Wolf Parade Live

So ziemlich die nervigste Tendenz auf Musikseiten ist in den vergangenen Monaten/Jahren die inflationäre Verwendung von Konzertfotos. Als zusätzlicher Inhalt stören die natürlich wenig und sind leicht ignorierbar, aber leider scheinen sie immer öfter als Ersatz für eine beschreibende Berichterstattung genutzt zu werden, nach dem Motto "Tausend Bilder sagen mehr als ein Wort". Dabei stimmt das natürlich nicht.

Ich war tatsächlich daran interessiert, Eindrücke von den jüngsten US-Konzerten von Wolf Parade zu gewinnen, durch das Ausfallen ihres Köln-Konzertes (WARUUUUM NUR) werd ich sie ja selbst nicht mehr so schnell zu sehen bekommen. Doch wussten die Bilder, die ich da sah, weder die Atmosphäre des Abends (abgesehen von der Farbe der Bühnenbeleuchtung, als ob sich die in den meisten Clubs je ändern würde) wiederzugeben, noch was dort vorne passierte.

Weder die seltsamen Verrenkungen, mit der ein zwischen sitzend und stehen hängender Spencer Krug dauerschwitzend (der Mann hat seinen eigenen Ventilator) die Tasten bedient und seine Worte mit Gestikulieren unterstreicht konnte man sich anhand dieser stillen Bilder vorstellen, noch die ungemeine, nervöse Energie mit der Dan Boeckner seine Gitarre würgt und hin und her schleudert, auch seinen eigenen Körper in stetiger zittriger Bewegung hält und einen umso stärkeren Kontrast zum wohl bemessenen, mit unbeweglichem Halbschlafblick stoisch präzisen Teufelsgetrommel Arlen Thompsons hinter ihm abgibt.

Nein, für sowas muss wohl dieser Tage ein anderes Medium herhalten, muss darauf gehofft werden, dass eine oder gar mehrere Videokameras die beste Rockband der Gegenwart in Aktion einfangen konnten. Genau das ist gestern beim holländischen Into The Great Wide Open-Inselfestival geschehen, und na klar, den kompletten Mitschnitt gibt es bereits in feiner Vollbildqualität bei 3voor12.

Wolf Parade live beim Into The Great Wide Open 03.09.2010

Ach ja, die Tourdaten von Wolf Parade wären an dieser Stelle auch nicht uninteressant:

19.09.2010 Kaserne, Basel
21.09.2010 59:1, München
22.09.2010 Flex, Wien
24.09.2010 Reeperbahn Festival, Hamburg
25.09.2010 Magnet Club, Berlin (Berlin Independent Night)

Video: The New Pornographers - Crash Years



Das fünfte Album der New Pornographers kommt etwas unscheinbar daher, stellt aber die vielleicht größte Neuerung der Bandgeschichte dar. Sicher, die subtil komplexen (wenn man auf das falsche Instrument hört, kann man schon mal aus dem Takt rausfliegen) Arrangements sind, vor allem was die Streicher angeht, noch feiner gewoben, aber was irgendwann auffällt ist eine Dauerpräsenz der weiblichen Bandmitglieder auf Together.

In jedem Song sind sie solo, simultan oder im Wechselgesang mit Newman und Bejar zu hören, selbst dann fähig die Führung zu übernehmen, wenn sie wie bei Sweet Talk, Sweet Talk eigentlich im Hintergrund operieren. Ein Variationsreichtum den es in dem Ausmaß bisher nicht gab - umso bemerkenswerter, da die Band mittlerweile zwei Sängerinnen hat. Und da es sich dabei um Kathryn Calder und Neko Case handelt natürlich höchst willkommen, wobei es mit der Zeit nicht gerade leichter wird die beiden voneinander zu unterscheiden. Ist z.B. wirklich klar zu hören, welcher Part in Crash Years nun von wem der beiden stammt?

[Video] The New Pornographers - Crash Years

Stream: of Montreal - False Priest

Nach längerer Semiobskurität in der Elephant-6-Masse waren Hissing Fauna, Are You The Destroyer? und die nachfolgende Icons, Abstract Thee-EP so für mich der Punkt, wo sich Kevin Barnes und of Montreal von den Limitationen ihrer bisherigen Produktionen freisprengten und ihre unbestreitbar tollen Hooks auch auf ein breiteres Publikum loslassen konnten. Und sich mit Skeletal Lamping auch umgehend wieder verstolperten, selbst mir als Fiery-Furnaces-Fanatiker war das zu ungreifbar. Umso interessanter nun, was das nächste Woche erscheinende False Priest zu bieten hat, zu hören gibt es das zehnte Album der Nichtkanadier jetzt bereits:

[Stream] of Montreal - False Priest

Video: Zola Jesus - Sea Talk



Wie schon bei den ersten beiden lässt Regisseurin Jacqueline Castel auch in ihrem dritten Video für Zola Jesus Kontakt mit einer Welt jenseits der unseren knüpfen. Schlafwandelnd steuert Nika Danilova unweigerlich ihrem poltergeistigen Ziel entgegen, zu den Klängen von Sea Talk, das sich in dieser Neufassung sowohl auf dem jüngst erschienenen Stridulum II befindet wie auf der Valusia-EP, die bereits bei Sacred Bones vorbestellbar ist und einen bisher gänzlich unveröffentlichten Song enthalten wird.

[Video] Zola Jesus - Sea Talk

Ein Dachkonzert Von School Of Seven Bells

Auch mit den Liveinterpretationen ihrer neuen Songs zeigen sich School Of Seven Bells variationsfähig. Nach der reinen Gitarrendarbietung in Australien klingt nun diese Session, auf dem Dach im New Yorker West Village, zunächst nicht groß anders. Doch zum Refrain von ILU lässt Claudia Deheza ihren Synth von der Leine, baut eine breite, satt wabernde Wand auf die im Verbund mit den Vocals auf herrlichste Weise durch die Luft schwingt.

School Of Seven Bells live at The Guest Apartment on Baeblemusic

Video: Built To Spill - Hindsight



Sicher, die wildesten Thrasher waren Built To Spill nie, aber mit einer zunehmenden Sänftigung ihres Sounds sind sie mittlerweile wirklich in der gepflegten Gemütlichkeit angekommen. Dass der immer noch kleine Sternstunden entspringen können, zeigt Hindsight mit verträumten Slides und sich herrlich die Bälle zuspielenden Gitarrenplänkeleien. Schade nur, dass das Anfang des Jahres erschienene There Is No Enemy nicht durchweg ähnlich gut ausgefallen ist.

[Video] Built To Spill - Hindsight