Meine Joe Strummer Story

Es war der 21.08.1999, kurz vor meinem 19. Geburtstag. Mein erster Besuch auf einem Musikfestival, das 13. Bizarre Festival in Köln-Ossendorf damals. Ich war mit einem Kumpel da, der auf der Hauptbühne Paradise Lost sehen wollte. Was ganz praktisch war, danach sollten Die Fantastischen Vier spielen und so kamen wir früh genug um problemlos in den allervordersten Bereich zu kommen.

Gerade als wir kamen fing dort eine Band namens "Joe Strummer and The Mescaleros" zu spielen an. Meines Wissens nach war das irgend so eine mittelmäßige Multikulti-Reggae-Band die wohl mal irgend einen Radiohit gehabt haben müsste wenn sie jetzt hier auftrat, zwischen der Bloodhound Gang und Paradise Lost. Und ganz wie erwartet, vor einer nicht besonders dicht gepackten Zuschauermenge begannen der irgendwie etwas abgenutzt aussehende schätzungsweise Mittvierziger da vorne und seine Mitspieler (was war das überhaupt für ein Bandname? Wer nennt sich schon "Name plus Band"? Was dachte der Kerl wer er war, Bruce Springsteen?) lockere, ethnisch angehauchte Sommermusik zu spielen. Um uns herum wurden die Joints ausgepackt

Joe Strummer and The Mescaleros, nicht auf dem Bizarre FestivalDann aber kamen mir manche der Lieder irgendwie verdammt bekannt vor. Zu dem Zeitpunkt kannte ich von The Clash kaum mehr als die beiden im Radio oft zu hörenden Should I Stay Or Should I Go und Rock The Cashbah. London Calling (das Album) hatte ich vielleicht dreimal mit einem Ohr gehört, es sollten noch ein paar Monate vergehen bis ich mal richtig hinhören und mich für immer in dieses Album verlieben (und bei einem Blick ins Booklet merken wer Joe Strummer war) würde.
So kam ich damals nur zu der Erkenntnis dass der Typ da vorne ganz uninspiriert Clash-Songs coverte. Na toll, wie lahm war denn das? Wir begannen plötzlich eine gewisse Verachtung für diesen Strummer zu entwickeln, der offensichtlich aus der nostalgischen Erinnerung von ein paar Alt-Punks auf billige Art und Weise Kapital schlug und den diese Deppen um uns herum auch noch toll fanden dafür.
Wir blieben aber trotzdem noch bis zum Schluss, wegen so einem Blödmann gibt man schließlich nicht seinen tollen Platz vor der Bühne auf, und vertrieben uns die Zeit mit der einen oder anderen verächtlichen Bemerkung und Joe Strummer-Witzen.

Und so kam es dass ich einen meiner größten Rockhelden das einzige Mal in meinem Leben live zu sehen bekam, ohne es zu bemerken. Und mich dabei noch über ihn lustig machte.


Gestern vor 3 Jahren starb Joe Strummer an einem Herzinfarkt. He will rest with the gods of rock.


Spreeblick hat schon gestern Tribut gezollt

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