My 31 favourite Records in 2005, Part 26

Platz 6
Animal Collective: Feels

Was bedeutet heutzutage schon "verrückt sein"? Geht man mal von der klassischen Bedeutung aus, dann ist man verrückt wenn der eigene Geist oder das eigene Verhalten jenseits der gesellschaftlichen Norm ablaufen.
So mancher Hörer würde die Musik von Animal Collective als verrückt bezeichnen. Was führt die Band dazu, mitten in The Purple Bottle, Banshee Beat und Grass in jeweils verschiedene Arten von wolfsähnlichem Geheul auszubrechen? Welcher geistig gesunde Mensch macht so was?

Doch wie heißt es so schön, der Wahnsinn hat Methode. Stellen wie diese beiden gehören zu den denkwürdigsten in diesem Musikjahr, und Animal Collective haben noch mehr zu bieten als nur derart charmanten Irrsinn. Die Musik, die scheinbar immer mindestens um ein Maß von den unberechenbaren, flattrigen Stimmen übertönt wird, strahlt im Gegenstück dazu zunächst eine gewisse Stetigkeit aus. Es wird viel mit schnellen, sich wiederholenden Rhythmen und Geräuschen gearbeitet. Aber dadurch, dass all diese nie genau zusammen spielen, scheint die Musik immer wieder plötzlich auseinanderzudriften. Besonders das immer wiederkehrende Dröhnen, das über allem zu schweben scheint, schafft immer wieder Unruhe in ansonsten recht entspannte Songteile hinein.
Es mag klischeehaft klingen, aber Animal Collectives Musik spiegelt die Assoziationen die man allein durch ihren Namen hat tatsächlich wieder: sie schafft es, völlig ohne Samples, die Natur akustisch darzustellen. Immer unberechenbar und wechselhaft ist sie, nie gänzlich zu erfassen. Und das bedeutet auch insbesondere dass das hier ein Album zum immer wieder anhören ist, mit jedem Hören entdeckt man neue Stellen deren Schönheit wirklich im Detail liegt. Und ja, dies ist wohl gleichzeitig das einfachste und doch auch das zutreffendste Wort um Animal Collectives Musik zu beschreiben, denn das ist sie über alle Maßen hinaus:
Schön.

Website: www.paw-tracks.com
Bester Track: Banshee Beat

My 31 favourite Records in 2005, Part 25

Platz 7
British Sea Power: Open Season

Dieses Album kommt nicht mit dem Vorschlaghammer an, nein, es verzaubert dich.

Es massiert dir den Gehörgang, windet sich langsam über deine Gedanken in dein Unterbewusstsein bis du plötzlich eine völlige und bedingungslose Liebe zu ihm empfindest. Du hörst Vögel den Frühling herbeizwitschern, siehst vor deinen Augen nicht vorhandenen Schnee schmelzen, fühlst eine sanfte, warme Brise über deine Haut streicheln. Dir wird plötzlich ein bisschen warm und zitterig, irgendwo an einer schwer zu lokalisierenden Stelle zwischen Schlüsselbein und Leber. Deine Nacken- und Rückenhaare stellen sich auf.

Plötzlich spürst du ein sanftes Drücken auf den Hinterkopf. Als würde dir jemand ganz langsam mit der Handkante über diese eine Stelle dort streichen, um die herum jedes Haar in eine andere Richtung zu wachsen scheint. Du schaust auf deine Finger, und merkst jetzt erst, dass sie begeistert im Rhythmus klopfen. Dann bricht auf einmal ein Schwall von solch musikalischer Schönheit über deine Ohren herein dass du gar nicht anders kannst als deine Augen zu schließen und einfach zuzuhören. Für einen scheinbar endlosen Moment befindest du dich irgendwo in diesem so selten erreichten Bereich an dem sich lauter, unnatürlicher Lärm und sphärische Harmonie treffen.
Dann wirst du ruhig.

Bis auf ein kleines Tappen, etwas schneller als dein Herzschlag, spürst du nichts. Dann hebt sich der Vorhang. Du siehst das Meer. Am Horizont geht die Sonne unter oder auf, du weißt es nicht, auf jeden Fall ist sie ganz dunkelorange. Ein Schiff steuert langsam auf den Horizont zu und du merkst, dass es jetzt Abend wird. Trotzdem bleibt es weiter angenehm warm, und gelber Laternenschein lässt zu dass du mehr siehst als die aufgeregt umherschwirrenden Glühwürmchen am Wegesrand. Der Weg ist ein bisschen holprig und du musst aufpassen, nicht zu stolpern. Mit jedem Schritt fühlst du dich ein bisschen älter, aber keineswegs schwächer.

Als du schließlich dein Haus erreichst und dich ermüdet in dein Bett legst überfällt dich auf einmal die Erkenntnis, dass du dich gerade zu deinem letzten Schlaf hingelegt hast. Als du einschläfst, weißt du: Dieses Abenteuer ist vorbei.
Doch dann hörst du aus der Ferne diese Musik, und du bist dir absolut sicher, dass hinter der Kurve direkt schon das nächste wartet.

Website: www.britishseapower.co.uk
Bester Song: Please Stand Up

Glosoli



Wie schaffen Sigur Ros es nur immer wieder, Musikvideos zu machen, die nochmal genau so träumerisch und bewegend sind wie die Stücke selbst?
Das Video zu "Glosoli". Sehen, hören, träumen.

Stirb Langsam 4

Eine echte Wahnsinnsgeschichte, klingt fast wie die Story zu einem Bruce Willis-Film:

If it was just a shooting, or a car wreck, or a guy hit by a car, or a window-smashing shoe salesman, or an escape from a closet, then it would just be an average story.
The salesman says four men pulled him inside the house and locked him in a closet.
Then, the four went outside and tried to steal the shoe salesman's car. The salesman kicked his way out of the closet and used a lamp to smash his own car window as the four tried driving away and that's when they backed into a tree.


Und das ist erst die Hälfte dieser irren Ereigniskette...

My 31 favourite Records in 2005, Part 24

Platz 8
Clap Your Hands Say Yeah: Clap Your Hands Say Yeah

Es ist schwer dieses Album beim ersten Hören bereits gut zu finden. Das fängt schon beim Intro an, einem merkwürdigen Stück Leierkastengedudel, das einen geradezu auffordert vorzuspulen oder die CD direkt wieder aus dem Abspielgerät zu entfernen. Auch gewöhnungsbedürftig ist der Gesang, ein scheinbar klischeehaftes Indierock-Gejaule. Aber was man dann hier vorfindet ist die Indierockplatte des Jahres.

Zwischen sanften Melodicaklängen und Violent Femmes-reminiszentem Gitarrengeschrammel reihen Clap Your Hands Say Yeah auf ihrem selbstbetitelten Debüt wirklich Hit an Hit. Vom hypnotischen Over And Over Again (Lost And Found) gelangt man über das entspannte Details Of The Year zum Gestampfe von Of My Yellow Country Teeth, das einen Rythmus immer kurz vor der Tanzbarkeit hält der aber irgendwie durch das Wechselspiel der Gitarren doch etwas zu lang gezogen wird. Überhaupt kann man hier kaum Trends der zeitgenössischen Gitarrenmusik ausmachen, weder wird es sonderlich post- oder discopunkig, noch dominieren die Keyboardsounds. Instrumente wie Stimme sind eigentlich alle homogen dabei, Atmosphäre zu erzeugen.

Und atmosphärischer als In This Home Of Ice hat es wohl dieses Jahr kein Stück Indierock gegeben. Die Synths die sich mit den Gitarrensounds vermischen könnten glatt von My Bloody Valentine aus der Loveless-Ära stammen, der Gesang ist dazu so verhalten wie sonst nie auf der Platte, bleibt dabei aber immer noch so passioniert dass er die emotionale Resonanz des Stücks noch um einiges steigert.
Allein mit diesem Stück oder auch mit dem großen Finale Upon This Tidal Wave of Young Blood hätten sich Clap Your Hands Say Yeah einen Platz in der Indierock-Hall Of Fame erspielt, aber dabei haben sie es nicht belassen und gleich ein komplettes großartiges Album geschaffen. Dafür wurden sie dann auch mit einem geradezu rekordverdächtigen Popularitätsaufstieg belohnt, der sie von selbstvertriebenen CDs in wenigen Monaten zu Auftritten bei Late Night Shows brachte. Und hoffentlich auch nächstes Jahr zu uns.

Website: www.clapyourhandssayyeah.com/
Bester Track: In This Home Of Ice

Thank You For Smoking

Das hier sieht fantastisch aus: eine Satire über Lobbyisten in den USA mit toller Besetzung. Trailer hier.

Update: Eben bemerkt dass es auch 3 preisgekrönte, tolle, witzige Kurzfilme des Regisseurs kostenlos online zu sehen gibt.

Consent zeigt, was es heißt, vorm Geschlechtsakt erst einen Anwalt zu konsultieren.
In In God We Trust sieht man, wie bürokratisch es wirklich im Himmel zugeht.
Und in Gulp versucht jemand seinen Goldfisch zu retten. Das ist spannender als es sich anhört.

My 31 favourite Records in 2005, Part 23

Platz 9
The Robocop Kraus: They Think They Are The Robocop Kraus

Manche Bands haben einen schnellen Weg zum Startum. Erstes Album spitze, schnell sprechen sich gute Kritiken rum, man landet auf dem Cover von NME, Rolling Stone und Spex und wird sogar zwischen 2 Klingeltonwerbeblöcken auf MTV gespielt.
The Robocop Kraus hingegen sind eine Band die für alles ackern musste. Nicht nur um bekannt zu werden, sondern auch um besser zu werden.

Nicht dass sie anfangs schlecht gewesen wären. Wenn auch nicht überragend erfolgreich, so enthielt das zweite Album mit Dead Serious doch immerhin einen respektablen Clubhit der garantierte dass sich der Name dieser Band soweit rumsprach dass man, auch international, aufhorchte als von einem Nachfolger die Rede war. Um diese Zeit rum verbreitete sich auch spätestens die Kunde dass diese Typen aus einem kleinen Kaff in Süddeutschland verdammt gute Livekonzerte geben würden. Und da sie so oft tourten gab es dann auch bald Gelegenheit das zu überprüfen, und tatsächlich, sowohl Living With Other People als auch die Livekonzerte wurden 2002 ein Erfolg. Kein Wunder, hatten sich The Robocop Kraus in den Jahren seit ihrer Gründung sowohl live als auch auf CD stetig verbessert.

Haben sie es dieses Jahr wieder geschafft? Und wie, live als auch auf CD. They Think They Are The Robocop Kraus besitzt sowohl tanzbare Stücke die jeden Saal zum Kochen bringen (You Don't Have To Shout, All The Good Men) wie smoothe Hüftwackler (A Man's Not A Bird, Too True To Be Good) als auch eine regelrechte Ballade (And Life Amazes Us Despite Our Miserable Future). Das alles verpackt in diese mittlerweile fast zur Perfektion verwachsene Mischung aus New-Wave-Synths, choppiger Postpunk-Gitarre und unwiderstehlichen Singalongs. The Robocop Kraus sind der beste Beweis dafür dass sich Arbeit lohnt wenn man sich musikalisch weiter entwickeln will.

Website: www.therobocopkraus.de
Bester Track: You Don't Have To Shout

Die besten asiatischen Filme

If the thought of anther 2005 "Best of" makes you want to shoot yourself...oops! This blog needs every single reader it can get or Variety will send Army Archerd to my house, programmed to kill me! And he'll do it too, because that's how crazy he is.

Kaiju Shakedown hat eine nicht so ganz ernst gemeinte Liste der besten Momente des asiatischen Films 2005.

Meine Joe Strummer Story

Es war der 21.08.1999, kurz vor meinem 19. Geburtstag. Mein erster Besuch auf einem Musikfestival, das 13. Bizarre Festival in Köln-Ossendorf damals. Ich war mit einem Kumpel da, der auf der Hauptbühne Paradise Lost sehen wollte. Was ganz praktisch war, danach sollten Die Fantastischen Vier spielen und so kamen wir früh genug um problemlos in den allervordersten Bereich zu kommen.

Gerade als wir kamen fing dort eine Band namens "Joe Strummer and The Mescaleros" zu spielen an. Meines Wissens nach war das irgend so eine mittelmäßige Multikulti-Reggae-Band die wohl mal irgend einen Radiohit gehabt haben müsste wenn sie jetzt hier auftrat, zwischen der Bloodhound Gang und Paradise Lost. Und ganz wie erwartet, vor einer nicht besonders dicht gepackten Zuschauermenge begannen der irgendwie etwas abgenutzt aussehende schätzungsweise Mittvierziger da vorne und seine Mitspieler (was war das überhaupt für ein Bandname? Wer nennt sich schon "Name plus Band"? Was dachte der Kerl wer er war, Bruce Springsteen?) lockere, ethnisch angehauchte Sommermusik zu spielen. Um uns herum wurden die Joints ausgepackt

Joe Strummer and The Mescaleros, nicht auf dem Bizarre FestivalDann aber kamen mir manche der Lieder irgendwie verdammt bekannt vor. Zu dem Zeitpunkt kannte ich von The Clash kaum mehr als die beiden im Radio oft zu hörenden Should I Stay Or Should I Go und Rock The Cashbah. London Calling (das Album) hatte ich vielleicht dreimal mit einem Ohr gehört, es sollten noch ein paar Monate vergehen bis ich mal richtig hinhören und mich für immer in dieses Album verlieben (und bei einem Blick ins Booklet merken wer Joe Strummer war) würde.
So kam ich damals nur zu der Erkenntnis dass der Typ da vorne ganz uninspiriert Clash-Songs coverte. Na toll, wie lahm war denn das? Wir begannen plötzlich eine gewisse Verachtung für diesen Strummer zu entwickeln, der offensichtlich aus der nostalgischen Erinnerung von ein paar Alt-Punks auf billige Art und Weise Kapital schlug und den diese Deppen um uns herum auch noch toll fanden dafür.
Wir blieben aber trotzdem noch bis zum Schluss, wegen so einem Blödmann gibt man schließlich nicht seinen tollen Platz vor der Bühne auf, und vertrieben uns die Zeit mit der einen oder anderen verächtlichen Bemerkung und Joe Strummer-Witzen.

Und so kam es dass ich einen meiner größten Rockhelden das einzige Mal in meinem Leben live zu sehen bekam, ohne es zu bemerken. Und mich dabei noch über ihn lustig machte.


Gestern vor 3 Jahren starb Joe Strummer an einem Herzinfarkt. He will rest with the gods of rock.


Spreeblick hat schon gestern Tribut gezollt

Witzig

Die meisten Blondinenwitze find ich ja auch eher lahm, aber der hier bei ix ist echt großartig. Lange nicht mehr so gelacht.