRUM endlich der lang erwartete Film auf DVD, der das muntere Treiben (angeblich genau 77 Minuten und 77 Sekunden lang) und das Drumherum ausführlich dokumentiert. Zunächst dachte ich, der wäre bereits in Japan rausgekommen, bei der dortigen DVD von 2008 handelt es sich jedoch nur um einen Streifen von knapp 20 Minuten Länge; das volle BOADRUM-Erlebnis für zu Hause kommt also jetzt erst zutage. Excitement!

77 BOA DRUM trailer

Los Campesinos!' Rockfeedback-Session

Kleinere Studiosessions haben Los Campesinos! die vergangenen Monate im Verlauf ihrer Touren so einige eingespielt. Meistens jedoch bestanden die aus personell und dementsprechend auch instrumental reduzierten Akustiknummern, ähnlich wie sie auf der neuen All's Well That Ends-EP zu finden sind. Anders verhält es sich mit dem Videoaufzeichnung des Webmagazins Rockfeedback, wo alle acht Briten (fast schon die aktuelle Besetzung, nur einen anderen Drummer haben sie seitdem) um ein Mini-Interview herum fünf Romance Is Boring-Nummern zum Besten geben, trotz temperierter Darbietung bald schon so noisig-krachig als stünden sie vor Publikum.

Los Campesinos! - Rockfeedback Session

Video: The School - Can't Understand



Zu Loveless Unbeliever ist ja schon einiges gesagt, das Video zu Can't Understand aber natürlich ein willkommener Anlass für die Feststellung, dass das Debüt von The School auch nach zwei abgelaufenen Dritteln des Jahres das beste Indiepopalbum 2010 ist. Gerade wo diese Spielweise meist kurze, leichtfüßige Stücke hervorbringt, ist es umso eindrucksvoller, wenn eine Band mehr als eine tolle Single oder EP auf die Beine stellt und mit soviel Abwechslungsreichtum aufwarten kann, dass ihr Stil über Albumlänge nicht eintönig wird *hust* Best Coast *hust*.

Etwa ab der Mitte von Loveless Unbeliever ist dies neben strukturellen Variationen vor allem der Einsatz von Blechblasinstrumenten, die anderswo schon mal in spanisches Flair übergehen, hier jedoch vor allem als pointierte, eindringliche Druckmacher für die vereinten "Ba Ba Ba"s von Liz Hunt & Co. dienen.

[Video] The School - Can't Understand

Gold Panda / Tropics



Die jungen Wilden kommen! Naja, oder auch nicht. Gold Pandas Musik mag als ein Scherbenhaufen aus knapp beschnittenen Minisamples beginnen, aber was der junge Londoner daraus zusammenkittet, ist alles andere als chaotisch und abweisend. Über lebendig pulsierenden Beats verströmen wortlose Songs wie You oder Snow & Taxis Schimmer-Charme en masse (Französisch-Hattrick!), von dem sich gewiss noch mehr auf dem am 08.10. erscheinenden Albumdebüt Lucky Shiner finden wird.

[MP3] Gold Panda - Snow & Taxis
[Stream] Gold Panda - You



Auch Chris Ward, der Mann hinter Tropics, hat mit scharfen Kanten wenig am Hut. Er deutet mit anderen Nachwuchsfricklern wie Oriol oder Solar Bears sowas wie eine neue Sanftheit bei Planet Mu, wo am 08.10. seine Soft Vision EP erscheint, an und taumelt irgendwo zwischen digitaler Strandambience, nostalgischer Benebelung und feucht anfeuernden Beats durch seine bunten Visionen. Übrigens lohnt es sich, Tropics' Soundcloud-Seite im Blick zu behalten, wo gerade erst ein neuer Track ans Licht kam.

[MP3] Tropics - Soft Vision
[Stream] Tropics - Melorr
[Stream] Tropics - Give It Up

Video: World's End Girlfriend - Les Enfants Du Paradis



World's End Girlfriend alias Katsuhiko Maeda experimentiert meistens, u.a. in Zusammenarbeit mit Mono, in dramatisch-(atmo)sphärischen Gefilden, für das am 14.09. erscheinende Seven Idiots scheint er sich aber der Pop-Dekonstruktion verschrieben zu haben. Seine Ursprünge als (gesungener, also im wahrsten Sinne des Wortes) Song merkt man Les Enfants Du Paradis mit seinen munteren Handklatschern zu Beginn durchaus an, schnell wird die leicht an Jason Forrests Disco-Massaker als Donna Summer erinnernde Mischung aus Piano-, Streicher- und Gitarrenmotiven in einem Breakbeat-Gerüst aber zu mehr als der Summe seiner eingängigen Teile.

[Video] World's End Girlfriend - Les Enfants Du Paradis
[MP3] World's End Girlfriend - Les Enfants Du Paradis