The Fiery Furnaces Donnerstags Live Auf Fabchannel

Nach den Auftritten u.a. in Berlin, Köln und einem ganz besonderen ganz ohne Eleanor in Wien geht die Europatour der Friedbergers so langsam zu Ende. Der vorletzte Auftritt ist übermorgen in Amsterdam, und wie es dort ab und an der Fall ist wird das Konzert gegen 10 live auf Fabchannel übertragen. Wer The Fiery Furnaces mit ihrer Rockshow lieber in seinem Wohnzimmer spielen sehen würde wird an der KCRW-Session gefallen finden, die hör ich in den letzten Tagen immer wieder gerne.

The Fiery Furnaces Auf Fabchannel

Stream: Various Artists - After Dark

Ich bin ja ein großer Fan von Audiokommentaren auf DVDs. Einmal weil sie genau so unterhaltsam sein können wie der Film selbst (z.B. jeder Carpenter/Russell-Kommentar oder der sensationell hirnrissige Schwarzenegger/Milius-Kommentar zu Conan), aber auch weil es welche gibt bei denen man nicht nur Hintergründe und Anekdoten zu den Dreharbeiten hört sondern richtig detaillierte Informationen zur technischen Umsetzung bekommt. Ähnlich machen es die Listening Partys auf Paper Thin Walls, nur da ein Audiokommentar eher stören würde gibt es dort eben zusätzlich zum Albumstream einen Stück-für-Stück-Kommentar in Textform. Diese Woche gibt u.a. Johnny Jewel von Chromatics und Glass Candy Einblick in seine Produktionsarbeit für meine Lieblingscompilation dieses Jahr, After Dark, die man sich dazu natürlich auch anhören kann.

[Stream] Varios Artists - After Dark

Konzert: The New Pornographers



Ein großartiger Konzertherbst neigt sich langsam dem Ende zu (und mein Budget dafür, haha), aber die Highlights wollen noch nicht aufhören. Gestern machten mich The New Pornographers in Rekordzeit von lethargisch-grippelig zu putzmunter-fröhlich. Die Kanadier starteten ihr Set im Gebäude 9 mit einem dreifachen Powerpopschlag aus All The Things That Go To Make Heaven And Earth, Use It und Electric Version, womit sich schon eine Setlist andeutete die hervorragend Altes mit Neuem mischte. Etwa die Hälfte der Songs stammten von Challengers, trotzdem wäre es ohne Vorwissen unmöglich gewesen sie zu erkennen, zu gut fügten sie sich ein und machten das Set zum stärksten und abwechslungsreichsten das ich bisher von der Superdupergroup gehört habe.

Wie zu erwarten waren weder Dan Bejar noch Neko Case dabei, aber noch weniger als beim letzten Mal stellte das ein Problem dar, außer dass es vielleicht deswegen nicht Myriad Harbour zu hören gab (wobei, die andere Bejar-Komposition The Spirit Of Giving wurde ja gespielt). Sehr gefehlt hätte mir hingegen Überdrummer Kurt Dahle, der hatte sich noch zu Beginn dieser Tour eine Auszeit genommen aber war für den Europatrip zum Glück wieder dabei. Denn Dahle ist nicht nur ein hervorragender druckvoller Drummer sondern auch ein echter Showman der zwischendurch locker seine Sticks durch die Luft wirbelt oder demonstrativ weit ausholt. Auch sein Timing ist unangreifbar, einmal rannte er zu Beginn eines Stücks von der Bühne, kam kurz darauf mit Bierflaschen beladen zurück und saß fast auf die Sekunde genau rechtzeitig für seinen Tambourineinsatz wieder auf seinem Platz. Dass er auch während des Trommelns Singen und Bier trinken kann versteht sich von selbst.

Die weiblichen Gesangsparts von Case sowie ihre eigenen von der neuen Platte Challengers übernahm natürlich Kathryn Calder die seit dem letzten Mal richtig in ihre Rolle hereingewachsen schien. Damals wirkte sie noch etwas zurückhaltend bei Neko-Nummern wie Mass Romantic allein im Rampenlicht zu stehen, davon war gestern keine Spur mehr. Überhaupt kam mir die ganze Band lebendiger vor als letztes Mal, insbesondere Carl Newman mit ständig geschlossenen Augen wird zwar so schnell keine Preise als charismatischster Frontmann gewinnen aber zwischen Calder, Dahle und dem munteren Todd Fancey hatte ich Spaß der Band auch beim Spielen zuzusehen. Mit zunehmendem Konzertverlauf lockerten Band wie Teile des Publikums auch zunehmend auf, getanzt wurde zwar nur vereinzelt aber dafür viel und begeistert applaudiert und auch zum Mitklatschen konnte erfolgreich animiert werden.

Alles wollte dann doch nicht klappen, irgendwann kam dann aus Calders Keyboard ein infernalisches Gedröhne heraus weswegen sie erstmal ihren Einsatz verpasste. Gut aufeinander abgestimmt spielte die Band einfach nochmal das letzte Motiv und schon klappte wieder alles, während des Liedes noch kam ein Techniker nach vorne gerannt, tauschte ein Kabel aus und schon war auch das Keyboardproblem beseitigt. Einmal, ich glaube es war bei Challengers, geriet Blaine Thurier ein Sample etwas neben der Spur was zu einem amüsant verdatzten Gesichtausdruck bei Newman führte dem immer wieder Geigen leise ins Wort fielen. Und die zweite, für Gelächter sorgende, Panne von Calder, die zwischendurch auch mehrmals zur Ziehharmonika griff, passierte am Ende von The Bleeding Heart Show mit dem die Band normalerweise den regulären Teil ihres Sets beendet.

Da verließ Newmans Nichte die Bühne, zu früh denn als Probe für einen Auftritt im französischen Fernsehen spielten die Pornographers (wieder mit Calder an Bord) noch ein ELO-Cover. The Slow Descent Into Alcoholism beschloss den tollen Abend (der leider nicht von einem Alkoholhersteller gesponsert wurde), und auch wenn ich nicht weiß ob dies mein letzter Konzertbesuch in diesem Jahr war so würde er zumindest einen herrlichen Abschluss darstellen.

[MP3] The New Pornographers - My Rights Versus Yours
[MP3] The New Pornographers - Myriad Harbour

Sally Shapiro



Au weia. Die Heizung versagt periodisch, eine Erkältung ist im Anflug und der Vollmond droht schon beige-weiß durchs Fenster scheinend eine weitere Nacht mit wenig Schlaf an - keine angenehme Aussicht. Da heißt es Musik zum Aufmuntern ausgraben. Wie gut dass es mir daran gerade nicht mangelt, besonders Sally Shapiro hat es mir echt angetan. Zunächst war ich doch sehr abgeschreckt von den Duff-Dasch-Beats die böse Flashbacks an Zivizeit und 8 Stunden Schlager auf WDR 4 pro Tag hervorriefen, aber schafft man es einmal darüber hinwegzuhören bezaubern die warmen synthetischen Klänge von Johan Agebjörn und der schüchterne Gesang von Sally Shapiro die für die tollen Melodien auf Disco Romance zuständig sind. Dort wird der Liebe zwar überwiegend Traurigkeit abgewonnen, trotzdem eine Platte in die man sich verlieben muss und die durch unangenehme Winternächte zu kommen hilft. Mein großer Überraschungsfavorit derzeit.

[MP3] Sally Shapiro - He Keeps Me Alive
[MP3] Sally Shapiro - I'll Be By Your Side
[Video] Sally Shapiro - Jackie Jackie (Spend This Winter With Me)

Sally Shapiro Myspace

Konzert: Envy



Man sollte ja meinen dass am Abend an dem Die Ärzte in Köln eine große Jubiläumsgala geben eine Hardcoreband aus dem fernen Japan noch zur geringsten Konkurrenz zählen würde. Doch die Treue und Menge von Envys Fans sind groß, und so ist das Gebäude 9 proppevoll da Tickets restlos ausverkauft sind. Aus weit entfernt sind manche angereist, man hört Französisch und Schwedisch und vielerlei Englisch mit nichtdeutschem Akzent. Wo man hinsieht Hardcore-Tshirts und -Sweater, Hardcorekäppis und Hardcorehaarschnitte (gerade anscheinend angesagt bei den Damen: gelbblonde Zöpfe). Aber keine reine Szeneveranstaltung, denn auch wenn Envy gut holzen so ist weniger ein Abend für Moshpits als für andächtiges Zuhören.

Weghören wäre auch kaum möglich, denn da ihre Landsmänner Mono dieses mal nicht nach Köln kommen gebührt Envy der Titel "Lautestes Konzert des Jahres". Schon als die fünf loslegen gibt's ordentlich was aufs Trommelfell, doch dann wendet sich Tetsuya Fukagawa vom Mikrophon ab und dem mit Elektronik belegten Tisch hinter seinem Rücken zu, der Song tritt richtig in Aktion und es geht laut -> OhmeinGottwhatthefuckaahistdasgeil. In diesem Orkan treiben Bassist und beide Gitarristen die keinen Anschlag verfehlen während sie zucken und sich wiegen, besonders der rechte Gitarrist geht irre ab und ich bin absolut fasziniert von seinem Haar das einen eigenen Tanz aufzuführen scheint.

Envys Texte als nicht besonders fröhlich zu charakterisieren wäre noch untertrieben, in den sowohl auf Japanisch als auch Englisch geschriebenen Booklets findet sich ein überwältigendes Spektrum von negativen Emotionen wieder. Fukagawas gepeinigt heisere Stimme ist dabei ein ideales Vehikel um die dunkle Seite der Gefühlswelt zu transportieren, auch wenn er stellenweise singt ist es nur eine Frage bis es zum nächsten gutturalen Ausbruch kommt. Trotzdem gibt es dem Zuhörer ein wahres Glücksgefühl an dieser Trauer teilzuhaben, besonders die neueren Stücke wie Scene sind von schönen sphärischen Synthklängen durchzogen die einen bei dieser Lautstärke nur noch eindringlicher durchfluten. Von der innerlich und äußerlich erwärmten Menge strömt dafür Dankbarkeit nach vorne, und nach einer Zugabe verlassen Envy mit einem Lächeln auf den Lippen die Bühne.

Auf der Rückfahrt steigen auch Besucher des soeben beendeten Ärzte-Konzertes in die Bahn. Fröhlicher wirken aber irgendwie diejenigen die gerade nicht die beste Band der Welt gesehen haben. Macht der Katharsis.

Videos auf Youtube gibt es hier und hier, letzteres ist soundmäßig weniger gut aber sehr schön gefilmt mit super Gitarristenaction am Ende.

Stream: The Raveonettes - Lust Lust Lust

Auf ihrem dritten Album haben Sharin Foo und Sune Rose Wagner aka The Raveonettes die Lust (pardon) an verzerrten Surfgitarren nicht verloren, im Gegenteil sind die Dänen - nun wieder auf einem Independentlabel und in Eigenregie unterwegs - mit ihren rohen, sägenden Gitarrenschwällen so nah an TJ&MC wie nie zuvor. Lust Lust Lust ist bereits seit einer Woche draußen (mit 3D-Cover), dank Luisterpaal kann man es sich nun auch mal vorab anhören.

[Stream] The Raveonettes - Lust Lust Lust