Nuflicks

Jetzt wollte ich schon das "Kaum zu glauben dass ich von einer Seite die es schon so lange gibt noch nie etwas bemerkt habe"-Klischee ausgraben, aber wie imir eben auffiel bin ich vor 2 Jahren tatsächlich schon mal auf ein Video von den Machern gestoßen, jedoch nicht auf die Existenz ihrer Seite Nuflicks. Seitdem hat sich dort einiges an Material angesammelt, in Videoform finden sich Interviews und mit mehreren Kameras gefilmte Livemitschnitte von Animal Collective, Battles, The Long Blondes, The Thermals, Parenthetical Girls, Sonic Youth, Liars, !!!, Melt Banana und vielen mehr. Ich glaube in dem Archiv werde ich noch ne ganze Weile rumstöbern.

Video: Bat For Lashes - Daniel


Eine Weile ist das Video zur neuen Single von Bat For Lashes ja eine ganz nette Goth-Version von Feists 1 2 3 4, richtig überraschend wird's aber wenn man am Ende erfährt wer Daniel ist. Gut dass ich bislang das Cover noch nicht gesehen hatte, darauf wird's nämlich bereits verraten. Für eine Single finde ich den Refrain allerdings immer noch etwas zu ordinär geraten, mal schauen was der Rest von Two Suns in drei Wochen noch bringen wird.

[Video] Bat For Lashes - Daniel

Stream: Superchunk - Leaves In The Gutter

Ich mach's kurz: Die wunderbaren Superchunk sind zurück, mit einer fünf Stücke umfassenden EP die so unverwüstlich gut gelaunt ist als wären sie in den vergangenen Jahren nicht in nahezu völlige Funkstille abgetaucht. Indie-Rock als Jungbrunnen hat ja schon bei Dinosaur Jr. funktioniert, die in den USA Anfang April erscheinende Leaves In The Gutter kann jedenfalls auf der Seite von Merge angehört werden.

[Stream] Superchunk - Leaves In The Gutter

Konzert: School Of Seven Bells


Wie durch ein Wunder (oder eine verpasste Vorband) haben School Of Seven Bells noch nicht die Bühne des Studio 672 betreten als ich mit einer knappen Stunde Verspätung in dem gut gefüllten und dementsprechend warmen Stadtgarten-Clubkeller ankomme. Netterweise ist das Bier dort gut gekühlt und erschwinglich, so sind Dreckswetter und Verkehrsprobleme schnell vergessen und ich erwische noch einen Platz mit guter Aussicht auf dem ich nicht lange warte auf den Konzertbeginn warten muss. Claudia und Alejandra Deheza positionieren sich mit Gitarre und Keyboard zu beiden Seiten von Benjamin Curtis mit seinem Sechssaiter und wohlstaffiertem Effektpedalbrett, ein leises "Hi we're School Of Seven Bells" und schon geht's ab ins Traumland.

Ich hätte ehrlich nicht gedacht dass mich ein Konzert diese Band noch mehr mögen machen würde, aber an diesem Abend verkehren sich die Verhältnisse derart dass die drei es echt noch fertig bringen. Anfangs ist noch alles wie erhofft, die eingängigeren Albumhighlights wie Iamundernodisguise und Face To Face On High Places werden fast alle schon in der ersten Hälfte positioniert und sowohl der faszinierende, luftige Gesangstanz der Dehezas wie auch Curtis' (mit obergeilen Spacerock-Schuhen am Start) Gitarrenspiel behalten auch in der nicht bis ins Detail ausbaldowerten Soundbalance der Liveaufführung ihre Reize.

Doch vor allem die Songs, die mir auf Alpinisms noch nicht perfekt erschienen, erwachen erst hier zu richtigem Leben, White Elephant Coat oder Wired For Light profitieren enorm von der physischen Wucht ihrer Elektrobeats und dem wacheren Gesang. Vielleicht sogar das größte Highlight ist das absolut bombige Sempiternal/Amaranth, das zum Abschluss endlich den langen Spannungsbogen und die weite Dynamik von Curtis' immer heftiger anschwellenden Gitarrenwällen erreicht die mir auf dem Album gefehlt hatten. Bei den späteren Stücken überragen ansonsten herrlich die dichten Half Asleep und My Cabal, sehr schön auch das instrumentell stark reduzierte und fast völlig auf den Gesang fokussierte halb englisch, halb spanische Caldo

Die größte Bühnenshow der Welt wird hier freilich nicht geboten, besonders die auf Präzision angewiesenen Gesangsarrangments verlangen dass die Schwestern die meiste Zeit mit aufrechtem Kopf hinter ihren Mikros bleiben. Dafür ist die Musik eben umso bezaubernder gut, spätestens nach 20 Minuten gebe ich den Versuch eines klaren Gedankens auf und versinke mit immer verklärterem Blick völlig in diesen Gipfelstürmereien die mit der Zeit immer wieder lauter (und damit automatisch besser) zu werden scheinen, ich kann nicht mit Sicherheit sagen dass es an der Nebelmaschine liegt als mir irgendwann sogar die zwischendurch immer öfter geschlossenen Augen zu tränen beginnen.

Noch lange nachdem die drei die Bühne verlassen haben hallt der Applaus nach, und als ich mich auf dem ganzen Nachhauseweg immer noch nicht fühle als hätte ich wieder mit beiden Füßen den Erdboden erreicht finde ich es völlig in Ordnung dass sie nicht nochmal zurück gekommen sind. Schöne Träume geben ja auch keine Zugaben.

Konzert: Titus Andronicus


Ein bisschen ging ich ja mit gezügelten Erwartungen ins Köln-Konzert von Titus Andronicus. Zum Einen war ich mir nicht sicher ob das Quintett ohne Probleme auf die Bühne im Tsunami passen würde, vor allem aber hatte ich schon mehrere Livevideos gesehen bei denen sie etwas lustlos herumklampften und die epischen Songs ihres herrlichen Debüts The Airing Of Grievances nicht immer richtig zusammen kamen. Beides zum Glück unnötige Sorgen, denn auch wenn zweimal ein Gitarrenkopf gefährlich nah an einem Auge vorbeischwang schienen sie auch mit bis zu vier Saiteninstrumenten gleichzeitig im Einsatz platzmäßig gut hinzukommen. Und die Musik selbst, die war sogar im Gegenteil zugänglicher als erwartet.

Zwar war der Gesang von Patrick Stickles auf alles andere aus als sich streng an die vorgegebene Melodie zu halten, ähnlich wie Craig Finn ist er mehr ein energischer Entlangredner. Die vier Mannen um ihn herum gaben aber dafür alles daran die ungemein catchigen Instrumentalmelodien mit voller Wucht rüberzubringen. Die ähneln mal irisch-amerikanischem Kneipenpunk wie dem der Dropkick Murphys, mal werfen sie wie in Every Time I See The Light Country-/Americana-Traditionen an ihre weiten, mehrschichtigen Gitarrenwände und so kommt auch schon mal eine Mundharmonika zum Einsatz. So oder so ist es aber, eine weitere Gemeinsamkeit mit The Hold Steady, gefährlich gute Trinkmusik wie Stickles demonstrierte als er dem Refrain "Waking up drunk makes happy" im gleichnamigen Spider Bags-Cover eine orale Attacke auf den Inhalt seiner Bierflasche folgen ließ, nicht der einzige Song in dem der Erzähler seine emotionalen Wunden mit Alkohol zu lindern sucht.

Auch mit einem feurigen Cover von The Modern Lovers' Roadrunner zeigten Titus Andronicus ihre Einflüsse, die Highlights waren aber alte und neue Eigenkompositionen wie das hoffnungslos-festiv(us)ische Titus Andronicus, Titus Andronicus Forever mit seiner Mischung aus Verspieltheit wenn Saiten und Drums zum Solo gebeten werden und der leichten Panik wenn alle zusammen "The enemy is everywhere, but nobody seems to be worried or care" intonieren und der epische Zweiteiler No Future.
Am Ende wirkte besonders Stickles schon völlig geschafft, da war es ein umso schönerer Abschluss dass er zur Zugabe erst recht aufdrehte und sich vor der Bühne so wild im Kreis wand dass es ein Wunder war dass ihn sein Mikrokabel weder erwürgte noch stolpern ließ. Zurück ließen Titus Andronicus eine verwüstete Bühne und mindestens einen Besucher dessen rwartungen weit übertroffen wurden.

Video: Handsome Furs - I'm Confused


Beim Stream schrieb ich noch dass die neuen Songs (zumindest die paar die ich bislang gehört hab, mit dem Rest warte ich bis Freitag) von Handsome Furs nicht mehr solche langsamen Grower wären, aber ich glaube damit hatte ich nicht ganz Recht denn ich musste gestern feststellen dass mir I'm Confused mittlerweile noch weitaus besser gefällt als vor ein paar Wochen. Könnte aber auch etwas mit dem herrlich gefilmten Video zu tun haben, tragische Zombie-Romanzen machen nun mal bekanntermaßen alles besser.

[Video] Handsome Furs - I'm Confused

Stream: Future Of The Left - Last Night I Saved Her From Vampires

Ganz heimlich hat sich Last Night I Saved Her From Vampires in die Plattenläden geschlichen, so heimlich dass Amazon noch nicht mal das Cover kennt, so heimlich dass ich es selbst nicht richtig glauben würde wenn ich es nicht selbst in der Hand hielte. Aber ja, seit letzten Freitag gibt es das erste Livealbum der tollen Future Of The Left auch hierzulande und es ist noch besser als ich ihr eigentliches Konzert in Erinnerung hatte. Allein Falcos liebevolle Publikumsbeleidigungen zwischendurch rechtfertigen den Erwerb schon, zudem gibt es aber noch alles Gute vom Debüt Curses im heftigeren Liveumfeld (Adeadenemyalwayssmellsgood ist mörderisch) serviert und ganze vier neue Songs. Damit lässt sich die Wartezeit bis zum kommenden Album locker überstehen.

[Stream] Future Of The Left - Last Night I Saved Her From Vampires

Konzert: Animal Collective


Je nachdem wen man fragt war das gestrige Animal Collective-Konzert im Gloria völliger Mist, begeisternd gut oder ziemlich mittelmäßig. Und obwohl ich eindeutig zur mittleren Gruppe gehöre werden sie irgendwie alle Recht haben. Vor anderthalb Jahren noch überraschten die gleichen drei – Geologist, Panda Bear und Avey Tare – in Köln mit überwältigend basslastigen Songs die zum euphorischen Tanz einluden. Und obwohl ihr Bühnenaufbau und ihre Setliste der vom letzten Mal in großen Teilen ähnlich waren war es doch ein völlig anderes Konzert.

Wie schon beim einleitenden Set von Pantha Du Prince hing eine riesige weiße Stoffkugel über der von Elektronikbänken und Percussions bevölkerten Bühne, verschwunden waren die bombastisch flickernden Strahlerstangen. Das Trio begann das Set entspannt und gesellte zu dem überwiegenden Merriweather Post Pavilion-Material auch eine herrliche Neufassung von Leaf House und das neue Would I Want Sky. Der Sound aufs Wesentliche konzentriert, immer wieder gab es auch repetitiv-meditative Zwischenausflüge.
Spätestens als My Girls an der Reihe war wurde klar dass kein AC-Konzert wie das andere ist, wo beim letzten Mal noch ähnlich wie auf der Albumversion mit Beats und Brüllen die Sau rausgelassen wurde war diese Version der Single wie vieles an diesem Abend vor allem auf den Wechselgesang Tare-Bear fokussiert, die anderen Intrumentalteile schälten sich dabei sehr sanft und wohlklingend heraus, frei von der Tyrannei des Basswummerns.

In der zweiten Hälfte steigerten sich dann aber sowohl der musikalische Energiepegel wie auch die bis dahin spärliche Bühnenshow, beim voll auf Banger ausgerichteten Lion In A Coma erwachte die Beleuchtung zu buntem Leben und tauchte nicht nur die Kugel, auf die immer wieder das MPP-Cover oder andere Motive projiziert wurden, sondern auch die mit weißen Büchern verhüllten Tische und die Kleidung des Trios selbst in Töne die der Musik an Farbfreude nicht nachstanden und ähnlich wie im My Girls-Video das Bühnenbild änderten.
Brother Sport war zwar auch bassreduziert, brachte dennoch mit aller Fröhlichkeit der Welt Bewegung ins Publikum und wurde von marschierenden Olympionikenbildern begleitet, sehr willkommen war auch ein von Technobeats durchzogenes Slippi. Das Highlight des Abends war aber ein extraausgedehntes Fireworks das wohl ACs transzendent(est)er Moment bleibt und mit Feuerwerksprojektionen die Kugel zum Nachthimmel voller Explosionen machte.

Der wohl angenehmste Unterschied zum Auftritt im Stadtgarten war dass diesmal Zeit für eine Zugabe blieb, so beschloss No More Runnin (ich glaube die andere Zugabe war Also Frightened, kann mich aber nicht recht entsinnen) ein herrliches, überraschend differenziertes und unaufgeregtes Set. Zu dem Zeitpunkt hatte sich das Publikum (wie auch beim letzten Mal) dank vieler nicht erfüllter Erwartungen dermaßen ausgedünnt dass man auch gemütlich Platz zum freien Atmen hatte, es bleibt dabei: Mit spezifischen Erwartungen zu Animal Collective zu gehen ist ein riskantes Vorgehen, so lange man für Reinterpretationen und völlig Neues offen bleibt ist ein einmaliges Erlebnis aber nahezu garantiert. Diesen Typen ist das Wort "Routine" einfach fremd, auch wenn sie einen Song damit betitelt haben.