My 31 favourite Records in 2005, Part 22

Platz 10
Thunderbirds Are Now!: Justamustache

Es beginnt mit kindlich aufgeregtem Geklatsche und einem Buchstabierspiel: "T-h-u-n-d-e-r-b-i-r-d-s are now!" Da The Go! Team dieses Jahr damit beschäftigt waren die Welt zu betouren und die Herzen ihrer Fans live zu erwärmen sind nun Thunderbirds Are Now! die Band der Stunde mit Ausrufezeichen im Namen die einen kindlichen Enthusiasmus in ihre Musik einbringen.

Wobei auf Justamustache nicht nur diese Spielfreude hervorkommt, sondern auch eine etwas mehr teenagerhafte ständige Aufgeregtheit in der Musik. Der strenge post-punkige Gitarrenanschlag bricht hier allein schon von der Geschwindigkeit her aus jedem allzu ernsten Songgerüst aus, die ungemein mädchenhafte Stimme des Sängers erinnert dabei auch ziemlich an Pretty Girls Make Graves. Darüber brät dann ein kunterbunter Synthiesound, scheinbar vollkommen furchtlos vor jeglichem Pop-Kitsch. Dass das möglich ist haben ja schon Daft Punk auf Discovery bewiesen. Auch vor Gitarrensolos fürchten sich Thunderbirds Are Now! nicht, warum auch, sind diese doch nach ein paar Takten schon wieder vorbei und der Song nimmt wieder eine scharfe Linkskurve in eine neue Richtung. Der Motor ist dabei der mal stampfende, mal hektisch trommelnde Schlagzeugbeat. Überall diese Aufgeregtheit, selbst in den ruhigeren Stücken ist immer ein Unruheelement vorhanden. Und Unruhe ist ja schließlich das was insbesondere Teenager auszeichnet, im Falle von Thunderbirds Are Now! ist das aber ein absolut positives Attribut.

Website: www.thunderbirdsarenow.com
Bester Track: Eat This City

My 31 favourite Records in 2005, Part 21

Platz 11
Broken Social Scene: Broken Social Scene

Jetzt hab ich gestern doch glatt vor lauter Partystress vergessen die Kritik hier zu schreiben, Leider weiß ich auch gar nicht mehr was ich überhaupt zu der Platte sagen wollte, deswegen bastel ich mir jetzt einfach ne Plattenkritik aus anderen Plattenkritiken zusammen. So schwer kann das doch nicht sein.

Vor ein paar Jahren war Seattle die angesagteste Stadt für eine kreative Rockszene, später stand Chicago für neue Konzepte, inzwischen ist der Stab nach Toronto gewandert.Vor den schwulen Kirchgängern der Hidden Cameras und Arcade Fire, den Shooting Stars 2005, sind Broken Social Scene so etwas wie das Superkollektiv der Szene.
Kevin Drew, Gründer des locker auf 30 Mitglieder anwachsenden Freakrock-Ensembles Broken Social Scene, denkt in Kategorien von Armeen: »Die Welt hat schon genügend Vier-Mann-Bands, die großen Gruppen bieten jede Menge Chaos und Spaß. Wir befinden uns in einem kerngesunden Wettbewerb nach dem Motto ›Wer macht die beste Platte?‹« die band als lebensgemeinschaftsmodell ist so alt, wie die freundschaft. freundschaft unter kollegen, die das konzept des künstlerkollektivs übersteigt.

Wenn wir an die Schönheit der heurigen kanadischen Platten (Arcade Fire oder Stars mal als Vorreiter genommen) denken, dann steht »Broken Social Scene« dem in nichts nach. Aber Schönheit ist eben nicht das einzige, was hier kulminiert, gebrochen und recycled wird. Die windigen Einzelheiten der Platte aufzuzählen ist schier unmöglich, da der Anker dazu fehlt. Strukturen fliessen, Melodieschnipsel ziehen ihre Runden, Gitarren und Synthies flirten was das Zeug hält, Ideen werden übereinander geschichtet wie T-Shirts zu Zeiten des Grunge-Looks. Beim ersten Hören kommt da soviel zusammen, dass man erst mal leer schluckt. Indierock reibt sich an Drum and Base-Rythmen. Kauziger Folk kuschelt mit Elektronik. Bläser mischen sich unter die verschiedenen Vocalisten und so verschroben das klingt, steht dennoch der Pop stets Pate und vereint alles durch wunderschöne Harmonien und Melodien. Der Kollege am Mikrophon zeichnet sich durch eine äußerst kraftvolle Performance ab, scheint stets an der Grenze zum Schreien, rastet sich dann aber wieder aus, um aus der Ruhe die Kraft zu schöpfen.

Die Arbeit an „Broken Social Scene“ muss für den Produzenten noch einmal ungleich schwieriger gewesen sein, denn diesmal waren an den Aufnahmen sechzehn Musiker beteiligt, die sich zu allem Überfluss aufgrund ihrer Mitgliedschaft in anderen Bands nie gleichzeitig im Studio einfinden konnten. Auf dem neuen, titellosen Album glaubt man den zerrissenen Entstehungsprozess zu hören: Es drängt sich eher ein Eindruck von chaotischer, flirrender Energie auf als der von streng durchkomponierten Songs. Dennoch ist die Platte großartig, verschwenderisch in ihrem Ideenreichtum und den überbordenden Arrangements.Manchmal gelingen ihnen damit magische Momente, wie man sie vielleicht nur von einer Band wie Can her kennt, nämlich Passagen, bei denen man wesentlich mehr zu hören glaubt, als es tatsächlich zu hören gibt, bei denen sich die Summe aller Teile eben nicht mehr auf jene reduzieren lässt.Und bitte nicht davon abschrecken lassen, dass man dieser kompakten Veröffentlichung etwas Zeit zur Entfaltung einräumen muss.

Website: www.arts-crafts.ca/bss/
Bester Track: 7/4 (Shoreline)

Land der Unwissenden

Die USA haben's mal wieder geschafft! Angeblich wollen sie ja das fortschrittlichste Land der Welt sein, aber wieder einmal hat die "wissenschaftliche Elite" dort es geschafft den Bürgern des Landes ihre abstrusen Theorien von der Evolution des Menschen aufzuzwingen:

US-Richter untersagt Unterricht alternativer Theorien von der Entstehung des Menschen

Dabei weiß doch jedes Kind dass die Erde und der Mensch vom fliegenden Spaghettimonster erschaffen wurden. Aber dank dieses Urteils werden in US-Schulen auch in Zukunft statt der Wahrheit weiterhin die infamen Lügen der "Wissenschaft" verbreitet.
Lasst nicht zu dass das in Deutschland auch passiert! Ein dreifaches Hoch auf das fliegende Spaghettimonster!

Die Wikinger kommen!

2 sensationelle animierte Vikingervideos:



Zunächst rocken die Wikinger in diesem Musikvideo zu War Photographer vom großartigen Jason Forrest, dem König der Hardcore-Discomusik.



Dann versucht eine Horde Wikinger in Supamonks ein Kloster zu erobern, stößt dort jedoch auf unerwarteten Widerstand (Achtung! Video enthält animierte Gewaltszenen und möglicherweise sakrilege Bilder)

mit Dank an den Werbeblogger

Google Zeitgeist 2005

Zeitgeist 2005 ist ein Jahresendbericht der meistgesuchten Begriffe in Google, dieses Jahr besonders toll geschrieben find ich. Interessant fand ich diesen Chart:


Man beachte wie irrsinnig schnell das Interesse der US-Bürger an Massenvernichtungswaffen abebbte sobald sie die Wahl hinter sich hatten, und auch weiterhin gering blieb trotz all der neuen Informationen die zu dem Thema ans Tageslicht kamen. Mehr aufschlussreiche Analysen auf Zeitgeist 2005.

Cover



Rate your music hat eine Liste mit Albumcovers die aus dem einen oder anderen Grund verboten wurden.
Außerdem immer noch am wachsen ist diese Liste der schlechtesten Cover aller Zeiten, zwei andere grausige Listen finden sich bei Pitchfork und hier.

My 31 favourite Records in 2005, Part 20

Platz 12
M83: Before The Dawn Heals Us

Ich bin besonders froh dass ich wegen dieser Besprechung eben auf dem Heimweg nochmal dieses Album gehört habe, denn Before The Dawn Heals Us ist ein absolut traumhaftes Album für Winternächte. "Traumhaft" ist ja eh ein Wort das M83 anhaftet wie "Elfenklänge" Sigur Ros anhaftet. Allerdings fühlt sich das Traumhafte hier etwas eingezäwngt ein. Die synthetischen Drums sind mehr und etwas kantiger geworden, die Synth-Sounds klingen irgendwie auch künstlicher aber gleichzeitig dichter als auf Dead Cities, Red Seas & Lost Ghosts. Eben nicht mehr wie endlos weite Berg-Tal-Seelandschaften, sondern mehr wie nachts hell erleuchtete Städte, hier wird der menschliche Einfluss ganz deutlich, nicht zuletzt weil viel mehr Gesang dabei ist.

Diese musikalische Veränderung hat auch sicher personelle Ursachen, denn hier sind M83... nun, sind gar nicht mehr, nach dem Weggang von Nicolas Fromageau ist Anthony Gonzalez M83. Aber anstatt dass der Sound spärlicher wird ist hier alles geradezu bombastisch vervielfacht worden, was die Platte irgendwie weder besser noch schlechter als ihren Vorgänger macht, lediglich.. anders. Eins hat sie gewiss nicht verloren, und das ist die zur Zeit ganz M83-eigene Schönheit, die bis zum finalen Engelschor durch die ganze Platte verwebt ist und nur darauf wartet sich aus unseren Musikanlagen zu entfalten.

Website: www.ilovem83.com
Bester Track: Don't Save Us From The Flames

Best of 2005

Pitchfork Media und New Noise haben ihre Listen der besten 50 Musikalben 2005 veröffentlicht. Besonders unterhaltsam sind die Top 20 bei New Noise da die Autoren hier gar nicht erst so tun als wären sie einer Meinung sondern auch negative Kommentare zu den Alben ablassen und sich gegenseitig auch öfters beschimpfen, wie eben eine zünftige Diskussion unter Musiknerds so abläuft.

Frighteners DVD



Lange erwartet, nun kommt sie endlich, pünktlich zu Weihnachten: Eine vernünftige DVD-Veröffentlichung von Peter (King Kong, Herr Der Ringe) Jacksons erster Hollywood-Produktion The Frighteners. 4 DVDs, und zwar inklusive der Director's Cut Fassung, die bisher nur auf Laserdisc und über sehr dubiose Bezugswege verfügbar war. Dazu noch Behind The Scenes, Interview, Audiokommentar und und und... Muss ich meinen Wunschzettel wohl noch mit einer Fußnote versehen.

The Frighteners DVD Review

My 31 favourite Records in 2005, Part 19

Platz 13
Muff Potter: Von Wegen

So, 5 Glühwein und die erste Flasche Kölsch intus, genau der richtige Pegel um eine Muff Potter Rezension zu schreiben. Denn wie meinte schon eine Rezension, "Für Punker zu belesen, für Akademiker zu besoffen". Spätestens da hätte mir klarwerden müssen dass Muff Potter die perfekte Band für mich sind.

Das hatte ich aber schon bei der Veröffentlichung ihres 2003er Albums Heute Wird Gewonnen, Bitte gemerkt. Damals war Deutschpop noch ein Schimpfwort mit dem man niemand hinterm Ofen hätte hervorlocken können, Kettcar und Wir Sind Helden tourten noch in überschaubaren Clubs und Mia wurden noch nicht mit Eiern beworfen weil sie Nationalstolz demonstrierten.
In diesem Klima konnte man damals beobachten wie sich aus der sympathischen Punkband, die, wenn sie früher im örtlichen Jugendzentrum gespielt hatte, schon immer ein bisschen anders gewirkt hatte, plötzlich eine Popgruppe zu formen schien. Die Punkwurzeln waren noch immer deutlich vorhanden, aber der mögliche Kurs gen Kettcar war schon deutllich zu erkennen.

Dann, Ende 2005, das neue Album. Wie erwartet sind die Jungs noch etwas sanfter geworden, ja sogar radiotauglich, und fast die Hälfte des Albums besteht aus Balla... haha, von wegen! Schon ganz zu Beginn erklingt anstatt des vermuteten Die Prinzen-Covers ein musikalischer Arschtritt mit allesnurgeklaut. Es folgt Wecker? Tickt mit den Eröffnungszeilen
"Die Kinder werden weiter gequält, sie kriegen beigebracht was zählt. Meine Generation zum Sterben bereit, die meisten tun mir nicht mal leid."
Klangen Muff Potter jemals angepisster?
Aber diese Platte ist keine 180°-Drehung zum älteren, rauen Sound, allein schon weil sich das Songwriting seitdem zu viel entwickelt hat. Alles Was Ich Brauch ist geradezu erbaulich, eine wunderschöne Pop-Perle, deren Appeal besonders gegen Ende offenbar wird als auf die Zeile "Und dieser Jubel geht auf's Haus" tatsächlich gewaltiger Jubel aus dem Hintergrund ertönt.
Dann aber, das wohl wichtigste Stück deutschsprachige Musik das dieses Jahr veröffentlicht wurde: Punkt 9.

Neue Stimmen und neue Lieder verkünden: wir sind wieder wer
Und man zeigt jetzt wieder Flagge und Fahne, und letzteres sogar gern,
Autarkes Deutschtum auch im Pop, das Wir-Gefühl gibt’s noch on top,
Mit warmen Visionen von Identität [...] wird Geschichte vertauscht, verdreht und umgekehrt. Hysterisch wer sich da beschwert!
All das verkündet Sänger Nagel verächtlich über regelrechte Marschmusik, als hätte man die "Du Bist Deutschland"-Kampagne kommen sehen. Hier will eine Band, die mir ironischerweise vor 2 Jahren noch ein zukünftiger Trendsetter in Sachen deutschsprachiger Pop schien, deutliche Stellung beziehen.

Es fällt mir schwer hier schon aufzuhören da das Album noch so viel Großartiges enthält, aber damit ich hier noch heute fertig werde sei als letztes noch Wenn Dann Das Hier erwähnt, das glaube ich erste Muff Potter Stück über Sex. Und dabei ist es sinnlicher, lyrischer und auch realer als alles was man sonst im Pop vorfinden kann. Hätte mir eigentlich klar sein müssen dass Muff Potter nie wirklich in dieser Ecke landen würden.

Website: www.muffpotter.net
Bester Track: Punkt 9