Konzert: The Long Blondes, The Lodger


Warum bitte hatte ich bis gestern noch nie etwas von The Lodger gehört? Oder hab ich sie immer ignoriert weil ich wegen des "The" instinktiv die xten öden Arctic Monkeys-Nachahmer erwartete? Die vier Herren aus Leeds waren jedenfalls als Vorband im Luxor die angenehmste Überraschung seit langem, trotz modisch dünnen Armen, Beinen und Hosen ging ihre Musik statt dem erwarteten Ladrock-Aufguss vielmehr in Richtung Achtziger C86/Tweebands, etwas muskulöser und moderner aufspielend halt aber mit massig tollen Melodien in der Hand und einem Sänger mit Morrisseyesker Stimme. Toll!

[MP3] The Lodger - The Good Old Days

Zu dem Zeitpunkt schien es als wären die meisten die noch Ende 2006 das Gebäude 9 gefüllt hatten zur nächsten gehypten Band weitergezogen, aber als The Long Blondes die Bühne betraten hatte sich der Laden dann doch angenehm gefüllt. Es war zwar alles andere als proppevoll, aber auch so schon so heiß und stickig genug dass es auch von der Bühne bemerkt wurde. "Hot like the sun," meinte Kate Jackson.


Um zum Negativen zuerst zu kommen: Im Gegensatz zum ersten Konzert hatte ich diesmal mehr als nur die Mitte der Bühne im Blick und ja, die Bassistin rechts und Gitarristin links verliehen auch gestern dem Auftritt ein merkwürdiges Bild. Verspielt haben sie sich glaub ich nicht groß, aber beide machten meist einen sehr gelangweilten Eindruck, als müssten sie rein robotisch ihren Job erledigen und könnten kaum den Feierabend erwarten. Was sich insbesondere nicht sonderlich gut macht wenn direkt neben einem Kate Jackson lasziv herumturnt, beim Eröffnungsstück Round The Hairpin eine Trommel beklöppelt oder am Elektronikbrett Krach macht.

Denn das wurde mal wieder klar, die Frau ist der geborene Popstar. Nicht nur wie sie mit ihrer Show die Bühne vereinnahmt und die Aufmerksamkeit auf sich zieht, gestern demonstrierte sie auch ihre stimmlichen Fähigkeiten enorm eindrucksvoll. Bisher ungekannte Höhen erklomm sie ebenso wie sie mit charakteristischer Stärke nach Belieben von warm zu kühl oder grrrl-shoutig wechselte. Besonders eindrucksvoll geschah das in der Mittte des Sets bei dem Song der aus einer anderen Welt zu stammen schien: Century. Für mich das neue Livehighlight, gefolgt von dem fast gänzlich von Jacksons Tonleiterakrobatik vollführenden Stimme getragenen Too Clever By Half und dem ehemaligen Livesong Numero Uno, You Could Have Both. Fast alle neuen Songs waren live schneller, tanzbarer und klang natürlich nicht so glattproduziert wie auf dem Album, damit wurde das Set sehr kohärent und führte auch zu einem durchweg belebten Publikum.

Dass Synthklänge auch bei älteren Songs zum Einsatz kamen blieb eher unbemerkt, bemerkenswert war aber mal wieder der tolle Drummer (mit Ronnie Corbetts Gesicht auf der Bassdrum). Der absolvierte als Motor der Band nicht nur Tempowechsel sondern auch jeden Drumfill z.B. bei Here Comes The Serious Bit wie im Original, schwitzte und trank dementsprechend auch - "I'm drinking this stuff like water" scherzend aber auch wirklich nur Wasser. Das Set bestand gut 50/50 aus neuem und altem Material, besonders erfreulich war dass auch mal mit Autonomy Boy ein ganz alter Favorit vorbeischaute. Auch erfreulich war dass die neuen Songs nicht merklich schlechter beim Publikum ankamen, wobei zwischen dem Guilt von 2006 und der gestrigen Liveversion auch ein himmelweiter Unterschied besteht, gefiel mir auch noch besser als auf Platte. P

Perfekt machte für mich den Abend aber I'm Going To Hell das vermutlich als mein meistgehörter Song des Jahres enden wird. Da ist diese eine magische Stelle bei der Jacksons Stimme wie der richtigste Klang der Welt erscheint: "I don't believe in heaven, I don't believe in hell. Maybe that's the problem or maybe it's just as well," das letzte Wort lang anhaltend, gefolgt von einem "Whooo-hoooh" aus dem Hintergrund. Dass ich in dem Moment die Augen zumachte hatte gewiss nichts damit zu tun dass ich bei diesem zweiten Long Blondes-Konzert die ganze Bühne im Blick hatte.

[MP3] The Long Blondes - Here Comes The Serious Bit
[Video] The Long Blondes - Guilt
[Video] The Long Blondes - Century

Neues Von Angelika Express


Ganz recht, der Angelika Express rollt wieder. Erst konnte ich selbst nicht ganz verstehen warum mich diese Neuigkeit gestern so fröhlich machte, doch dann dachte ich 5 Jahre zurück und an so viele Songs die damals meinen Sommer und mehr machten, ans Teenage Fanclub Girl, an Francois Truffaut und natürlich das meisterlich sloganeske Geh Doch Nach Berlin das mir immer noch jedes Mal sofort in den Kopf schießt wenn jemand seinen Umzug in die Hauptstadt ankündigt, an all die Songs die das Debütalbum zu einer meiner deutschen Lieblingsplatten der letzten Jahre machen.

Drei Jahre nach dem viel zu frühen Bandende hat nun Robert Drakogiannakis den Powerpop wiederentdeckt und angefangen neue, selbst aufgenommene und produzierte Songs online zu stellen, und das wohlgemerkt zum freien Download. Zeitgemäße Veröffentlichungsweise also mit Blog, Emailupdates, RSS und allem drum und dran, die ersten beiden Songs sind bereits online und wissen auch ohne die alte Rhythmussektion an Vorangegangenes anzuknüpfen. Erst beim Hören wird mir bewusst wie ich diesen halbgellenden Gesang vermisst hatte, auch poppige Hooks sind Angelika Express nicht abhanden gekommen. Was Wollt Ihr Alle? und Lottogewinn kann man in exzellenter Qualität sowohl auf Myspace als auch der Bandhomepage runterladen, weitere dann in Kürze ebenfalls.

[MP3] Angelika Express - Was Wollt Ihr Alle?

Angelika Express' Myspace

Satan macht den Kuchen gehl

Hach, es gibt echt nichts was es im Internet nicht gibt: The Black Oven, ein Black Metal-Backblog. [via]

Stream: No Age - Nouns

Kein Jahr nach dem überragenden Weirdo Rippers legen No Age schon nächste Woche nach. Nouns ist ihr erstes Album auf Sub Pop und obwohl sich am Sound des Duos nicht groß was geändert hat kommen mir diese Songs beim ersten Hören leichter, poppiger und sommerlicher vor, genau richtig für die Einstimmung auf den ersten schönen Grillabend des Jahres. Den verrauschten Punkspaß kann man sich jetzt schon mal komplett online anhören:

[Stream] No Age - Nouns

Nachtrag: Nach mehrmaligem Hören erscheint mir Nouns nicht nur besser als Weirdo Rippers sondern mit das Beste was ich überhaupt in diesem Jahr gehört habe, wowowow!

Salem


Zwei Alben zu denen ich seit Wochen immer wieder zurück kehre sind das von Blank Dogs (mittlerweile auch auf Vinyl erhältlich) und John Maus' Love Is Real. Fast schon gruselig wie gut die melodiöse Musik von Salem dazwischen passt, die scheint auch in einem ganz eigenen Stimmungsfeld zu liegen welches ohne allzu aufwendige technische Mittel erzeugt wird. Immer scheint ein Schleier über der darunter brodelnden Musik zu liegen so dass sie nie zum Ausbruch kommt, was angesichts der Düsterheit dieser Klänge wahrscheinlich ganz gut ist. Es finden sich schon genug andere Inspirationen für Albträume.
Diesen Monat bringt Acephale die 12'' Yes I Smoke Crack in limitierter Stückzahl raus, drei der vier Songs darauf sind über die beiden Myspaceseiten anhörbar.

[MP3] Salem - Brustreet

Salems Myspace 1
Salems Myspace 2

Stream: The Notwist - The Devil, You + Me

Vielleicht waren die Erwartungen nach Neon Golden unnatürlich nach oben geschraubt, jedenfalls hat mich Good Lies, das schon vorab zu hörende Eröffnungsstück von The Devil, You + Me, ehrlich gesagt nicht so mitgerissen wie es damals Pilot oder auch Chemicals vermochten. Aber zum Glück muss man ja heutzutage nicht mehr auf weitere vereinzelte Hörproben oder eine vertrauenswürdige Rezension warten um sich einen Eindruck zu verschaffen sondern kann sich das heute erscheinende Album von The Notwist direkt schon mal in voller Länge anhören:

[Stream] The Notwist - The Devil, You + Me

Buzzword-Alarm!

As summer 2008 approaches, a theme-- not a genre-- has emerged across many existing styles of music: the mid-range is being hijacked by off-kilter, unstable synths. Crossing hip-hop, hyphy, grime, chip tunes, dubstep, crunk, and electro, one flavor unites a network of exciting sounds. What do you call it? Wonky.
Tired of chart pop that's all manufactured groups and reality TV shows? Just as fed up of bland indie? Then Wonky Pop might just be the thing for you.
Und das in zwei voneinander unabhängigen Publikationen innerhalb von 3 Tagen. Zufall oder Verschwörung? Welcher Musik wird als nächstes das W-Tag vorgehängt werden, Country oder Deutschpunk? Wie lange noch bis jemand das hier ausgräbt? Und wo bleibt eigentlich der Wikipedia-Eintrag?