66 aus 2006 Teil 1

(Teil 1) (Teil 2) (Teil 3) (Teil 4) (Teil 5) (Teil 6)

Platz 66
The Mountain Goats - Get Lonely


Ich wollte eigentlich bis zum Herbst warten um diese Platte zu besprechen, hab mich aber dann nicht mehr getraut sie anzuhören. Ein komplettes Album übers verlassen werden. Und weil es von John Darnielle ist schmerzt man beim Hören auch genauso wie man es in echt täte. Mit jedem Mal sind die Songs schöner und besser zu ertragen, aber ich würde trotzdem niemandem der gerade eine Trennung hinter sich hat raten Woke Up New zu hören.

Platz 65
The Evens - Get Evens


Ein politisches Album. Ein wütendes Album. Ein punkiges Album. Und doch keine elektrische Gitarre weit und breit. Ian MacKaye und Amy Farina haben auf Album Nr. 2 ihre musikalischen Visionen noch mehr gebündelt, und wissen simpel erscheinende Repititionen genauso kraftvoll einzusetzen wie komplizierte Drum-Muster. Nicht alle Idols sollte man killen, MacKayes Zeit zumindest ist noch nicht gekommen.


Platz 64
I'm From Barcelona - Let Me Introduce My Friends


Ein Lied ging um die Welt. We're From Barcelona hatte nicht nur die Sterne im Visier, sondern auch unsere Herzen. Und wer sich von der geballten Popnaivität bezaubern ließ, auf den wartete noch ein gesamtes Album voller bunt funkelnder Songs die Banalitäten wie Briefmarkensammeln, Verschlafen und Baumhäuser für nicht nur einen Sommer unheimlich attraktiv erscheinen ließen. Es gibt One Hit Wonder im Sommer und es gibt echte Sommerhits, dieses Album ist voll von letzteren.

Platz 63
The Walkmen - Hundred Miles Off


Ein Album mit mehr Klasse als man ihm zunächst anhört. Auf eine Tour durch die weiten Trockenlandschaften der amerikanischen Südstaaten und Mexikos nehmen uns die Walkmen, und auch wenn man nicht immer wie auf Louisiana beim ersten mal die Trompeten hört, lohnt es sich die zunächst vielleicht enttäuschten Ohren genauer auf das heisere Treiben zu lenken. [mehr]


Platz 62
Boris - Pink


Völlig zu Unrecht steht dieses Album 2006 im Schatten von Boris' Kooperation mit ihren Drone-Metallerkollegen aus Amerika Sunn O))). Denn im Gegensatz zu Altar lassen Boris hier nicht nur die morastigen Soundsphären aufsteigen, sondern wechseln mühelos in ungemein hart krachende Hardrockkracher über, was Pink zu einer weitaus abwechslungsreicheren Angelegenheit macht und weitaus mehr von Boris' Facettenreichtum zeigt, der auch pure Noisedebakel oder 20 Sekunden kurze Grindcore-Atombomben umfasst.

Platz 61
Volcano! - Beautiful Seizure


Herrje, wie soll man dieses Album beschreiben ohne dass es furchtbar klingt? Avangardistische Rocker basteln unvorhersehbare Songmonster, die so mir nichts dir nichts explodieren oder implodieren, mit Dumrhythmen die sonstwohin rennen und Gesang in einer unentzifferbaren Phantasiesprache (ohne Scheiß, das hier sind die Lyrics!). Egal wie oft ich ihn höre, Apple Of A Gun ist einfach der ungewöhnlichste und spannendste Song des Jahres, und zum Glück nicht der einzige Anfall von Wahnsinn der Volcano! hier ereilt hat. Wir fordern: mehr Exzentrik!

Platz 60
The Paper Chase - Now You Are One Of Us


2006 gab es schon so manches Monster im Wandschrank zu entdecken. Auch John Congleton hat seins mal wieder rausgelassen, und ein zum in die Hosen scheißen schaurig schönes Album hingelegt. Du kannst versuchen wegzulaufen, aber zur Not folgen dir The Paper Chase halt auch in deine Träume, denn sie wissen genau wo du schläfst. [mehr]



Platz 59
Serena-Maneesh - Serena-Maneesh


In Schweden macht man nicht nur Pop oder in letzter Zeit auch verstärkt Elektronik, auch ein krautig-psychedelisches Wunderwerk wie dieses kann dort entstehen. Ob Serena-Maneesh auch von der staatlichen Popförderung profitierten weiß ich nicht, aber mit so einem Album wird man so oder so berühmt. [mehr]



Platz 58
Cat Power - The Greatest


"Oh nein, Chan Marshall nimmt keine Drogen mehr!" Wer das Album nicht gekauft hat weil er diese Vorstellung nicht ertragen kann hat nicht nur Komplexe, sondern verpasst auch wieder mal viele phantastische Songs die ganz und gar nicht so ohne Ecken und Kanten sind wie manche Besprechungen von The Greatest behaupteten.



Platz 57
Carla Bozulich - Evangelista


Manche Dinge ändern sich zum Glück nie, und so zeichnen die Künstler des Constellation-Labels immer noch den Verfall der Welt in düsteren Bildern. Neu hinzugekommen zu der munteren Montrealer Truppe ist dieses Jahr Bozulich, und wenn Carla mit vor Wut und Pein triefender Stimme durch den Raum peitscht schafft sie es mühelos, die dunklen Klangversammlungen rundherum vergessen zu machen. Wie oft hat man schon eine Platte, auf der ein Low-Cover eins der fröhlicheren Stücke ist?

Platz 56
Islands - Return To Sea


The Unicorns sind tot, es leben Islands! Spleenige Pop-Perlen en masse werden hier aus dem Wasser gefischt und feiern die ganz große Karibikparty. Oder gibt es kanadische Inseln? Wenn ja stell ich sie mir zumindest ungemein sonnig vor, und Islands haben dort hoffentlich das Musikmonopol. Auch wenn der Tod immer wieder anklopft, ist die morbide Faszination längst nicht so prävalent wie auf dem Unicorns-Schwanengesang Who Will Cut Our Hair When We're Gone. Wenn es mal melancholisch wird, dann aber auch schon mal ernster und weniger verspielt als früher. Man wird ja auch mal ein bisschen erwachsen, selbst als Einhorn.

Unerwartete Vorbilder

Also.. das hätte ich nun nicht erwartet:

"Mike Patton is our idol," says Adam Baker

Laaangweilig

Es begab sich vor etwa 10 Jahren. An einem Abend, ganz ähnlich dem heutigen, zu einer späten Stunde wie der jetzigen, saß Klein-Uli vorm Fernseher und zappte (damals war das noch ein total hipper Begriff) sich so durch das deutsche Spätabendprogramm (das hingegen schon damals alles andere als hip war). Von Musik hatte Klein-Uli noch nicht so viel Ahnung, ihm war gerade erst erzählt worden dass das was er damals für Punkrock hielt die einzige richtige Musik sei. Klein-Uli hatte das erst mal so akzeptiert, war eigentlich auch ganz cool so als biertrinkender elitistischer pubertierender Möchegern-Punk.

Aber dann schaltete er an diesem verhängnisvollen Abend auf Viva um, wo damals noch die ihm beim Durchzappen bisher sehr merkwürdig aufgefallene Sendung Wah Wah lief. Dort sah er an diesem Abend etwas das ihn so ungeheuer beeindruckte dass es ihn auf einen langen, dunklen Pfad schickte die vielfältigsten und auf den ersten Blick unverständlichsten Arten von Musik zu finden die er nur konnte. Was Klein-Uli damals sah war das hier, obwohl er sich heute nur nur noch an die Stelle 1.25 Minuten in den Clip hinein erinnert:



Boredoms, japanische Avantgarde-Noise-Experimental-Weirdoes der allerersten Güte. Direkt mal umgeguckt was die heute so machen, und siehe da: Vice Records bringt die nicht allzu leicht zu erwerbende EP-Reihe Super Roots nächstes Jahr groß neu heraus. Mit dem Passwort 'b89' kann man auch einen fantastischen Gratis-Sampler der Reihe runterladen, an dem man schon wunderbar erhören kann wie sich die Musik der Boredoms über die Jahre hinweg entwickelt hat, von den kurzen Krachern am Anfang in krautigere, psychedelischere und sogar tribal-haftige Gefilde.

Super Roots Sampler

Neue Songs von Deerhoof, Eluvium



Deerhoof sind nur noch zu dritt nachdem Chris Cohen beschloss sich ganz seinem bis dahin Zweitprojekt The Curtains zu widmen. Um ihr erstes Album als Trio, das am 26. Januar auf Tomlab erscheinende Friend Opportunity, wurde schon im Vorfeld groß Aufhebens gemacht von wegen es könnte die "Durchbruchplatte" werden um bei einem größeren Publikum als bisher bekannt zu werden, aber nun wo es dank Pitchfork mit +81 das erste Stück vom Album zu hören gibt muss ich mich doch sehr über solche Prognosen wundern. Trotz Trompeten ist es immer noch genauso sympathisch schräg wie ältere Deerhoof-Nummern, was natürlich heißt dass ich es ganz ganz toll finde, aber ob das auch vielen anderen so gehen wird?

[MP3] Deerhoof - +81



Ebenfalls ein neues Album wird es Anfang nächsten Jahres von Eluvium geben, das in den US ebenso wie das neue Werk von Eluviums Labelkollegen Explosions In The Sky am 20. Februar erscheinen wird. Von seinen etwas noisigeren Anfängen hat sich Matthew Cooper mittlerweile zu einem Komponisten von teilweise rein klassisch instrumentierten Stücken entwickelt, in denen man immer noch wie eh und je all seine Gedanken verlieren kann. Vom kommenden neuen Album Copia:

[MP4] Eluvium - Prelude For Time Feelers

Pavement Live



Warum Pavement in einer ganz anderen Liga spielten als all die Bands die heutzutage mit ihnen verglichen werden sieht man wunderschön an ihrem Auftritt beim Bizarre Festival in Köln vom 15. August 1997. Sieben der zehn dort gespielten Stücke finden sich auf Youtube, mit all den eigentümlichen Tonalitäten, den Songvariationen, dem uncool coolen Bühnengehabe und natürlich den sensationellen Songs die die Band auch noch in ihrer Spätphase live einzigartig gut machten. Ich hab aus den einzelnen Videos eine Playlist erstellt dank der man das Konzert bequem an einem Stück sehen kann:

[Video] Pavement - Live beim Bizarre Festival 1997 (Youtube Playlist)

Neuer Arcade Fire Song!



Yup, es geht los.. die Aufwärmphase zum zweiten Album von Arcade Fire. Neon Bible wird es heißen, höchstwahrscheinlich noch im ersten Quartal 2007 erscheinen, und gestern wurde ein erstes Stück daraus im Radio 1 der BBC gespielt. Das bedeutet zum Glück auch, dass man die Sendung noch für eine Woche über die BBC-Website streamen kann. Wer den Real Player installiert hat kann Intervention, das Arcade Fire bereits oft live gespielt haben und deswegen vielen nicht mal völlig unbekannt sein dürfte, nun auch in seiner ganzen Orgelpracht hören wenn man zu folgender Seite geht und mit dem BBC Player 15 Minuten vorspult (los geht's etwa 18 Minuten in die Sendung rein):

[Stream] Arcade Fire - Intervention auf BBC Radio 1 (Real Stream, 15 Minuten vorspulen)

Ich find den Song super, besonders mit dieser neuen majestätischen Instrumentierung.