Konzert: The Fiery Furnaces



Wenn man nicht wie letztes Jahr zufällig The New Pornographers heißt stelle ich mir den Job der Vorband für die Friedbergers nicht sonderlich attraktiv vor. Denn gegen so furios aufspielende The Fiery Furnaces wie gestern kann man eigentlich nur verblassen, insbesondere wenn man wie Franz Kasper die Art von solider aber unspektakulärer Rockmusik spielt die nicht wirklich mein Fall ist. Immerhin kam ich durch den Namen auf die amüsante Vorstellung von Franz Ferdinand als Vorgruppe der Furnaces und beim Umbau auf die Frotzelei dass die Friedbergers den Schotten wohl das Schlagzeug geklaut hatten, das war nämlich mit zwei Fs gefolgt von ausgeschwärzten Buchstaben beschriftet. Um so größer mein Amüsement als ich bei genauerem Hinsehen unter der Übermalung "Fromz Ferdanind" zu erkennen meinte. Ebenfalls ohne Erklärung, selbst auf Nachfrage hin, blieben die Kanada-Logos auf Bass und T-Shirt des Mannes außen links der gewiss nicht von dort kommt.

Ebenso unernst aber sehr süß begann dann das Konzert, die bereits beim letzten Mal dabei gewesenen Jason Loewenstein und Bob D'Amico besetzten ihre Positionen an Bass und Schlagzeug, gefolgt von Matthew Friedberger der sich statt einer Gitarre um den Hals diesmal rechts mit mehreren Keyboards/Orgeln bewaffnet hatte. Er bat dann die Menge seine Schwester, die am vergangenen Abend mit einer Erkältung zu kämpfen gehabt hätte, mit einem extra Applaus zu begrüßen was auch prompt geschah. Von Formschwäche war bei ihr aber nur wenig zu merken, auch dass ihnen auf dem Weg nach Köln die Achse am Tourwagen gebrochen und die Autobahnahrt so unbemerkt höchst gefährlich geworden war blieb zum Glück ohne Folgen. An der Rückseite der Bühne war ein großes aufsehenerregendes Banner mit bunten Textauszügen aufgehängt, die Aufmerksamkeit war aber schnell auf das tatsächliche Geschehen gelenkt.

Die Rhythmussektion legte von Anfang an mit sattem Druck vor, besonders Loewensteins Bassklang war irre schwer und knarzig und groovte so noch mehr. Im Vergleich zum letzten Mal waren die Songs aber kein einziges manisches Holterdipolter sondern behielten ihre melodischen Akzente, insbesondere die Songs von Widow City die den Großteil des Programms ausmachten klangen absolut fantastisch in diesen Arrangements. Instrumental waren sie dank der irren Keyboards nah an der Plattenversion, strukturell wurde aber imer wieder umgeschichtet, vor allem die gesanglosen Garagerock-Einlagen meist verlängert oder vervielfacht.

Meistens gab es aber Eleanor Friedbergers Gesang zu hören, und der war natürlich wahnsinnig toll. Mit dieser einmaligen, kräftigen Stimme trug sie stellenweise lächerlich schnelle Wortfolgen vor, ohne eine einzige Silbe zu verhaspeln, und behielt dabei auch noch die Betonung. Seltbst während sie sich vom Mikro entfernte schienen die Worte noch genauso kräftig hinüberzuwallen, als hätte sie ein wunderbarer Geist besessen für den die Gesetze der Physik egal waren und den nichts daran hindern konnte freigesetzt zu werden. Ein großes Highlight war der Titelsong des neuen Albums, keine bloße Gesang + Piano-Nummer mehr und trotzdem alle hing alles an dieser Stimme.

An älteren Stücken (die ich identifizieren konnte - manche waren doch noch so verändert dass ich ratlos blieb) gab es vor allem EP-Material zu hören wie Evergreen, Single Again und Smelling Cigarettes, letztere beiden wurden mit Don't Dance Her Down in ein Medley geschachtelt. Ein anderes Medley gab es überraschenderweise mit nur schwer zu erkennenden Nummern von Rehearsing My Choir, davon wurden glaub ich direkt drei am Stück gespielt. Irgendwann war dann alles vorbei, irgendwie schon viel zu früh denn was hätte man nicht noch alles spielen können, aber es war sicher auch nicht ratsam Eleanours Stimme zu überstrapazieren. Zum Abschluss gab es dann auf Besucherwunsch Tropical Iceland, wohl den größten potentiellen Pophit den die Furnaces je geschaffen haben. Natürlich weder in der ursprünglichen langsamen noch in der neueren Südseeversion sondern als zappeligen Garagerock serviert. Ganz ganz großer Murks. Im guten Sinne. Nur schade dass es kein Los Fieros Furnacios-Shirt mehr in tragbarer Größe gab.

Neues Von Sons And Daughters



Wer einen Blick nach rechts wirft kann unschwer erkennen dass derzeit überwiegend Musik mit Gesang von Vertreterinnen des nichtmeinigen Geschlechts hoch in meiner Gunst steht, und so kommt es auch gelegen dass man mit Darling bereits die zweite Single von Sons And Daughters' für nächstes Jahr anstehendem This Gift auf deren Myspace anhören kann. (Noch?) Ohne visuelle Begleitung, dafür swingender als Gilt Complex auf dessen Video hiermit auch endlich mal verwiesen wäre.

[Video] Sons And Daughters - Gilt Complex

Sons And Daughters Myspace

Video: The Fiery Furnaces - Navy Nurse



Wasn los, hat die Lust an der See jetzt New York erfasst? Erst diese Bootstour, nun heißt es für The Fiery Furnaces "Eleanor put your swimsuit on" auf einen Trip zum Kieselstrand, verwaschen gefilmt wie ein alter VHS-Urlaubsfilm. Navy Nurse eröffnet die zweite, unscheinbare Hälfte von Widow City, trotz saftiger Rockriffs mehr Feierabendmusik als zum Aufwecken geeignet. "If there's anything i've had enough of it's today," singt Friedberger erschöpft. Zum Glück ist ein Restorative Beer direkt um die Ecke.

[Video] The Fiery Furnaces - Navy Nurse

Gowns



Jahresendlisten. Wo man hinsieht springen sie bereits wie Pilze aus dem Boden, dabei ist das Musikjahr doch noch gar nicht herum. Auf dem exzellenten Upset The Rhythm-Label (No Age, Barr, Death Sentence:Panda) ist z.B. heute Red State von Gowns erschienen, einem Trio teilweise aus Kalifornien das sich hier alles andere als sonnig zeigt. Stattdessen dronige, oft drogengefüllte Visionen wie man sie auch durchaus auf Constellation oder Kranky antreffen könnte, besonders fühl ich mich an Carla Bozulich erinnert mit der Gowns auch durch Europa touren. Im deutschsprachigen Raum gibt es Gowns vorerst nur am 30.11. in Wien zu sehen, dafür kann man wo immer man auch ist diese Woche auf Paper Thin Walls das Debütalbum anhören.

[MP3] Gowns - White Like Heaven
[Stream] Gowns - Red State

Gowns Myspace

Corporate Synergy



Neues von Aziz Ansari. Allein schon wegen des Blickes von Kyp Malone sehenswert.

A Hack And A Hacksaw Bei Concerts Á Emporter



Ach wie schön. Vincent Moon begibt sich eine Etage tiefer und filmt A Hawk And A Hacksaw auf dem Kinderspielplatz mit einer höchst ungewohnten aber gebannt lauschenden Zuschauermenge. Später wandern Jeremy Barnes und Heather Trost in der Abenddämmerung durch eine zunehmend heller beleuchtete Geschäftsstraße, dabei wortlos über Augenkontakt miteinander kommunizierend dass die Straße allein von Musik beschallt wird.

A Hack And A Hacksaw Bei Concerts Á Emporter

Konzert: Asoki Seksu



Ich weiß nicht ob es am Timing liegt oder ob sie nur besonders gründlich sind, aber bei beiden Gelegenheiten als ich Asobi Seksu dieses Jahr live sah waren sie noch beim Soundcheck als ich ankam. Ein Gutes hatte die Wartezeit im Gebäude 9 direkt für die Band, der Merchandise-Stand war nämlich schon vor dem Konzert gut besucht. Und als es dann los ging war auch klar dass sich das Warten gelohnt hatte, die klangliche Abstimmung war weitaus besser als im Sommer als sie in der Kulturkirche vor den Editors spielten. Damals gingen Keyboard und Gesang schnell unter im Lärmen von Gitarre und Bass, die schönen Melodien konnte man nicht mehr als erahnen wenn man sie noch nicht vorher kannte.

Gestern aber waren die Stimmen von Yuki Chikudate und James Hanna gut zu verstehen auch wenn's wie erhofft laut wurde. Denn auch wenn sich die New Yorker mit Recht ein 'Dream Pop'-Logo auf ihre herrlich designten Platten stempeln so gehen die träumerischen Parts ihrer Songs nur zu gerne in Krachausbrüche über, und so freute ich mich auch jedes Mal wenn die Fetzen flogen und die Saiteninstrumente malträtiert wurden. Es war zwar laut aber nicht unangenehm, eben auch weil kein übermäßiges Bassdröhnen auszumachen war, dem ausgiebigen Soundcheck sei Dank. Die zwei Gesichter der Musik von Asobi Seksu werden auch visuell prima von den beiden Frontleuten repräsentiert: Chikudate, die elegant im bunten Kleid leicht auf und ab wippend oder hin und her wiegend ihr Keyboard bediente, für die leichten, poppigen Melodien und Hanna, wenig glamourös mit 5-Tage-Bart, Haaren im halben Gesicht und locker sitzendem Hemd aber genüsslich seine Gitarre schüttelnd wenn es an die Kracherzeugung ging.

Der Raum war gar nicht mal so leer wie ich vorher gedacht hatte, schätzungsweise 60-80 hatten sich nach Deutz aufgemacht. Auch die Band äußerte angenehme Überraschung über die Besuchermenge bei ihrem ersten Kölner Auftritt als Headliner, wenngleich diese Menge auf mich ziemlich komatös wirkte. Aber ansonsten war's echt prima, alles was ich von ihrem zweiten Album Citrus das schon letztes Jahr zu meinen Favoriten zählte hören wollte wurde gespielt, teilweise in ausgedehnten Fassungen - mit mehr Krach natürlich, yeah! Am krachigsten wurde es zum Schluss als sich Chikudate auch mal ans Schlagzeug setzte, jegliches Klischee von der dekorativen Frau am Keyboard mit zwei Drumsticks zerschmetternd. Während links und rechts die Saiten geschwungen wurden schnappte sich dabei der Drummer ein Becken und trug es über die Bühne, so laut darauf eindreschend dass man es auch ohne Mikrophon hören konnte, als müsste er auch unbedingt zu diesem wunderschönen Krach beitragen der da von der Bühne angeschwommen kam.

[MP3] Asobi Seksu - New Years
[MP3] Asobi Seksu - Thursday
[Video] Asobi Seksu - Goodbye

Asobi Seksu Myspace